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Sassaniden

Sassaniden

Das Sassanidenreich war das zweite persische Großreich, das sich in der Spätantike etwa über die Territorien der heutigen Staaten Iran und Irak sowie einige ihrer Randgebiete erstreckte. Es existierte zwischen dem Ende des Partherreichs und der arabischen Eroberung Persiens, also von 224 bis zur Schlacht von Nehawend im Jahr 642 beziehungsweise bis zum Tod des Großkönigs Yazdegerd III. im Jahr 651. Das Sassanidenreich, das in der Forschung gelegentlich auch als Neupersisches Reich bezeichnet wird, war über Jahrhunderte hinweg eine bedeutende Großmacht und eine Rivalin des römischen bzw. des oströmischen Reiches. Außer kriegerischen Auseinandersetzungen gab es aber auch zahlreiche friedliche Kontakte zwischen Römern und Sassaniden, die sich in vielerlei Hinsicht gegenseitig beeinflussten. Der Name des Reiches leitet sich von der letzten altpersischen Dynastie der Sassaniden (richtiger: Sasaniden) ab. Diese wiederum führten ihre Herkunft auf einen historisch kaum fassbaren Stammvater zurück, einen gewissen Sasan, der um 200 n. Chr. Oberpriester im Feuerheiligtum der Anahita in Istakhr gewesen sein soll. In der historischen Literatur wird der Begriff Sassaniden außer auf das Herrschergeschlecht auch auf die Bevölkerung ihres Reiches angewandt. Istakhr

Geschichte

Die Begründung des Neupersischen Reichs

Begründer des Sassanidenreiches war Ardaschir I. (Regierungszeit 224240), ein aufständischer Fürst aus dem Süden des Partherreichs, der Persis, wo die Sassaniden als Unterkönige fungierten. Nachdem er den letzten Partherkönig, den Arsakiden Artabanos IV., im Jahre 224 n. Chr. getötet hatte, nahm er dessen Platz ein und eroberte 226 die parthische Hauptstadt Ktesiphon, die in der Folgezeit prächtig ausgebaut und Hauptresidenz der Sassanidenkönige wurde. Ardaschir war offenbar bestrebt, die Macht der mächtigen Adelsfamilien zu begrenzen, was ihm allerdings nur teilweise gelang. Er nannte sich auch König der Könige von Iran, wobei aber unter Iran nicht der heutige Staat verstanden werden darf, sondern vielmehr die von Iraniern bewohnten Gebiete. Ob sich die frühen Sassaniden bewusst in die Tradition der Achämeniden stellten, wie dies später teils explizit geschehen sollte, ist allerdings in der Forschung sehr umstritten . Achämeniden Sein Sohn, Großkönig Schapur I. (240270/272), nannte sich bereits König der Könige von Iran und Nicht-Iran. Schapur drang mehrmals tief in römisches Gebiet ein und eroberte und plünderte Antiochia in Syrien (253 oder 256); schließlich besiegte er während seiner Regierungszeit die römischen Kaiser Gordian III., Philippus Arabs und Valerian. Letzterer geriet 260 sogar in persische Gefangenschaft; eine ungeheure und bis dahin unbekannte Schmach für die Römer. Das genaue Jahr dieser Niederlage ist jedoch immer wieder Thema der wissenschaftlichen Diskussion, da die Quellenlage problematisch ist. Schapur ließ jedenfalls seinen Sieg durch die Erstellung beeindruckender Felsreliefs, zum Beispiel bei Bischapur, sowie einer monumentalen Inschrift in persischer, parthischer und griechischer Sprache bei Naqs-i Rustam in der Nähe von Persepolis verewigen, den so genannten res gestae divi Saporis: :Im dritten Feldzug, als wir gegen Karrhai und Edessa vorstießen und Karrhai und Edessa belagerten, da marschierte Kaiser Valerian gegen uns, und es war mit ihm, eine Heeresmacht von 70.000 Mann. Und auf der jenseitigen Seite von Karrhai und Edessa hat mit Kaiser Valerian eine große Schlacht für Uns stattgefunden, und Wir nahmen Kaiser Valerian mit eigenen Händen gefangen und die Übrigen, den Prätorianerpräfekten und Senatoren und Offiziere, alle welche auch immer Führer jener Heeresmacht waren, alle diese ergriffen Wir mit den Händen und deportierten sie in die Persis. :SKZ, §18-22, griechische Fassung; Übersetzung entnommen aus: Engelbert Winter/Beate Dignas, Rom und das Perserreich, Berlin 2001, S. 98, siehe auch die Quellenangaben. Um eine bessere Lesbarkeit zu gewährleisten, wurde auf die Ergänzungs- und Auslassungszeichen verzichtet. Den zu seiner Regierungszeit entstehenden Manichäismus begünstigte Schapur durch den Schutz Manis; zugleich stützte er sich aber stark auf den Zoroastrismus. Unter Schapurs Nachfolgern Bahram I. (273276) und vor allem Bahram II. (276293) wurden die Manichäer, die auch im Römischen Reich Anhänger fanden, dann verfolgt. Ansonsten sticht innenpolitisch vor allem Schapurs recht intensive Städtepolitik hervor. In den von Schapur gegründeten Städten wurden auch aus dem Westen Deportierte, darunter auch etliche Christen, die dort ihren Glauben ausüben konnten, angesiedelt. In der Regierungszeit des römischen Kaisers Diokletian mussten die Sassaniden unter König Narseh (293302) nach mehreren Niederlagen gegen Galerius 297 einige Gebiete in Mesopotamien abtreten. Allerdings hatten die Sassaniden, ganz ähnlich wie die Römer, nicht nur an einer Front zu kämpfen. Auch das Neupersische Reich musste sich gegen Eindringlinge zur Wehr setzen. Die Pässe des Kaukasus mussten ebenso verteidigt werden wie die stets gefährdete Nordostgrenze, wo die Sassaniden zunächst gegen die Kuschan, später gegen die Hephtaliten und die Türken zu kämpfen hatten. Nicht selten erwiesen sich diese Völker als ernsthafte Bedrohung für das Sassanidenreich.

Konfrontation und Koexistenz – die Kriege Schapurs II. und die Verständigungspolitik Schapurs III. und Yazdegerds I.

