Home About us Products Services Contact us Bookmark
:: wikimiki.org ::
Quraisch

Quraisch

Die Koreischiten (auch Quraisch, Quraish oder Quraysh, Arabish قريش) sind ein arabischer Stamm, von dem der Prophet Mohammed abstammt. Während des frühen 6.Jh. übernahmen die Koreisch die Kontrolle über die Stadt Mekka und die schon in vorislamischer Zeit als Heiligtum verehrte Kaaba. Sie konnten sich vor allem als erfolgreiche Händler etablieren, durch Clanrivalitäten innerhalb des Stammes zerfiel dieser jedoch in Fraktionen. Eine der bedeutenderen Fraktionen waren die Abu Shams, die anfangs Mohammed und seine Anhänger verfolgten später jedoch die Grundlage der Omayadendynastie bildeten. Mohammed selbst gehörte zu den rivalisierenden Hashim, aus ihnen bildeten sich später die Shiiten und die Abbasidendynastie. Die Abstammung vom Stamm der Koreischiten galt bei den islamischen Staatstheologen des Mittelalters (zum Beispiel al-Mawardi) als Bedingung für das Amt des Kalifen. Er umfasst die beiden Hauptzweige Banu Muttalib und Banu Haschim (Haschemiten). Das heutige Herrscherhaus Jordaniens stammt von den Banu Hashim ab, weshalb Jordanien auch "Haschemitisches Königreich Jordanien" heißt. Auch die irakische Monarchie war von ihrer Einsetzung durch die Engländer 1921 bis zu ihrem Sturz 1958 haschemitisch. Nach Abschaffung des Osmanischen Kalifats im Jahre 1924 versuchte der Haschemit Hussein, König von Hedschas zu Mekka, im Jahre 1925 das Kalifat für sich zu erringen, ohne jedoch allgemeine Anerkannung zu finden. Als er 1926 Gebiet des Hedschas, in dem die heiligen Stätten Mekka und Medina liegen, verlor, wurde dieser neue Kalif endgültig zur tragischen Gestalt, da er auch keine weltliche Macht mehr besaß. Seine beiden Söhne waren jedoch bereits von den Engländern als Könige des Irak und Transjordaniens eingesetzt worden. Auch Karim Agha Khan IV. stammt nach der Überlieferung der Nizaris über Ali ibn Abi Talib aus dem haschemitischen Zweig der Koreischiten. In der islamischen Welt gilt die Abstammung vom Stamm der Koreischiten bis heute als ein Zeichen von Prestige. Hunderttausende wenn nicht gar Millionen von Moslems beanspruchen eine Abstammung aus den Stamme der Koreischiten, was jedoch meistens nicht nachprüfbar ist. Bei den oben genannten Haschemiten scheint die Abstammung von den Koreischiten jedoch sehr wahrscheinlich. Der Name Quraischi ist auch heute noch keineswegs selten. Bekanntester Namensträger ist heute wohl der pakistanisch-englische Schriftsteller und Drehbuchautor Hanif Kureishi. Kategorie:Arabische Ethnie

Araber

Die Zuordnung einer Person zur Gruppe der Araber kann auf unterschiedlicher Grundlage erfolgen:
- politisch: leben in einem Land, welches zur Arabischen Liga gehört - das betrifft ca. 300 Millionen Menschen.
- linguistisch: sprechen eine arabische Sprache (siehe unten) - das betrifft ca. 200 Millionen Menschen.
- genealogisch: die Vorfahren stammen von einem bestimmten Volk der arabischen Halbinsel.
- ethnisch handelt es sich bei den Arabern um semitische Nomadenstämme im nördlichen und zentralen arabischen Steppengebiet. Oft spielen mehrere oder alle Merkmale eine Rolle. So sind nach Sir Hamilton Gibb Araber solche Menschen, "für die die Mission des Propheten Muhammad und die Erinnerung an das Arabische Reich das zentrale historische Faktum sind und die darüber hinaus die arabische Sprache und ihr kulturelles Erbe als ihre gemeinsame Wurzel betrachten und an ihr festhalten." Nachdem die Definition in unterschiedlichen Kulturkreisen und Zeiten stark voneinander abweicht, ist eine eindeutige Zuweisung nur im entsprechenden Kontext möglich.

Textquellen

Die ältesten Überlieferungen stammen von den Assyrern (Inschrift aus dem Jahre 853 v.Chr.), aus der Genesis (10. Kapitel) und von Aischylos (Prometheus). In den assyrischen Texten tauchen die Begriffe "Arabi", "Arabu" oder "Urbi" häufig als Bezeichnung für einen Landstrich oder für ein Volk auf, das in der nördlichen Region der arabischen Halbinsel lag bzw. lebte. Nicht zu verwechseln mit dem Volk der Sabäer die im Königreich Saba auf dem Staatsgebiet des heutigen Jemens lebten. Herodot und viele andere griechische und lateinische Schriftsteller bezeichneten als Arabien die ganze Arabische Halbinsel und als Araber alle ihre Bewohner (einschließlich derer der ostägyptischen Wüste zwischen Nil und Rotem Meer). Auf Relikten der im Süden der arabischen Halbinsel lebenden Stämme (Sabäer) wird der Begriff zum ersten mal von Personen, die auf der arabischen Halbinsel leben, gebraucht. Als Araber werden Beduinen und Räuber bezeichnet. Somit dient das Wort der Trennung der sesshaften Bevölkerung von der nomadisierenden Bevölkerung. In arabischer Sprache, aber noch in nabatäisch-aramäischer Schrift verfasst, tauchte das Wort 'raber im frühen vierten Jahrhundert nach Christus in einem Text der Grabinschrift von Namara auf und erzählt die Geschichte eines "Königs aller Araber" (Imru al-Qais), der die Oberherrschaft über alle Nomaden in Nord- und Zentralarabien beanspruchte.

Linguistische Definition

Zur Herkunft des Wortes arab existieren mehrere Ansätze. Einige führen es zurück auf die semitische Wurzel "Westen", die von den Bewohnern Mesopotamiens auf die Völker westlich des Euphrattals angewandt wurde; auch "Abhar" für "reisen, weiterziehen" wird als möglich angenommen. "A'raabi أعرابي" und "arabi عربي"; A'raabis sind die Nomaden, während arabis die Bewohner der Städte waren.

Arabisch-Islamische Expansion

Im Zuge der islamischen Expansion breiteten sich die Araber im 7. und 8. Jahrhundert von ihrem ursprünglichen Gebiet auf der arabischen Halbinsel nach Nordafrika, Spanien, Palästina, Syrien und Persien aus.

Bedeutungswandel des Wortes

Die Bedeutung des Begriffes Araber unterlag einem gewissen Wandel:
- In vorislamischer Zeit galt die Unterteilung der Araber zu Nomaden (A'raab) auch als Beduinen bekannt, Stadtbewohner (A'rab) und ausgestorbenen Stämmen. Darüber hinaus unterschied man die nordischen Adnan-Stämmen von den südlichen Qahtan-Stämmen. Die größte Konzentration der Araber war auf der arabischen Halbinsel zu finden, dennoch gab es arabische Stämme im Nil-Tal, im Römischen Reich und in Persien.
- In der Zeit des Propheten Mohammed hat sich an der Unterteilung nichts geändert. Die Sprache wurde aber einheitlicher, denn der Koran wurde in der städtischen Sprache von Mekka und Umgebung verfasst, was dazu führte, daß viele Dialekte verschwanden.
- Zur Zeit der Ausbreitung des Islamischen Weltreichs galten als Araber alle arabisch sprechenden Menschen, die zu einem arabischen Stamm oder zu dessen Nachfahren gehörten. Die Unterscheidung zwischen den Arabern und den Nichtarabern innerhalb des Staates war einfach, da die Vermischung der Völker sich noch am Anfang befand. Es war nie die Absicht eine strikte Trennlinie zwischen den Menschen zu ziehen.
- In der Blütezeit des Islamischen Weltreichs vermischten sich die Araber mit den anderen Völkern immer stärker. Der Islam und die arabische Sprache wurden die zentralen Gemeinsamkeiten der Bevölkerung des Islamischen Weltreichs. Die Ansiedelung der Turkvölker hat mit der Entwicklung des Begriffs Araber wenig zu tun.
- Am Ende des ersten Abbasidenstaates (13. Jahrhundert) setzt sich im Okzident zur Bezeichnung der Einwohner der islamischen Welt die Bezeichnung Sarazenen durch. Der erste Abbasidenuntergang war im Jahre 1258 in Bagdad durch die Mongolen. Der zweite Untergang war im Jahre 1517 in Kairo durch die Osmanen.
- Im Osmanischen Reich änderte sich hier auch nichts an der Grundunterteilung der Araber. Hier war der Herkunftsnachweis in vielen Fällen nicht mehr möglich. Deshalb bezeichnet man heutzutage jeden als Araber, der die Sprache spricht und sich zum Arabersein bekennt, es sei denn, man kann seine Herkunft nachweisen, dann gilt die Person als arabisch, auch ohne die Sprache zu können.

falsche Verwendung der Bezeichnung Araber

sehr beliebt ist die Bezeichnung 'Araber' auch für die iranischen Völker Irans, Afghanistans und Tadjikistans. Diese Bezeichnung ist jedoch gänzlich falsch, da sich die Perser sowohl durch Sprache, Sitten und Gebräuche (iranischer Kulturkreis), Religionen, Politik, Ethnie und Lebensraum streng unterscheiden. Durch die Nachbarschaft ist es da nicht verwunderlich, dass es in der gesamten Geschichte Irans immer wieder zu Kriegen zwischen diesen Völkern kam. Neuestes Beispiel: erster Golfkrieg. Um 641 unterlagen die Perser der islamischen Expansion, infolge dessen sie arabische Schrift und islamischen Glauben annahmen. Der Irak als Südgebiet des Irans ging an die Araber verloren. Die persische Sprache gehört zu den indoeuropäischen Sprachen. Im heutigen Iran macht der Anteil der Araber an der Bevölkerung ca. 3% aus.

Konfessionen

Die große Mehrzahl der Araber sind Muslime der verschiedenen islamischen Konfessionen. Die christlichen Araber gehören überwiegend den altorientalischen Kirchen an, wie z.B. der Assyrischen Kirche des Ostens, der koptischen Kirche oder der Syrisch-orthodoxen Kirche, in Syrien und Palästina finden sich aber auch viele Östlich-Orthodoxe und im Libanon katholische Maroniten. In neuerer Zeit gibt es auch kleine Gruppen von Protestanten, meist durch US-amerikanische Mission. schlauster araber:momo

Organisationen


- Arabische Liga

Literatur


- Bernard Lewis: Die Araber. - ISBN 3423308664 - Fundierte historische Einführung Kategorie:Nahost Kategorie:Arabien als:Araber ja:アラブ人 ko:아랍인

Prophet

Ein Prophet ist eine Person, die eine Botschaft von einem Gott durch Traum, Vision oder Audition empfängt und den Auftrag erfüllt, diese Botschaft anderen zu überbringen; ihr (meist, aber nicht immer vorhandenes) Selbstverständnis als Prophet beruht auf einem persönlichen Gottesverhältnis. Das Wort stammt aus der griechischen Bibelübersetzung: die Septuaginta übersetzt das hebräische Substantiv נבי/nābī meist mit προφητης/prophētēs, wörtlich "Sprecher(in) (einer Gottheit)". Die Rolle des Propheten findet sich in verschiedenen Religionen (z.B. die Sibyllen) und ist ursprünglich verschieden von der des Priesters, des Schamanen, Wahrsagers oder ähnlichem. In den abrahamitischen Religionen werden die Propheten Israels, die in der hebräischen Bibel (Tanach bzw. Altes Testament) erwähnt werden, in besonderer Weise verehrt. Als Empfänger der göttlichen Offenbarung traten sie als Warner des Volkes Israel auf und bildeten damit einen Gegenpol zu Priesterschaft und Königtum. Eine wichtige Rolle spielten sie zur Zeit des Babylonischen Exils, da diese beiden Institutionen nicht mehr existierten. Ihre Botschaft beinhaltet starke ethische Elemente.

