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644
Politik und Weltgeschehen
- Uthman ibn Affan, ein Schwiegersohn Mohammeds wird, nach der Ermordung seines Vorgängers Umar ibn al-Chattab, in Medina zum dritten Kalifen der Muslime gewählt (siehe auch Kalifat)
- Oswine wird König von Deira.
- Yazid I., zweiter Kalif der Umayyaden († 683)
- 10. Oktober - Paulinus von York, erster Bischof von York
- 3. November - Kalif Umar ibn al-Chattab ( - 592), durch einen persischen Sklaven ermordet
ko:644년
Kategorie:644
Mohammed (Prophet)
Mohammed, (, mit vollem Namen Muhammad ibn Abd Allah ibn Abd al-Muttalib ibn Haschim ibn Abd Manaf al-Qurayschi) geb. gegen 571 in Mekka, gest. 632 in Medina ist der Stifter der islamischen Religion und wird von den Muslimen als das Siegel der Propheten angesehen.
Muslime setzen und sprechen hinter den Namen Mohammeds die Eulogie «Gott segne ihn und schenke ihm Heil!» (siehe Islamische Eulogien).
Leben
Es gibt so gut wie keine unabhängigen zeitgenössischen Quellen zu Mohammeds Leben und Wirken; auch der Koran wurde erst etwas zwanzig Jahre nach seinem Tod schriftlich fixiert. Aus Sicht eines Historikers ist also zu bedenken, dass fast alles, was über das Leben des Propheten berichtet wird, aus parteiischen Quellen stammt, die ihn entweder als Verkünder einer göttlichen Wahrheit preisen oder als "Verführer" ablehnen. Die folgende Darstellung folgt im wesentlichen der islamischen Tradition.
Kindheit
Mohammed wurde in der arabischen Stadt Mekka als verarmtes Familienmitglied der Haschemiten aus dem bedeutenden vorherrschenden Stamm der Quraisch (Quraysh) im so genannten Jahr des Elefanten nach dem Tod seines Vaters Abdullah geboren. Viele Muslime feiern Mohammeds Geburtstag - nach dem islamischen Mondkalender - am 12. Rabi' al-Awwal. In westlichen Quellen findet man häufig das Datum 20. April 571. Tatsache bleibt jedoch, daß die genauen Geburts- und Todesdaten unbekannt sind.
Im Alter von sechs Jahren verlor er seine Mutter Amina und wurde dann von seiner Pflegemutter (Halima) betreut, bis diese ebenfalls starb. Anschließend lebte er bei seinem Großvater Abd al-Muttalib. Nach dem Tod seines Großvaters kam Mohammed unter den Schutz seines Onkels Abu Talib (jüngerer Bruder seines Vaters) und seiner Cousins (u. a. Ali bin Abu Talib --> später Kalif).
In jungen Jahren arbeitete er als Schafhirte, später nahm er angeblich an zwei Reisen der Handelskarawanen in den Norden (Syrien) teil. Die ersten Kontakte zu anderen - monotheistischen - Religionsgemeinschaften, Juden und Christen, fanden wohl schon in diesem Zeitraum, vor seiner Berufung zum Propheten, statt. Einer Legende zufolge, die später in der islamischen Prophetenbiographie überliefert wurde, soll er auf einer Handelsreise in den Norden dem Mönch Bahira begegnet sein, der in einer Traumvision Mohammed mit einem Heiligenschein gesehen haben will. Eine andere Variante dieser Legende besagt, daß ein Mönch das Siegel des Prophetentums zwischen Mohammeds Schultern gesehen habe, als sich dieser auf einer Handlungsreise in Syrien befand. Die Berichte über seine Handelsreisen dienen wahrscheinlich als „Rahmengeschichten“ für diese Voraussagen über seine spätere Prophetie.
Mannesalter
Gegen 595 bot ihm seine damalige Arbeitgeberin, die 15 Jahre ältere zweifache Kaufmannswitwe Chadidscha bint Chuwailid (555(?)-619) aus dem angesehenen quraischitischen Geschlecht 'Abd al-'Uzza, die Heirat an. Mit ihrer Hilfe erlangte Mohammed seine finanzielle Unabhängigkeit und soziale Sicherheit, eine Wende in seinem Leben, die in der Sure 93 ihre Spuren hinterließ. Sie war die erste Person, die an Mohammeds Botschaft geglaubt hat; die islamische Geschichtsschreibung betrachtet sie daher als die erste Muslimin in Mekka. Aus ihrer Ehe mit Mohammed ging u.a. seine Tochter Fatima hervor, die als einziges seiner Kinder selbst Nachkommen hatte. Von ihr stammen alle Nachfahren Mohammeds ab. In der Beschreibung der ersten Offenbarungen durch die islamischen Biographen, wie Ibn Ishaq, werden Chadidscha, ferner Ali ibn Abi Talib und Abu Bakr als die ersten Anhänger Mohammeds genannt.
Die mekkanische Periode der Prophetie
Die wichtigsten Quellen über Mohammeds Prophetie sind, neben dem Koran als historische Quelle, die zunächst mündlich dann - gegen Ende des ersten islamischen Jahrhunderts - schriftlich überlieferte Prophetenbiographie, die dann auch in der annalistischen Weltgeschichte (z.B. von at-Tabari) verarbeitet wurde, die alte Poesie und schließlich die Traditionsliteratur (Hadith), in der neben einem gewissen authentischen Kern auch die Vorstellungen der Folgegenerationen über Mohammeds Gestalt zum Ausdruck kommen.
Gegen 610 soll ihm der Erzengel Gabriel (arabisch Dschibril) erschienen sein, der ihm befahl: „Trag vor im Namen deines Herrn, der erschaffen hat, den Menschen aus einem Embryo (Blutklumpen) erschaffen hat! Trag vor...!“ (Anfang der Sure 96). In der Biographie heißt dann dazu, Mohammed habe erwidert: „Ich kann nicht vortragen/rezitieren“. Diese und andere Koranverse in den Suren 93 und 74 stellen die Anfänge der Offenbarungen und somit den Anfang von Mohammeds Prophetie dar. Mohammed wird um jene Zeit zwischen 35-40 Jahre alt gewesen sein; dafür spricht ein Koranvers, in dem er mit den Polytheisten polemisierend sagt:
:::„Wenn Gott gewollt hätte, hätte ich ihn (d.h. den Koran) euch nicht vorgetragen und er hätte euch nicht davon Kenntnis gegeben. Ich habe doch ein Leben lang ('umr) unter euch verweilt, noch ehe er (d.h. der Koran) da war" (Sure 10, Vers 16).
Unter dem hier verwendeten Begriff umr versteht man eine Zeitspanne von 35-40 Jahren. Man geht daher meist davon aus, dass Mohammed um 610 mit seiner Tätigkeit als Prophet begann.
Die ältesten Berichte über die mekkanische Periode der Prophetie, die einen authentischen, historischen Kern haben, die Überlieferungen von al-Zuhrî (gest.742) und von 'Urwa ibn al-Zubair (gest. gegen 712), informieren uns über die Anfänge des Islams in Mekka: die ersten Anhänger waren junge Menschen (ahdâth ar-ridschâl) und sozial schwache (du'afâ' an-nâs). Selbst Mohammed kam aus einem vearmten Zweig der Banu Haschim, eine Tatsache, die auch im Koran ihre Bestätigung findet, wo man die mekkanische Opposition wie folgt sprechen läßt:
::: "Und sie (die mekkanische Opposition) sagten: warum ist dieser Koran nicht auf einen mächtigen Mann von den beiden Städten (d.i. Mekka und Ta'if) herabgesandt worden? Verteilen etwa sie die Barmherzigkeit deines Herrn...?
(Sure 43, Vers 31-32).
Anfangs, bis etwa 614, haben die einflußreichen Vertreter der Quraisch keine Einwände gegen Mohammeds Lehren gehabt, die er sowohl öffentlich als auch insgeheim (sirran) verbreitete. Erst als er den Götzenkult und den Polytheismus der Vorfahren angriff, bildete sich eine starke Opposition gegen Mohammed und seine Anhänger. Dies äußerte sich in einer Reihe von gewalttätigen Übergriffen auf Neukonvertierte, wie auch die Person Muhammads selbst. Im späteren Verlauf der Ereignisse versuchten die Mekkaner den Muslimen durch einen Handelsboykott die Existenzgrundlage zu entziehen. Somit waren die öffentlichen Auftritte Mohammeds in Mekka beendet: er erhielt - nach den arabischen Stammesgesetzen - im Haus des Arqam ibn Abi 'l-Arqam in Mekka Schutz (um 614) und befahl einem Teil seiner Anhänger, nach Abessinien, damals Handelsplatz der Mekkaner, auszuwandern (um 615). Die Historiographie klassifiziert die ersten Muslime der mekkanischen Periode nach diesen Ereignissen: Muslime, die sich vor Mohammeds Einzug in das Haus von Arqam bekehrten, Muslime, die während Mohammeds Aufenthalt in jenem Haus den Islam annahmen und die "Auswanderer" nach Abessinien.
Die Zeit zwischen 616-622 in Mekka ist historisch nur in ihren Konturen rekonstruierbar, denn die überwiegend widersprüchlichen Berichte der ältesten Historiographen nur teilweise mit der angenommenen Chronologie der mekkanischen Offenbarungen in der Koranexegese (tafsir) in Einklang zu bringen sind.Der Inhalt der mekkanischen Suren läßt darauf schließen, daß Mohammed sich zunächst als "Warner" (nadhir - arab. نذير ) seines Volkes verstand, vieles am religiösen status quo in Mekka duldete und einfache, für alle nachvollziehbare religiöse Pflichten einzuführen versuchte:
::: "Mir wird nur eingegeben, daß ich (nur) ein deutlicher Warner sei" (Sure 38, Vers 70).
::: "Selig sind die Gläubigen, die in ihrem Gebet demütig sind, dem Gerede kein Gehör schenken, die Almosensteuer entrichten und sich des Geschlechtsverkehrs enthalten, außer gegenüber ihren Gattinen..." (Sure 23, Vers 1-6).
Sein offenes Auftreten gegen den Götzenkult in Mekka trotz Anerkennung des höchsten Heiligtums auf der Arabischen Halbinsel - al-Ka'aba - , seine gescheiterte Annäherung an die Bewohner der Stadt Ta'if, die Unterdrückung seiner Anhänger in Mekka, nicht zuletzt aber der Tod seines Beschützers Abu Talib und seiner Frau Chadidscha (gegen 619) waren die Gründe für die Aufnahme von Kontakten mit den Bewohnern von Yathrib als Vorbereitungsphase der Hidschra. Einflußreiche Bürger von Yathrib, das später al-Madina (eig. madinat al-nabiy = die Stadt des Propheten)heißen sollte, haben Mohammed und seinen Anhängern nach den damals geltenden Stammesgesetzen Schutz und Sicherheit in Yathrib zugesagt und zwischen 621-622 vertraglich festgelegt. Schon in der Retrospektive wird die Auswanderung nach Yathrib in einigen medinensischen Koranversen geschildert:
::: "Wenn ihr ihm (dem Propheten) keinen Beistand leistet, Gott hat ihm schon (früher) Beistand geleistet, als die Ungläubigen ihn zu zweit (aus Mekka) vertrieben, als die beiden in der Höhle waren und als er (der Prophet)zu seinem Gefährten sagte: 'sei nicht traurig, denn Gott ist mit uns' " (Sure 9, Vers 40).
Dies ist eine klare Anspielung auf die Hidschra Mohammeds mit seinem Gefährten Abu Bakr; Einzelheiten darüber liefert später die Prophetenbiographie. Mohammeds Botschaft in Mekka scheiterte nicht nur an der Übermacht der Polytheisten sondern auch am Verlust einer ausbaufähigen sozialen Basis in einflußreichen Kreisen der Stadt. Seine Ankunft in Quba', in der Nähe von Medina, wird - rückwirkend - auf den 12 Rabi' I. des ersten muslimischen Mondjahres, auf den 24. September 622 datiert.