Im Verhältnis zu Rom kam es im Laufe der Zeit zu einer bemerkenswerten Wandlung: Die Römer akzeptierten die Sassaniden als gleichberechtigt. Für sie waren diese Perser keine Barbaren im engeren Sinne mehr (wie etwa die Germanen), sondern eine zivilisierte, gleichstarke und (fast) ebenbürtige Macht. Die Parther, von den Germanen und anderen Stämmen an den Grenzen Roms ganz zu schweigen, waren so nie von den Römern angesehen worden, auch wenn bereits die Arsakiden seit Augustus als die zweite souveräne Großmacht gegolten hatten. Umgekehrt sahen auch die Sassaniden die Römer in einem ähnlichen Licht, was die Bruder-Anreden in überlieferten Briefen deutlich macht: : Ich, König der Könige, Sapor, Gefährte der Sterne, Bruder von Sonne und Mond, entbiete dem Caesar Constantius, meinem Bruder, alles Gute. : Antwort des römischen Kaisers: Ich, Sieger zu Wasser und zu Lande, Constantius, immer der erhabene Augustus, entbiete meinem Bruder, dem König Sapor, alles Gute. Ammianus Marcellinus, 17,5. Übersetzung entnommen aus: Ammianus Marcellinus, Das Römische Weltreich vor dem Untergang. Bibliothek der Alten Welt, übersetzt von Otto Veh, eingeleitet und erläutert von Gerhard Wirth, Zürich und München 1974. Bis zum 6. Jahrhundert hatte sich ein ausgefeiltes diplomatisches Protokoll entwickelt, das bei oströmisch-persischen Kontakten zu beachten war. So wurde es üblich, Thronwechsel im eigenen Reich dem jeweils anderen offiziell mitzuteilen, ohne dass freilich die Kampfhandlungen deswegen abbrachen. Ammianus Marcellinus Unter dem bedeutenden Großkönig Schapur II. (309379) wurden die Christen aufgrund der Christianisierung des Römischen Reiches seit Konstantin dem Großen erstmals als Parteigänger Roms verfolgt. Schapur II. führte einen langen Krieg gegen die Römer unter Constantius II., wofür uns glücklicherweise eine detaillierte Beschreibung des Historikers und Augenzeugen Ammianus Marcellinus zur Verfügung steht. Schapur gelangen nach anfänglichen Rückschlägen mehrere Siege; so konnte etwa die wichtige Festung Amida im Jahre 359 eingenommen werden. Julian Apostata, der Nachfolger des Constantius, wollte den Perserkrieg seines Vorgängers offenbar wieder aufnehmen und rückte im März 363 mit einem starken Heer von etwa 65.000 Mann in Mesopotamien ein. Bald stand der Kaiser, dem Schapur immer wieder geschickt ausgewichen war, vor Ktesiphon. Dort aber entschied er sich zur Umkehr. Von seinen Nachschubslinien abgeschnitten, fiel Julian am 26. Juni in einem Gefecht und ließ das römische Heer in einer verzweifelten Situation zurück. So musste schließlich Julians Nachfolger Jovian einem für die Römer ungünstigen Frieden zustimmen, um die Vernichtung des Heeres zu verhindern. Die Römer traten jene Gebiete in Mesopotamien ab, die sie einige Jahrzehnte zuvor unter Galerius erobert hatten, sodass Schapur die Grenzen wieder nach Westen vorschieben konnte. Auch gegenüber den Steppenvölkern an der Nordostgrenze konnte sich der Großkönig behaupten. Schapur III. (383388) stellte die Christenverfolgungen ein und vereinbarte mit dem römischen Kaiser im Osten, Theodosius I., wohl 387 die Teilung des stets umstrittenen Armenien, wobei die erstarkte Stellung Persiens auch dadurch deutlich wurde, dass die Sassaniden rund vier Fünftel des Landes erhielten. Mit den Lösungen in Nordmesopotamien und Armenien scheinen aber auch die Römer zufrieden gewesen zu sein, sodass es im fünften Jahrhundert zu einer friedlichen Koexistenz der beiden Großmächte kam, die nur von zwei kurzen Kriegen unter Theodosius II. unterbrochen wurde. Unter Yazdegerd I. (399420) konnte das Christentum im Perserreich an Boden gewinnen, auch wenn es weiterhin gelegentlich zu Verfolgungen kam – zumindest teilweise allerdings als Reaktion auf christliche Provokationen. So kam es um 420 zu einer (begrenzten) Verfolgung, nachdem ein Bischof einen Feuertempel zerstört hatte. Um 450 mussten die Sassaniden einen gefährlichen Aufstand in Persarmenien niederschlagen, der sich ebenfalls an religiösen Fragen entzündet hatte. Aufgrund seiner toleranten religiösen Haltung, die dem zoroastrischen Klerus mißfiel, erhielt Yazdegerd I. jedoch später in der persischen Überlieferung den Beinamen „der Sünder“.

Von Bahram V. bis Kavadh I. – Grenzkriege und innere Unruhen

Yazdegerds Sohn Bahram V. Gor (421439) wurde die Königswürde zunächst verweigert, sodass er sich den Thron erkämpfen und zu diesem Zweck auch einige Kompromisse mit dem mächtigen Adel eingehen musste. Dennoch entwickelte sich Bahram V. zu einem der bedeutendsten Sassanidenkönige. Während seiner Regierungszeit musste er sich vor allem um den Schutz der Nordostgrenze kümmern, wo nomadische Steppenvölker die Sicherheit des Reiches bedrohten. In dieser Zeit tauchten die Hephtaliten auf, die Bahram 427 schlagen konnte, die aber bis zu ihrer Vernichtung Mitte des 6. Jahrhunderts eine ständige Bedrohung für die Sassaniden darstellten. So war auch die Regierungszeit von Bahrams Sohn Yazdegerd II. (439457) vom Abwehrkampf an der Grenze geprägt. Nach der nur kurzen Regierungszeit Hormizds III. (457459) gelangte dessen Bruder Peroz I. (459484) auf den Thron. Unter ihm wurde schließlich die jetzt von der orthodoxen Kirche des Römerreiches getrennte nestorianische assyrische Kirche des Ostens die prägende christliche Kirche in Persien. Damit endeten auch im Wesentlichen die Christenverfolgungen, zumal die assyrische Kirche der oströmischen Reichskirche in Konstantinopel feindlich gegenüberstand. Die Großkönige scheinen nun keine Kollaboration zwischen den Christen und Rom mehr befürchtet zu haben. Im 5. Jahrhundert waren die Beziehungen zu den Römern zumeist friedlicher Natur, da nicht nur die Kaiser, sondern auch die Perser Probleme an anderen Fronten hatten. 484 fiel König Peroz im Kampf gegen die Hephtaliten, die zeitweise sogar Tribute von den Sassaniden empfangen hatten. Zudem kam es in der Regierungszeit Kavadh I. (488496 und wieder von 499531) zu inneren Wirren. Diese wurden zum Teil ausgelöst durch die teils religiöse, teils sozialrevolutionäre, von Teilen der unteren Bevölkerungsschichten getragenen Bewegung der Mazdakiten. Letztendlich konnte sich das Königtum jedoch behaupten. Kavadh, der zwischenzeitlich vertrieben worden war, aber mit Hilfe der Hephtaliten wieder an die Macht kam, gelang es sogar, die Stellung der Zentralregierung gegenüber den mächtigen Adelsfamilien zu stärken. 502 brach ein Krieg gegen die Römer unter Kaiser Anastasios I. aus. 503 gelang den Persern die Einnahme der wichtigen Stadt Amida am Tigris; der oströmische Gegenschlag (die Armee dürfte gut 50.000 Mann umfasst haben) scheiterte an der Uneinigkeit der Generäle. Doch konnten die Römer die Lage schließlich stabilisieren. Der Krieg flammte nach einem Waffenstillstand (507) und einer zwischenzeitlichen Entspannung der Beziehungen um das Jahr 525 wieder auf und zog sich über mehrere Jahre hin, wobei die Hauptkampfhandlungen zunächst in Mesopotamien stattfanden; später wurde auch im Kaukasusraum gekämpft. Als Kavadh I. 531 starb, dauerten die Kämpfe noch immer an. Nachfolger wurde sein Lieblingssohn, der sich schließlich zum größten und berühmtesten Sassanidenkönig und einem der bedeutendsten Herrscher der gesamten Spätantike entwickeln sollte: Chosrau I.