Altes Israel und Judentum

Im Alten Israel wird die Herrschaft über das Volk als Theokratie dargestellt: Mose ist der von Gott berufene Prophet und Führer des Volkes in einer Person, der auch die religiösen Ordnungen installiert und den Tempeldienst anordnet und ordnet.
- Nach der Landnahme lebt das Volk Israel als eine Zwölf-Stämme-Amphiktionie je um das jeweilige Stammesheiligtum. Nur wenn einer der Stämme angegriffen wurde, waren alle anderen Stämme zur militärischen Hilfeleistung verpflichtet. Die Leitung dieses Heeres übernahm ein durch besondere Zeichen dazu berufener Heerführer, "Richter" genannt (siehe Buch der Richter):
- Aus diesem Richteramt scheint sich das Amt des Propheten entwickelt zu haben, wie sie in der Berufung Samuels angedeutet wird, eine Instanz, die für alle Stämme Israels Gottes Ordnungen gültig interpretierte.
- Dies wird deutlich in der Zeit, als sich die Amphiktionie in ein Königtum wandelt und zehn Stämme eine Wahlmonarchie und zwei Stämme eine Erbmonarchie installieren und der Prophet Samuel die entscheidende Rolle bei der Bildung der Personalunion in den Personen Saul und David spielt.
- Mit der Installation des Königtums verlieren viele Ordnungen der Richterzeit an Bedeutung und Machtmissbrauch und Mißachtung der Gottesordnungen zerrütten die alte Gottesordnung. Hier hat das Amt des Propheten die Bedeutung und die Aufgabe, Volk und Volksführung (besonders die Könige) zur Ordnung Gottes zu rufen.
- Eine besondere Rolle spielen in diesem Zusammenhang die Berufungsgeschichten, die den jeweilig auftretenden Propheten als Gottesboten ausweist (Jesaja 6). Mehr über die Propheten Obadjah, Jonah, Micha, Nahum, Habakuk, und Zephanjah.

Christentum

Für das Christentum sind die Botschaften der einzelnen Propheten Israels einerseits von Bedeutung als entscheidende Momente in der Geschichte Gottes mit dem Menschen, andererseits als eine Vorausdeutung auf das Leben und Wirken von Jesus (siehe z.B. Jes 7.9.11). Zu den Propheten des Alten Testaments kommen im Neuen Testament einzelne christliche Propheten hinzu, jedoch nicht in herausragenden Rollen; so etwa Agabus, der Paulus seine Gefangennahme prophezeit. Allerdings weisen die Apostelgeschichte und die Briefe des Neuen Testaments auch auf eine gewisse "Alltäglichkeit" der Prophetie und der Propheten hin. In 1. Korinther 12 wird z.B. die prophetische Rede (oder Weissagung) mit anderen Gaben oder Ämtern genannt (Vers 28). 1. Korinther 14 fordert die Gemeinde förmlich dazu auf, nach der prophetischen Rede als eine von Gott gegebene Geistesgabe zu trachten, und nennt sie der Zungenrede weit überlegen. An dieser Stelle wird die prophetische Rede oder Weissagung auch als wichtiges Instrument für die Erbauung der Gemeinde dargestellt. Der Autor dieses Briefes (Paulus) ordnet sogar an, wie viele Propheten maximal in einer Zusammenkunft (oder Gottesdienst) aufstehen sollen. In vielen weiteren Stellen des neuen Testaments werden die Prophetie und Propheten in solch 'alltäglichem' Kontext dargestellt. Die Propheten sind nach neutestamentlichem Verständnis somit ebenso konstitutiver Teil der Gemeinde wie Lehrer und Apostel. Gerade wegen der Entschränkung der Prophetie ist die Möglichkeit für prophetische Botschaften mit dem Abschluß des biblischen Kanons jedoch keineswegs beendet, obschon eine inhaltliche Erweiterung der Botschaft meist wegen des hervorgehobenen Charakters der Botschaft Jesu und seiner Person abgelehnt wird. Die moderne Theologie bezeichnet theologische Aussagen, die kritisch "gegen den Zeitgeist" gerichtet oder 'unpopulär' sind, manchmal immer noch als "prophetisch", und hebt damit hervor, dass die Botschaften der alten Propheten zur Zeit der Verkündung ebenfalls gesellschaftskritisch und durchaus unpopulär gewesen sind.

Islam

Im Islam wird Mohammed als "Gesandter" (rasul) – und zwar als letzter und größter – bezeichnet, weil er die Suren des Korans durch göttliche Inspiration empfangen und aufgeschrieben habe. Nach islamischer Auffassung stellt der Koran die letzte Offenbarung Gottes dar, weshalb Mohammed als "Siegel der Propheten" die Reihe der Gesandten endgültig abschließt. Gesandte werden im Islam diejenigen genannt, die den Inhalt des Koran zur Kenntnis erhalten und verkündet (ausgerufen) haben. Zu diesen werden Isa (Jesus), Yunus (Jonas) und Yahya (Johannes der Täufer) ebenso gerechnet wie die zentralen Kulturstifter-Gestalten des alten Testaments wie Adam, Nûh (Noach), Ibrahim (Abraham) und Mûsa (Moses), außerdem Hud (Heber), Shuaib und Saleh aus der arabischen Überlieferung sowie etliche weitere biblische Gestalten. Daneben gibt es die Propheten, die Teile des Gotteswillens verkündet haben. Es handelt sich um viele auch im Christentum als "Propheten" im engeren Sinne bezeichnteten Personen.

Mormonen

Bei der Religionsgemeinschaft der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage steht an der Spitze der Kirchenorganisation auch ein Prophet, intern auch "Prophet, Seher und Offenbarer" genannt, der dem Glauben der Mitglieder nach die wichtigen Offenbarungen für die heutige Zeit und die die Zukunft empfängt. Näheres dazu siehe unter Propheten der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.

Sonstige Religionen

Auch in nichtabrahamitischen Religionen ist die Rolle eines Propheten bekannt.
- [http://www.texfiles.com/features/prophecies.htm Indianische Propheten]

"Propheten" als Hellseher

Neben den Propheten des Alten Testaments und anderer Religionen gibt es auch Personen, die umgangssprachlich "Propheten" genannt werden, deren Aussagen über die Zukunft aber strenggenommen keine Prophetie sind, sondern Weissagungen, Vorhersagen, Visionen, hellseherische Sprüche und ähnliches mehr, und die nicht unbedingt an eine göttliche Wesenheit zurückgebunden werden. So beruft man sich eher auf astrologische Phänomene oder schöpft aus besonderen spirituellen oder anderweitig esoterischen Quellen.
- Nostradamus
- Alois Irlmaier
- Andreas Rill
- Mühlhiasl

Literatur


- Khalil Gibran: Der Prophet. - Düsseldorf: Patmos, März 2003. - ISBN 3-491-50703-0 (Original erschienen 1923)
- [http://www.staff.uni-mainz.de/horst/hildegard/adelgund/adelgun1.html Eine "nachinkarnatorische Prophetin"]

Siehe auch


- Portal:Bibel Kategorie:Theologie ja:預言者

Mohammed (Prophet)

Mohammed, (, mit vollem Namen Muhammad ibn Abd Allah ibn Abd al-Muttalib ibn Haschim ibn Abd Manaf al-Qurayschi) geb. gegen 571 in Mekka, gest. 632 in Medina ist der Stifter der islamischen Religion und wird von den Muslimen als das Siegel der Propheten angesehen. Muslime setzen und sprechen hinter den Namen Mohammeds die Eulogie «Gott segne ihn und schenke ihm Heil!» (siehe Islamische Eulogien).

Leben

Es gibt so gut wie keine unabhängigen zeitgenössischen Quellen zu Mohammeds Leben und Wirken; auch der Koran wurde erst etwas zwanzig Jahre nach seinem Tod schriftlich fixiert. Aus Sicht eines Historikers ist also zu bedenken, dass fast alles, was über das Leben des Propheten berichtet wird, aus parteiischen Quellen stammt, die ihn entweder als Verkünder einer göttlichen Wahrheit preisen oder als "Verführer" ablehnen. Die folgende Darstellung folgt im wesentlichen der islamischen Tradition.

Kindheit

Mohammed wurde in der arabischen Stadt Mekka als verarmtes Familienmitglied der Haschemiten aus dem bedeutenden vorherrschenden Stamm der Quraisch (Quraysh) im so genannten Jahr des Elefanten nach dem Tod seines Vaters Abdullah geboren. Viele Muslime feiern Mohammeds Geburtstag - nach dem islamischen Mondkalender - am 12. Rabi' al-Awwal. In westlichen Quellen findet man häufig das Datum 20. April 571. Tatsache bleibt jedoch, daß die genauen Geburts- und Todesdaten unbekannt sind. Im Alter von sechs Jahren verlor er seine Mutter Amina und wurde dann von seiner Pflegemutter (Halima) betreut, bis diese ebenfalls starb. Anschließend lebte er bei seinem Großvater Abd al-Muttalib. Nach dem Tod seines Großvaters kam Mohammed unter den Schutz seines Onkels Abu Talib (jüngerer Bruder seines Vaters) und seiner Cousins (u. a. Ali bin Abu Talib --> später Kalif). In jungen Jahren arbeitete er als Schafhirte, später nahm er angeblich an zwei Reisen der Handelskarawanen in den Norden (Syrien) teil. Die ersten Kontakte zu anderen - monotheistischen - Religionsgemeinschaften, Juden und Christen, fanden wohl schon in diesem Zeitraum, vor seiner Berufung zum Propheten, statt. Einer Legende zufolge, die später in der islamischen Prophetenbiographie überliefert wurde, soll er auf einer Handelsreise in den Norden dem Mönch Bahira begegnet sein, der in einer Traumvision Mohammed mit einem Heiligenschein gesehen haben will. Eine andere Variante dieser Legende besagt, daß ein Mönch das Siegel des Prophetentums zwischen Mohammeds Schultern gesehen habe, als sich dieser auf einer Handlungsreise in Syrien befand. Die Berichte über seine Handelsreisen dienen wahrscheinlich als „Rahmengeschichten“ für diese Voraussagen über seine spätere Prophetie.

Mannesalter

Gegen 595 bot ihm seine damalige Arbeitgeberin, die 15 Jahre ältere zweifache Kaufmannswitwe Chadidscha bint Chuwailid (555(?)-619) aus dem angesehenen quraischitischen Geschlecht 'Abd al-'Uzza, die Heirat an. Mit ihrer Hilfe erlangte Mohammed seine finanzielle Unabhängigkeit und soziale Sicherheit, eine Wende in seinem Leben, die in der Sure 93 ihre Spuren hinterließ. Sie war die erste Person, die an Mohammeds Botschaft geglaubt hat; die islamische Geschichtsschreibung betrachtet sie daher als die erste Muslimin in Mekka. Aus ihrer Ehe mit Mohammed ging u.a. seine Tochter Fatima hervor, die als einziges seiner Kinder selbst Nachkommen hatte. Von ihr stammen alle Nachfahren Mohammeds ab. In der Beschreibung der ersten Offenbarungen durch die islamischen Biographen, wie Ibn Ishaq, werden Chadidscha, ferner Ali ibn Abi Talib und Abu Bakr als die ersten Anhänger Mohammeds genannt.