Die Eingebungen, die Mohammed wahrnahm, waren oft mit körperlichen Beschwerden verbunden. Frösteln und Schaudern sind überliefert. Daher ließ er sich gewöhnlich einen Schleier oder einen Mantel reichen (Koran, Suren 73f). Die Menschen hörten ihn - so in einigen Berichten der Prophetenbiographie und der Hadith -Literatur - dann stöhnen, röcheln aber auch schreien. Danach war er schweißgebadet und litt an Kopfschmerzen. Manchmal sah er auch Engel in Menschengestalt. Die Umsetzung des Gehörten in logische Sätze kostete ihm dann viel Mühe. Der Koran empfiehlt darum dem Propheten, nicht ungeduldig zu werden und „nicht die Zunge zu rühren, um die Artikulation zu beschleunigen“ (Koran, Sure 75,16). Denn er hatte Angst davor - wie darüber die Hadith-Literatur mehrfach berichtet, den Anfang der Offenbarung zu vergessen, bevor diese zu Ende ging.
Die medinensische Periode der Prophetie
Yathrib, nach dem arabischen Sprachgebrauch nunmehr al-Madina, hatte zum Zeitpunkt der Hidschra andere Gesellschaftsstrukturen als Mekka. Die Bevölkerung setzte sich aus rivalisierenden Stämmen und Unterstämmen der Aus und Khazradsch zusammen. Ebenso gab es mehrere jüdischen Sippen, unter ihnen waren die Banu n-Nadir, Qurayza und Qaynuqa' die einflußreichsten. Ferner hatte die Stadt auch Bewohner, die schon vor der Hidschra Muslime geworden waren. Die medinensischen Anhänger nannte man die "Helfer" / "Unterstützer" (al-Ansar). Hinzu kamen die mekkanischen Anhänger Mohammeds, die "Auswanderer" (Muhadschirun). Weitere jüdische Siedlungen gab es nördlich von Medina bei Khaibar.
Schon aus eigenem Interesse war es Mohammeds Aufgabe, alle Stämme und Unterstämme der Aus und Khazradsch, ferner die Juden und die Auswanderer aus Mekka in einer einzigen Gemeinschaft (Umma) zusammenfassen. Hierfür diente der sog. "Vertrag von Medina", der im Wortlaut in der Prophetenbiographie des Ibn Ishaq erhalten ist und dessen Authentizität von der Islamwissenschaft - trotz Datierungsproblemen - nicht angezweifelt wird. Nicht nur allen namentlich angeführten Vertretern von Islam und Judentum stehen die gleichen Rechte und Pflichten zu, sondern auch die Religionen werden anerkannt; die Juden bilden eine Umma mit den Gläubigen (d.h. den Muslimen): „Die Juden haben ihre Religion (din) und die Muslime ihre Religion“. Die Ansar und Muhadschirun genießen untereinander Gleichstellung. Mohammed definiert in diesem Vertrag auch seine Position deutlich: er ist „der Gesandte Gottes“ und „der Prophet“, nennt sich aber auch mit seinem Namen einfach „Mohammed“, der bei Streitigkeiten zu Rat gezogen wird. Hier zeichnen sich die theokratischen Züge der medinensischen Umma ab. Die erwähnten Stämme und Sippen gewähren untereinander Schutz; die Täler um Yathrib sind für alle Vertragspartner heiliges Gebiet. Ausdrücklich ausgeschlossen sind aus dem Vertrag die Polytheisten (al-muschrikun).
Eine konsequente Abgrenzung von den „Schriftbesitzern“ (ahl al-kitâb) ist ursprünglich nicht die Absicht Mohammeds gewesen; denn die im oben erwähnten „Vertrag von Medina“ artikulierte Anerkennung der Religion des Anderen begegnet uns schon in der in Mekka offenbarten Sure 109 ("Die Ungläubigen):
:::Ihr Ungläubigen! Ich verehre nicht, was ihr verehrt (....) ihr habt eure Religion, und ich die meine".
Historisch betrachtet waren die Adressaten in jener Zeit der Prophetie die Polytheisten von Mekka, die Götzendiener, gegen die Mohammed schon in Mekka ins Feld zog. In Medina änderte sich die Situation - zunächst - schlagartig. Mohammed war bestrebt, einiges aus dem Ritual der Juden zu sanktionieren genauso, wie er es verstanden hat, vorislamische Riten in die Wallfahrtszeremonien zu integrieren; in Sure 2,Vers 158 heißt es:
:::as-Safa und al-Marwa gehören zu den Kultsymbolen Gottes...es ist für ihn (den Pilger) keine Sünde, bei ihnen den Umgang zu machen" .
An dieser Stelle tut sich die Koranexegese (tafsir) etwas schwer, denn an den genannten Orten standen in der vorislamischen Zeit zwei Götzen: Isaf und Na'ila, um die man den Umgang (tawaf) zu machen pflegte.
In Medina kam das Fasten am 'Aschurafest der Juden, nach dem islamischen Kalender am 10. Muharram, hinzu; an diesem Tag fastete man, nach dem jüdischen Brauch, von Sonnenuntergang bis zum nächsten Sonnenuntergang und nicht, wie im Ramadan, nur den Tag über. Ob die Verlegung der Gebetsrichtung (qibla) nach Jerusalem auf jüdisches Vorbild zurückgeht, ist indes fraglich, denn auch die Christen der Ostkirche beteten in diese Richtung.
Militärische Aktivitäten (ghazawât) Mohammeds und seiner Anhänger
Die Verbreitung der neuen Religion wurde entscheidend durch die Schwäche der beiden spätantiken Großmächte Ostrom und Persien begünstigt, die in den Jahrhunderten zuvor die Araber politisch und militärisch kontrolliert hatten, nun aber durch jahrzehntelange Kriege gegeneinander abgelenkt und angreifbar waren und die Ereignisse in Arabien erst bemerkten, als es für sie bereits zu spät war.
Die historischen Ereignisse, die politischen Aktivitäten der zunächst kleinen medinensischen Gemeinschaft der Muslime, finden im Koran meist in Form von Anspielungen ihre Bestätigung. Es sind dies die Feldzüge des Propheten gegen die Mekkaner, wie die Schlacht bei Badr im Jahre 624; dazu heißt es inhaltsreich im Koran, Sure 3,123:
::: Gott hat euch doch in Badr zu Sieg verholfen, während ihr ein bescheidener, unscheinbarer Haufe waret...
Über die gegen die Mekkaner verlorene Schlacht bei Uhud im Jahre 625 sind lange moralisch belehrende Verse offenbart worden; in Sure 3, 172 heißt es u.a.:
:::Denen, die, nachdem sie die Schlappe erlitten hatten, auf Gott und den Gesandten hörten, steht – soweit sie rechtschaffen und gottesfürchtig waren – gewaltiger Lohn (im Jenseits) zu...
Die Expedition in den Norden nach Tabuk bis an Südgrenze des byzantinischen Reiches, die unentschieden endete, hat in den oft zitierten Versen der Sure 9 (al-tauba) als Kriegserklärung an die nichtmuslimische Außenwelt ihren Niederschlag gefunden:
::: Kämpft gegen diejenigen, die nicht an Gott und den jüngsten Tag glauben und nicht verbieten, was Gott und sein Gesandter verboten haben, und nicht der wahren Religion angehören – von denen, die die Schrift erhalten haben – kämpft gegen sie bis sie kleinlaut aus der Hand Tribut entrichten!(Sure 9, 29 mit anschließender Polemik gegen die Juden und Christen).
Im Jahre 6 nach der Auswanderung nach Medina kam es zu den ersten Kontakten Mohammeds mit Vertretern der Quraisch aus Mekka; im März 628 trat der Prophet mit seinen Anhängern die Reise nach Mekka an, um dort die kleine Pilgerfahrt ('umra) zu vollziehen, woran ihn aber die Mekkaner zu hindern wußten und einen bedeutsamen Vertrag mit ihm in der Nähe der Grenzen des heiligen Bezirkes von Mekka, bei al-Hudaibiya, aushandelten. Der Vertrag enthielt fünf wesentliche Punkte: a) Waffenstillstand für zehn, nach anderen Berichten für zwei, Jahre; b) Sicherheit für die Muslime, die in der Zukunft die Pilgerfahrt vollziehen wollen oder sich auf den Handelswegen in den Süden befinden; c) Sicherheitsgarantie Mohammeds für die Quraisch auf ihren Handelswegen in den Norden; d) Auslieferung derjenigen Muslime an die Mekkaner, die ohne Erlaubnis ihrer Schutzpatrone nach Medina fliehen sollten; e) Verzicht auf die kleine Pilgerfahrt im Jahr des Vertragsabschlusses, mit Garantie der Pilgerfahrt im darauf folgenden Jahr.
Durch diesen Vertrag haben die Quraisch von Mekka Mohammed als vollwertigen Verhandlungspartner, allerdings nicht als Propheten anerkannt. Die überlieferte Urkunde trägt den Namen Muhammed b. 'Abdallah und enthält keine islamischen Formeln. Allerdings sorgte die Bereitschaft Mohammeds, alle muslimischen Flüchtlinge nach Medina an die Mekkaner auszuliefern, für Unruhen. Der Rückzug Mohammeds und sein Verzicht, die 'Umra zu vollziehen, war ein weiterer Grund für Unzufriedenheit in den Reihen seiner Anhänger. Die gesamte Sure 48 behandelt diese historischen Ereignisse; hier spricht die Offenbarung von einem klaren Sieg (fath) der Muslime, der nicht nur als Mohammeds diplomatischer Erfolg bei al-Hudaibiya verstanden wird, sondern auch auf die darauf folgende Eroberung der Oase von Khaibar, der Vertreibung der jüdischen Banu al-Nadir (Mai-Juni 628) und der Verteilung der Beute unter den seit al-Hudaibiya unzufriedenen Muslimen Bezug nimmt. Am Ende dieser Sure wird Mohammeds Position klarer als je zuvor formuliert:
::: Mohammed ist der Gesandte Gottes. Und diejenigen, die mit ihm sind, sind den Ungläubigen gegenüber heftig, unter sich aber mitfühlend... (Sure 48,Vers 29).
Die Grundlagen für die Eroberung Mekkas zwei Jahre später sind bereits bei al-Hudaibiya gelegt worden. Den wohlhabenden Juden von Khaibar und ihren arabischen Verbündeten hat Mohammed zwar erlaubt, die von den Muslimen in Besitz genommene Oase weiterhin zu kultivieren, jedoch ist ihnen auferlegt worden, die Hälfte der Ernte den rund 1.600 Muslimen, die an der Expedition beteilgt waren, abzugeben. Mohammeds Anteil war 1/5 der Gesamtbeute. Da die von Mohammed vorgeschriebenen Auflagen, die der politischen und wirtschaftlichen Entmachtung der jüdischen Gruppen in und um Khaibar gleichkam, nicht erfüllt worden sind, kam es zu ihrer endgültigen Vertreibung aus der Region. Die Vertreibung aller Juden aus dem Hidschas (Higaz) war dann eine der zentralen Aufgaben des zweiten Kalifen Umar.
Umar
632 starb Mohammed in den Armen seiner Lieblingsfrau Aischa zu Medina und wurde dort auch begraben; seine Grabstätte ist bis heute erhalten. In den 23 bis 24 Jahren seiner Herrschaft vereinigte er den Großteil der arabischen Halbinsel, welche bis dahin in viele verschiedene räuberische Stämme gespalten und zerstritten war.
Die Eroberungskriege der Muslime im Namen Allahs und Mohammeds gingen auch nach dem Tod ihres prophetischen Heerführers unvermindert weiter: Ihre Reiterkrieger überrannten 635 Syrien, 636 wurden die Perser in den Schlachten von Kadesia und Nehawend geschlagen, 638 war Palästina (Schlacht am Jarmuk) in ihren Händen und 642 Ägypten.
Die Nachfolge Mohammeds
Nach seinem Tod wurde Abu Bakr als erster Kalif von den Muslimen gewählt, deren Reich durch militärische Eroberungen zu diesem Zeitpunkt große Teile der arabischen Halbinsel umfasst.