Chosrau I. Anuschirvan – auf dem Höhepunkt der Macht

Chosrau I. Großkönig Chosrau I. Anuschirvan („mit der unsterblichen Seele“; 531579) war der große Gegenspieler des oströmischen Kaisers Justinian I. Während Chosraus Herrschaft erreichte das Reich seine größte Blüte, er selbst lebte in der Sagenwelt des Orients weiter, während sein Name als Kisra bei den Arabern bis heute das Synonym für „König“ ist (ähnlich wie Caesar als „Kaiser“ im Deutschen). Im Inneren entstanden prächtige Bauwerke, und der Ruf des hochgebildeten Großkönigs als Patron der Künste und Wissenschaften drang bis nach Athen: Nach der Schließung der Akademie im Jahr 529 suchten die letzten heidnischen Neuplatoniker Zuflucht im Perserreich. Zunächst schloss Chosrau 532 den so genannten (und von hohen einmaligen Geldzahlungen an die Perser begleiteten) Ewigen Frieden mit dem oströmischen Kaiser Justinian I. Doch brachen die Kampfhandlungen, für die das umfassende Geschichtswerk des Prokopios von Caesarea als unsere wichtigste Quelle dient, bereits 540 erneut aus. Mehrmals drang Chosrau mit seiner Armee plündernd auf römisches Gebiet vor und konnte den oströmischen Truppen, die aufgrund von Justinians Restauratio imperii vor allem im Westen gebunden waren, einige empfindliche Niederlagen beifügen: 540 wurde die Weltstadt Antiochia am Orontes erobert und geplündert, auf dem selben Kriegszug machte Chosrau auch in anderen oströmischen Städten reiche Beute und deportierte Zehntausende nach Persien. Justinian sah sich nun gezwungen, den Krieg gegen die Perser wieder aufzunehmen und entsandte Belisar in den Osten. Der Kriegsschauplatz erstreckte sich dabei von Lazika am Schwarzen Meer bis nach Mesopotamien. Die Römer und Sassaniden schlossen 562 erneut Frieden, wobei Justinian diesmal Tributzahlungen zustimmen musste, aber dafür die Kontrolle über Lazika behielt. Allerdings kam es nur wenige Jahre später unter Justinians Nachfolger Justin II. erneut zu Kampfhandlungen, wobei die Perser nach großen Anfangserfolgen 575 bei Melitene ihre bis dahin schwerste Niederlage gegen die Römer hinnehmen mussten; Chosrau konnte nur mit Mühe entkommen, doch brachte der römische Sieg keine Entscheidung. Gegen Ende seiner langen Herrschaft gelang es dem König, auch an der Südküste des Persischen Golfes und in Südarabien Fuß zu fassen. Oman und Jemen wurden persisch, was auch im Hinblick auf die dort verlaufenden Handelsrouten von Bedeutung war. Im Nordosten vernichtete Chosrau mit Hilfe der Türken das Reich der Hephtaliten, woraufhin allerdings die Türken deren Platz einnahmen. Im Inneren konnte Chosrau offenbar wenigstens zeitweise die Position des Königtums gegenüber dem Adel stärken und mehrere Reformen in Angriff nehmen. So wurde ein neues Steuersystem eingeführt, das vielleicht an das komplizierte Steuersystem des spätrömischen Reiches angelehnt war, und vier große Armeedistrikte schaffen. Allerdings erwies sich vielleicht gerade die letzte Maßnahme als wenig glücklich, da die Armeekommandeure große Macht erhielten und nach der Zerschlagung einer der Hauptarmeen an der Grenze der Weg ins Innere des Reiches frei war (siehe Islamische Expansion, wo genau dieser Fall eintrat). Als Chosrau starb, hinterließ er ein mächtiges, aber auch von den langen Kriegen erschöpftes Reich.

Chosrau II. Parwez und der Perserkrieg des Herakleios

Chosraus Sohn Hormizd IV. (579590) führte den 572 erneut ausgebrochenen Krieg gegen Ostrom mit wechselndem Erfolg fort und musste sich auch der Türken an der Nordostgrenze erwehren. Im Inneren versuchte er sich bei der Bevölkerung beliebt zu machen, wobei er jedoch den Fehler beging, gegen den Adel und die Mobads (Priester) vorzugehen, sodass er 590 infolge einer Adelsrevolte gestürzt und durch seinen Sohn Chosrau II. Parwez („Sieger“; 590628) ersetzt wurde, der mit der Christin Schirin verheiratet war. Chosrau II. musste jedoch sehr bald vor einem Usurpator, dem fähigen General Bahram Chobin, zu den Römern fliehen und erlangte seinen Thron 591 nur mit Hilfe des Kaisers Maurikios zurück, wofür die Römer verlorengegangene Gebiete zurück erhielten. Chosrau II. gilt als der letzte bedeutende Sassanidenherrscher, und in den ersten 10 Jahren seiner Herrschaft waren die Beziehungen zum Westen so friedlich wie nie zuvor. Doch von 602 bis 630 tobte zwischen Oströmern und Sassaniden dann „der letzte große Krieg der Antike“ (James Howard-Johnston). Chosrau II., der die Schwäche des Oströmischen Reichs nutzte, präsentierte einen angeblichen Sohn seines 602 ermordeten Gönners Maurikios und fiel daraufhin in oströmisches Gebiet ein. Die Römer waren vorerst mit sich selbst beschäftigt: Während der (den Quellen nach) tyrannisch regierende Kaiser Phokas, der Mörder des Maurikios, von Herakleios 610 gestürzt und getötet wurde, fielen persische Truppen in Syrien ein und drangen bis nach Kleinasien vor. 614 eroberten die Perser mit Hilfe einheimischer Juden Jerusalem und führten das angebliche Kreuz Christi fort, 615-16 standen persische Truppen in Chalkedon. Seit 619 standen sassanidische Truppen in der Kornkammer des römischen Reiches, in Ägypten, und drangen im Westen bis in die Barka (möglicherweise bis vor Tripolis), im Süden (auf der Suche nach Gold) bis in den Sudan vor. Während die Sassaniden in den vorangegangenen Jahrhunderten niemals ernsthaft versucht hatten, ihren Machtbereich im Westen über Armenien und Mesopotamien hinaus auszuweiten, brach Chosrau angesichts der militärischen Erfolge nun mit dieser Politik: Syrien und Ägypten wurden als dauerhafte Eroberung administrativ in das Perserreich integriert ebenso wie es bereits mit Jemen und Oman geschehen war. Fast schien es so, als sei das Reich der Achämeniden wieder auferstanden. In mehreren Feldzügen hatten die Sassaniden die Oströmer an den Rand des Untergangs gebracht und kontrollierten einen Großteil des Reiches, bis Kaiser Herakleios 622 wieder in die Offensive ging. In drei Feldzügen, die Herakleios bis in den Kaukasus führten, gelang es ihm das Blatt zu wenden. Es zeigte sich nun, dass Chosrau II. den Krieg offenbar nicht mit aller Entschlossenheit führte: So standen starke Truppenverbände (eventuell sogar die besseren) in Ägypten, die sich auch nicht am Kampf gegen Herakleios beteiligten, zumal Chosrau seinen Kommandeuren, wie dem fähigen General Shahrabaraz, nicht wirklich vertraute. Eine persische Gegenoffensive, die mit der Belagerung Konstantinopels 626 durch die mit den Persern verbündeten Awaren verbunden war, scheiterte, zumal die Perser nicht auf das europäische Ufer übersetzten. Die scheinbare Macht des Sassanidenreiches, das seine Leistungsfähigkeit in diesem Kampf stark überfordert hatte, erwies sich nun als brüchige Fassade. Bereits vorher waren die arabischen Vasallen (Lachmiden) abgefallen und hatten in der Wüste ein persisches Heer vernichtet. Anfang Dezember 627 fügte Herakleios den Persern in der entscheidenden Schlacht bei Ninive eine Niederlage zu. Chosrau II. musste fliehen und verlor damit sein Ansehen und seinen Rückhalt bei den Großen des Reiches; er wurde bald darauf (Februar 628) entthront und schließlich ermordet. Die Sassaniden mussten das Kreuz Christi und alle eroberten Gebiete zurückgeben (629/630).