Die mekkanische Periode der Prophetie

Die wichtigsten Quellen über Mohammeds Prophetie sind, neben dem Koran als historische Quelle, die zunächst mündlich dann - gegen Ende des ersten islamischen Jahrhunderts - schriftlich überlieferte Prophetenbiographie, die dann auch in der annalistischen Weltgeschichte (z.B. von at-Tabari) verarbeitet wurde, die alte Poesie und schließlich die Traditionsliteratur (Hadith), in der neben einem gewissen authentischen Kern auch die Vorstellungen der Folgegenerationen über Mohammeds Gestalt zum Ausdruck kommen. Gegen 610 soll ihm der Erzengel Gabriel (arabisch Dschibril) erschienen sein, der ihm befahl: „Trag vor im Namen deines Herrn, der erschaffen hat, den Menschen aus einem Embryo (Blutklumpen) erschaffen hat! Trag vor...!“ (Anfang der Sure 96). In der Biographie heißt dann dazu, Mohammed habe erwidert: „Ich kann nicht vortragen/rezitieren“. Diese und andere Koranverse in den Suren 93 und 74 stellen die Anfänge der Offenbarungen und somit den Anfang von Mohammeds Prophetie dar. Mohammed wird um jene Zeit zwischen 35-40 Jahre alt gewesen sein; dafür spricht ein Koranvers, in dem er mit den Polytheisten polemisierend sagt: :::„Wenn Gott gewollt hätte, hätte ich ihn (d.h. den Koran) euch nicht vorgetragen und er hätte euch nicht davon Kenntnis gegeben. Ich habe doch ein Leben lang ('umr) unter euch verweilt, noch ehe er (d.h. der Koran) da war" (Sure 10, Vers 16). Unter dem hier verwendeten Begriff umr versteht man eine Zeitspanne von 35-40 Jahren. Man geht daher meist davon aus, dass Mohammed um 610 mit seiner Tätigkeit als Prophet begann. Die ältesten Berichte über die mekkanische Periode der Prophetie, die einen authentischen, historischen Kern haben, die Überlieferungen von al-Zuhrî (gest.742) und von 'Urwa ibn al-Zubair (gest. gegen 712), informieren uns über die Anfänge des Islams in Mekka: die ersten Anhänger waren junge Menschen (ahdâth ar-ridschâl) und sozial schwache (du'afâ' an-nâs). Selbst Mohammed kam aus einem vearmten Zweig der Banu Haschim, eine Tatsache, die auch im Koran ihre Bestätigung findet, wo man die mekkanische Opposition wie folgt sprechen läßt: ::: "Und sie (die mekkanische Opposition) sagten: warum ist dieser Koran nicht auf einen mächtigen Mann von den beiden Städten (d.i. Mekka und Ta'if) herabgesandt worden? Verteilen etwa sie die Barmherzigkeit deines Herrn...? (Sure 43, Vers 31-32). Anfangs, bis etwa 614, haben die einflußreichen Vertreter der Quraisch keine Einwände gegen Mohammeds Lehren gehabt, die er sowohl öffentlich als auch insgeheim (sirran) verbreitete. Erst als er den Götzenkult und den Polytheismus der Vorfahren angriff, bildete sich eine starke Opposition gegen Mohammed und seine Anhänger. Dies äußerte sich in einer Reihe von gewalttätigen Übergriffen auf Neukonvertierte, wie auch die Person Muhammads selbst. Im späteren Verlauf der Ereignisse versuchten die Mekkaner den Muslimen durch einen Handelsboykott die Existenzgrundlage zu entziehen. Somit waren die öffentlichen Auftritte Mohammeds in Mekka beendet: er erhielt - nach den arabischen Stammesgesetzen - im Haus des Arqam ibn Abi 'l-Arqam in Mekka Schutz (um 614) und befahl einem Teil seiner Anhänger, nach Abessinien, damals Handelsplatz der Mekkaner, auszuwandern (um 615). Die Historiographie klassifiziert die ersten Muslime der mekkanischen Periode nach diesen Ereignissen: Muslime, die sich vor Mohammeds Einzug in das Haus von Arqam bekehrten, Muslime, die während Mohammeds Aufenthalt in jenem Haus den Islam annahmen und die "Auswanderer" nach Abessinien. Die Zeit zwischen 616-622 in Mekka ist historisch nur in ihren Konturen rekonstruierbar, denn die überwiegend widersprüchlichen Berichte der ältesten Historiographen nur teilweise mit der angenommenen Chronologie der mekkanischen Offenbarungen in der Koranexegese (tafsir) in Einklang zu bringen sind.Der Inhalt der mekkanischen Suren läßt darauf schließen, daß Mohammed sich zunächst als "Warner" (nadhir - arab. نذير ) seines Volkes verstand, vieles am religiösen status quo in Mekka duldete und einfache, für alle nachvollziehbare religiöse Pflichten einzuführen versuchte: ::: "Mir wird nur eingegeben, daß ich (nur) ein deutlicher Warner sei" (Sure 38, Vers 70). ::: "Selig sind die Gläubigen, die in ihrem Gebet demütig sind, dem Gerede kein Gehör schenken, die Almosensteuer entrichten und sich des Geschlechtsverkehrs enthalten, außer gegenüber ihren Gattinen..." (Sure 23, Vers 1-6). Sein offenes Auftreten gegen den Götzenkult in Mekka trotz Anerkennung des höchsten Heiligtums auf der Arabischen Halbinsel - al-Ka'aba - , seine gescheiterte Annäherung an die Bewohner der Stadt Ta'if, die Unterdrückung seiner Anhänger in Mekka, nicht zuletzt aber der Tod seines Beschützers Abu Talib und seiner Frau Chadidscha (gegen 619) waren die Gründe für die Aufnahme von Kontakten mit den Bewohnern von Yathrib als Vorbereitungsphase der Hidschra. Einflußreiche Bürger von Yathrib, das später al-Madina (eig. madinat al-nabiy = die Stadt des Propheten)heißen sollte, haben Mohammed und seinen Anhängern nach den damals geltenden Stammesgesetzen Schutz und Sicherheit in Yathrib zugesagt und zwischen 621-622 vertraglich festgelegt. Schon in der Retrospektive wird die Auswanderung nach Yathrib in einigen medinensischen Koranversen geschildert: ::: "Wenn ihr ihm (dem Propheten) keinen Beistand leistet, Gott hat ihm schon (früher) Beistand geleistet, als die Ungläubigen ihn zu zweit (aus Mekka) vertrieben, als die beiden in der Höhle waren und als er (der Prophet)zu seinem Gefährten sagte: 'sei nicht traurig, denn Gott ist mit uns' " (Sure 9, Vers 40). Dies ist eine klare Anspielung auf die Hidschra Mohammeds mit seinem Gefährten Abu Bakr; Einzelheiten darüber liefert später die Prophetenbiographie. Mohammeds Botschaft in Mekka scheiterte nicht nur an der Übermacht der Polytheisten sondern auch am Verlust einer ausbaufähigen sozialen Basis in einflußreichen Kreisen der Stadt. Seine Ankunft in Quba', in der Nähe von Medina, wird - rückwirkend - auf den 12 Rabi' I. des ersten muslimischen Mondjahres, auf den 24. September 622 datiert. Die Eingebungen, die Mohammed wahrnahm, waren oft mit körperlichen Beschwerden verbunden. Frösteln und Schaudern sind überliefert. Daher ließ er sich gewöhnlich einen Schleier oder einen Mantel reichen (Koran, Suren 73f). Die Menschen hörten ihn - so in einigen Berichten der Prophetenbiographie und der Hadith -Literatur - dann stöhnen, röcheln aber auch schreien. Danach war er schweißgebadet und litt an Kopfschmerzen. Manchmal sah er auch Engel in Menschengestalt. Die Umsetzung des Gehörten in logische Sätze kostete ihm dann viel Mühe. Der Koran empfiehlt darum dem Propheten, nicht ungeduldig zu werden und „nicht die Zunge zu rühren, um die Artikulation zu beschleunigen“ (Koran, Sure 75,16). Denn er hatte Angst davor - wie darüber die Hadith-Literatur mehrfach berichtet, den Anfang der Offenbarung zu vergessen, bevor diese zu Ende ging.

Die medinensische Periode der Prophetie

Yathrib, nach dem arabischen Sprachgebrauch nunmehr al-Madina, hatte zum Zeitpunkt der Hidschra andere Gesellschaftsstrukturen als Mekka. Die Bevölkerung setzte sich aus rivalisierenden Stämmen und Unterstämmen der Aus und Khazradsch zusammen. Ebenso gab es mehrere jüdischen Sippen, unter ihnen waren die Banu n-Nadir, Qurayza und Qaynuqa' die einflußreichsten. Ferner hatte die Stadt auch Bewohner, die schon vor der Hidschra Muslime geworden waren. Die medinensischen Anhänger nannte man die "Helfer" / "Unterstützer" (al-Ansar). Hinzu kamen die mekkanischen Anhänger Mohammeds, die "Auswanderer" (Muhadschirun). Weitere jüdische Siedlungen gab es nördlich von Medina bei Khaibar. Schon aus eigenem Interesse war es Mohammeds Aufgabe, alle Stämme und Unterstämme der Aus und Khazradsch, ferner die Juden und die Auswanderer aus Mekka in einer einzigen Gemeinschaft (Umma) zusammenfassen. Hierfür diente der sog. "Vertrag von Medina", der im Wortlaut in der Prophetenbiographie des Ibn Ishaq erhalten ist und dessen Authentizität von der Islamwissenschaft - trotz Datierungsproblemen - nicht angezweifelt wird. Nicht nur allen namentlich angeführten Vertretern von Islam und Judentum stehen die gleichen Rechte und Pflichten zu, sondern auch die Religionen werden anerkannt; die Juden bilden eine Umma mit den Gläubigen (d.h. den Muslimen): „Die Juden haben ihre Religion (din) und die Muslime ihre Religion“. Die Ansar und Muhadschirun genießen untereinander Gleichstellung. Mohammed definiert in diesem Vertrag auch seine Position deutlich: er ist „der Gesandte Gottes“ und „der Prophet“, nennt sich aber auch mit seinem Namen einfach „Mohammed“, der bei Streitigkeiten zu Rat gezogen wird. Hier zeichnen sich die theokratischen Züge der medinensischen Umma ab. Die erwähnten Stämme und Sippen gewähren untereinander Schutz; die Täler um Yathrib sind für alle Vertragspartner heiliges Gebiet. Ausdrücklich ausgeschlossen sind aus dem Vertrag die Polytheisten (al-muschrikun). Eine konsequente Abgrenzung von den „Schriftbesitzern“ (ahl al-kitâb) ist ursprünglich nicht die Absicht Mohammeds gewesen; denn die im oben erwähnten „Vertrag von Medina“ artikulierte Anerkennung der Religion des
Anderen begegnet uns schon in der in Mekka offenbarten Sure 109 ("Die Ungläubigen): :::Ihr Ungläubigen! Ich verehre nicht, was ihr verehrt (....) ihr habt eure Religion, und ich die meine". Historisch betrachtet waren die Adressaten in jener Zeit der Prophetie die Polytheisten von Mekka, die Götzendiener, gegen die Mohammed schon in Mekka ins Feld zog. In Medina änderte sich die Situation - zunächst - schlagartig. Mohammed war bestrebt, einiges aus dem Ritual der Juden zu sanktionieren genauso, wie er es verstanden hat, vorislamische Riten in die Wallfahrtszeremonien zu integrieren; in Sure 2,Vers 158 heißt es: :::as-Safa und al-Marwa gehören zu den Kultsymbolen Gottes...es ist für ihn (den Pilger) keine Sünde, bei ihnen den Umgang zu machen" . An dieser Stelle tut sich die Koranexegese (tafsir) etwas schwer, denn an den genannten Orten standen in der vorislamischen Zeit zwei Götzen: Isaf und Na'ila, um die man den Umgang (tawaf) zu machen pflegte. In Medina kam das Fasten am 'Aschurafest der Juden, nach dem islamischen Kalender am 10. Muharram, hinzu; an diesem Tag fastete man, nach dem jüdischen Brauch, von Sonnenuntergang bis zum nächsten Sonnenuntergang und nicht, wie im Ramadan, nur den Tag über. Ob die Verlegung der Gebetsrichtung (qibla) nach Jerusalem auf jüdisches Vorbild zurückgeht, ist indes fraglich, denn auch die Christen der Ostkirche beteten in diese Richtung.