Siehe auch: Geschichte des Islam
Mohammeds Familie
Nach dem Koran wurde es Mohammed ausdrücklich erlaubt, mehr als die sonst im Islam maximal gestatteten vier Ehen einzugehen. In Sure 33,50 steht: „Prophet! Wir haben dir zur Ehe erlaubt all deine Gattinnen, denen du ihre Morgengabe gegeben hast; was du (Anm.: an Sklavinnen) besitzt, (ein Besitz, der) dir von Gott zugewiesen worden ist; die Töchter deines Onkels und deiner Tanten väterlicherseits und deines Onkels und deiner Tanten mütterlicherseits, die mit dir ausgewandert sind; (weiter) eine gläubige Frau, wenn sie sich dem Propheten schenkt und er sie heiraten will. Das gilt in Sonderheit für dich im Gegensatz zu den (anderen) Gläubigen. Wir wissen wohl, was wir ihnen hinsichtlich ihrer Gattinnen und ihres Besitzes (an Sklavinnen) zur Pflicht gemacht haben."
Einige Frauen heiratete Mohammed als Witwen, um deren Versorgung sicherzustellen; andere Heiraten dienten der Festigung politischer Bindungen und der Verbreitung des Islams. Er hatte zwölf Frauen. Den Überlieferungen nach, waren Aischa und an zweiter Stelle Zainab seine Lieblingsfrauen. Aischa war sieben Jahre alt, als sie mit Mohammed verlobt, und neun Jahre alt, als sie mit ihm verheiratet wurde. Die Heirat mit Aischa und mit der bereits verheirateten Zainab fallen aus dem Rahmen der üblichen Ehen Mohammeds. Die Frauen Mohammeds werden von Muslimen - mit Ausnahme der christlichen Sklavin Maria Mariam - die „Mütter der Gläubigen“ genannt.
Siehe auch: Familie Mohammeds
Mohammed und die Schriftbesitzer
Anfangs stand Mohammed sowohl den Juden als auch den Christen wohlwollend gegenüber und erwartete, dass sie sich ihm anschließen würden. Viele Koranverse bestätigen dagegen, dass die "Schriftbesitzer" (ahl al-kitâb) die Botschaft des arabischen Propheten ablehnten. Diese Koranverse, die man "Provokationsverse ("âyât at-tahaddî") nennt, enthalten sowohl die Einwände der Gegner als auch Mohammeds Antworten. Der entscheidende Vorwurf des Propheten war, Juden und Christen haben ihre Schriften verfälscht,ihre Inhalte abgeändert; somit ist er, Mohammed,der Verkünder der einzig wahren monotheistischen Religion Abrahams.
Nach seinem Selbstverstädnis war Mohammed somit nicht nur der Prophet einer neuen Religion, sondern der Reformator des abrahamschen Monotheismus:
:Und sie (d.h. die Schriftbesitzer) sagen: 'Ihr müsst Juden oder Christen sein, dann seid ihr rechtgeleitet' . Sag: Nein!(es gibt nur) die Religion Abrahams, eines Hanifen - er war kein Heide. (Sure 2, Vers 135).
:Abraham war weder Jude noch Christ. Er war ein Gott ergebener Hanif, und kein Heide. (Sure 3,Vers 67).
In der Moderne gibt díe arabische Ausdrucksweise "musliman hanifan" (arab.مسلما حنيفا ) des letztgenannten Verses Anlaß zu kontroverser Auslegung, und man übersetzt die Stelle mit "Er war Muslim und Hanif" (d.h.ein Gott suchender Mensch). Dies impliziert dann aber auch, so die Schlußfolgerung, Abraham sei der erste Muslim gewesen, eine Interpretation, die die klassische Koranexegese (Tafsir) allerdings nicht bestätigt. (Selbst die Ka'ba im Zentrum des mekkanischen Heiligtums geht nach Mohammeds Lehre auf Ibrahim / Abraham und dessen Sohn Isma'il zurück, nur sei sie durch die Polytheisten und Götzendienern schon früh - in einer historisch nicht belegbaren Epoche - entweiht worden.) Mohammed sah seine Aufgabe gerade darin, den alten, ursprünglichen und reinen Zustand des Monotheismus nach Abraham wieder herzustellen. Die Ausgrenzung der anderen Religionsgemeinschaften, Christen und Juden, war somit vorprogrammiert:
:Ihr Gläubigen! Nehmt euch nicht die Juden und Christen zu Freunden! Sie sind untereinander Freunde. Wenn einer von euch sich ihnen anschließt, gehört er zu ihnen (Sure, 5,Vers 51).
:Ihr Gläubigen! Nehmt euch nicht diejenigen, die mit eurer Religion ihren Spott und ihr Spiel treiben, aus dem Kreis derer, die vor euch die Schrift erhalten haben und (auch nicht) die Ungläubigen zu Freunden! (Sure 5, Vers 57).
Die konsequente Beseitigung der jüdischen Siedlungen in und um Medina war politisch- religiöses Programm: die Banu -n-Nadir sind vertrieben und ihre Palmenbestände vernichtet, die Männer der Banu Quraiza sind hingerichtet, ihre Frauen, Kinder und ihr Besitz unter den Muslimen aufgeteilt worden; Mohammed selbst bekam aus der Beute eine Frau namens Rayhana, die er als Konkubine heiratete. Die Banu Qainuqa' verließen Medina und wanderten nach Syrien aus.Diese historischen Ereignisse führten dann zu der heute noch gültigen, in einem Spruch des Propheten begründeten Rechtsnorm im Islam: es gibt keine Koexistenz zweier Religionen auf der Arabischen Halbinsel (arab.لا يجتمع دينان في جزيرة العرب ).
Die letzten Worte Mohammeds vor seinem Tod verzeichnet die Hadithliteratur - u.a. al-Bukhari und Malik ibn Anas - wie folgt: "Möge Gott die Juden und Christen bekämpfen! Sie haben die Gräber ihrer Propheten in Moscheen umgewandelt.Zwei Religionen werden im Land der Araber wahrlich keine Bleibe finden" . Somit war das Schicksal der Anhänger der Buchreligionen besiegelt.
Mohammeds Darstellung in christlichen Chroniken der Frühzeit
Die wohl älteste Quelle, in der Muhammed genannt wird, geht auf die syrische Chronik von Thomas dem Presbyter, der gegen 640 geschrieben hat, zurück:
::: am 4. Februar 634 am frühen Morgen fand ein Kampf zwischen den Byzantinern und den Arabern Mohammeds statt.
Diese Stelle, wie auch andere, wird in der Forschung dahingehend interpretiert, daß Mohammed bereits kurz nach seinem Tode, aber wohl auch schon zu seinen Lebzeiten, als militärischer Führer dargestellt wurde. In
der Geschichte von Armenien eines Anonymus, die man allgemein einem Bischof von Sebeos zuschreibt, wird die Lehre Mohammeds im Zusammenhang mit dem Sieg des Umayyaden-Kalifen Mu'awiya im ersten Bürgerkrieg (656-661) wie folgt beschrieben:
::: Ihr seid die Söhne Abrahams und Gott will durch euch sein Versprechen, das er Abraham und seiner Nachwelt gegeben hatte, verwirklichen. Liebe den Gott Abrahams, gehe hinaus und nimm das Land in Besitz, das Gott deinem Vater Abraham gegeben hatte, denn niemand wird imstande sein, dir im Kampf zu widerstehen, denn Gott ist mit dir.
In der Chronica minora III., im Corpus Scriptorum Christianorum Orientalium, wird der arabische Prophet ebenfalls als militärischer Führer verstanden:
::: im Jahre 940 des Alexander (d.i.628-629) betraten Heraclius und die Byzantiner Konstantinopel. Muhammed und die Araber brachen vom Süden auf und betraten das Land und unterwarfen es.
Auch hier kommt es klar zum Ausdruck, daß Mohammed diese Eroberungszüge veranlaßt und zum Teil selbst geführt hatte. Daß Mohammed sich als Erneuerer des abrahamschen Monotheismus verstand, bestätigen auch die frühesten christlichen Chroniken aus der Mitte des 7. Jahrhunderts. Sie führen im einzelnen auch aus, daß es Mohammed war, der die Araber vom Götzenkult zum Monotheismus führte und den Arabern neue Gesetze gab. Johannes bar Penkaye, ein Mönch in Nordmesopotamien, der nach eigener Auskunft im 67. Jahr der Herrschaft der Araber (d.i.686-687)schrieb, berichtet:
::: Sie (die Araber) halten an der Tradition Mohammeds so stark fest, daß sie jeden, der seine (Mohammeds)Gesetze mißachtet, mit dem Tode bestrafen.
In der Chronik von Zuqnin, im Corpus Scriptorum Christianorum Orientalium, heißt es zu Beginn der Darstellung des Islam:
::: Da er (Mohammed) ihnen (den Arabern) den einzigen Gott beschrieb und sie (die Araber) unter seiner Führung die Byzantiner besiegten und da er ihnen Gesetze gemäß ihren Wünschen gab, nennen sie ihn "Prophet" (nbîyâ) und "Gesandter" (rasùlâ) Gottes.
Literatur
- Hartmut Bobzin: Mohammed. 2. Auflage. Beck, München 2002, ISBN 3-406-44744-9
- Michael A. Cook: Muhammad. Neuauflage. Oxford University Press, Oxford 1996, ISBN 0-192-87605-8 (auf Englisch)
- Ali Dashti: 23 Jahre. Die Karriere des Propheten Mohammed. 2.Auflage. Alibri, Aschaffenburg 2003, ISBN 3-932710-80-0
- Muhammad Ibn Ishaq: Das Leben des Propheten - As-Sira An-Nabawiya. Spohr, Kandern im Schwarzwald 1999, ISBN 3-927606-22-7
- A. Guillaume (Übers.): The Life of Muhammad. A translation of Ibn Ishaq's Sirat Rasul Allah. Oxford University Press.1955.
- Günter Kettermann: Atlas zur Geschichte des Islam. Primus-Verlag, Darmstadt 2001, ISBN 3-89678-194-4
- Martin Lings: Muhammad. Sein Leben nach den frühesten Quellen. Spohr, Kandern im Schwarzwald 2000, ISBN 3-927606-24-3
- Harald Motzki (Hrsg.): The Biographiy of th Muhammad. The issue of the Sources.. Brill. Leiden 2000. ISBN 90-04-11513-7
- Uri Rubin (ed.): The Life of Muhammad. The Formation of the Classical Islamic World. Volume 4. Ashgate Variorum. ISBN 0-86078-703-6
- Uri Rubin: The Life of Muhammad and the Qur'ân: The case of Muhammad's Hijra. In: Jerusalem Studies in Arabic and Islam. Bd. 28 (2003). S.40-64.
- Miklos Muranyi:Die Auslieferungsklausel des Vertrages von al-Hudaibiya und ihre Folgen. In: Arabica 23 (1976), 275-295.
- Arent Jan Wensinck:Muhammad and the Jews of Medina. Berlin 1982. ISBN: 3-9800467-4-5
- Corpus Scriptorum Christianorum Orientalium. Paris 1903-
- Hazrat M. B. Ahmad: Das Leben des Heiligen Propheten Mohammad. Verlag der Islam, 1994, ISBN 3-921458-92-7 (eine Biographie Mohammeds aus der Sicht der Ahmadiya-Sekte).
Weblinks
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Kategorie:Geschichte des Islam
ja:ムハンマド・イブン=アブドゥッラーフ
ko:무함마드
ms:Nabi Muhammad s.a.w.
simple:Muhammad
th:มุฮัมมัด
Umar ibn al-ChattabUmar ibn al-Chattab bzw. Omar ibn al-Khattab ( - 592; † 3. November 644) war der zweite "rechtgeleitete" Kalif der Sunniten (634-644).