Das Ende der Sassaniden

Nach der Ermordung Chosraus II. folgten eine Zeit der Wirren und rund ein Dutzend schnell wechselnder Herrscher, wobei sogar zwei Töchter Chosraus für kurze Zeit auf den Thron gelangten. Die Quellenüberlieferung ist für diesen Zeitraum sehr unzuverlässig; selbst die Chronologie der Herrscher ist nicht immer gesichert. 630 Das Ende des geschwächten und ausgebluteten Sassanidenreiches wurde in der Regierungszeit Yazdegerds III. (632651) besiegelt, als die Heere der islamischen Araber sowohl in die oströmischen Orientprovinzen als auch in das Sassanidenreich eindrangen. Zunächst in der Schlacht von Kadesia 636, was den Verlust Ktesiphons und Mesopotamiens zur Folge hatte, und letztendlich bei Nehawend 642 im iranischen Herzland wurden die persischen Heere geschlagen (siehe dazu Islamische Expansion). Yazdegerd musste fliehen, während sich die persischen Adligen bald mit den Invasoren verständigten. Möglicherweise hatten bereits 636 Teile des Heeres mit den Muslimen zusammengearbeitet, zur gleichen Zeit waren mit den letzten Lahmiden die ehemaligen arabischen Vasallen der Perser zum Islam übergetreten. Yazdegerd III. wurde 651 in Merw, im äußersten Nordosten seines zusammenbrechenden Reiches, von einem seiner Untergebenen getötet. Das Sassanidenreich hatte damit aufgehört zu bestehen. Yazegerds Sohn Peroz aber entkam mitsamt dem persischen Staatsschatz an den Hof der einstigen chinesischen Feinde und heirate sogar eine Tochter des Kaisers. Mit chinesischer Hilfe versuchte er während des Bürgerkrieges Alis gegen Muawiya (seit 656), die Macht zumindest im Osten Persiens wiederzuerlangen, ehe auch er 661 starb. Tatsächlich beherrschten die Chinesen um 670 kurzzeitig weite Teile Zentralasiens, Chorasans, Afghanistans und möglicherweise sogar Gebiete bis zur Küste Belutschistans, ihr Gouverneur war ein Sohn Peroz´ und der Chinesin.

Innerer Aufbau des Reiches, Gesellschaft, Religion und Militär

Königtum, Adel und staatlicher Aufbau

Das Perserreich der Sassaniden zeichnete sich besonders dadurch aus, dass die noch von den Parthern gepflegte Kultur im Stil des Hellenismus weiter zurückgedrängt wurde und stattdessen die iranischen Elemente stärker herausgestellt wurden, wenngleich die neuere Forschung dies in Teilen relativiert: So war Schapur I. durchaus an griechischer Kultur interessiert, ähnlich wie sich später Chosrau I. für die Philosophie der Antike interessierte. Letztlich betonten die Sassaniden zwar die Unterschiede zu den Parthern, hielten aber faktisch in fast allen Bereichen weitgehend am Bestehenden fest. Die neue Dynastie stand allerdings unter Legitimationsdruck; die ersten Sassaniden mußten sich – gerade im Krieg mit Rom – als würdige Könige erweisen. Zudem diente wohl das alte Perserreich der Achämeniden in gewisser Weise als Vorbild, was auch in der Selbstbezeichnung der Sassanidenherrscher zum Ausdruck kam, Könige der Könige zu sein. Allerdings wussten bereits die ersten Sassaniden offenbar nicht viel mehr über ihrer achämenidischen „Vorfahren“, als dass diese einst ein großes Reich beherrscht hatten. Das politische Konzept von Iran, vom Land der Arier, entstand erst in sassanidischer Zeit. Schapur I. war dann der erste Großkönig, der sich als König der Könige von Iran und Nicht-Iran bezeichnen ließ. Der Herrscher war König von Gottes Gnaden und vom Samen der Götter, aber kein Gottkönig. Später wurden sogar die mythischen Urkönige des Iran als Vorfahren miteinbezogen; diese Mystifizierung lebte unter anderem in dem im 6./7. Jahrhundert entstandenen Herrenbuch fort (siehe unten). Ansonsten bezogen die Sassanidenkönige ihre Legitimität vor allem aus ihrem „Glücksglanz“ (dem xvarrah) sowie aus der Demonstration ihrer persönlichen Fähigkeiten im Krieg und auf der Jagd. Die Großkönige standen dem Hochadel gegenüber, in welchem die sieben großen Familien eine besondere Rolle spielten; die Situation scheint in manchem der des Heiligen Römischen Reiches im Hochmittelalter geähnelt zu haben: Starke Herrscher konnten dem „feudalen“ Adel ihren Willen aufzwingen, doch kam es auch immer wieder zu Thronwirren und Konfrontationen mit der Aristokratie (und dort vor allem gegenüber den mächtigen Adelsfamilien der Mihran, Suren und Karen, die bereits in parthischer Zeit eine bedeutende Rolle gespielt hatten und über große Besitzungen verfügten) und dem zoroastrischen Klerus. Allerdings wurde bis zur Endphase des Reiches fast ausnahmslos daran festgehalten, dass nur ein (körperlich unversehrtes) Mitglied des Hauses der Sassaniden den Thron besteigen durfte. Wie konfliktreich das Verhältnis zwischen Königen und Adligen letztlich war, ist in der Forschung sehr umstritten. Der Adel selbst gliederte sich wohl in vier Rangklassen: regionale Dynasten, Prinzen von königlichem Blut, Mitglieder der großen Familien und am Ende die so genannten Azatan, die geringeren Adligen. Der Hof der Sassaniden kannte, wenigstens in seiner Frühzeit, einen Adelsrat, dessen Funktionen und Einflussmöglichkeiten aber schwer zu bestimmen sind. Adelsversammlungen erwähnt noch Prokopios (ca. 500 bis 562), doch die Funktion und Zusammensetzung dieser Organe ist unklar. Offenbar spielten der Adel und die Priesterschaft, deren Hierarchie sich erst im Laufe der Zeit ausprägte, bei der Bestimmung des Thronfolgers eine gewisse Rolle. Außerdem gab es ein später immer ausgeprägteres Hofzeremoniell sowie eine differenzierte Abstufung von Rangtiteln. Einer der höchsten Hofbeamten war der Hazaúrbed, der in der Frühzeit wohl Kommandeur der Leibwache des Königs war, später sich aber zu einem bedeutenden Hofbeamten entwickelte. Von Bedeutung war daneben auch der Wuzurg-framadar („Großwesir“). Vermutlich waren zumindest einige der wichtigsten Ämter (genau wie das Königtum) innerhalb bestimmter Adelsfamilien erblich. Einige Althistoriker sind im übrigen der Ansicht, das persische Zeremoniell habe dann dem spätantiken römischen als Vorbild gedient. Söhne des Königs wurden zumindest in der Frühzeit oft mit Provinzstatthalterschaften betraut, daneben existierten aber auch regional herrschende Fürsten und sogar Teilkönige (wie in Armenien), denen die Verwaltung über größere Provinzen übertragen wurde. Allerdings ist es relativ unstrittig, dass das Reich unter den Sassaniden insgesamt stärker zentralisiert war als unter den Parthern und daher auch über eine größere Anzahl von Amtspersonen verfügte . Dies umso mehr, als in der Schwächephase des Adels im 5. Jahrhundert (siehe Mazdakiten) teils Adelsland in Königsland umgewandelt werden konnte. Auch die Reformen Chosraus I. haben zeit- und teilweise die Position des Königtums gestärkt, etwa durch die Schaffung eines Dienstadels bzw. „Rittertums“ (die Dehkānān), wenngleich der Adel nach seinem Tod auch wieder an Macht gewann. An die sassanidische Hofverwaltung und Hofkultur sowie an das sassanidische Steuersystem, das seit Chosrau I. aus einer kombinierten Kopf- und Grundsteuer bestand, sollten später auch die Abbasiden anknüpfen .