Militärische Aktivitäten (ghazawât) Mohammeds und seiner Anhänger

Die Verbreitung der neuen Religion wurde entscheidend durch die Schwäche der beiden spätantiken Großmächte Ostrom und Persien begünstigt, die in den Jahrhunderten zuvor die Araber politisch und militärisch kontrolliert hatten, nun aber durch jahrzehntelange Kriege gegeneinander abgelenkt und angreifbar waren und die Ereignisse in Arabien erst bemerkten, als es für sie bereits zu spät war. Die historischen Ereignisse, die politischen Aktivitäten der zunächst kleinen medinensischen Gemeinschaft der Muslime, finden im Koran meist in Form von Anspielungen ihre Bestätigung. Es sind dies die Feldzüge des Propheten gegen die Mekkaner, wie die Schlacht bei Badr im Jahre 624; dazu heißt es inhaltsreich im Koran, Sure 3,123: :::
Gott hat euch doch in Badr zu Sieg verholfen, während ihr ein bescheidener, unscheinbarer Haufe waret... Über die gegen die Mekkaner verlorene Schlacht bei Uhud im Jahre 625 sind lange moralisch belehrende Verse offenbart worden; in Sure 3, 172 heißt es u.a.: :::Denen, die, nachdem sie die Schlappe erlitten hatten, auf Gott und den Gesandten hörten, steht – soweit sie rechtschaffen und gottesfürchtig waren – gewaltiger Lohn (im Jenseits) zu... Die Expedition in den Norden nach Tabuk bis an Südgrenze des byzantinischen Reiches, die unentschieden endete, hat in den oft zitierten Versen der Sure 9 (al-tauba) als Kriegserklärung an die nichtmuslimische Außenwelt ihren Niederschlag gefunden: ::: Kämpft gegen diejenigen, die nicht an Gott und den jüngsten Tag glauben und nicht verbieten, was Gott und sein Gesandter verboten haben, und nicht der wahren Religion angehören – von denen, die die Schrift erhalten haben – kämpft gegen sie bis sie kleinlaut aus der Hand Tribut entrichten!(Sure 9, 29 mit anschließender Polemik gegen die Juden und Christen). Im Jahre 6 nach der Auswanderung nach Medina kam es zu den ersten Kontakten Mohammeds mit Vertretern der Quraisch aus Mekka; im März 628 trat der Prophet mit seinen Anhängern die Reise nach Mekka an, um dort die kleine Pilgerfahrt ('umra) zu vollziehen, woran ihn aber die Mekkaner zu hindern wußten und einen bedeutsamen Vertrag mit ihm in der Nähe der Grenzen des heiligen Bezirkes von Mekka, bei al-Hudaibiya, aushandelten. Der Vertrag enthielt fünf wesentliche Punkte: a) Waffenstillstand für zehn, nach anderen Berichten für zwei, Jahre; b) Sicherheit für die Muslime, die in der Zukunft die Pilgerfahrt vollziehen wollen oder sich auf den Handelswegen in den Süden befinden; c) Sicherheitsgarantie Mohammeds für die Quraisch auf ihren Handelswegen in den Norden; d) Auslieferung derjenigen Muslime an die Mekkaner, die ohne Erlaubnis ihrer Schutzpatrone nach Medina fliehen sollten; e) Verzicht auf die kleine Pilgerfahrt im Jahr des Vertragsabschlusses, mit Garantie der Pilgerfahrt im darauf folgenden Jahr. Durch diesen Vertrag haben die Quraisch von Mekka Mohammed als vollwertigen Verhandlungspartner, allerdings nicht als Propheten anerkannt. Die überlieferte Urkunde trägt den Namen Muhammed b. 'Abdallah und enthält keine islamischen Formeln. Allerdings sorgte die Bereitschaft Mohammeds, alle muslimischen Flüchtlinge nach Medina an die Mekkaner auszuliefern, für Unruhen. Der Rückzug Mohammeds und sein Verzicht, die 'Umra zu vollziehen, war ein weiterer Grund für Unzufriedenheit in den Reihen seiner Anhänger. Die gesamte Sure 48 behandelt diese historischen Ereignisse; hier spricht die Offenbarung von einem klaren Sieg (fath) der Muslime, der nicht nur als Mohammeds diplomatischer Erfolg bei al-Hudaibiya verstanden wird, sondern auch auf die darauf folgende Eroberung der Oase von Khaibar, der Vertreibung der jüdischen Banu al-Nadir (Mai-Juni 628) und der Verteilung der Beute unter den seit al-Hudaibiya unzufriedenen Muslimen Bezug nimmt. Am Ende dieser Sure wird Mohammeds Position klarer als je zuvor formuliert: ::: Mohammed ist der Gesandte Gottes. Und diejenigen, die mit ihm sind, sind den Ungläubigen gegenüber heftig, unter sich aber mitfühlend... (Sure 48,Vers 29). Die Grundlagen für die Eroberung Mekkas zwei Jahre später sind bereits bei al-Hudaibiya gelegt worden. Den wohlhabenden Juden von Khaibar und ihren arabischen Verbündeten hat Mohammed zwar erlaubt, die von den Muslimen in Besitz genommene Oase weiterhin zu kultivieren, jedoch ist ihnen auferlegt worden, die Hälfte der Ernte den rund 1.600 Muslimen, die an der Expedition beteilgt waren, abzugeben. Mohammeds Anteil war 1/5 der Gesamtbeute. Da die von Mohammed vorgeschriebenen Auflagen, die der politischen und wirtschaftlichen Entmachtung der jüdischen Gruppen in und um Khaibar gleichkam, nicht erfüllt worden sind, kam es zu ihrer endgültigen Vertreibung aus der Region. Die Vertreibung aller Juden aus dem Hidschas (Higaz) war dann eine der zentralen Aufgaben des zweiten Kalifen Umar. Umar 632 starb Mohammed in den Armen seiner Lieblingsfrau Aischa zu Medina und wurde dort auch begraben; seine Grabstätte ist bis heute erhalten. In den 23 bis 24 Jahren seiner Herrschaft vereinigte er den Großteil der arabischen Halbinsel, welche bis dahin in viele verschiedene räuberische Stämme gespalten und zerstritten war. Die Eroberungskriege der Muslime im Namen Allahs und Mohammeds gingen auch nach dem Tod ihres prophetischen Heerführers unvermindert weiter: Ihre Reiterkrieger überrannten 635 Syrien, 636 wurden die Perser in den Schlachten von Kadesia und Nehawend geschlagen, 638 war Palästina (Schlacht am Jarmuk) in ihren Händen und 642 Ägypten.

Die Nachfolge Mohammeds

Nach seinem Tod wurde Abu Bakr als erster Kalif von den Muslimen gewählt, deren Reich durch militärische Eroberungen zu diesem Zeitpunkt große Teile der arabischen Halbinsel umfasst.
Siehe auch: Geschichte des Islam

Mohammeds Familie

Nach dem Koran wurde es Mohammed ausdrücklich erlaubt, mehr als die sonst im Islam maximal gestatteten vier Ehen einzugehen. In Sure 33,50 steht: „Prophet! Wir haben dir zur Ehe erlaubt all deine Gattinnen, denen du ihre Morgengabe gegeben hast; was du (Anm.: an Sklavinnen) besitzt, (ein Besitz, der) dir von Gott zugewiesen worden ist; die Töchter deines Onkels und deiner Tanten väterlicherseits und deines Onkels und deiner Tanten mütterlicherseits, die mit dir ausgewandert sind; (weiter) eine gläubige Frau, wenn sie sich dem Propheten schenkt und er sie heiraten will. Das gilt in Sonderheit für dich im Gegensatz zu den (anderen) Gläubigen. Wir wissen wohl, was wir ihnen hinsichtlich ihrer Gattinnen und ihres Besitzes (an Sklavinnen) zur Pflicht gemacht haben." Einige Frauen heiratete Mohammed als Witwen, um deren Versorgung sicherzustellen; andere Heiraten dienten der Festigung politischer Bindungen und der Verbreitung des Islams. Er hatte zwölf Frauen. Den Überlieferungen nach, waren Aischa und an zweiter Stelle Zainab seine Lieblingsfrauen. Aischa war sieben Jahre alt, als sie mit Mohammed verlobt, und neun Jahre alt, als sie mit ihm verheiratet wurde. Die Heirat mit Aischa und mit der bereits verheirateten Zainab fallen aus dem Rahmen der üblichen Ehen Mohammeds. Die Frauen Mohammeds werden von Muslimen - mit Ausnahme der christlichen Sklavin Maria Mariam - die „Mütter der Gläubigen“ genannt.
Siehe auch: Familie Mohammeds

Mohammed und die Schriftbesitzer

Anfangs stand Mohammed sowohl den Juden als auch den Christen wohlwollend gegenüber und erwartete, dass sie sich ihm anschließen würden. Viele Koranverse bestätigen dagegen, dass die "Schriftbesitzer" (ahl al-kitâb) die Botschaft des arabischen Propheten ablehnten. Diese Koranverse, die man "Provokationsverse ("âyât at-tahaddî") nennt, enthalten sowohl die Einwände der Gegner als auch Mohammeds Antworten. Der entscheidende Vorwurf des Propheten war, Juden und Christen haben ihre Schriften verfälscht,ihre Inhalte abgeändert; somit ist er, Mohammed,der Verkünder der einzig wahren monotheistischen Religion Abrahams. Nach seinem Selbstverstädnis war Mohammed somit nicht nur der Prophet einer
neuen Religion, sondern der Reformator des abrahamschen Monotheismus: :Und sie (d.h. die Schriftbesitzer) sagen: 'Ihr müsst Juden oder Christen sein, dann seid ihr rechtgeleitet' . Sag: Nein!(es gibt nur) die Religion Abrahams, eines Hanifen - er war kein Heide. (Sure 2, Vers 135). :Abraham war weder Jude noch Christ. Er war ein Gott ergebener Hanif, und kein Heide. (Sure 3,Vers 67). In der Moderne gibt díe arabische Ausdrucksweise "musliman hanifan" (arab.مسلما حنيفا ) des letztgenannten Verses Anlaß zu kontroverser Auslegung, und man übersetzt die Stelle mit "Er war Muslim und Hanif" (d.h.ein Gott suchender Mensch). Dies impliziert dann aber auch, so die Schlußfolgerung, Abraham sei der erste Muslim gewesen, eine Interpretation, die die klassische Koranexegese (Tafsir) allerdings nicht bestätigt. (Selbst die Ka'ba im Zentrum des mekkanischen Heiligtums geht nach Mohammeds Lehre auf Ibrahim / Abraham und dessen Sohn Isma'il zurück, nur sei sie durch die Polytheisten und Götzendienern schon früh - in einer historisch nicht belegbaren Epoche - entweiht worden.) Mohammed sah seine Aufgabe gerade darin, den alten, ursprünglichen und reinen Zustand des Monotheismus nach Abraham wieder herzustellen. Die Ausgrenzung der anderen Religionsgemeinschaften, Christen und Juden, war somit vorprogrammiert: :Ihr Gläubigen! Nehmt euch nicht die Juden und Christen zu Freunden! Sie sind untereinander Freunde. Wenn einer von euch sich ihnen anschließt, gehört er zu ihnen (Sure, 5,Vers 51). :Ihr Gläubigen! Nehmt euch nicht diejenigen, die mit eurer Religion ihren Spott und ihr Spiel treiben, aus dem Kreis derer, die vor euch die Schrift erhalten haben und (auch nicht) die Ungläubigen zu Freunden! (Sure 5, Vers 57). Die konsequente Beseitigung der jüdischen Siedlungen in und um Medina war politisch- religiöses Programm: die Banu -n-Nadir sind vertrieben und ihre Palmenbestände vernichtet, die Männer der Banu Quraiza sind hingerichtet, ihre Frauen, Kinder und ihr Besitz unter den Muslimen aufgeteilt worden; Mohammed selbst bekam aus der Beute eine Frau namens Rayhana, die er als Konkubine heiratete. Die Banu Qainuqa' verließen Medina und wanderten nach Syrien aus.Diese historischen Ereignisse führten dann zu der heute noch gültigen, in einem Spruch des Propheten begründeten Rechtsnorm im Islam: es gibt keine Koexistenz zweier Religionen auf der Arabischen Halbinsel (arab.لا يجتمع دينان في جزيرة العرب ). Die letzten Worte Mohammeds vor seinem Tod verzeichnet die Hadithliteratur - u.a. al-Bukhari und Malik ibn Anas - wie folgt: "Möge Gott die Juden und Christen bekämpfen! Sie haben die Gräber ihrer Propheten in Moscheen umgewandelt.Zwei Religionen werden im Land der Araber wahrlich keine Bleibe finden" . Somit war das Schicksal der Anhänger der Buchreligionen besiegelt.

Mohammeds Darstellung in christlichen Chroniken der Frühzeit

Die wohl älteste Quelle, in der Muhammed genannt wird, geht auf die syrische Chronik von Thomas dem Presbyter, der gegen 640 geschrieben hat, zurück: :::
am 4. Februar 634 am frühen Morgen fand ein Kampf zwischen den Byzantinern und den Arabern Mohammeds statt. Diese Stelle, wie auch andere, wird in der Forschung dahingehend interpretiert, daß Mohammed bereits kurz nach seinem Tode, aber wohl auch schon zu seinen Lebzeiten, als militärischer Führer dargestellt wurde. In der Geschichte von Armenien eines Anonymus, die man allgemein einem Bischof von Sebeos zuschreibt, wird die Lehre Mohammeds im Zusammenhang mit dem Sieg des Umayyaden-Kalifen Mu'awiya im ersten Bürgerkrieg (656-661) wie folgt beschrieben: ::: Ihr seid die Söhne Abrahams und Gott will durch euch sein Versprechen, das er Abraham und seiner Nachwelt gegeben hatte, verwirklichen. Liebe den Gott Abrahams, gehe hinaus und nimm das Land in Besitz, das Gott deinem Vater Abraham gegeben hatte, denn niemand wird imstande sein, dir im Kampf zu widerstehen, denn Gott ist mit dir. In der Chronica minora III., im Corpus Scriptorum Christianorum Orientalium, wird der arabische Prophet ebenfalls als militärischer Führer verstanden: ::: im Jahre 940 des Alexander (d.i.628-629) betraten Heraclius und die Byzantiner Konstantinopel. Muhammed und die Araber brachen vom Süden auf und betraten das Land und unterwarfen es. Auch hier kommt es klar zum Ausdruck, daß Mohammed diese Eroberungszüge veranlaßt und zum Teil selbst geführt hatte. Daß Mohammed sich als Erneuerer des abrahamschen Monotheismus verstand, bestätigen auch die frühesten christlichen Chroniken aus der Mitte des 7. Jahrhunderts. Sie führen im einzelnen auch aus, daß es Mohammed war, der die Araber vom Götzenkult zum Monotheismus führte und den Arabern neue Gesetze gab. Johannes bar Penkaye, ein Mönch in Nordmesopotamien, der nach eigener Auskunft im 67. Jahr der Herrschaft der Araber (d.i.686-687)schrieb, berichtet: ::: Sie (die Araber) halten an der Tradition Mohammeds so stark fest, daß sie jeden, der seine (Mohammeds)Gesetze mißachtet, mit dem Tode bestrafen. In der Chronik von Zuqnin, im Corpus Scriptorum Christianorum Orientalium, heißt es zu Beginn der Darstellung des Islam: ::: Da er (Mohammed) ihnen (den Arabern) den einzigen Gott beschrieb und sie (die Araber) unter seiner Führung die Byzantiner besiegten und da er ihnen Gesetze gemäß ihren Wünschen gab, nennen sie ihn "Prophet" (nbîyâ) und "Gesandter" (rasùlâ) Gottes.