Umar wurde 592 in Mekka geboren. Am Anfang war er ein erbitterter Feind der Muslime und Muhammads. Jedoch wurde er später von seiner Schwester zum Islam bekehrt und schloss sich von nun an dem Propheten Muhammad an. Nach dem Tod von Abu Bakr (634) und seiner Ernennung zum Kalifen stieg das Kalifat in wenigen Jahren zur Großmacht im Nahen Osten auf. So wurden Palästina (634) und Ägypten (639-642) unter Amr ibn al-As, Syrien unter al-Walid und der Irak unter al-Waqqas (636) erobert. 636 gelangen den Muslimen am Yarmuk in Syrien und bei Qadisiyya im Irak entscheidende Siege über die Byzantiner bzw. Perser. Um 640 wurde mit Istachr die Residenz der Sassaniden von den Muslimen erobert und zerstört. Mit dem Sieg über die Perser bei Nehawend in Medien (642) brach das Reich der Sassaniden im Iran endgültig zusammen. Byzanz konnte sich aber nach dem Verlust von Syrien und Ägypten in Anatolien gegen die weiteren Angriffe der Muslime behaupten.
Diese gewaltigen Eroberungen, die oft durch den Abschluss von Verträgen mit der unterworfenen Bevölkerung erleichtert wurden, machten bald Regelungen über die Organisation und Verwaltung des Reiches notwendig. Auf der Tagung von al-Gabiya legte Umar deshalb mit den Heerführern die Organisation des Reiches und die Verteilung der Kriegsbeute fest. Ebenfalls wurde der Beginn der islamischen Zeitrechnung auf die Hedschra (622) gelegt.
Nach den vielen Überlieferungen über Umar ist das Bild eines sehr gerechten Kalifen entstanden. Er soll sich immer wieder für das Recht der schwächeren Bürgern gesetzt und Gleichheit der Bürgern gefordert haben. Im Gedächtnis der Muslime gibt es zahlreiche Geschichten über die Gerechtigkeit Umar's. So hat er beispielsweise von seinen Herrführern verlangt, dass sie mit und wie die Soldaten sitzten sollen und sich nicht auf weichen Kissen lehnen. Als er einmal kurz nach dem Sterben eines Freundes in desen Haus war, hat er von den andern anwesenden verlangt, dass sie die Kerzen auslöschen, weil diese nun Besitz der kleinen Kindern des verstorbenen sind und nicht verschwendet werden sollen. Oft berichteten Gesandte der Könige überrascht, dass Umar trotz der gewaltigen Ausbreitung des Reiches in einem bescheidenen Haus wohnt.
Umar wurde 644 von einem persischen Sklaven in Medina ermordet. Zum neuen Kalifen wurde Uthman ibn Affan gewählt.
Wie sein Vorgänger Abu Bakr, wird auch Omar von den Schiiten nicht als Kalif anerkannt. Die offene Feindschaft zwischen Umar und Muhammads Tochter Fatima (schiitischen Überlieferungen zufolge wurde die schwangere Fatima von Umar ermordet) war der Anfang der Aufspaltung des Islam in die zwei Hauptkonfessionen: Schiiten und Sunniten.
Siehe auch: Geschichte des Islams, Islamische Expansion, Kalifat, Geschichte Persiens
Literatur
- Ulrich Haarmann: Geschichte der Arabischen Welt. 4. Auflage. C.H. Beck, München 2001, ISBN 3-406-47486-1
- Claude Cahen, Jean Bollack (Hrsg.): Vom Ursprung bis zu den Anfängen des Osmanenreiches. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt 1991 (Fischer Weltgeschichte, Band 14), ISBN 3-596-60014-6
al-Chattab, Umar ibn
al-Chattab, Umar ibn
al-Chattab, Umar ibn
al-Chattab, Umar ibn
ja:ウマル・イブン=ハッターブ
ms:Saidina Umar Al-Khatab
th:อุมัร
MedinaHier wird die saudische Stadt abgehandelt; für andere Begriffsbedeutungen siehe Medina (Begriffsklärung).
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Medina (Begriffsklärung)
Medina (von arabisch al-Madīna al-munawwara, die erleuchtete Stadt المدينة المنورة; ursprünglicher Name Yathrib, dann Madīnat an-Nabī = Stadt des Propheten) ist eine Stadt mit 918.889 Einwohnern (2004) im westlichen Saudi-Arabien. Nach Mekka ist Medina die zweitwichtigste heilige Stadt des Islam.
Ebenso ist „Madīna“ das allgemeine arabische Wort für Stadt. Heutzutage wird der Begriff auch als besondere Bezeichnung für die Altstadt nordafrikanischer Städte verwendet (z.B. die "Medina von Marrakesch").
Geschichte
Nach der Hidschra, dem Auszug aus Mekka im Jahre 622, wurde Medina der Sitz von Mohammeds anwachsender Bewegung. Seine damalige Moschee und sein Wohnhaus stellen heute einen Teil der "Moschee des Gesandten" dar.
622 wurde Mohammed von Abgesandten der Aus und Chasradsch nach Yathrib (früherer Name Medinas) eingeladen, um als eine Art Gouverneur zu wirken. Medina war damals eine geteilte Stadt: Unterschiedliche Clans und Religionen lagen in Zank und Streit. Mohammed bewirkte eine Einigung in der Stadt. Alle Beteiligten stimmten einem Pakt zu, der von Mohammed und von seinen Schülern aufgestellt wurde. Er lud die gesamte Stadt ein, der neuen Religion, dem Islam, zu folgen, jedoch konnte er die meisten Juden nicht überzeugen. Unter den arabischen Neumuslimen opponierten die nur scheinbar konvertierten "Heuchler" und Ibn Ubayy und paktierten mit den Juden Medinas. Diese wurden daraufhin entweder vertrieben oder wie die Banu Quraiza ausgerottet.
Nach Änderung der Qibla von Jerusalem gen Mekka hielt eine kleine Gruppe konvertierter Juden an der ursprünglichen Qibla fest. Sie wurde die Sekte der Qibla al-Qudsiyya genannt.
Während der zehn Jahre nach der Hidschra bildete Medina das Zentrum des islamischen Lebens, bis Mohammed Mekka eroberte. Noch als die islamische Führung dort etablierte wurde, blieb Medina für einige Jahre die wichtigste Stadt des Islam und de facto die Hauptstadt des Kalifats.
Unter den ersten vier Kalifen, den Rechtgeleiteten Kalifen, erweiterte sich das islamische Reich schnell und umfasste bald Jerusalem, Ktesiphon und Damaskus. Nach dem Tod von Ali ibn Abi Talib verlegte der erste Umayyaden-Kalif Mu'awiya die Hauptstadt nach Damaskus. Medina hat heute noch große religiöse Bedeutung als zweitwichtigster islamischer Wallfahrtsort.
1924 wurde Medina, das Jahrhunderte nominell zum osmanischen Reich gehörte, von Ibn Saud erobert, dessen Reich später zu Saudi Arabien wurde.
kategorie:islam
ja:マディーナ
ms:Madinah al-Munawwarah
KalifDas Kalifat (abgeleitet aus dem arabischen khilâfa bzw. khalîfa rasûl Allâh (); arabisch khalîfa, Plural khulafâ’ "Nachfolger, Stellvertreter, Kalif", wörtlich also "die Nachfolger des Gesandten Gottes". Allerdings wurde unter Auslassung des Wortes rasûl schon unter den Umayyaden der Titel in khalîfat Allâh , "Stellvertreter Gottes [auf Erden]" geändert) ist eine islamische Regierungsform, bei der säkulare und geistliche Führerschaft in der Person des Kalifen vereint sind.
Mohammeds Lehre basierte nach seiner Auswanderung nach Medina auf einem theokratischen Modell: er war sowohl der Führer der religiösen Bewegung, als auch der Herrscher über den Machtbereich, in dem dieser Glauben gelebt wurde. Das Kalifat war somit nicht nur ein Amt, es wurde auch mit dem Machtbereich gleichgesetzt, dem Reich des Kalifen.
Siehe auch: Liste der Kalifen
Liste der Kalifen
Geschichte
Die Anfänge
Mohammed besaß keine direkten männlichen Nachkommen und hatte auch keinen Nachfolger bestimmt oder eine Prozedur zu dessen Wahl festgelegt. Nach seinem Tod 632 trafen sich die muslimischen Führer der Gemeinden. Ein Teil von ihnen vertrat die Meinung, Mohammed habe seinen Schwiegersohn Ali ibn Abi Talib zu seinem Nachfolger auserkoren. Der Großteil der Muslime war davon nicht überzeugt und legte erste Richtlinien für die Nachfolge fest. Demnach musste der Nachfolger des Propheten ein Araber aus dem Stamm Mohammeds (den Quraisch) sein, der zum einen für die Einhaltung der Regeln des islamischen Glaubens verantwortlich war, zum anderen die Verbreitung der Bewegung mit allen Mitteln, auch durch den Dschihad genannten Krieg, vorantreiben sollte. Die Mehrheit der muslimischen Führer wählte Abu Bakr, den Vater von Mohammeds Lieblingsfrau Aischa, zum Nachfolger des Propheten. Dieser nahm den Titel chalifat rasul allah an.
634 wurde Umar ibn al-Chattab zum zweiten Kalifen gewählt. In seiner Amtszeit dehnte sich die Macht der Muslime auf Syrien (635-636), den Irak/Mesopotamien (636) und Ägypten (639-642) aus. Nach dem Sieg der Muslime bei Nehawend (südlich von Hamadan) brach das Reich der Sassaniden im Iran endgültig auseinander (siehe Islamische Expansion).
Uthman ibn Affan, ein Schwiegersohn Mohammeds, wurde 644 zum dritten Kalifen gewählt. Bedeutung erlangte seine Regierungszeit vor allem durch die endgültige Abfassung des Koran. Er setzte aber auch die Expansionen seines Vorgängers fort. So wurde Tripolitanien (heute Libyen; 647) und weitere Teile des Iran erobert sowie erste Vorstöße nach Anatolien unternommen. Doch mit der Zeit machte er sich durch die Bevorzugung seiner Sippe (Umayyaden) bei der Ämter- und Beuteverteilung etliche Feinde, insbesondere unter den Heerführern und Muslimen der eroberten Gebiete. 656 wurde er von aufständischen Muslimen aus Ägypten und dem Irak in Medina ermordet.
Uthmans Gegner waren vor allem die Anhänger des bereits erwähnten Ali ibn Abi Talib, die Schiiten (aus dem arab. schiat ali, Partei Alis). Diese und die aufständischen Führer wählten Ali auch zum Kalifen. Doch Muawiya, der Statthalter von Syrien aus der Sippe der Umayyaden und damit ein Verwandter Uthmans, verweigerte die Gefolgschaft. Als es zum Ausbruch der Kämpfe kam, einigte man sich nach der Schlacht von Siffin auf Verhandlungen.
Eine Gruppe von Muslimen, die sich später Charidschiten nannte, sah darin eine Postenschacherei und eine große Schande und verließ das Lager Ali ibn Abi Talibs. 661 fiel Ali einem Attentat dieser Gruppe zum Opfer. Dessen Sohn Hassan verzichtete auf seinen Herrschaftsanspruch als er die Übermacht der Umayyaden erkannte. Muawiya begründete nun die Dynastie der Umayyaden-Kalifen. Hassans Bruder Husain erhob jedoch nach dem Tod von Muawiya I. Anspruch auf das Kalifat. Er wurde aber in der Schlacht von Kerbela (680) geschlagen.
Das Kalifat der Umayyaden
Nach der Machtübernahme der Umayyaden unter Muawiya mussten diese sich auch in der Folgezeit immer wieder gegenüber Oppositionsbewegungen behaupten. Umstritten war dabei die Legitimation der Umayyaden, denen u.a. vorgeworfen wurde in der Anfangszeit des Islams zu den heftigsten Gegnern des Propheten Mohammed gezählt zu haben. Nach der Befriedung des Kalifats konnten die Muslime ihre Expansion wieder aufnehmen. So wurde unter Abd al-Malik und al-Walid I. zu Beginn des 8. Jahrhunderts der Maghreb, Andalusien, Transoxanien und das Industal erobert. Damit erreichte das Kalifat seine größte Ausdehnung. Trotz dieser Erfolge dauerte die Opposition vieler Muslime an. Als sich nach 744 die Umayyaden durch interne Machtkämpfe schwächten, wurden sie durch den Aufstand des Abu Muslim gestürzt, der 749 die Dynastie der Abbasiden an die Macht brachte.