Gesellschaft und kulturelles Leben

Abbasiden Wenn bisher nicht von der sassanidischen mittelpersischen Literatur die Rede war, so nur aufgrund des weitgehenden Verlustes derselbigen. Wir besitzen fast keine Werke (abgesehen von Fragmenten), die sich mit Sicherheit in die sassanidische Zeit zurückdatieren lassen; auch nicht das Avesta, dessen älteste bekannte Handschrift erst in nachsassanidischer Zeit entstanden ist. Eine wichtige Vermittlerrolle spielten jedoch die perso-arabischen Autoren wie etwa Tabari, der auf heute verlorene spätantike Quellen zugreifen konnte und sie neu bearbeitete; Firdausi bearbeitete das in spätsassanidischer Zeit entstandene Herrenbuch (Xwadaynamag) und schuf mit dem (neupersischen) Königsbuch (Schāhnāme) ein unvergessliches Meisterwerk der Dichtkunst. Sie erlauben wenigstens eine ungefähre Vorstellung vom Reichtum der weltlichen mittelpersischen Literatur, die historische Werke ebenso umfasste wie beispielsweise Poesie, Rechtsbücher, Romane aller Couleur, geographische Berichte, religiöse und astronomische Abhandlungen sowie Heldenepen. Unter dem wohl bedeutendsten Sassanidenkönig, Chosrau I., der unter anderem Texte griechischer Philosophen und indische Märchen ins Mittelpersische übersetzen ließ (dies hatte nachhaltige Auswirkungen, da diese Texte so später den Arabern zugänglich wurden und diese, besonders unter den Abbasiden, daran anknüpfen sollten) entfaltete sich das Hofleben besonders prächtig: Die Jagd wurde kultiviert, auch wurden Schach und Polo am Hof des Großkönigs gespielt; außerdem wurde der prächtige Palast von Taq-i Kisra errichtet. Ebenso wie sein Andenken, das besonders lebendig blieb, wurde das von mehreren Sassanidenkönige in späteren Erzählungen festgehalten und gepflegt, auch und gerade in islamischer Zeit. Die Erinnerung an Bahram V., der aufgrund seines Jagdgeschicks den Beinamen „der Wildesel“ (Gor) erhielt, sollte ebenso wie die an Chosrau II. in orientalischen Sagen weiterleben. Besonders der märchenhafte Hof Chosraus II. und seine Beziehung zu der Christin Schirin beflügelten die Phantasie der Nachwelt, was sich auch in mehreren muslimischen Dichtungen widerspiegelt (Schāhnāme, Nezamis Chosrau und Schirin etc.). Der sassanidische Iran spielte eine bedeutende und nicht zu unterschätzende Rolle bei der Vermittlung von Wissen zwischen Ost und West: An den Hochschulen des Landes (besonders in Nisibis und Nischapur) beschäftigte man sich unter anderem mit Medizin, Recht und Philosophie und rezipierte das griechisch-römische Wissen, umgekehrt gelangte über den Iran auch Wissen in den Westen. Im Iran nahmen Manichäer und Nestorianer ihre Missionstätigkeit auf, die sie bis an die Grenzen Chinas führte. Zu den kulturellen Errungenschaften der Sassaniden gehört die Fortentwicklung und erfolgreiche Verbreitung des freischwebenden Kuppelbaus (hier lässt sich besonders im sechsten Jahrhundert eine starke gegenseitige Beeinflussung von persischer und oströmischer Architektur beobachten) – ebenso übrigens wie raffinierter Zucker und die ersten Windmühlen, die in spätsassanidischer Zeit errichtet wurden. Bekleidungsstücke wie Hose und Turban wurden durch sie populär, ebenso wie die Ausrüstung mit Brustpanzer und Kettenhemd. Der ritualisierte Reiterzweikampf (mard-o-mard) erinnert in erstaunlicher Weise an den Tjost des europäischen Mittelalters. Die ritterlich-höfische Kultur des Islam und des Abendlandes wurde von den Sassaniden entscheidend vorgeprägt – und es ist vielleicht kein Zufall, dass das Schach, lange Zeit das höfische Brettspiel par excellence, durch die Sassaniden in den Westen vermittelt wurde – schon der Name Schach leitet sich ab von Schah (dt. „König“). Die Gesellschaft war – glaubt man den späteren zoroastrischen Quellen – ab dem 5. Jahrhundert, ähnlich wie der Hofadel, in vier Klassen unterteilt, die man als Kasten bezeichnen kann: 1) Priester und Richter, 2) Krieger, 3) Schreiber und 4) Bauern und Handwerker, auch wenn die Forschung sich über die Reihenfolge nicht immer einig ist. Obwohl in den Städten Händler und Handwerker eine große Rolle spielten, war die Mehrheit der Bevölkerung als Bauern auf dem Land tätig; sie profitierten auch von den Reformen Chosraus I., da sie nun ihr Land selbstständig bearbeiten durften und in einem geringeren Maße vom Adel (siehe dazu oben) abhängig waren als vorher. Eine bedeutende Rolle im Sassanidenreich spielten die zoroastrischen Priester (Mobads), die zugleich auch eine Richterfunktion ausübten und als Rechtsgelehrte wirkten. Die Sklaven wurden im Sassanidenreich zwar als „Sachen“ angesehen, gleichzeitig aber auch als menschliche Wesen und waren so vor allzu grausamer Behandlung geschützt, wenngleich ihre Besitzer sie verkaufen oder verschenken durften. Zu berücksichtigen sind ferner die Kriegsgefangenen und Deportierten aus den römischen Gebieten, die im Sassanidenreich wiederangesiedelt wurden. So bauten römische Gefangene Gebäude und Brücken, die noch heute erhalten sind. Ob die Deportation von Römern ins Perserreich wirklich zu einem massiven Anstieg des Anteils der Christen an der Bevölkerung geführt hat, wie oft vermutet wird, ist heute umstritten.

Kunst

In der Kunst entstanden in sassanidischer Zeit einige bedeutende Werke, wie etwa die kunstvoll gestalteten Silberarbeiten (seltener sind Goldarbeiten), wobei sich der Stil der Silberarbeiten im Laufe der Zeit kaum änderte. Die Werke reflektieren den auch von spätantiken römischen Autoren beschriebenen Reichtum und die Pracht des Sassanidenhofes. Typisch war die Darstellung des Großkönigs zusammen mit Jagdszenen auf Silberschalen. Andere Silberarbeiten bilden beispielsweise kultische Handlungen ab. Mythologische Darstellungen sind seltener und lehnen sich offenbar an griechisch-römische Arbeiten an; es sind aber auch Arbeiten mit christlichen Motiven bekannt. Umgekehrt weisen etwa die heute bekannten Überreste der im sechsten Jahrhundert errichteten Polyeuktoskirche in Konstantinopel zahlreiche sassanidische Elemente auf. Am imposantesten sind sicherlich die Felsreliefs der Dynastie (etwa bei Naqs-i Rustam); nach Darstellungen mit Schapur III. finden sich jedoch erst wieder Reliefs aus der Zeit Chosraus II., wie die bei Taq-e Bostan, wo er unter anderem auf der Jagd dargestellt wird. Dort befindet sich auch eine eindrucksvolle Darstellung dieses Großkönigs als Panzerreiter (clibanarius). Die Reliefs bei Bischapur wurden auch nachweislich von fremden Künstlern, wahrscheinlich Kriegsgefangenen Schapurs II., mitangefertigt. Die Reliefs wurden oft zum Gedenken an militärische Siege angefertigt und dienten damit auch Propagandazwecken, andere zeigen den König thronend zusammen mit seinem Gefolge. In der Architektur sind außerdem Stuckarbeiten aus sassanidischer Zeit bekannt, die aus Gips angefertigt wurden, in späterer Zeit wohl auch als „Massenprodukt“: Es wurde ein Exemplar modelliert, das als Muster für andere diente. Im Bereich der Architektur sei nur auf die sassanidischen Städte Firuzabad und Bischapur verwiesen, wobei diese beiden auch mit am besten erforscht sind, sowie auf das in der Zeit von Schapur I. von römischen Gefangenen errichtete Gundaschapur (nach R.N. Frye: das schönere Antiochia des Schapur; es sind aber auch andere Übersetzungen möglich), welches sich zu einem bedeutenden kulturellen Zentrum entwickeln sollte. Die Palastbauten demonstrieren außerdem teils sehr eindrucksvoll die Technik der Sassaniden bei der Errichtung von Kuppelräumen. Eine bedeutende Quelle stellen auch die sassanidischen Münzen dar: Auf der Vorderseite ist der König mit seiner individuellen Krone abgebildet, auf der Rückseite ist entweder der Feueraltar alleine, der Altar mit zwei Figuren am Rand oder aber eine Büste in den Flammen abgebildet . Die Sassaniden prägten (anders als die Parther) auch in Gold, doch dominierte bei weitem die Silberdrachme.