Literatur


- Hartmut Bobzin:
Mohammed. 2. Auflage. Beck, München 2002, ISBN 3-406-44744-9
- Michael A. Cook:
Muhammad. Neuauflage. Oxford University Press, Oxford 1996, ISBN 0-192-87605-8 (auf Englisch)
- Ali Dashti:
23 Jahre. Die Karriere des Propheten Mohammed. 2.Auflage. Alibri, Aschaffenburg 2003, ISBN 3-932710-80-0
- Muhammad Ibn Ishaq:
Das Leben des Propheten - As-Sira An-Nabawiya. Spohr, Kandern im Schwarzwald 1999, ISBN 3-927606-22-7
- A. Guillaume (Übers.):
The Life of Muhammad. A translation of Ibn Ishaq's Sirat Rasul Allah. Oxford University Press.1955.
- Günter Kettermann:
Atlas zur Geschichte des Islam. Primus-Verlag, Darmstadt 2001, ISBN 3-89678-194-4
- Martin Lings:
Muhammad. Sein Leben nach den frühesten Quellen. Spohr, Kandern im Schwarzwald 2000, ISBN 3-927606-24-3
- Harald Motzki (Hrsg.):
The Biographiy of th Muhammad. The issue of the Sources.. Brill. Leiden 2000. ISBN 90-04-11513-7
- Uri Rubin (ed.):
The Life of Muhammad. The Formation of the Classical Islamic World. Volume 4. Ashgate Variorum. ISBN 0-86078-703-6
- Uri Rubin:
The Life of Muhammad and the Qur'ân: The case of Muhammad's Hijra. In: Jerusalem Studies in Arabic and Islam. Bd. 28 (2003). S.40-64.
- Miklos Muranyi:
Die Auslieferungsklausel des Vertrages von al-Hudaibiya und ihre Folgen. In: Arabica 23 (1976), 275-295.
- Arent Jan Wensinck:Muhammad and the Jews of Medina. Berlin 1982. ISBN: 3-9800467-4-5
-
Corpus Scriptorum Christianorum Orientalium. Paris 1903-
- Hazrat M. B. Ahmad:
Das Leben des Heiligen Propheten Mohammad. Verlag der Islam, 1994, ISBN 3-921458-92-7 (eine Biographie Mohammeds aus der Sicht der Ahmadiya-Sekte).

Weblinks

Kategorie:Mann Kategorie:Islam ! Kategorie:Religionsstifter Kategorie:Gestorben 632 Kategorie:Prophet Kategorie:Geschichte des Islam ja:ムハンマド・イブン=アブドゥッラーフ ko:무함마드 ms:Nabi Muhammad s.a.w. simple:Muhammad th:มุฮัมมัด


Mekka

Mekka (arabisch مكة Makka, in neuerer Zeit meist مكة المكرّمة Makka al-Mukarrama) ist eine Stadt mit 1.294.168 Einwohnern (2004) im westlichen Saudi-Arabien, knapp 100 km vom Roten Meer entfernt. Mekka gilt wegen der Heiligen Moschee in ihrem Zentrum als die heilige Stätte des Islams. Sie ist das Ziel der jährlichen Pilgerfahrt (Haddsch), die für Muslime, die sie sich gesundheitlich und finanziell leisten können, eine religiöse Pflicht ist. Nicht-Muslimen ist der Aufenthalt in Mekka nicht gestattet.

Geographie

Mekka liegt eingeschlossen zwischen zwei Bergketten. Der tiefer gelegene Teil der Stadt um die Kaaba ist der ältere Siedlungkern; die Oberstadt liegt im Norden. Einige Seitentäler bieten auch Wohnquartiere. Die Heilige Moschee mit den sieben Minaretten, in deren Mitte die Kaaba steht, gilt als das wichtigste Heiligtum der islamischen Welt. Alleine während der Haddsch versammeln sich Jahr für Jahr um die 3 Millionen Muslime aus der ganzen Welt in Mekka.

Geschichte

Schon vor Muhammad besaß Mekka eine wirtschaftliche Bedeutung: es lag an der Weihrauchstraße vom Süden kommend nach Ägypten und es gab Abzweigungen für die Handelskarawanen nach Schuaiba (Dschidda) sowie nach Osten zum Persischen Golf und nach Mesopotamien. Im Jahr 630 unterwirft sich die Stadt Muhammad, der seit 623, nach seiner Auswanderung nach Yathrib (Medina), mehrfach kriegerische Auseinandersetzungen mit Mekka hatte. ---- Im Zuge der Verehrung Mekkas als heilige Stadt hat sich die Verwendung des Namens als Synonym für besondere, herausragende Anlässe und Orte eingebürgert. So kann man Las Vegas als Mekka des Glückspiels, Ballermann 6 als das der Biertrinker bezeichnen. Kategorie:Islam Kategorie:Nahost ja:マッカ ko:메카 ms:Makkah al-Mukarramah simple:Mecca th:มักกะหฺ

Kaaba

Die Kaaba ( "Kubus", "Würfel") ist das zentrale Heiligtum des Islam. Sie ist ein etwa 12 m x 10 m x 15 m großes Gebäude und befindet sich im Innenhof der großen Moschee in Mekka im heutigen Saudi-Arabien. Für gläubige Muslime ist die Kaaba das Bayt Allâh ( "Haus Gottes"). Umhüllt ist die Kaaba von der Kiswah, dabei handelt es sich um einen schwarzen Brokat, der jährlich erneuert wird. In ihrer südlichen Ecke sind die Bruchstücke des al-Hadschar al-Aswad ( "der Schwarze Stein") etwa auf Augenhöhe eingemauert. Häufig wird gesagt, beim Schwarzen Stein handele es sich um einen Meteoriten, jedoch wurde der Stein nie wissenschaftlich untersucht. Somit stellt dies lediglich eine Vermutung dar. Die muslimische Überlieferung besagt, dass Abraham den Stein beim Erbauen der Kaaba als Geschenk vom Erzengel Gabriel empfing, wonach er also aus dem Paradies stamme. Der Stein wurde im Mittelalter beschädigt. Auf ihrer Pilgerfahrt (Haddsch) gehen die Pilger siebenmal um die Kaaba und preisen dabei Allah; diese Umrundung wird Tawaf genannt. Durch die Kaaba wird auch die Gebetsrichtung (Qibla) für jeden Ort der Erde festgelegt: die Richtung auf Mekka, genauer: auf die Kaaba.

Geschichte

Im Islam gilt die Ka'ba als erstes Gotteshaus, das von dem allerersten Propheten Adam () erbaut wurde. Es geriet jedoch in Vergessenheit und verkam zu einer Ruine. Der Prophet Abraham ( = "Ibrahîm") und sein Sohn Isma'îl () entdeckten sie durch göttliche Fügung wieder und bauten sie erneut auf. Ibrahîm und Isma'îl waren wie alle Propheten Muslime ("Gottergebene"). Unter den heidnischen Arabern geriet die Religion Ibrahîms in Vergessenheit und die Ka'ba wurde zum Ort heidnischer Götzenverehrung. Bereits in vormuslimischer Zeit wurde das Gebäude von den arabischen Stämmen als Heiligtum verehrt. 598 wurde der spätere Kalif Ali ibn Abi Talib in der Kaaba geboren. Seit 632 ist die Kaaba ein rein islamisches Heiligtum. Dennoch wurde sie bei Kämpfen innerhalb des Kalifats 692 (Zubairiden) mit Brandmitteln beschossen und 931 von Sektierern (ismailitisch-schiitische Qarmaten) sogar nach Bahrain verschleppt, erst 951 kehrte der Stein (auf Vermittlung der ebenfalls ismailitischen Fatimiden) nach Mekka zurück. Der türkische Sultan Murad IV. veranlasste 1630 einen Neubau. Um den schwarzen Stein ranken sich im Volksislam einige Legenden: # Er soll ursprünglich strahlend weiß gewesen sein, habe sich aber aus Trauer um die vielen Sünder unter den Menschen schwarz gefärbt. # Er soll ursprünglich strahlend weiß gewesen sein, habe sich aber schwarz gefärbt, weil ihn so viele berührt und geküsst haben sollen. Kategorie:Islam ja:カアバ ms:Kaabah th:กะอฺบะหฺ

Omayaden

Die Umayyaden (arabisch: لأمويون / بنو أمية)- auch Omaijaden, Omajjaden, Omajaden – sind eine Dynastie von Kalifen, die von 660 bis 750 Oberhäupter des sunnitischen Islam waren (siehe auch: Liste der Kalifen). Nach ihrer Vertreibung aus dem Orient gründeten sie 756 das Emirat von Córdoba. Sie waren die erste Dynastie von Kalifen, die nicht eng mit Mohammed verwandt waren. Wie dieser stammten sie jedoch vom selben Stamm, den Quraisch aus Mekka. Mekka]]

Gründung der Dynastie durch Muawiya

Die Wahl Ali ibn Abi Talibs zum Kalifen wurde von den Muslimen nicht allgemein anerkannt. Als Anhänger des ermordeten Uthman ibn Affan ließ sich Muawiya, der Statthalter von Syrien im Jahr 660 in Damaskus zum Kalifen ausrufen. Damit war die moslemische Gemeinschaft (Umma) erstmalig gespalten. Zwar konnte Muawiya I. nach der Ermordung von Ali durch die Charidschiten (661) seine Herrschaft unter den Muslimen durchsetzen und die Dynastie der Umayyaden begründen, doch wurde er von den Anhängern Alis weiterhin nicht als rechtmäßiger Herrscher anerkannt. Es kam somit zum Schisma zwischen Sunniten und Schiiten, den Anhängern Ali ibn Abi Talibs. Letztere hatten ihren Schwerpunkt zunächst im Süden des heutigen Irak. Zunächst verlegte Muawiya die Hauptstadt von Medina nach Damaskus, womit Arabien politisch schnell an Bedeutung verlor. Die Bedeutung für den Islam konnte es nur noch durch die Heiligen Stätten Mekka und Medina behaupten. Muawiya schaffte auch die Wahl des Kalifen ab und ersetzte sie durch die Erbfolge, nachdem er seinen Sohn Yazid I. öffentlich zum Nachfolger erklärt hatte. Der Ältestenrat musste nur noch formal dem neuen Kalifen seine Zustimmung erteilen. Unter den Umayyaden begann sich eine arabische Aristokratie herauszubilden. Das kulturelle Zentrum des Kalifats befand sich aber nicht in Syrien, sondern im Irak. Durch das Zusammenleben von Beduinen und Persern in den irakischen Städten, besonders den Neugründungen Basra und Kufa, entwickelte sich eine rege geistige Auseinandersetzung mit den jeweiligen kulturellen Traditionen. So entwickelten sich im Irak und nicht in Syrien maßgebliche muslimische Rechtstraditionen. Außerdem war das Land zwischen Euphrat und Tigris Zentrum mehrerer muslimische Sekten und religiöser Bewegungen (u.a. Charidschiten).