Das Kalifat der Abbasiden
Nach dem Sturz der Umayyaden durch die Abbasiden entwickelte sich der Irak mit der neuen Hauptstadt Bagdad zum politischen Zentrum des Kalifats. Zugleich wurde Bagdad, vor allem unter Harun al-Raschid (786-809), zu einem, wie es in den Geschichten Scheherazades in dem Buch Tausendundeine Nacht beschrieben wurde: eine vor Prunk und Reichtum strotzende Stadt und ein Zentrum der Kultur und Naturwissenschaften. Im 9. Jahrhundert hatte das Kalifat seine Blütezeit erreicht. Doch die Ausdehnung und die Bürokratie verlangten ihren Preis: Mehr und mehr gaben die Kalifen die politische Macht an Staatsminister, die Wesire und mittlere Beamte ab.
Dies führte seit Beginn des 9. Jahrhunderts zur Gründung unabhängiger Emirate (u.a. Aghlabiden, Tuluniden, Tahiriden und Samaniden), die nur noch formal der Herrschaft der Kalifen in Bagdad unterstanden. Zu Beginn des 10. Jahrhundert kam es im Maghreb und Andalusien sogar zur Gründung unabhängiger Kalifate (Fatimiden, Umayyaden). Mitte des 10. Jahrhunderts wurden die Kalifen in Bagdad politisch endgültig entmachtet und unterstanden in der Folgezeit der Kontrolle der persischen Buyiden bzw. türkischen Seldschuken (seit 1055). Die Kalifen waren damit nur noch geistiges Oberhaupt der Muslime. Zwar konnten die Kalifen während des 12. Jahrhunderts ihre politische Macht zumindest im Irak zurückgewinnen, doch wurde das Kalifat der Abbasiden mit der Eroberung Bagdads durch die Mongolen unter Hülägü 1258 zerschlagen.
Einigen Abbasiden gelang aber die Flucht nach Ägypten. 1261 wurde ein Prinz der Abbasiden vom Mameluken-Sultan Baibars in Kairo als Kalif eingesetzt. Seine Macht war aber nur spirituell und das teilweise auch nur in der Theorie. Bald trugen diese Kalifen nur noch einen inhaltslosen Titel, den sie 1517 den Osmanen übertrugen.
Das Kalifat der Fatimiden und spanischen Umayyaden
Die schiitischen Fatimiden, der Legende nach Nachfahren von Ali ibn Abi Talib und dessen Frau Fatima (daher der Name), gründeten ihr Kalifat 909 in Ifriqiya/Tunesien und dehnten ihren Machtbereich von Algerien bis Ägypten, Syrien und Sizilien aus. Nachdem sie 1059 zeitweise die Kontrolle über Bagdad errungen hatten begann der Niedergang dieser Dynastie. Sie wurde 1171 durch Saladin beseitigt.
Der letzte Umayyade, der den Massenmord an seiner Familie 750 durch die Abbasiden überlebt hatte, floh nach Andalusien. Dort gründeten seine Nachfahren 929 das umayyadische Kalifat. 1031 zerfiel es aber in mehrere Einzelreiche und erlosch.
Im 12. und 13. Jahrhundert beanspruchten im Maghreb noch die Almohaden und die Hafsiden das Kalifat.
Die Kalifen der Fatimiden und Umayyaden in Andalusien erlangten ebensowenig die allgemeine Anerkennung der Sunniten wie die Kalifen der Almohaden und Hafsiden.
Das Kalifat der Osmanen
Ab dem 13. Jahrhundert beanspruchten immer wieder muslimische Herrscher den Titel Kalif, der aber nun politisch bedeutungslos war. Jedoch gelang es im Jahre 1517 den osmanischen Sultanen das Osmanische Kalifat zu errichten. Erst im 19. Jahrhundert, als mehr und mehr Christen in die muslimischen Gebiete eindrangen, pochten die Sultane auf den Titel als geistiges Oberhaupt, um dadurch die Unterstützung der Muslime außerhalb ihres Machtbereiches zu erlangen. Nach der Niederlage des Osmanischen Reiches im Ersten Weltkrieg 1918 wurde der Sultan nach der türkischen Republiksgründung 1923 entmachtet. Die türkische Regierung schaffte das Kalifat 1924 endgültig ab.
Das Kalifat nach 1924
Dies erregte die Gemüter der muslimischen Welt. 1924 erhob König Hussain ibn Ali von Hedschas, heute Teil Saudi-Arabiens, seinen Anspruch auf den Titel, da er aus dem Haus des Propheten Mohammed über dessen Urgroßvater Haschim stamme -- was wahrscheinlich sogar der Wahrheit entspricht -- und zudem über Mekka und Medina herrsche. Dieser Anspruch erlosch mit der Eroberung seines Reiches durch König Abd al-Aziz al Saud von Nadschd.
1926 versuchte man, auf einem muslimischen Kongress in Kairo einen neuen Kalifen zu wählen. Doch auch dieser Versuch, das Kalifat neu zu beleben, scheiterte. Nach Ansicht von Experten gab es seither keine ernsthaften Bemühungen, sieht man von den eher lächerlichen Versuchen eines Metin Kaplan und seines Kalifats von Köln einmal ab. Die religiös-politische Bewegung Hizb-ut-Tahrir versucht ebenfalls, das Kalifat neu zu errichten. Sie ist jedoch in allen islamischen Staaten und darüber hinaus verboten.
Das Kalifat der Ahmadiyya
Hazrat Mirza Ghulam Ahmad gründete 1889 in Qadian die Ahmadiyya-Bewegung im Islam. Er beanspruchte für sich, der verheißene Messias und Mahdi zu sein, und ein Schattenprophet nach dem Vorbild Mohammeds. Nach seinem Ableben 1908 folgten ihm Khalifa genannte Führer der islamischen Ahmadiyya-Gemeinschaft. Der Kalif wird auf Lebenszeit gewählt. Aktuell ist (seit 22. April 2003) Hazrat Mirza Masroor Ahmad der Khalifatul Masih V. (der 5. "Kalif des Messias") in London.
Im Unterschied zu anderen islamischen Gruppen hat der Khalifa der Ahmadiyya nur spirituelle Funktionen als geistliches Oberhaupt.
Das Kalifat von Omdurman
Die Nachfolger des sudanesischen Rebellenführers Muhammad Ahmad al-Mahdi bezeichneten sich ebenfalls als Kalifen. Insbesondere Abdallahi ibn Muhammad, der sich 1891 an die Spitze der sudanesischen Mahdi-Bewegung setzen konnte, ist im Sudan noch heute unter der Bezeichnung al-Khalifa bekannt. Der frühere Palast Abdallahis ist heute eine der Hauptsehenswürdigkeiten von Omdurman.
Theorie des Kalifats
Nach orthodoxer islamischer Doktrin ist legitime Herrschaft allein im Kalifat möglich. Der Kalif ist als Nachfolger Mohammeds mit der politischen und religiösen Führung der umma, der muslimischen Gemeinschaft betraut. Die Institution des Kalifats leiten die islamischen Theologen und Juristen aus dem Koran her. In Sure 38 heißt es: "Oh Da'ud (König David), siehe, wir machten dich zu einem Stellvertreter (khalifa) auf Erden; So richte zwischen den Menschen in Wahrheit...". Über dem Kalifen steht allein das religiöse Gesetz, die Schari'a, die aus den Rechtsquellen Koran, Sunna, idschma (Konsens) und qiyas (Analogieschluss) schöpft und an die auch der Kalif gebunden ist.
Nach imamitisch-schiitischer Auffassung waren ihre zwölf Imame rechtmäßige Kalifen. Der zwölfte Kalif verstarb nach dieser Auffassung nicht, sondern entrückte in die Verborgenheit, aus der er dereinst als Mahdi (Erlöser) erscheinen wird. In der Zwischenzeit übt der schiitische Klerus nur treuhänderisch für diesen verborgenen Iman die Macht aus. In der iranischen Verfassung ist das so festgeschrieben. Deshalb können auch nach dieser Lehre das relativ frei gewählte iranische Parlament und der gewählte Präsident des Irans nur begrenzte Macht ausüben.
Die schiitischen Nizaris, die zu den Ismailiten oder Siebener-Schiiten gehören, haben bis heute einen Imam-Kalifen, nämlich Karim Aga Khan IV., der der 49. in der direkten Nachfolge des Propheten Mohammeds aus der Linie über seine Tochter Fatima und seinen Schwiegersohn Ali ist (zumindest nach ihrer Lehre). Die ebenfalls ismailitischen Bohras glauben wie die Imamiten an einen verborgenen Imam-Kalifen.
Das Kalifat ist im islamischen Recht als eine so genannte fard kifaya verankert, das heißt als gemeinschaftliche Glaubenspflicht. Im Gegensatz zur fard `ayn, der individuellen Glaubenpflicht, wie beispielsweise das Fasten oder die Pilgerreise, die zu verrichten jeder einzelne verpflichtet ist, muss eine fard kifaya nur von einigen, dazu geeigneten Menschen der Gemeinschaft betrieben werden. Die Verpflichtung zum Dschihad oder das Streben nach Wissen sind typische Beispiele dafür. Im Fall des Kalifats heißt das, dass die Erfüllung der fard kifaya den für das Amt des Kalifen geeigneten Personen obliegt. Falls es nur einen einzigen Kandidaten geben sollte, der die Kriterien erfüllt, darf dieser das Amt beispielsweise nicht ablehnen.
Die Universalität des Kalifats, das heißt den religiösen und säkularen Machtanspruch, leiten die klassischen Theologen aus der Pflicht zum Dschihad ab. Die religiöse Pflicht zum Dschihad macht es notwendig, dass der Kalif nicht nur die religiöse Führung innehat, sondern auch in der Lage ist, Krieg zu führen, das heißt dass er die Kontrolle über die Armee besitzt. Die sprachliche Trennung zwischen Kalif und Imam verweist auf diese beiden Aspekte. Unter Imamat wird gemeinhin die religiöse Führung verstanden, während das Kalifat sich auf den politischen und militärischen Bereich bezieht. Diese Aufgabenbereiche fallen im Amt des Kalifen und Imam zusammen. Mit dem Zusammenbruch des Kalifats verselbstständigte sich die Bezeichnung Imam und wurde später nicht mehr ausschließlich für das Oberhaupt der muslimischen Gemeinde, sondern auch als Ehrentitel für besonders angesehene religiöse Persönlichkeiten gebraucht.
Diese erst wesentlich später formulierte sunnitisch-orthodoxe Kalifatskonzeption dauerte bis etwa zum Niedergang des abbasidischen Kalifats. Die Bestimmung, dass der Kalif dem Stamme Mohammeds, den Quraisch angehören müsse, überdauerte bis zum Beginn des Kalifats der Osmanen. Die Osmanen erhielten den Anspruch auf die Stellung des Kalifen aufrecht und untermauerten ihn mit dem Gebrauch religiöser Symbolik.
Auch wenn das Kalifat in der Realität an Bedeutung verlor, blieb die Kalifatstheorie theoretisch die ganze Zeit über maßgeblich und viel diskutiert, wenn auch Realität und Theorie weit auseinander klafften. Die muslimischen Juristen standen vor der eigentlich unlösbaren Aufgabe, diese Diskrepanz zu überbrücken. Erwin Rosenthal stellt die Situation folgendermaßen dar: "This meant in practice that they had to achieve a reconciliation between the caliph as the highest authority in theory, and the sultan or emir as the actual wielder of power, by accommodating both under the Islamic law, which insisted on the unity of power spiritual and temporal."