Religion

Der Zoroastrismus beziehungsweise Mazdaismus war unter den Sassaniden zwar sehr einflussreich und wurde auch oft vom König gefördert, kann aber nicht als die einzig geduldete Staatsreligion bezeichnet werden. Zudem ist unklar, welche Variante dieses Glaubens in sassanidischer Zeit die vorherrschende war; manche Historiker (Klaus Schippmann; Richard Frye) sprechen aber dennoch, wenigstens zeitweise, von einer sassanidischen Staatskirche, die aber, im Gegensatz zur spätrömischen christlichen Staatsreligion, nicht auf ein allgemeines Verbot der anderen Religionen hinwirkte. Letztlich ist dabei entscheidend, wie man „Staatskirche“ definieren will. Für genauere Aussagen ist die Quellenüberlieferung jedoch zu dürftig bzw. zu ungenau, auch wenn sich in den Inschriften Katirs, wie an der Kaaba des Zoroaster, einige Hinweise finden, die aber mit größter Vorsicht zu gebrauchen sind. Demnach war Katir jedenfalls eifrig bemüht, den zoroastrischen Glauben zu stärken und „Heiden“ zu bekehren. Insgesamt waren die Sassaniden aber wohl relativ tolerant gegenüber anderen Religionen, zumal zu Beginn mehrere Religionen um die Einflussnahme stritten. Dies sieht man auch an der Rolle, die der Manichäismus unter Schapur I. spielte, wenngleich die Manichäer nach dem Tod Manis teils harten Verfolgungen ausgesetzt waren, nachdem die zoroastrischen Priester (Mobads) wieder stärkeren Einfluss auf König Bahram I. und vor allem Bahram II. nahmen. Besonders der oben erwähnte Katir hatte auf den jungen König Bahram II. offenbar großen Einfluss. So heißt es auf einer Inschrift: :„Karder (Katir), der Erlöser der Seele Bahrams.“ Kartir wurde später zum obersten Richter ernannt, was den Höhepunkt der Verknüpfung von Staat und zoroastrischer „Kirche“ darstellte. Unter Narseh scheint diese enge Verzahnung allerdings schon bald wieder aufgegeben worden zu sein. Die Juden, die vor allem in Mesopotamien relativ stark vertreten waren, wo Ende des 6./Anfang des 7. Jahrhunderts der so genannte babylonische Talmud entstand, wurden in der Regel als loyale Untertanen des Königs angesehen; ihnen blieben, von Ausnahmen abgesehen, Verfolgungen erspart. Das Christentum hingegen sollte unter Schapur II., unter dem auch das Avesta gesammelt worden sein soll, zum ersten Mal verfolgt werden, allerdings aus politischen, nicht aus religiösen Gründen. So weigerte sich der Katholikos Simon bar Sabbae, Steuern zur Finanzierung des Krieges gegen Byzanz durchzusetzen; wahrscheinlich wurde den Christen, nachdem das Römische Reich sich nun langsam zu einem Imperium Romanum Christianum wandelte, auch misstraut. Als sich später jedoch eine Art „innerpersische Kirche“ formierte (siehe Assyrische Kirche des Ostens, oft fälschlich als „nestorianische Kirche“ bezeichnet), war diese ebenfalls nicht mehr das Ziel von Verfolgungen: Wenngleich es unter Chosrau I. in Armenien zu Repressalien gegen Christen kam, garantierte dieser Herrscher 562 den Christen die freie Religionsausübung. Unter Chosrau II. wurde das Christentum zeitweilig wieder gefördert (Chosraus Lieblingsfrau Schirin war selbst Christin), wobei es vor allem in Mesopotamien an Boden gewann. Allerdings traten teils Spannungen zwischen den verschiedenen Konfessionen auf, wie etwa zwischen Monophysiten und „Nestorianern“, wobei letztere eine recht erfolgreiche Missionstätigkeit im Osten ausübten. Insgesamt kann festgehalten werden, dass innen- und außenpolitische Faktoren bei der Religionspolitik der verschiedenen Herrscher eine wenigstens nicht unwichtige Rolle spielten.

Wirtschaft

Trotz einiger Städtegründungen (die Sassaniden waren wesentlich mehr an Städten interessiert als ihre Vorgänger, die Arsakiden), wie auch des prächtigen Ausbaus der Hauptresidenz Ktesiphon, war die Landwirtschaft wie überall in der Alten Welt der wichtigste Wirtschaftszweig. Sie erbrachte auch die meisten Steuern, wenn die Besteuerung auch lange Zeit nicht besonders effizient war, was sich jedoch wenigstens zeit- und teilweise durch die Reformen Chosraus I. änderte. Besonders wichtig war in diesem Zusammenhang (das nicht iranische) Mesopotamien, wo auch rund zwei Drittel der Steuereinnahmen erbracht wurden. Durch die Förderung der Städte prosperierten aber auch andere Wirtschaftszweige, vor allem das Handwerk und die Textilindustrie. Darüber hinaus profitierte die Wirtschaft der Sassaniden vor allem von der Tatsache, dass mehrere bedeutende Handelsrouten durch das von ihnen kontrollierte Gebiet verliefen wie etwa die Seidenstraße. Aber auch aus dem Zwischenhandel mit Ostrom schlugen sie Gewinn; mehrmals versuchten die Römer, die sassanidischen Zwischenhändler auszuschalten, was nicht gelang. Erst unter Justinian I. kamen die Oströmer in den Besitz von Seidenraupen, doch sollten noch Jahrzehnte vergehen, bevor sich eine nennenswerte römische Seidenindustrie entwickelt hatte. Bei der Kontrolle der wichtigsten Ost-West-Handelsrouten half den Sassaniden auch, dass sie den Seehandel im westlichen Indischen Ozean lange Zeit weitgehend unter Kontrolle hatten; so wurde der Handel mit Indien und Ceylon im 6. Jahrhundert vor allem von sassanidischen Kaufleuten abgewickelt. Auch mit dem südlichen Russland wurde ein reger Handel getrieben, vor allem im Bereich des Kaspischen Meeres. Zu China unterhielten die Sassaniden, vor allem aus wirtschaftlichen Gründen, ebenfalls Kontakte: So gelangten an den Hof der nördlichen Wei zwischen 455 und 522 insgesamt zehn Gesandtschaften. Nach der Wiedervereinigung Chinas 589 unter der Sui-Dynastie wurden erneut Kontakte geknüpft, die bis zum Ende des Sassanidenreiches Bestand haben sollten; der letzte sassanidische Kronprinz, Peroz, floh gar an den Hof der Tang-Dynastie.