Weitere Geschichte

Nach dem Tod Muawiyas brachen unter seinem Nachfolger Yazid I. (680-683) mehrere Aufstände gegen die Umayyaden aus. Husain, der zweite Sohn Alis und Enkel Mohammeds, nutzte die Situation und zog gegen Yazid I. zu Felde. Er wurde jedoch in der Schlacht von Kerbela (680) getötet. Dieser Akt besiegelte die endgültige Trennung zwischen Sunniten und Schiiten und wurde Anlass für das schiitische Trauerfest Aschura. Trotz dieses umayyadischen Sieges konnte sich die Opposition vor allem im Hedschas um Mekka weiter behaupten. Nach dem Tod von Yazid I. und seines Sohnes Muawiya II. war die Thronfolge unter den Umayyaden 684 völlig ungeklärt. Dies nutzte die Opposition und rief Abdallah ibn az-Zubair in Mekka zum Kalifen aus. Zeitweise wurde dieser sogar von der Mehrheit der Muslime anerkannt. Den nun folgenden Bürgerkrieg konnten die Umayyaden erst 692 unter Abd al-Malik (685-705) für sich entscheiden. 705 (Moschee) in Córdoba]] Nach der Beendigung des Bürgerkriegs begann erneut eine Zeit großer Eroberungen. So wurden im Osten das Indusgebiet (711) und Transoxanien (712) besetzt. Im Westen wurde bis 709 der Widerstand der Berber gebrochen und der Maghreb unterworfen. Schon 711 wurde das Westgotenreich in Spanien erobert und erfolgten Raubzüge in das Frankenreich bis an die Loire und nach Burgund. Die Vorstöße ins Frankenreich wurden aber 732 von Karl Martell, dem karolingischen Herrscher aufgehalten. In den nächsten Jahrzehnten wurden die Muslime über die Pyrenäen nach Süden abgedrängt. Auch Byzanz konnte trotz mehrerer Feldzüge und den Belagerungen von Konstantinopel (668 - 669, 674 - 678, 717 - 718) nicht entscheidend geschlagen werden. Ebenso blieben mehrere Feldzüge gegen die Chasaren nördlich des Kaukasus weitgehend erfolglos.

Ende der Dynastie

Seit 718 hatten sich unterdessen schiitische, persische und andere muslimische Gruppen um die Abbasiden geschart, den Nachfahren von Muhammads Onkel Abbas. Diese vertraten die These, dass nur Nachkommen des Propheten Muhammad das Amt des Kalifen ausüben konnten. Da die Umayyaden diese verwandtschaftliche Legitimation nicht besaßen, versuchten sie die abbasidische Propaganda zu unterbinden. Dennoch gelang in den vierziger Jahren des 8. Jahrhunderts die Unterwanderung des Kalifats durch die Anhänger der Abbasiden als unter den Umayyaden heftige Machtkämpfe ausbrachen. Außerdem wurde die herrschende Dynastie zunehmend durch heftige Rivalitäten zwischen den arabischen Stammesfraktionen geschwächt. Der 747 im Ostiran ausbrechenden Aufstand des Abu Muslim konnte von den Umayyaden deshalb nicht mehr erfolgreich bekämpft werden. 750 wurden diese unter Marwan II. von den Abbasiden im Nordirak am Großen Zab vernichtend geschlagen. In der Folgzeit wurde die Sippe der Umayyaden von den Abbasiden ausgerottet.

Emirat und Kalifat von Córdoba

Einem Umayyadenprinzen gelang aber die Flucht in den Maghreb und nach Andalusien wo er 756 als Abd ar-Rahman I. das Emirat von Córdoba errichtet. 929 erhob sich Abd ar-Rahman III. zum Kalifen. Das Kalifat von Córdoba hatte bis zum Jahr 1031 Bestand. Mit dessen Ende erlosch die Dynastie der Umayyaden endgültig.

Herrscher der Umayyaden

Literatur


- Ulrich, Haarmann; Geschichte der Arabischen Welt, C.H. Beck München, 2001
- Gernot Rotter; Die Umayyaden und der zweite Bürgerkrieg, Wiesbaden 1982
- Stephan und Nandy Ronart; Lexikon der Arabischen Welt, Artemis Verlag, 1972
- Der Islam I., Fischer Weltgeschichte Band 14, Fischer Verlag, 1968
- Saunders, John Joseph; A history of Medieval Islam (engl. Ausgabe),ISBN 0-415-05914-3, Barnes & Noble London, 1965, 1990
- Wellhausen Julius; Das Arabische Reich und sein Sturz, Berlin, 1960 ---- kategorie:Islam kategorie:Dynastie kategorie:arabische Geschichte ja:ウマイヤ朝

Shiiten

Die Schia (von Schi'at Ali = "die Partei Alis") ist eine der drei ursprünglichen Glaubensrichtungen im Islam. Ihre Anhänger, die Schiiten, betrachten Ali ibn Abi Talib (), den Schwiegersohn des Propheten, als dessen rechtmäßigen Nachfolger (Kalifen). (siehe auch Sunniten und Kharidjiten) Heute stellen die Schiiten neben den Sunniten eine der beiden Hauptgruppen des Islam dar. Sie machen etwa 15 Prozent aller Muslime aus. Die Schiiten als eine große Richtung des Islam unterteilen sich in die so genannten
- Imamiten oder Zwölfer-Schiiten, als die bei weitem größte Gruppe der Schiiten, die heute hauptsächlich im Iran, Irak, Afghanistan, Aserbaidschan, Bahrain, Pakistan und im Libanon leben.
- Ismailiten oder Siebener-Schiiten, die heute vor allem in Syrien, Afghanistan, Pakistan und Indien leben.
- Zaiditen oder Fünfer-Schiiten, die fast ausschließlich im Nord-Jemen leben. Die Gruppen unterscheiden sich unter anderem in der Anzahl der anerkannten Imame. Schiitische Staaten in der Geschichte
- Bujiden-Reich im westlichen Iran und Baghdad
- Fatimiden
  - Kalifat der Fatimiden in Kairo (909-1117)
- (Ismailiten)
  - Bahrain und Oman im 9. Jahrhundert.
- Persien bzw. heutiger Iran (Staatsreligion seit 1501)

Ursprung und Entstehung

Die Schiiten haben ihren Ursprung in der Auseinandersetzung innerhalb des Islam bezüglich der Frage, wer nach dem Tod Mohammeds im Jahr 632 n. Chr. sein legitimer Nachfolger sein sollte. Während sich die Mehrheit der Muslime darauf einigte, einen Kalifen (arabisch khalifa: Nachfolger) zu benennen, der die religiöse und politische Führung der Muslime übernehmen, jedoch keine göttlich autorisierte Legitimität beanspruchen sollte, lehnte eine Minderheit der Muslime diese Entscheidung ab, in der Überzeugung, Gott selbst würde den rechtmäßigen Nachfolger auswählen. Mit Bezug auf den Koranvers „Von seiner Partei ist auch Abraham” (Sure 37, 83) waren sie der Ansicht, der Nachfolger Mohammeds müsse aus dessen Familie stammen, und glaubten, in Ali ibn Abi Talib, dem Vetter und Schwiegersohn des Propheten, den rechtmäßigen und von Gott erwählten Kalifen gefunden zu haben. Aus diesem Grund bezeichneten sich die Schiiten als Schi’at Ali. Nachfolger Muhammads wurde jedoch nicht Ali, sondern Abu Bakr. Der Nachfolgestreit verschärfte sich, als nach Abu Bakrs zweijähriger Amtszeit Ali erneut nicht gewählt wurde. Erst nachdem drei andere Kalifen vor ihm regiert hatten, wurde Ali 656 in der Moschee von Medina zum Kalifen proklamiert. Nach schiitischer Auffassung kam mit ihm der einzig legitime Nachfolger Mohammeds an die Macht. Ali wurde jedoch nicht allgemein anerkannt. Er musste sich aus Medina in den Irak zurückziehen, wo die Stadt Kufa seine Residenz wurde und wo er 661 ermordet wurde. Seither wird er von den Schiiten als geistiger Ahnherr und erster Märtyrer verehrt. Muawiya, der Begründer der Umayyaden-Dynastie, wurde der nächste Kalif. Hassan ibn Ali, einer von Alis Söhnen, der von den Schiiten als der zweite Imam angesehen wird, verzichtete auf eine Konfrontation mit Muawija und zog sich aus der Politik zurück. Als Muawiya 680 starb und seinen Sohn Yazid als Nachfolger einsetzte, stieß dieser Schritt auf Ablehnung unter einigen Muslimen. So führte Alis zweiter Sohn, Husain, im Jahr 680 seine Familie und seine Anhänger gegen die Armee des Kalifen Yazid, nachdem er von den in Kufa lebenden Muslimen zu einem solchen Aufstand gedrängt wurde. Husain wurde, nachdem ihn seine kufistischen Verbündete verraten hatten, bei Kerbela in der irakischen Wüste von Soldaten im Auftrag des omaijadischen Gouverneurs im Irak gestellt und am 10. Oktober 680 (10. Muharram 61 islamischer Zeitrechnung) ermordet. Die Schi’at Ali war politisch gescheitert.

Literatur


- Heinz Halm: Die Schia. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1988, ISBN 3-534-03136-9
- Heinz Halm: Der schiitische Islam. Verlag C.H.Beck, München 1994, ISBN 3-406-37437-9

Weblinks


- [http://www.al-shia.de/ Shia Islamportal]
- [http://www.izhamburg.de/ Islamisches (Schiitisches) Zentrum Hamburg] Kategorie:Islam ja:シーア派 ko:시아파 ms:Syiah th:ชีอะหฺ

Islam

Der Islam ( islām Hingabe an Gott; al-islām der Islam) ist mit ca. 1,2 Milliarden Anhängern nach dem Christentum (ca. 2,0 Milliarden Anhänger) die zweitgrößte Religion der Welt. Seine Anhänger werden als Muslime oder (deutlich seltener und veraltet) als Mohammedaner bezeichnet; letzteres stößt indes als Fremdbezeichnung unter den meisten Muslimen auf Ablehnung, da die Muslime nicht - wie das Wort suggeriert - Mohammed, sondern einzig den einen Gott anbeten. Vor allem in älterer Literatur werden Muslime häufig mit der persischen Variante des arabischen Wortes als Moslems bezeichnet. Der Islam ist eine monotheistische Religion, die sich streng vom Polytheismus und auch von der christlichen Vorstellung von Inkarnation und Trinität abgrenzt. Er gründet sich auf den Koran, der für Muslime das unverfälschte Wort Gottes ist. Zweite Erkenntnisquelle sind die Worte und Handlungen (Sunna) des Propheten Mohammed.

Die Entstehung des Islam

Mohammed]] Der Religionsstifter Mohammed (: der Vielgelobte) wurde um 570 als Sohn eines Händlers in Mekka im heutigen Saudi-Arabien geboren. Nach der Überlieferung soll ihm 610 der Erzengel Gabriel erschienen sein, und ihm die ersten Verse (Ayāt) des Korans übermittelt haben. Im Verlauf der folgenden 23 Jahre soll ihm dann Vers für Vers davon offenbart worden sein. Der Islam begreift sich als Fortsetzung göttlicher Offenbarung. Deshalb sehen sich Muslime in der Kontinuität von Judentum und dem Christentum. Mohammed wird deshalb auch als das „Siegel der Propheten“ bezeichnet. In diesem Sinne werden im Islam auch alle vorher von Gott gesandten Propheten, die in der Bibel genannt werden, als eigene Propheten verstanden. Es gibt aber Abweichungen: So ist nach islamischem Glauben Jesus ein Prophet, der jedoch weder am Kreuz starb noch auferstand. Einige Personen, die im Juden- bzw. Christentum nicht als Propheten gesehen werden, werden im Islam als solche verehrt, zum Beispiel Adam.