Die Aufweichung der Kalifatstheorie vollzog sich in mehreren Schritten. Als einer der ersten versuchte sich der ascharitische Jurist al-Mawardi (972--1058) an einer Lösung. Ironischerweise galt Mawardis Theorie lange Zeit als die klassische Ausformulierung der sunnitischen orthodoxen Kalifatsdoktrin, was von Hamilton Gibb mittlerweile widerlegt wurde. Zu einer Zeit, als der Kalif nur noch eine Marionette in den Händen der Buyiden-Dynastie in Baghdad war, stellte er in seiner Schrift Ahkam as-Sultaniya eine Theorie über das imarat al-istila, das Emirat durch Usurpation, auf.
Dieser Theorie zufolge ist der Kalif verpflichtet, seine Exekutivgewalt an denjenigen zu delegieren, der gerade die reale politische Macht innehat, solange dieser nach den Gesetzen der Scharia regiert. Der Fiktion der Souveränität des Kalifen wird durch eine formelle Anerkennung der Oberhoheit des Kalifen und durch die Erwähnung seines Namens im Freitagsgebet Genüge getan. Mawardi versucht hier mit dem Delegationsgedanken die Kalifatstheorie mit der historischen Realität wieder in Einklang zu bringen.
Al-Mawardi knüpfte die Delegation der Macht noch an eine Herrschaft nach der Schari'a. Weil spätere islamische Theoretiker überzeugt waren, dass jede Form von Herrschaft besser sei als Anarchie, legitimierten sie auch reine Gewaltherrschaft, solange die nominelle Oberherrschaft des Kalifen dabei aufrecht erhalten werde.
So gibt zum Beispiel al-Ghazali (1058--1111) zur Zeit der Seldschukenherrschaft viele der Erfordernisse auf, die Mawardi noch für nötig gehalten hatte. Der Kalif muss nicht mehr über die Fähigkeit vefügen, den Dschihad anzuführen, auch Regierungskompetenz (kifaya) ist nicht erforderlich, solange ihm ein kompetenter Wesir zur Seite steht. Anstelle der Fähigkeit zum idschtihad, das heißt der eigenständigen Interpretation des Rechts muss der Kalif lediglich wara, Gottesfurcht, besitzen. Den traditionellen Wahlverfahren des Kalifen fügt Ghazali ein weiteres hinzu: die Ernennung des Kalifen durch den gerade herrschenden Sultan. Damit legitimierte er die zu seiner Zeit übliche Praxis.
Der Theologe Ibn Dschama'a versetzt der klassischen Kalifatstheorie schließlich den Todesstoß, indem er jeglichen religiösen Anspruch aufgibt und das Kalifat allein auf gewaltsame Oberherrschaft reduziert: "When the Imama is thus contractually assumed by one person by means of force and military supremacy, and thereafter there arises another who overcomes the first by his might and his armies, then the first is deposed and the second becomes Imam, for the reasons of the well-being and unity of the Muslims."
Siehe auch
Liste islamischer Begriffe auf Arabisch, Religiöse Titel, Osmanisches Kalifat
Literatur
- Ulrich Haarmann, Geschichte der Arabischen Welt, Verlag C.H.Beck, München, 2001
- Stephan und Nandy Ronart, Lexikon der Arabischen Welt, Artemis Verlag, 1972
Kategorie:Islam
KalifatDas Kalifat (abgeleitet aus dem arabischen khilâfa bzw. khalîfa rasûl Allâh (); arabisch khalîfa, Plural khulafâ’ "Nachfolger, Stellvertreter, Kalif", wörtlich also "die Nachfolger des Gesandten Gottes". Allerdings wurde unter Auslassung des Wortes rasûl schon unter den Umayyaden der Titel in khalîfat Allâh , "Stellvertreter Gottes [auf Erden]" geändert) ist eine islamische Regierungsform, bei der säkulare und geistliche Führerschaft in der Person des Kalifen vereint sind.
Mohammeds Lehre basierte nach seiner Auswanderung nach Medina auf einem theokratischen Modell: er war sowohl der Führer der religiösen Bewegung, als auch der Herrscher über den Machtbereich, in dem dieser Glauben gelebt wurde. Das Kalifat war somit nicht nur ein Amt, es wurde auch mit dem Machtbereich gleichgesetzt, dem Reich des Kalifen.
Siehe auch: Liste der Kalifen
Liste der Kalifen
Geschichte
Die Anfänge
Mohammed besaß keine direkten männlichen Nachkommen und hatte auch keinen Nachfolger bestimmt oder eine Prozedur zu dessen Wahl festgelegt. Nach seinem Tod 632 trafen sich die muslimischen Führer der Gemeinden. Ein Teil von ihnen vertrat die Meinung, Mohammed habe seinen Schwiegersohn Ali ibn Abi Talib zu seinem Nachfolger auserkoren. Der Großteil der Muslime war davon nicht überzeugt und legte erste Richtlinien für die Nachfolge fest. Demnach musste der Nachfolger des Propheten ein Araber aus dem Stamm Mohammeds (den Quraisch) sein, der zum einen für die Einhaltung der Regeln des islamischen Glaubens verantwortlich war, zum anderen die Verbreitung der Bewegung mit allen Mitteln, auch durch den Dschihad genannten Krieg, vorantreiben sollte. Die Mehrheit der muslimischen Führer wählte Abu Bakr, den Vater von Mohammeds Lieblingsfrau Aischa, zum Nachfolger des Propheten. Dieser nahm den Titel chalifat rasul allah an.
634 wurde Umar ibn al-Chattab zum zweiten Kalifen gewählt. In seiner Amtszeit dehnte sich die Macht der Muslime auf Syrien (635-636), den Irak/Mesopotamien (636) und Ägypten (639-642) aus. Nach dem Sieg der Muslime bei Nehawend (südlich von Hamadan) brach das Reich der Sassaniden im Iran endgültig auseinander (siehe Islamische Expansion).
Uthman ibn Affan, ein Schwiegersohn Mohammeds, wurde 644 zum dritten Kalifen gewählt. Bedeutung erlangte seine Regierungszeit vor allem durch die endgültige Abfassung des Koran. Er setzte aber auch die Expansionen seines Vorgängers fort. So wurde Tripolitanien (heute Libyen; 647) und weitere Teile des Iran erobert sowie erste Vorstöße nach Anatolien unternommen. Doch mit der Zeit machte er sich durch die Bevorzugung seiner Sippe (Umayyaden) bei der Ämter- und Beuteverteilung etliche Feinde, insbesondere unter den Heerführern und Muslimen der eroberten Gebiete. 656 wurde er von aufständischen Muslimen aus Ägypten und dem Irak in Medina ermordet.
Uthmans Gegner waren vor allem die Anhänger des bereits erwähnten Ali ibn Abi Talib, die Schiiten (aus dem arab. schiat ali, Partei Alis). Diese und die aufständischen Führer wählten Ali auch zum Kalifen. Doch Muawiya, der Statthalter von Syrien aus der Sippe der Umayyaden und damit ein Verwandter Uthmans, verweigerte die Gefolgschaft. Als es zum Ausbruch der Kämpfe kam, einigte man sich nach der Schlacht von Siffin auf Verhandlungen.
Eine Gruppe von Muslimen, die sich später Charidschiten nannte, sah darin eine Postenschacherei und eine große Schande und verließ das Lager Ali ibn Abi Talibs. 661 fiel Ali einem Attentat dieser Gruppe zum Opfer. Dessen Sohn Hassan verzichtete auf seinen Herrschaftsanspruch als er die Übermacht der Umayyaden erkannte. Muawiya begründete nun die Dynastie der Umayyaden-Kalifen. Hassans Bruder Husain erhob jedoch nach dem Tod von Muawiya I. Anspruch auf das Kalifat. Er wurde aber in der Schlacht von Kerbela (680) geschlagen.
Das Kalifat der Umayyaden
Nach der Machtübernahme der Umayyaden unter Muawiya mussten diese sich auch in der Folgezeit immer wieder gegenüber Oppositionsbewegungen behaupten. Umstritten war dabei die Legitimation der Umayyaden, denen u.a. vorgeworfen wurde in der Anfangszeit des Islams zu den heftigsten Gegnern des Propheten Mohammed gezählt zu haben. Nach der Befriedung des Kalifats konnten die Muslime ihre Expansion wieder aufnehmen. So wurde unter Abd al-Malik und al-Walid I. zu Beginn des 8. Jahrhunderts der Maghreb, Andalusien, Transoxanien und das Industal erobert. Damit erreichte das Kalifat seine größte Ausdehnung. Trotz dieser Erfolge dauerte die Opposition vieler Muslime an. Als sich nach 744 die Umayyaden durch interne Machtkämpfe schwächten, wurden sie durch den Aufstand des Abu Muslim gestürzt, der 749 die Dynastie der Abbasiden an die Macht brachte.
Das Kalifat der Abbasiden
Nach dem Sturz der Umayyaden durch die Abbasiden entwickelte sich der Irak mit der neuen Hauptstadt Bagdad zum politischen Zentrum des Kalifats. Zugleich wurde Bagdad, vor allem unter Harun al-Raschid (786-809), zu einem, wie es in den Geschichten Scheherazades in dem Buch Tausendundeine Nacht beschrieben wurde: eine vor Prunk und Reichtum strotzende Stadt und ein Zentrum der Kultur und Naturwissenschaften. Im 9. Jahrhundert hatte das Kalifat seine Blütezeit erreicht. Doch die Ausdehnung und die Bürokratie verlangten ihren Preis: Mehr und mehr gaben die Kalifen die politische Macht an Staatsminister, die Wesire und mittlere Beamte ab.
Dies führte seit Beginn des 9. Jahrhunderts zur Gründung unabhängiger Emirate (u.a. Aghlabiden, Tuluniden, Tahiriden und Samaniden), die nur noch formal der Herrschaft der Kalifen in Bagdad unterstanden. Zu Beginn des 10. Jahrhundert kam es im Maghreb und Andalusien sogar zur Gründung unabhängiger Kalifate (Fatimiden, Umayyaden). Mitte des 10. Jahrhunderts wurden die Kalifen in Bagdad politisch endgültig entmachtet und unterstanden in der Folgezeit der Kontrolle der persischen Buyiden bzw. türkischen Seldschuken (seit 1055). Die Kalifen waren damit nur noch geistiges Oberhaupt der Muslime. Zwar konnten die Kalifen während des 12. Jahrhunderts ihre politische Macht zumindest im Irak zurückgewinnen, doch wurde das Kalifat der Abbasiden mit der Eroberung Bagdads durch die Mongolen unter Hülägü 1258 zerschlagen.
Einigen Abbasiden gelang aber die Flucht nach Ägypten. 1261 wurde ein Prinz der Abbasiden vom Mameluken-Sultan Baibars in Kairo als Kalif eingesetzt. Seine Macht war aber nur spirituell und das teilweise auch nur in der Theorie. Bald trugen diese Kalifen nur noch einen inhaltslosen Titel, den sie 1517 den Osmanen übertrugen.
Das Kalifat der Fatimiden und spanischen Umayyaden
Die schiitischen Fatimiden, der Legende nach Nachfahren von Ali ibn Abi Talib und dessen Frau Fatima (daher der Name), gründeten ihr Kalifat 909 in Ifriqiya/Tunesien und dehnten ihren Machtbereich von Algerien bis Ägypten, Syrien und Sizilien aus. Nachdem sie 1059 zeitweise die Kontrolle über Bagdad errungen hatten begann der Niedergang dieser Dynastie. Sie wurde 1171 durch Saladin beseitigt.
Der letzte Umayyade, der den Massenmord an seiner Familie 750 durch die Abbasiden überlebt hatte, floh nach Andalusien. Dort gründeten seine Nachfahren 929 das umayyadische Kalifat. 1031 zerfiel es aber in mehrere Einzelreiche und erlosch.
Im 12. und 13. Jahrhundert beanspruchten im Maghreb noch die Almohaden und die Hafsiden das Kalifat.
Die Kalifen der Fatimiden und Umayyaden in Andalusien erlangten ebensowenig die allgemeine Anerkennung der Sunniten wie die Kalifen der Almohaden und Hafsiden.