Militärwesen

Militärisch zeigte sich das Sassanidenreich seinen Gegnern weitgehend gewachsen. So konnte es auch dem Ansturm der Hunnen ab dem 4. Jahrhundert standhalten. Die Stärke der sassanidischen Armeen, deren Generäle den Titel Spaúhbed (Spahbad, Spahbed u.ä.) trugen und sich häufig aus den großen Magnatenfamilien rekrutierten, lag in ihren schwergepanzerten Reitern, den Kataphraktoi und Klibanarioi, denen die Römer anfangs nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen hatten. Bis zum Schluss waren die schweren Lanzenreiter sowie die berittenen Bogenschützen die wichtigsten Einheiten der persischen Armee. Etwa ab dem 5. Jahrhundert unterschieden diese sich in Ausrüstung und Kampfweise kaum mehr von ihren oströmischen Gegnern. Vermutlich lag die maximale Stärke der Armee (wenn man den Quellen trauen darf) zwischen 50.000 und vielleicht 100.000 Mann; genauere Angaben sind nur schwer zu machen . Zum Heer gehörten natürlich nicht nur Reiter, obwohl sie aufgrund der Weite des Raumes den wichtigsten Bestandteil ausmachten, sondern auch Kriegselefanten, Infanterie, die teils zwangsverpflichtet wurde und einen weniger guten Ruf genoss als die Reiterei, sowie bei Bedarf Truppen mit Belagerungsgerätschaften. Diese wussten die Sassaniden durchaus zu benutzen, wie uns die Berichte bei Ammianus Marcellinus und Prokopios sowie die Ausgrabungen in Dura Europos verraten. Ohnehin gewährt uns Ammianus viele wertvolle Einblicke in die sassanidische Kriegsführung (vgl. z.B. Ammian 19,5) sowie in das Sassanidenreich an sich (besonders Ammian 23,6). Allerdings unterliefen ihm einige kleinere Fehler, zumal er sich dabei teils auf ältere Quellen verließ, und er teils anachronistisch von „Parthern“ spricht – ein Fehler, der allerdings mehreren Autoren unterlief. Eine unschätzbare und insgesamt sehr zuverlässige Quelle ist Ammianus jedoch hinsichtlich der Militäraktionen an der römischen Ostgrenze zur Zeit Schapurs II.; ähnlich wertvoll ist dann Prokops Bericht über die Kriege unter Chosrau I. im sechsten Jahrhundert. Die Reiter waren in der Regel gepanzert, verfügten über eine Lanze, Schwert, Streitaxt und zwei Bögen und 30 Pfeile. Es existierte auch eine Elitereiterei, die wie die Leibgarde der Achämenidenzeit die Unsterblichen genannt wurde. Die Panzerreiter, die Pate standen für die späteren europäischen Ritter, genossen ein hohes Ansehen. Chosrau I. teilte das Reich in vier Militärdistrikte auf und unterstellte jeden davon einem Spahbad, während die Grenzdistrikte der Kontrolle von Markgrafen unterstanden, so genannten Marzbans. Auch sorgte er dafür, dass das Militär wieder stärker an den König als an die großen Adelshäuser gebunden war. Allerdings scheint sich dies bereits unter seinem Sohn Hormizd IV. wieder geändert zu haben.

Nachwirkung der Sassaniden

Mit der Zerschlagung des Sassanidenreiches und der Eroberung der oströmischen Orientprovinzen beendeten die Araber so endgültig die Spätantike. Doch beeinflussten sassanidische Traditionen in der Folgezeit auch die islamischen Araber noch in erheblichem Maße. So wurde der Hof der Sassaniden Vorbild für den Hof der Abbasiden in Bagdad, und Herrscher wie Chosrau I. fanden großen Anklang. Auch die Hinwendung zur Philosophie der Antike, die vor allem am Hof Chosraus I. gepflegt worden war, ist eine Parallele, sowie die Leistungen der späteren islamisch-persischen Literatur. Das Persien der Sassaniden endete nicht sang- und klanglos, sondern fand einen wirkungsmächtigen Nachhall – Chosrau I. etwa erscheint auch in den Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht. Nach einer schiitischen Tradition heiratete eine Tochter Yazdegerds III. den al-Husain ibn 'Alī und wurde somit die Mutter des vierten Imams Ali Zain al-Abidin, was den schiitischen Imamen neben der islamischen auch eine dynastische Legitimation – auf beiden Seiten allerdings nur in weiblicher Linie – verleihen sollte. Derartige Legenden waren im Orient aber üblich (auch die Sassaniden hatten auf eben diese Weise im Nachhinein eine angebliche Verwandtschaft mit ihren Vorgängern, den Arsakiden, konstruiert) und sollten als höchst unglaubwürdig betrachtet werden. Auch die tadschikischen Samaniden beriefen sich seit dem 9. Jahrhundert auf eine Abstammung von den Sassaniden. Die moderne Forschung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten recht intensiv mit den Sassaniden auseinandergesetzt, wobei in der Regel auf die originären Leistungen der Sassaniden (siehe oben) sowie auf die Bedeutung des Sassanidenreichs als Bindeglied zwischen Ost und West aufmerksam gemacht wird. Im Hinblick auf den Übergang von den Parthern zu den Sassaniden hat unter anderem Ehsan Yarshater größere Brüche bestritten: Die Sassaniden knüpften vielmehr politisch und kulturell an das Partherreich an, wenn auch die spätsassanidische Überlieferung ein anderes Bild zu vermitteln versucht. Bezüglich der Nachwirkung der Sassaniden hat vor allem Richard Nelson Frye immer wieder darauf hingewiesen, dass das Sassanidenreich einen großen Einfluss auf die Entwicklung des islamischen Iran gehabt hat, wie auch der Einfluss der Sassaniden auf Rom bzw. Byzanz und vielleicht auch auf China nicht unterschätzt werden sollte. Mit dem Ende des Sassanidenreichs, welches kulturell in vielerlei Hinsicht der Höhepunkt des alten Persiens gewesen ist, endete auch endgültig die altorientalische Geschichte und eine neue Epoche begann.

Quellen

Die Überlieferung zu den Sassaniden ist zwar weitaus umfangreicher als für die Parther, doch alle Quellen – für die Frühzeit des Reiches Cassius Dio sowie Herodian, für die Spätantike römische Autoren wie Ammianus Marcellinus, Priscus, Prokopios von Caesarea, Agathias oder Theophylakt Simokattes, außerdem armenische und syrische, mittel- (Pahlawi) und neupersische sowie arabische Texte (beispielsweise Tabaris Universalgeschichte) – bieten ihre jeweils eigenen Probleme, die ihre Auswertung erschweren. Bei den westlichen Quellen ist zu beachten, dass sie die Sassaniden in der Regel als Feinde wahrnahmen und dementsprechend auch ihr Urteil über sie negativ beeinflusst war. Insgesamt lässt sich sagen, dass der größte Teil unserer Quellen entweder aus räumlicher oder zeitlicher Distanz berichtet, was nicht zuletzt auf den weitgehenden Verlust der einst reichhaltigen profanen mittelpersischen Literatur zurückzuführen ist. Berühmt sind zudem die großen Felsinschriften und Reliefs (wie bei Naqs-i Rustam) aus der Frühzeit des Reiches. Sie stellen wichtige Primärquellen dar, stammen aber fast ausschließlich aus den ersten Jahrzehnten der Dynastie. Außerdem sind einige bedeutende Kunstwerke (vor allem im Bereich der Toreutik), Siegelsteine, Münzen (auf denen jeder Großkönig eine speziell angefertigte Krone trug) und Bauwerke aus sassanidischer Zeit erhalten. Eine solide Auswahl an übersetzten Quellenauszügen bieten:
- Engelbert Winter und Beate Dignas: Rom und das Perserreich. Zwei Weltmächte zwischen Konfrontation und Koexistenz, Studienbücher Geschichte und Kultur der Alten Welt, Berlin 2001. Zusätzlich wird ein knapper Abriss der sassanidischen Geschichte und eine Bibliographie auf dem neuesten