Grundlagen des Islam

Die fünf Säulen

Die Grundsätze des Islam, die fünf Säulen, die zu erfüllen jeder Muslim verpflichtet ist, sind:
- Das Glaubensbekenntnis Schahada (): Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer (dem einzigen) Gott und Mohammed ist der Gesandte Gottes. (s.o.) Die Schiiten fügen in der Regel noch den Satz hinzu: und Ali ist der Freund Gottes. Gemeint ist hier Ali ibn Abi Talib. Im Sufismus (islamische Mystik) wird der erste Teil der Schahada auch interpretiert mit: Ich bekenne, dass es nichts außer Gott gibt bzw. Es gibt nichts. Es gibt nur den Einen (die Einheit). Das Aussprechen der Schahada in ehrlicher Absicht (niya) reicht aus, um Muslim zu werden. Sie ist auch das erste, was einem Neugeborenem ins Ohr geflüstert wird, und der letzte Gruß an einen Sterbenden. In der heutigen islamischen Kultur, verliert ein Moslem, der den Islam verläßt, häufig seine familiären und gesellschaftlichen Bindungen, seine Rechte und Erbansprüche. In der Rechtstheorie, in einigen Ländern auch in der Rechtspraxis, wird das Abfallen vom Islam mit dem Tode bestraft.(Siehe: ridda)
- Das Gebet Salat () ist religiöse Pflicht. Es wird zu festgelegten Zeiten verrichtet, zu denen der Muezzin ruft: in der Morgendämmerung, mittags, nachmittags, abends und nach Einbruch der Nacht. Zuvor erfolgt die rituelle Reinigung (arabisch: "wudu'" ;persisch: "âbdast") mit reinem Wasser. Sollte dieses nicht in ausreichender Menge zu Verfügung stehen oder als Trinkreserve benötigt werden, wird symbolisch Sand oder Staub verwendet (tayammum). Das Zusammenlegen oder Nachholen von Gebeten ist unter bestimmten Bedingungen gestattet, z. B. auf Reisen. Am Freitag muss das Mittagsgebet (Freitagsgebet) in der Gemeinschaft (das Gebet in der Moschee ist nicht Pflicht, zwingend ist für das Freitagsgebet die Gemeinschaft) stattfinden, dann (oder davor) wird auch gepredigt (Khutba). Viele Muslime beten aber auch sonst möglichst in der Moschee. Die Teilnahme am Freitagsgebet ist Pflicht für alle männlichen erwachsenen Muslime.
- Die Almosensteuer Zakat (). Die Erträge werden für Bedürftige, Kranke, Befreiung Gefangener, den Dschihad oder zum Aufbau religiöser Schulen verwendet. Die Höhe variiert je nach Einkunftsart (Handel, Viehzucht, Anbau) zwischen 2,5-10% ebenso wie die Besteuerungsgrundlage (Einkommen oder Gesamtvermögen). Zakat stellt eine der drei nach islamischem Recht erlaubten Steuerformen dar; die anderen beiden sind die Grundsteuer (Charadsch) und die Kopfsteuer (Dschizya), die von Nichtmuslimen in islamischen Gesellschaften als Gegenleistung für ihre Duldung (siehe: Dhimmi) verlangt wird. Die Zakat ist eine fromme Handlung und religiöse Pflicht des Muslims und kann somit nur Muslimen zu Gute kommen.
- Das Fasten Saum (). Im Monat Ramadan, der sich jedes Jahr um 10 Tage verschiebt, wird von Beginn der Morgendämmerung - wenn man einen „weißen von einem schwarzen Faden unterscheiden“ kann (Koran 2:187) - bis zum vollendeten Sonnenuntergang gefastet, nichts gegessen, nichts getrunken, nicht geraucht, kein ehelicher Verkehr und manche andere Enthaltsamkeit im Verhalten geübt. Das Fasten wird nicht aus gesundheitlichen Gründen befolgt, sondern um Gottes Befehl während des Tages zu genügen. Insofern ist das oft praktizierte ausgiebige Fastenbrechen bei Nacht zwar nicht unbedingt ideal, verletzt jedoch auch nicht die religiöse Pflicht. Oft bricht man das Fasten mit einer Dattel und einem Glas Milch, nach Vorbild des Propheten. Der Fastenmonat wird mit dem Fest des Fastenbrechens ('Īd al-fitr) beendet.
- Die Pilgerfahrt Haddsch (). Einmal in seinem Leben soll der Muslim die Pilgerfahrt nach Mekka antreten. Sie findet im letzten Mondmonat statt, und wird dann zur Pflicht für ihn, wenn er dazu in der Lage ist. Entscheidend dafür ob die Pilgerfahrt zur Pflicht wird, sind unter anderem seine finanziellen und gesundheitlichen Lebensumstände.Die Einschränkung der ritualrechtlichten Pflicht der Pilgerfahrt ist in Sure 3, Vers 97 begründet: :::"...und die Menschen sind Gott gegenüber verpflichtet, die Wallfahrt nach dem Haus (d.i. die Kaaba von Mekka) zu machen - soweit sie dazu eine Möglichkeit finden ". Die Interpretation des hier verwendeten Ausdruckes "Möglichkeit finden" erfolgt in einem Prophetenspruch (Hadith), dessen Isnad allerdings als "schwach" eingestuft ist. Demnach ist der Besitz von Reiseproviant und Reittier (arabisch: al-zâd wa-'l-râhila) die Grundvoraussetzung für die Erfüllung dieser rituellen Pflicht. Die Pilger müssen nach ihrer Ankunft in Mekka u.a. die Kaaba sieben Mal umkreisen, auf dem Hügel Arafat verweilen, zwischen den beiden Hügeln Safa und Marwa laufen - damit vollziehen sie den Durst von Hagar und Ismael auf der Suche nach Wasser in der Wüste nach (vgl. 1. Mose 21, 9-21) -, Opferschafe schlachten und den Satan rituell steinigen.

Glaubensgrundsätze

Im Islam gibt es sechs Glaubensartikel, nämlich den Glauben an:
- Gott (Allah)
- seine Engel
- seine Offenbarung (heilige Bücher: Tora, die Evangelien, den Koran etc.)
- seine Gesandten, die Propheten Gottes: darunter Adam, Abraham, Moses, Jesus und zuletzt Mohammed
- den Tag des jüngsten Gerichts und das Leben nach dem Tod: Der Mensch werde eines Tages für seine Taten zur Verantwortung gezogen und mit dem Höllenfeuer bestraft bzw. mit dem Paradies belohnt
- die göttliche Vorsehung. Erwähnt werden diese Glaubensartikel sowohl im Koran (z.B. in an-Nisā'(4):136: :::Ihr Gläubigen! Glaubt an Gott und seinen Gesandten und die Schrift, die er auf seinen Gesandten herabgeschickt hat, und an die Schrift, die er schon (früher) herabgeschickt hat! Wer an Gott, seine Engel, seine Schriften, seine Gesandten und den jüngsten Tag nicht glaubt, ist (damit vom rechten Weg) weit abgeirrt. Auch in Hadithen wie folgendem Ausspruch des Mohammed heißt es: :::Der Glaube besteht darin, dass du an Gott glaubst und an seine Engel, an seine Bücher, an seine Propheten und an den Jüngsten Tag, sowie an die göttliche Vorsehung des Guten und des Bösen. Die genaue Liste der Glaubensartikel varriiert leicht zwischen den Rechtsschulen und gelegentlich sogar zwischen einzelnen Gelehrten. Das Glaubenskonzept der Schia ist praktisch identisch und wird nur durch einige Punkte erweitert, die z.B. die Verehrung der Imame betreffen. Lediglich die Ismaeliten weichen durch ihre monistischen Vorstellungen vom Wesen der Engel und des Prophetentums deutlicher davon ab. Nach muslimischem Verständnis sandte Allah den Koran durch den Erzengel Gabriel als „göttliches Zeichen“ an Mohammed, zur Verkündigung an die Menschen. Die „göttlichen Zeichen“ seien für jeden Menschen erkennbar, sofern er „vernünftig“ überlege. Um den Koran zu verstehen, müsse der Mensch sich von seinen „schlechten Eigenschaften“ und seinen „falschen Ideen“ befreien, damit sein Geist sich durchsetze. Dies erreiche man durch ständige Selbstüberwindung und den Kampf gegen die Ungerechtigkeit in der Welt. Die Menschen sollten „Stellvertreter Allahs auf Erden“ sein, indem sie verantwortlich handelten und für Gerechtigkeit einträten. Der Islam ist eine ausgeprägt monotheistische Religion. Die christliche Vorstellung der Dreifaltigkeit wird missverstanden und daher ausdrücklich als im Ansatz polytheistisch abgelehnt, ebenso jede Personifizierung oder gar bildliche Darstellung Gottes. Gott wird durch seine 99 wundervollen Namen beschrieben, die nur ihm alleine zustehen. Die Menschen können über Gott nur wissen, was er ihnen selbst in seiner Gnade offenbart hat, da es die menschliche Vorstellungskraft weit überschreitet, sich direkt ein Bild von Gott zu machen. Anders als Jesus Christus im Christentum ist Mohammed ein sterblicher Mensch, der jedoch von Gott als ein Prophet auserwählt wurde, um den Menschen die Wahrheit zu verkünden. Schon vor ihm habe eine Vielzahl anderer Propheten der Menschheit die göttliche Botschaft überbracht, jedoch sei diese immer wieder verfälscht worden, so dass der Koran die einzige wirklich verlässliche Quelle sei. Unter diesen Propheten finden sich sämtliche Propheten, die in der Bibel genannt werden, einschließlich Jesus (arabisch Isa). Außer ihm werden auch Abraham (Ibrahim), Moses (Musa) und Josef (Yusuf) im Koran erwähnt. Der Mensch ist im Islam nicht an die Vermittlung durch eine Institution gebunden, sondern jedes Individuum kann sich durch seine guten Taten und seine "Gottesfurcht" direkt einen Platz im Himmel verdienen – allerdings nur für sich selbst, nicht für andere. Somit wird die Eigenverantwortung jedes Einzelnen betont. Im Volksislam wird dieses Prinzip durch die Heiligenverehrung etwas aufgeweicht. Neben der Eigenverantwortung steht die Verantwortung für andere: Jeder Muslim ist verpflichtet, zu „gebieten, was recht ist“ und zu „verbieten, was verwerflich ist“ (amr bi-l-ma'rūf wa nahy ani l-munkar ) (mehrfach im Koran, z. B. in Sure 7, Vers 157). Dieser Grundsatz hat, durch den resultierenden Gruppendruck gegen „verwerfliches“ Verhalten, in der islamischen Geschichte zum einen die Gemeinschaft gestärkt, aber auch dafür gesorgt, dass der berühmte Vers „Es gibt keinen Zwang im Glauben“ in der Praxis nie wirklich relevant wurde. Siehe hierzu auch Hisba. Wer im Islam ehrliche Reue zeigt, kann immer zu Gott zurückfinden. Andererseits strebt der Islam auch auf Erden einen "Idealzustand" an. Dabei sollte man vielleicht eher von einem Zustand sprechen, der unter Berücksichtigung der Mängel und Unvollständigkeiten der Menschen möglichst nahe an den Idealzustand herankommt. Nach der Überlieferung war die frühislamische Gesellschaft ein solcher „Idealzustand“. Der wesentliche Unterschied zwischen „Fundamentalisten“ und „gemäßigten Muslimen“ besteht darin, dass erstere den damaligen Zustand als für alle Zeiten vorbildhaft betrachten. Gemäßigte Muslime glauben zwar auch, dass es die unter den damaligen Umständen in einer Gesellschaft von Wüstenomaden bestmögliche Annäherung war, betonen aber, dass die zu Grunde liegenden Ziele unter geänderten Bedingungen auch auf veränderte Weise angestrebt werden sollen.

Der Dschihad

Der Dschihad (arab. »sich bemühen, sich anstrengen, kämpfen«) ist ein wichtiges Glaubensprinzip. Seine Bedeutung im Islam ist so groß, dass zeitweise diskutiert wurde, ob der Dschihad als sechste „Säule des Islam“ gerechnet werden sollte. Das „Bemühen auf dem Wege Gottes“ umfasst die eigene spirituelle und moralische Verbesserung, die Verbesserung des Gemeinwesens bzw. seiner Mitbrüder, und auch die Verteidigung des Glaubens mit der Waffe. Manche Muslime deuten Dschihad als Feldzug gegen ‚Ungläubige‘, also Nichtmuslime. In der Praxis sind damit oft die westlichen Industrieländer gemeint. Diese Interpretation wird zum Beispiel von Al-Qaida unter Osama bin Laden vertreten, jedoch von den einschlägigen Gelehrten des Islams und der breiten Basis abgelehnt.

Die Scharia

Unter Scharia (arab. »der Weg zur Wasserstelle«) versteht man das islamische Recht, d.h. die Gesamtheit von religiösen Regeln und Pflichten der Muslime (Gebet, Reinigung, Fasten, etc.) zum einen, und die Regelungen zwischenmenschlicher Beziehungen (Ehe- Kauf- Vertragsrecht usw.), ferner das Strafrecht (hudùd / 'uqùbât), aber auch das Kriegsrecht (siyar), d.h. die Regelung der Beziehungen zu der nichtmuslimischen Welt zum anderen. Im Sufismus (islamische Mystik) hat die Scharia den Stellenwert der Basis für den Weg des Gottessuchenden. Weitere Stationen sind in der Reihenfolge: Tariqa (der mystische Weg), Haqiqa (Wahrheit) und Ma'rifa (Erkenntnis).

Richtungen

Sunniten

Der Islam ist in mehrere Richtungen gespalten. Die Sunniten bilden mit etwa 90% die zahlenmäßig größte Gruppierung. Sie unterteilen sich wiederum in die sunnitischen Rechtsschulen der Hanafiten, Malikiten, Hanbaliten und Schafiiten.

Wahhabiten

Der Wahhabismus ist eine äußerst strenge Auslegung der hanbalitischen Rechtsschule der Sunniten, zum Zeitpunkt seiner Entstehung auch eine politische Strömung.