Das Kalifat der Osmanen
Ab dem 13. Jahrhundert beanspruchten immer wieder muslimische Herrscher den Titel Kalif, der aber nun politisch bedeutungslos war. Jedoch gelang es im Jahre 1517 den osmanischen Sultanen das Osmanische Kalifat zu errichten. Erst im 19. Jahrhundert, als mehr und mehr Christen in die muslimischen Gebiete eindrangen, pochten die Sultane auf den Titel als geistiges Oberhaupt, um dadurch die Unterstützung der Muslime außerhalb ihres Machtbereiches zu erlangen. Nach der Niederlage des Osmanischen Reiches im Ersten Weltkrieg 1918 wurde der Sultan nach der türkischen Republiksgründung 1923 entmachtet. Die türkische Regierung schaffte das Kalifat 1924 endgültig ab.
Das Kalifat nach 1924
Dies erregte die Gemüter der muslimischen Welt. 1924 erhob König Hussain ibn Ali von Hedschas, heute Teil Saudi-Arabiens, seinen Anspruch auf den Titel, da er aus dem Haus des Propheten Mohammed über dessen Urgroßvater Haschim stamme -- was wahrscheinlich sogar der Wahrheit entspricht -- und zudem über Mekka und Medina herrsche. Dieser Anspruch erlosch mit der Eroberung seines Reiches durch König Abd al-Aziz al Saud von Nadschd.
1926 versuchte man, auf einem muslimischen Kongress in Kairo einen neuen Kalifen zu wählen. Doch auch dieser Versuch, das Kalifat neu zu beleben, scheiterte. Nach Ansicht von Experten gab es seither keine ernsthaften Bemühungen, sieht man von den eher lächerlichen Versuchen eines Metin Kaplan und seines Kalifats von Köln einmal ab. Die religiös-politische Bewegung Hizb-ut-Tahrir versucht ebenfalls, das Kalifat neu zu errichten. Sie ist jedoch in allen islamischen Staaten und darüber hinaus verboten.
Das Kalifat der Ahmadiyya
Hazrat Mirza Ghulam Ahmad gründete 1889 in Qadian die Ahmadiyya-Bewegung im Islam. Er beanspruchte für sich, der verheißene Messias und Mahdi zu sein, und ein Schattenprophet nach dem Vorbild Mohammeds. Nach seinem Ableben 1908 folgten ihm Khalifa genannte Führer der islamischen Ahmadiyya-Gemeinschaft. Der Kalif wird auf Lebenszeit gewählt. Aktuell ist (seit 22. April 2003) Hazrat Mirza Masroor Ahmad der Khalifatul Masih V. (der 5. "Kalif des Messias") in London.
Im Unterschied zu anderen islamischen Gruppen hat der Khalifa der Ahmadiyya nur spirituelle Funktionen als geistliches Oberhaupt.
Das Kalifat von Omdurman
Die Nachfolger des sudanesischen Rebellenführers Muhammad Ahmad al-Mahdi bezeichneten sich ebenfalls als Kalifen. Insbesondere Abdallahi ibn Muhammad, der sich 1891 an die Spitze der sudanesischen Mahdi-Bewegung setzen konnte, ist im Sudan noch heute unter der Bezeichnung al-Khalifa bekannt. Der frühere Palast Abdallahis ist heute eine der Hauptsehenswürdigkeiten von Omdurman.
Theorie des Kalifats
Nach orthodoxer islamischer Doktrin ist legitime Herrschaft allein im Kalifat möglich. Der Kalif ist als Nachfolger Mohammeds mit der politischen und religiösen Führung der umma, der muslimischen Gemeinschaft betraut. Die Institution des Kalifats leiten die islamischen Theologen und Juristen aus dem Koran her. In Sure 38 heißt es: "Oh Da'ud (König David), siehe, wir machten dich zu einem Stellvertreter (khalifa) auf Erden; So richte zwischen den Menschen in Wahrheit...". Über dem Kalifen steht allein das religiöse Gesetz, die Schari'a, die aus den Rechtsquellen Koran, Sunna, idschma (Konsens) und qiyas (Analogieschluss) schöpft und an die auch der Kalif gebunden ist.
Nach imamitisch-schiitischer Auffassung waren ihre zwölf Imame rechtmäßige Kalifen. Der zwölfte Kalif verstarb nach dieser Auffassung nicht, sondern entrückte in die Verborgenheit, aus der er dereinst als Mahdi (Erlöser) erscheinen wird. In der Zwischenzeit übt der schiitische Klerus nur treuhänderisch für diesen verborgenen Iman die Macht aus. In der iranischen Verfassung ist das so festgeschrieben. Deshalb können auch nach dieser Lehre das relativ frei gewählte iranische Parlament und der gewählte Präsident des Irans nur begrenzte Macht ausüben.
Die schiitischen Nizaris, die zu den Ismailiten oder Siebener-Schiiten gehören, haben bis heute einen Imam-Kalifen, nämlich Karim Aga Khan IV., der der 49. in der direkten Nachfolge des Propheten Mohammeds aus der Linie über seine Tochter Fatima und seinen Schwiegersohn Ali ist (zumindest nach ihrer Lehre). Die ebenfalls ismailitischen Bohras glauben wie die Imamiten an einen verborgenen Imam-Kalifen.
Das Kalifat ist im islamischen Recht als eine so genannte fard kifaya verankert, das heißt als gemeinschaftliche Glaubenspflicht. Im Gegensatz zur fard `ayn, der individuellen Glaubenpflicht, wie beispielsweise das Fasten oder die Pilgerreise, die zu verrichten jeder einzelne verpflichtet ist, muss eine fard kifaya nur von einigen, dazu geeigneten Menschen der Gemeinschaft betrieben werden. Die Verpflichtung zum Dschihad oder das Streben nach Wissen sind typische Beispiele dafür. Im Fall des Kalifats heißt das, dass die Erfüllung der fard kifaya den für das Amt des Kalifen geeigneten Personen obliegt. Falls es nur einen einzigen Kandidaten geben sollte, der die Kriterien erfüllt, darf dieser das Amt beispielsweise nicht ablehnen.
Die Universalität des Kalifats, das heißt den religiösen und säkularen Machtanspruch, leiten die klassischen Theologen aus der Pflicht zum Dschihad ab. Die religiöse Pflicht zum Dschihad macht es notwendig, dass der Kalif nicht nur die religiöse Führung innehat, sondern auch in der Lage ist, Krieg zu führen, das heißt dass er die Kontrolle über die Armee besitzt. Die sprachliche Trennung zwischen Kalif und Imam verweist auf diese beiden Aspekte. Unter Imamat wird gemeinhin die religiöse Führung verstanden, während das Kalifat sich auf den politischen und militärischen Bereich bezieht. Diese Aufgabenbereiche fallen im Amt des Kalifen und Imam zusammen. Mit dem Zusammenbruch des Kalifats verselbstständigte sich die Bezeichnung Imam und wurde später nicht mehr ausschließlich für das Oberhaupt der muslimischen Gemeinde, sondern auch als Ehrentitel für besonders angesehene religiöse Persönlichkeiten gebraucht.
Diese erst wesentlich später formulierte sunnitisch-orthodoxe Kalifatskonzeption dauerte bis etwa zum Niedergang des abbasidischen Kalifats. Die Bestimmung, dass der Kalif dem Stamme Mohammeds, den Quraisch angehören müsse, überdauerte bis zum Beginn des Kalifats der Osmanen. Die Osmanen erhielten den Anspruch auf die Stellung des Kalifen aufrecht und untermauerten ihn mit dem Gebrauch religiöser Symbolik.
Auch wenn das Kalifat in der Realität an Bedeutung verlor, blieb die Kalifatstheorie theoretisch die ganze Zeit über maßgeblich und viel diskutiert, wenn auch Realität und Theorie weit auseinander klafften. Die muslimischen Juristen standen vor der eigentlich unlösbaren Aufgabe, diese Diskrepanz zu überbrücken. Erwin Rosenthal stellt die Situation folgendermaßen dar: "This meant in practice that they had to achieve a reconciliation between the caliph as the highest authority in theory, and the sultan or emir as the actual wielder of power, by accommodating both under the Islamic law, which insisted on the unity of power spiritual and temporal."
Die Aufweichung der Kalifatstheorie vollzog sich in mehreren Schritten. Als einer der ersten versuchte sich der ascharitische Jurist al-Mawardi (972--1058) an einer Lösung. Ironischerweise galt Mawardis Theorie lange Zeit als die klassische Ausformulierung der sunnitischen orthodoxen Kalifatsdoktrin, was von Hamilton Gibb mittlerweile widerlegt wurde. Zu einer Zeit, als der Kalif nur noch eine Marionette in den Händen der Buyiden-Dynastie in Baghdad war, stellte er in seiner Schrift Ahkam as-Sultaniya eine Theorie über das imarat al-istila, das Emirat durch Usurpation, auf.
Dieser Theorie zufolge ist der Kalif verpflichtet, seine Exekutivgewalt an denjenigen zu delegieren, der gerade die reale politische Macht innehat, solange dieser nach den Gesetzen der Scharia regiert. Der Fiktion der Souveränität des Kalifen wird durch eine formelle Anerkennung der Oberhoheit des Kalifen und durch die Erwähnung seines Namens im Freitagsgebet Genüge getan. Mawardi versucht hier mit dem Delegationsgedanken die Kalifatstheorie mit der historischen Realität wieder in Einklang zu bringen.
Al-Mawardi knüpfte die Delegation der Macht noch an eine Herrschaft nach der Schari'a. Weil spätere islamische Theoretiker überzeugt waren, dass jede Form von Herrschaft besser sei als Anarchie, legitimierten sie auch reine Gewaltherrschaft, solange die nominelle Oberherrschaft des Kalifen dabei aufrecht erhalten werde.
So gibt zum Beispiel al-Ghazali (1058--1111) zur Zeit der Seldschukenherrschaft viele der Erfordernisse auf, die Mawardi noch für nötig gehalten hatte. Der Kalif muss nicht mehr über die Fähigkeit vefügen, den Dschihad anzuführen, auch Regierungskompetenz (kifaya) ist nicht erforderlich, solange ihm ein kompetenter Wesir zur Seite steht. Anstelle der Fähigkeit zum idschtihad, das heißt der eigenständigen Interpretation des Rechts muss der Kalif lediglich wara, Gottesfurcht, besitzen. Den traditionellen Wahlverfahren des Kalifen fügt Ghazali ein weiteres hinzu: die Ernennung des Kalifen durch den gerade herrschenden Sultan. Damit legitimierte er die zu seiner Zeit übliche Praxis.
Der Theologe Ibn Dschama'a versetzt der klassischen Kalifatstheorie schließlich den Todesstoß, indem er jeglichen religiösen Anspruch aufgibt und das Kalifat allein auf gewaltsame Oberherrschaft reduziert: "When the Imama is thus contractually assumed by one person by means of force and military supremacy, and thereafter there arises another who overcomes the first by his might and his armies, then the first is deposed and the second becomes Imam, for the reasons of the well-being and unity of the Muslims."
Siehe auch
Liste islamischer Begriffe auf Arabisch, Religiöse Titel, Osmanisches Kalifat
Literatur
- Ulrich Haarmann, Geschichte der Arabischen Welt, Verlag C.H.Beck, München, 2001
- Stephan und Nandy Ronart, Lexikon der Arabischen Welt, Artemis Verlag, 1972
Kategorie:Islam
Kategorie:Geboren 644
Yazid I.Yazid I. () ( - 644; † 11. November 683) war der zweite Kalif der Umayyaden (680-683).
Als Sohn von Muawiya I. und der Südaraberin Maisun übernahm Yazid ibn Muawiya nach dem Tod seines Vater (680) die Herrschaft im Kalifat. Zwar nahm Yazid 669 schon an der Belagerung von Konstantinopel teil, doch war er nach der Regierungsübernahme eher am inneren Ausbau des Reiches interessiert. So beließ er die bewährten Statthalter seines Vaters in ihren Ämtern, verstärkte die Grenzbefestigungen und reformierte das Finanzwesen. Besonderes Interesse zeigte er für den Ausbau der Bewässerungsanlagen in der Umgebung von Damaskus.