Schiiten

Die Schiiten sind die zweite große Richtung. Deren Hauptrichtung sind die so genannten Imamiten oder Zwölferschia, die vor allem im Iran, Irak, Aserbaidschan, Bahrain und dem Libanon weit verbreitet sind. Weiter gibt es die Anhänger der Siebenerschia (Ismailiten), die vorwiegend auf dem indischen Subkontinent (Mumbai, Karatschi und Nordpakistan) sowie in Afghanistan und Tadschikistan leben. Die Zaiditen oder Fünferschia finden sich heute nur noch im Jemen.

Charidschiten

Die Charidschiten sind heute die kleinste Richtung des Islams, die heute noch bestehde Untergruppierung heißt Ibaditen. Sie leben vor allem in Südalgerien (Mzab), auf der tunesischen Insel Djerba und in Oman.

Sufismus

Wie fast alle Religionen bzw. religiöse Richtungen besitzt auch der Islam einen inneren (esoterischen) und einen äußeren (exoterischen) Aspekt. Die mystische innere Dimension des Islam ist der Sufismus (arabisch tasawwuf ). Der innere Aspekt wird auch Tariqa, der äußere Schari'a genannt. Nach Auffassung der Sufis gehören diese beiden Aspekte untrennbar zusammen, als Beispiel dient das Symbol einer Öllampe: Die Flamme der Lampe steht für Tariqa, also für die Essenz der Religion, die ohne das schützende Glas beim ersten Windhauch erlöschen würde. Das Glas, also die Hülle, steht für Schari'a, aber ohne eine Flamme hätte das Glas alleine als Lampe keinen Sinn. Von puritanischen Gruppen wie den Wahhabiten werden die Sufis oft als Ketzer bezeichnet und deswegen abgelehnt.

Weitere Gruppen

Weitere Gruppen sind die Aleviten und die Ahmadiyya. Aus dem schiitischen Islam haben sich auch die eigenständigen Religionen der Drusen, der Jesiden, des Babismus und die Religion der Baha'i entwickelt.

Geschichte

Die politische Geschichte des Islam und des Kalifats wird in eigenen Artikeln behandelt. Eine Herrscherliste bietet die Liste der Kalifen.

Gegenwart

Liste der Kalifen]] Heute ist der Islam in vielen Ländern des Nahen Ostens, Nordafrikas, Zentral- und Südostasiens verbreitet. Hauptverbreitungsgebiet ist dabei der Trockengürtel, der sich von der Sahara im Westen über den Nahen Osten und den Kaukasus bis nach Zentralasien im Osten zieht. Das bevölkerungsreichste muslimische Land ist Indonesien. Muslimisch geprägte Länder in Europa sind Bosnien und Herzegowina, der europäische Teil der Türkei und Albanien. Viele weitere Länder haben muslimische Minderheiten. Die Anhängerzahl des Islam wird auf zwischen 900 Millionen und 1,4 Milliarden geschätzt.

Islamische Konferenz

Die islamischen Länder sind in der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) organisiert, der auch einige Staaten mit größeren muslimischen Minderheiten angehören.

Umsetzung der Scharia

Seit der Kairiner Deklaration 1990 soll die Scharia wieder Basis der Gesetzgebung in allen islamischen Ländern sein. Die praktische Umsetzung ist jedoch sehr unterschiedlich. in Tunesien beschränkt sich die Umsetzung nur auf das Zivilrecht, in Saudi-Arabien und Sudan hingegen kommt sie vollständig zur Geltung. In der Türkei wird die Scharia in der Rechtssprechung überhaupt nicht praktiziert. Allerdings sieht die soziale Realität in Teilen der Gesellschaft anders aus. So existiert z.B. die offiziell nicht anerkannte islamische Ehe. Zuweilen gilt die Scharia nur in islamisch dominierten Landesteilen (Nigeria). Besonders drakonische Strafen (Amputation, Steinigung), die oft international kritisiert werden, finden in relativ wenigen islamischen Ländern Anwendung und werden auch innerhalb des Islams teilweise kritisiert, weil dabei meist die in der Scharia vorgeschriebenen strengen Schutzbedingungen für Angeklagte außer Acht gelassen werden, so zum Beispiel die Pflicht, mindestens vier erwachsene männliche Muslime als Zeugen vorzuführen, welche die Tat selbst mit eigenen Augen gesehen haben. Es gibt allerdings hier eine Grauzone, z. B. bei sogenannten «Ehrendelikten» (beispielsweise Tötungen wegen Ehebruchs). Selbst in der laizistischen Türkei konnte bis vor kurzem noch bei solchen Delikten mit mildernden Umständen gerechnet werden. Erst 2004 wurde ein Gesetz durch das Parlament beschlossen, das so genannte „Ehrenmorde“ an Mädchen und Frauen wie vorsätzlichen Mord mit lebenslanger Haftstrafe ahndet. Ein Bereich der Scharia, der wohl nur noch im Sudan und in Mauretanien existiert, ist die Sklaverei.

Wirtschaftliche und soziale Situation

Alle islamischen Staaten gehören zu den Schwellenländern oder Entwicklungsländern. Keines der Länder hat den Sprung zu einem Industrieland geschafft, was manche Forscher in Zusammenhang mit gesellschaftlichen Normen der entsprechenden Länder bringen. Die arabischen Länder, wo der Islam seinen Ursprung hat, bestehen zudem im Wesentlichen aus Wüsten mit verhältnsmäßig wenigen fruchtbaren und bewohnbaren Flächen. Der Wassermangel behinderte, und erschwert auch heute, eine etwa mit Europa vergleichbare wirtschaftliche Entwicklung. Im Wirtschaftsleben besteht durch das Verbot Zinsen zu nehmen ein grundlegender Unterschied zum Kapitalismus westlicher Prägung. Nicht zuletzt waren die meisten muslimischen Länder Afrikas und Asiens bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts von europäischen Kolonialmächten besetzt. Aber das derzeit mit Abstand größte hinderniss für einen wirtschaftlichen Aufstieg dieser kernregion des Islam ist der Analphabetismus: Laut dem Arab Human Development Report (AHDR) der UNO sind die Hälfte aller Frauen und ein Drittel aller Männer in der Arabischen Welt Analphabeten. 32 Millionen Menschen leiden an Unterernährung. Das Bruttosozialprodukt aller 22 Länder der Arabischen Liga (300 Millionen Einwohner) lag 1999 mit 531,2 Milliarden Dollar noch unter dem des christlichen Spanien (40 Millionen Einwohner) mit 595,5 Milliarden Dollar. Zehn Millionen Kinder unter 15 Jahren besuchen keine Schule. Fast 40 Prozent der 15- bis 24-Jährigen in Algerien sind arbeitslos, in Marokko und Ägypten jeweils 35 Prozent. In den meisten Staaten mit muslimischer Mehrheitsbevölkerung sind autokratische Regierungen an der Macht. Die Reaktion auf diese Lage ist in manchen Ländern eine verstärkte Zuwendung der Bevölkerung zu islamistischen Gruppierungen, zumal diese sich stark im sozialen Bereich einsetzen. Der militante Islam (der Islamismus) spiegelt nach dem früheren deutschen Außenminister Klaus Kinkel, "die wirtschaftliche, politische und kulturelle Enttäuschung" der Muslime wider.

Die Heiligen Städte des Islam

Im Islam gilt eine Vielzahl von Städten als heilig, wobei dreien eine besondere Bedeutung zukommt: Zuerst natürlich Mekka als Geburtsort Mohammeds mit der Kaaba als zentralem Heiligtum des Islam, das die Gebetsrichtung (Qibla) bestimmt. Darauf folgt mit Medina, nördlich von Mekka gelegen, der Ort, an dem der Islam erste politische Wirkungskraft entfaltete, und schließlich Jerusalem, das nach muslimischer Überlieferung die erste Qibla-Richtung vorgab und der Ort ist, den die Muslime als geographische Position der im Koran (Sure 17, „Die nächtliche Reise“) erwähnten al-Aqsa-Moschee definiert haben. Daneben gibt es eine große Zahl an Wallfahrtsorten unterschiedlicher Bedeutung. Meist handelt es sich dabei um Grabstätten, etwa von Gefährten Mohammeds, der Imame der Schia oder von Sufi-Scheichs. Führend in der Zahl heiliger Orte ist vermutlich der nordafrikanische Volksislam mit unzähligen Grabstätten von Marabuts. Abgesehen von den ersten drei heiligen Stätten ist der Status der «heiligen» Städte - wie die Heiligenverehrung selbst - im Islam ein äußerst kontroverses Thema. Marabut]] Jerusalem stellt in der Liste der heiligen Städte insofern einen Sonderfall dar, als sich der aus dem Koran hergeleitete Anspruch historisch nicht belegen lässt. Trotzdem ist er für Muslime einhellig eine Glaubenswahrheit, was ihn in der praktischen Auswirkung einer „historischen Wahrheit“ gleichstellt.

Der Islam und andere Religionen

Der Islam unterscheidet bei seiner Betrachtung Andersgläubiger zwischen monotheistischen und polytheistischen Religionen. Juden, Christen und Johanneschristen haben eine Sonderstellung als "Leute der Schrift", wie sie im Koran genannt werden. Im islamischen Staat haben sie die Stellung der sogenannten "Dhimmi", die eine Schutzsteuer entrichten müssen, dafür weder die gesetzliche Armensteuer zahlen müssen, noch in der Armee dienen müssen. Ihnen muss vom Staat gewährleistet werden, dass ihnen Gotteshäuser zur Verfügung gestellt werden und sie ihre Religion frei ausüben können. Trotz der Aussage "kein Zwang im Glauben" [Koran: Sure 2 Vers 256] werden nach der Scharia Polytheisten nicht geduldet, siehe dazu auch Glaubensfreiheit im Islam. Der Islam teilt die Welt in zwei Gebiete, zum einen das "Gebiet des Islam" (Dar al-Islam) in dem der Islam schon herrscht und das "Gebiet des Krieges" (Dar al-Harb), die übrige Welt dessen Bewohner noch mittels oft kriegerischer Mittel, von den Vorzügen des Islams "überzeugt" werden müssen.

Siehe auch


- Euroislam
- Liste islamischer Begriffe auf Arabisch
- Islamische Organisationen in Deutschland
- Islamische Organisationen in Österreich
- Islamische Organisationen in der Schweiz
- Kein Zwang im Glauben - zur Religionsfreiheit im Islam
- Islamischer Kalender
- Berühmte Muslime
- Islamismus
- Fiqh

Literatur

Übersetzungen und Literatur zum Koran und den Hadithen finden sich in den entsprechenden Artikeln und werden deshalb hier nicht aufgeführt.

Grundwissen


- Ralf Elger (Hrsg.): Kleines Islam-Lexikon. Beck, München 2001, ISBN 3-406-47556-6
- Ralf Elger: Islam. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt 2002, ISBN 3-596-15368-9
- Gerhard Endreß: Der Islam. Eine Einführung in seine Geschichte. München 1997 (C.H. Beck Studium), ISBN 3-406-42884-3
- John L. Esposito: Von Kopftuch bis Scharia. Was man über den Islam wissen sollte. Leipzig 2004 (Reclam Leipzig), ISBN 3-379-20105-7
- Richard Hartmann: Die Religion des Islam. Berlin 1944 - Nachdruck Wiss. Buchgesellschaft 1992, ISBN 3-534-80132-6
- Malise Ruthven: Der Islam. Eine kurze Einführung. Reclam, Stuttgart 2000, ISBN 3-15-018057-0
- Udo Schaefer: Glaubenswelt Islam. Eine Einführung. Religionswissenschaftliche Texte und Studien, Band 7. Georg Olms Verlag, Hildesheim 2002, ISBN 3-48710-159-9
- Annemarie Schimmel: Die Religion des Islam. Eine Einführung. Reclam, Stuttgart 1990, ISBN 3-15-008639-6
- Montgomery W. Watt: Der Islam. 3 Bände. Kohlhammer, Stuttgart 1980-1990 (Band 2: ISBN 3-17-005707-3)
- Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (Hrsg.): Was jeder vom Islam wissen muss. Gütersloher Verlagshaus, GTB 786, 5. Auflage 1996, ISBN 3579007866

Geschichte


- Josef van Ess: Theologie und Gesellschaft im 2. und 3. Jahrhundert der Hidschra. Springer, Berlin 1991-1995 (sechs Bände)
- Ulrich Haarmann (Hrsg.): Geschichte der arabischen Welt. Beck, München 2001, ISBN 3-406-47486-1
- Heinz Halm: Der Islam. Geschichte und Gegenwart. C.H. Beck, München 2004, ISBN 3-406-519172
- Günter Kettermann: Atlas zur Geschichte des Islam. Darmstadt 2001, ISBN 3-534-14