Allerdings weitete sich die Opposition gegen die Erblichkeit des Kalifats unter den Umayyaden weiter. So wurde Yazid I. im Hedschas sowie Teilen des Irak und des Iran nicht als rechtmäßiger Herrscher anerkannt. Zwar konnte ein Aufstand der Aliden in Kufa niedergeschlagen und Hussein ibn Ali in der Schlacht von Kerbala getötet werden (10. Oktober 680), doch erforderte die Opposition des Abdallah ibn az-Zubair in Mekka einen Feldzug in den Hedschas. Nachdem schon Medina geplündert worden war, wurde bei der Belagerung Mekkas durch die Umayyaden auch die Kaaba schwer beschädigt (683).
Große Eroberungen konnten unter diesen innenpolitischen Umständen nicht erfolgen. Zwar stießen die Muslime unter Uqba ibn Nafi durch den Maghreb bis zum Atlantik vor, doch wurden sie 683 von den Berbern vernichtend geschlagen, so dass sich die Truppen nach Tripolitanien zurückziehen mussten. Auch gegen Byzanz erlitten die Muslime einige Rückschläge, als dieses Rhodos und Zypern zurückeroberte und erneut die Seeherrschaft im Mittelmeer gewann (683).
Nach dem frühen Tod von Yazid I. wurde dessen Sohn Muawiya II. (683-684) neuer Kalif, bevor Marwan I. (684-685) die Umayyaden-Linie der Marwaniden an die Macht brachte.
Der schnelle Wechsel der Kalifen und der Rückzug der umayyadischen Truppen aus dem Hedschas nach dem Tod Yazid I. führte zur Ausrufung des Kalifen Abdallah ibn az-Zubair (684-692) und zu einer schweren Krise der umayyadischen Herrschaft.
Siehe auch
- Liste der Kalifen
Literatur
- Gernot Rotter: Die Umayyaden und der zweite Bürgerkrieg. Steiner, Wiesbaden 1982, ISBN 3-515-02913-3
Kategorie:Mann
Kategorie:Kalif
Kategorie:Geboren 644
Kategorie:Gestorben 683
ms:Yazid bin Muawiyah
KalifDas Kalifat (abgeleitet aus dem arabischen khilâfa bzw. khalîfa rasûl Allâh (); arabisch khalîfa, Plural khulafâ’ "Nachfolger, Stellvertreter, Kalif", wörtlich also "die Nachfolger des Gesandten Gottes". Allerdings wurde unter Auslassung des Wortes rasûl schon unter den Umayyaden der Titel in khalîfat Allâh , "Stellvertreter Gottes [auf Erden]" geändert) ist eine islamische Regierungsform, bei der säkulare und geistliche Führerschaft in der Person des Kalifen vereint sind.
Mohammeds Lehre basierte nach seiner Auswanderung nach Medina auf einem theokratischen Modell: er war sowohl der Führer der religiösen Bewegung, als auch der Herrscher über den Machtbereich, in dem dieser Glauben gelebt wurde. Das Kalifat war somit nicht nur ein Amt, es wurde auch mit dem Machtbereich gleichgesetzt, dem Reich des Kalifen.
Siehe auch: Liste der Kalifen
Liste der Kalifen
Geschichte
Die Anfänge
Mohammed besaß keine direkten männlichen Nachkommen und hatte auch keinen Nachfolger bestimmt oder eine Prozedur zu dessen Wahl festgelegt. Nach seinem Tod 632 trafen sich die muslimischen Führer der Gemeinden. Ein Teil von ihnen vertrat die Meinung, Mohammed habe seinen Schwiegersohn Ali ibn Abi Talib zu seinem Nachfolger auserkoren. Der Großteil der Muslime war davon nicht überzeugt und legte erste Richtlinien für die Nachfolge fest. Demnach musste der Nachfolger des Propheten ein Araber aus dem Stamm Mohammeds (den Quraisch) sein, der zum einen für die Einhaltung der Regeln des islamischen Glaubens verantwortlich war, zum anderen die Verbreitung der Bewegung mit allen Mitteln, auch durch den Dschihad genannten Krieg, vorantreiben sollte. Die Mehrheit der muslimischen Führer wählte Abu Bakr, den Vater von Mohammeds Lieblingsfrau Aischa, zum Nachfolger des Propheten. Dieser nahm den Titel chalifat rasul allah an.
634 wurde Umar ibn al-Chattab zum zweiten Kalifen gewählt. In seiner Amtszeit dehnte sich die Macht der Muslime auf Syrien (635-636), den Irak/Mesopotamien (636) und Ägypten (639-642) aus. Nach dem Sieg der Muslime bei Nehawend (südlich von Hamadan) brach das Reich der Sassaniden im Iran endgültig auseinander (siehe Islamische Expansion).
Uthman ibn Affan, ein Schwiegersohn Mohammeds, wurde 644 zum dritten Kalifen gewählt. Bedeutung erlangte seine Regierungszeit vor allem durch die endgültige Abfassung des Koran. Er setzte aber auch die Expansionen seines Vorgängers fort. So wurde Tripolitanien (heute Libyen; 647) und weitere Teile des Iran erobert sowie erste Vorstöße nach Anatolien unternommen. Doch mit der Zeit machte er sich durch die Bevorzugung seiner Sippe (Umayyaden) bei der Ämter- und Beuteverteilung etliche Feinde, insbesondere unter den Heerführern und Muslimen der eroberten Gebiete. 656 wurde er von aufständischen Muslimen aus Ägypten und dem Irak in Medina ermordet.
Uthmans Gegner waren vor allem die Anhänger des bereits erwähnten Ali ibn Abi Talib, die Schiiten (aus dem arab. schiat ali, Partei Alis). Diese und die aufständischen Führer wählten Ali auch zum Kalifen. Doch Muawiya, der Statthalter von Syrien aus der Sippe der Umayyaden und damit ein Verwandter Uthmans, verweigerte die Gefolgschaft. Als es zum Ausbruch der Kämpfe kam, einigte man sich nach der Schlacht von Siffin auf Verhandlungen.
Eine Gruppe von Muslimen, die sich später Charidschiten nannte, sah darin eine Postenschacherei und eine große Schande und verließ das Lager Ali ibn Abi Talibs. 661 fiel Ali einem Attentat dieser Gruppe zum Opfer. Dessen Sohn Hassan verzichtete auf seinen Herrschaftsanspruch als er die Übermacht der Umayyaden erkannte. Muawiya begründete nun die Dynastie der Umayyaden-Kalifen. Hassans Bruder Husain erhob jedoch nach dem Tod von Muawiya I. Anspruch auf das Kalifat. Er wurde aber in der Schlacht von Kerbela (680) geschlagen.
Das Kalifat der Umayyaden
Nach der Machtübernahme der Umayyaden unter Muawiya mussten diese sich auch in der Folgezeit immer wieder gegenüber Oppositionsbewegungen behaupten. Umstritten war dabei die Legitimation der Umayyaden, denen u.a. vorgeworfen wurde in der Anfangszeit des Islams zu den heftigsten Gegnern des Propheten Mohammed gezählt zu haben. Nach der Befriedung des Kalifats konnten die Muslime ihre Expansion wieder aufnehmen. So wurde unter Abd al-Malik und al-Walid I. zu Beginn des 8. Jahrhunderts der Maghreb, Andalusien, Transoxanien und das Industal erobert. Damit erreichte das Kalifat seine größte Ausdehnung. Trotz dieser Erfolge dauerte die Opposition vieler Muslime an. Als sich nach 744 die Umayyaden durch interne Machtkämpfe schwächten, wurden sie durch den Aufstand des Abu Muslim gestürzt, der 749 die Dynastie der Abbasiden an die Macht brachte.
Das Kalifat der Abbasiden
Nach dem Sturz der Umayyaden durch die Abbasiden entwickelte sich der Irak mit der neuen Hauptstadt Bagdad zum politischen Zentrum des Kalifats. Zugleich wurde Bagdad, vor allem unter Harun al-Raschid (786-809), zu einem, wie es in den Geschichten Scheherazades in dem Buch Tausendundeine Nacht beschrieben wurde: eine vor Prunk und Reichtum strotzende Stadt und ein Zentrum der Kultur und Naturwissenschaften. Im 9. Jahrhundert hatte das Kalifat seine Blütezeit erreicht. Doch die Ausdehnung und die Bürokratie verlangten ihren Preis: Mehr und mehr gaben die Kalifen die politische Macht an Staatsminister, die Wesire und mittlere Beamte ab.
Dies führte seit Beginn des 9. Jahrhunderts zur Gründung unabhängiger Emirate (u.a. Aghlabiden, Tuluniden, Tahiriden und Samaniden), die nur noch formal der Herrschaft der Kalifen in Bagdad unterstanden. Zu Beginn des 10. Jahrhundert kam es im Maghreb und Andalusien sogar zur Gründung unabhängiger Kalifate (Fatimiden, Umayyaden). Mitte des 10. Jahrhunderts wurden die Kalifen in Bagdad politisch endgültig entmachtet und unterstanden in der Folgezeit der Kontrolle der persischen Buyiden bzw. türkischen Seldschuken (seit 1055). Die Kalifen waren damit nur noch geistiges Oberhaupt der Muslime. Zwar konnten die Kalifen während des 12. Jahrhunderts ihre politische Macht zumindest im Irak zurückgewinnen, doch wurde das Kalifat der Abbasiden mit der Eroberung Bagdads durch die Mongolen unter Hülägü 1258 zerschlagen.
Einigen Abbasiden gelang aber die Flucht nach Ägypten. 1261 wurde ein Prinz der Abbasiden vom Mameluken-Sultan Baibars in Kairo als Kalif eingesetzt. Seine Macht war aber nur spirituell und das teilweise auch nur in der Theorie. Bald trugen diese Kalifen nur noch einen inhaltslosen Titel, den sie 1517 den Osmanen übertrugen.
Das Kalifat der Fatimiden und spanischen Umayyaden
Die schiitischen Fatimiden, der Legende nach Nachfahren von Ali ibn Abi Talib und dessen Frau Fatima (daher der Name), gründeten ihr Kalifat 909 in Ifriqiya/Tunesien und dehnten ihren Machtbereich von Algerien bis Ägypten, Syrien und Sizilien aus. Nachdem sie 1059 zeitweise die Kontrolle über Bagdad errungen hatten begann der Niedergang dieser Dynastie. Sie wurde 1171 durch Saladin beseitigt.
Der letzte Umayyade, der den Massenmord an seiner Familie 750 durch die Abbasiden überlebt hatte, floh nach Andalusien. Dort gründeten seine Nachfahren 929 das umayyadische Kalifat. 1031 zerfiel es aber in mehrere Einzelreiche und erlosch.
Im 12. und 13. Jahrhundert beanspruchten im Maghreb noch die Almohaden und die Hafsiden das Kalifat.
Die Kalifen der Fatimiden und Umayyaden in Andalusien erlangten ebensowenig die allgemeine Anerkennung der Sunniten wie die Kalifen der Almohaden und Hafsiden.
Das Kalifat der Osmanen
Ab dem 13. Jahrhundert beanspruchten immer wieder muslimische Herrscher den Titel Kalif, der aber nun politisch bedeutungslos war. Jedoch gelang es im Jahre 1517 den osmanischen Sultanen das Osmanische Kalifat zu errichten. Erst im 19. Jahrhundert, als mehr und mehr Christen in die muslimischen Gebiete eindrangen, pochten die Sultane auf den Titel als geistiges Oberhaupt, um dadurch die Unterstützung der Muslime außerhalb ihres Machtbereiches zu erlangen. Nach der Niederlage des Osmanischen Reiches im Ersten Weltkrieg 1918 wurde der Sultan nach der türkischen Republiksgründung 1923 entmachtet. Die türkische Regierung schaf | | |