Perserreich

Als Perserreich wird das antike Großreich der Perser bezeichnet, das zeitweise von der heutigen Türkei bis nach Nordwestindien und Ägypten reichte, dessen Zentrum aber immer im heutigen Iran lag. Es bestand in unterschiedlicher Ausprägung und Gestalt von etwa 550 bis 330 v. Chr. (Achämenidenreich) und von ca. 224 bis 651 n. Chr. (Neupersisches Reich der Sassaniden). Im Folgenden soll ein knapper Abriss der Geschichte dieses antiken Weltreiches gegeben werden, wobei die Zeit der Seleukiden als eine Übergangszeit betrachtet wird, aber genauso auch auf das iranische Partherreich der Arsakiden eingegangen wird, welche die makedonisch-griechische Fremdherrschaft beendeten. In vielerlei Hinsicht lehnten sich auch die Sassaniden an die Parther an, sodass aus Verständnisgründen die Geschichte des vorislamischen frühen Persiens (Josef Wiesehöfer) einheitlich in diesem Artikel behandelt wird. Es muss außerdem darauf aufmerksam gemacht werden, dass wir in weiten Teilen auf fremde Quellen angewiesen sind, die zudem die Perser meistens als Feinde wahrnahmen. Die persische Überlieferung ist oft sehr lückenhaft und weist – wie auch babylonische, armenische, syrische, griechisch-römische, arabische und andere Quellen – jeweils eigene Probleme auf, wobei auch die Inschriften, wie beispielsweise Behistun nicht unproblematisch sind .

Das Reich der Achämeniden (550–330 v. Chr.)

Die Gründung des persischen Weltreiches

Behistun Der Gründer des persischen Großreiches der Achämeniden war Kyros II. der Große, als sein Gestalter gilt jedoch Dareios I. Kyros wurde kurz nach 560 v. Chr. König von Ansan, einer Region in der Persis unter der Oberhoheit der Meder, die seit etwa hundert Jahren eine Hegemonie über diesen Raum ausübten. Kyros gelang es um 550 v. Chr., diese Oberherrschaft abzuschütteln. In den nachfolgenden Jahren eroberte Kyros das Mederreich und schuf damit die Grundlagen des persischen Großreiches, auch wenn die Meder weiterhin im neuen Reich eine wichtige Rolle spielten. In den griechischen Quellen werden die beiden iranischen Völker als Einheit betrachtet und deshalb die Perser auch als Meder bezeichnet. Mit dem Sieg über die Lyder unter Krösus 547/46 v. Chr. kam Kleinasien weitestgehend unter persische Herrschaft, ebenso wie die dortigen griechischen Stadtstaaten. 540/39 v. Chr. fiel auch Babylonien an Kyros, der von den Babyloniern begrüßt wurde, zumal das Verhältnis des letzten babylonischen Königs Nabonid zu den einflussreichen einheimischen Priestern gestört gewesen war. Kyros hingegen brachte den babylonischen Gottheiten den größten Respekt entgegen, was die Integration Babyloniens erleichterte. Durch die Eroberung Babyloniens gelangte auch Israel unter persische Kontrolle. In der Bibel sind die Perser folglich als Befreier vom babylonischen Joch fast das einzige nichtjüdische Volk, das stark positiv dargestellt ist, wobei an Kyros ohnehin seine Toleranz gepriesen wurde. Das persische Reich war infolge dieser Eroberungen das erste wirkliche Weltreich der Geschichte.

Dareios I. und der Beginn der Perserkriege

Weltreich Nach dem Tod seines Nachfolgers und Sohnes Kambyses, der Ägypten dem Reich eingegliedert hatte, den die Quellen aber in den düstersten Farben beschreiben, kam es zu einer Nachfolgekrise. Der Inschrift von Behistun zufolge tauchte ein Mager mit Namen Gaumata auf und behauptete, Bardiya, der totgeglaubte Sohn des Kyros, zu sein. Dareios I. habe dann den Betrüger besiegt und den Thron bestiegen. Die moderne Forschung hält es für möglich, dass der Bericht des Dareios nicht mehr als ein Rechtfertigungsversuch für dessen Usurpation des Throns und Gaumata tatsächlich der echte Bardiya gewesen sein könnte – diese Theorie kursierte bereits in der Antike und wird schon von Herodot erwähnt, lässt sich aber letztlich nicht beweisen. Dareios I., ein entfernter Verwandter Kyros' II. (auch wenn Stimmen in der Forschung meinen, dies sei nur eine Konstruktion des Dareios gewesen), komplettierte den Rohbau des Reiches, indem er dessen Verwaltung in Satrapien organisierte, die Wirtschaft stärkte und Teile Indiens und Thrakiens dem Reich anschloss. Außerdem baute er die beiden wichtigsten archämenidischen Residenzen auf, Susa und Persepolis. Doch kam es bald schon zu einem Ereignis, welches schwerwiegende Folgen für die persische Geschichte haben sollte. Um 500 v. Chr. brach vermutlich auch aufgrund wirtschaftlicher Probleme und nicht nur aufgrund der von Herodot beschriebenen Ereignisse ein Aufstand der kleinasiatischen Griechen aus, der bis 494 v. Chr. andauerte und als Ionischer Aufstand bezeichnet wird. Die Perser reagierten mit einer Strafexpedition gegen das griechische Mutterland, wurden aber 490 v. Chr. bei Marathon von den Athenern vernichtend geschlagen. Dies war der Beginn der so genannten Perserkriege, über deren Verlauf uns Herodot Auskunft gibt, wenn auch manche seiner Beobachtungen mit Vorsicht zu genießen sind. Die militärischen Auseinandersetzungen wurden zu einem bestimmendem Element der Beziehungen zwischen den griechischen Poleis und dem Perserreich. Der weitaus größere Feldzug des Xerxes, wobei die bei Herodot überlieferten Zahlenangaben jedoch völlig übertrieben sind, scheiterte ebenso: In der Schlacht von Salamis und der Schlacht von Plataea wurden die in der Überzahl befindlichen Perser erneut besiegt. Der 481 v.Chr. gegründete Hellenenbund ging gar zum Gegenangriff über und befreite die kleinasiatischen Griechen. Persien akzeptierte diesen Verlust vorläufig, zumal es genügend Probleme im Inneren gab, etwa die Abfallbewegung peripherer Reichsteile wie Ägypten, welches aufgrund der Kornversorgung von großer Bedeutung war. Außerdem nahm die Macht der Satrapen zu, von denen einige in der Folgezeit immer wieder den Aufstand probten.

Vom Peloponnesischen Krieg zum Königsfrieden

Es kam wahrscheinlich 449 v. Chr. zum in der Forschung allerdings umstrittenen so genannten Kalliasfrieden, der den Status Quo zementierte: Die Perser akzeptierten die Selbstständigkeit der kleinasiatischen Griechen und betrachteten die Ägäis als ein griechisches Meer, wofür im Gegenzug die Griechen keine kriegerischen Aktionen gegen Persien unternahmen. Doch gab der persische Großkönig mitnichten auf. Im Peloponnesischen Krieg unterstützte Dareios II. Sparta, das im Gegenzug versprach, Kleinasien den Persern zu übergeben. Nach Spartas Sieg kam es darüber zum Konflikt und zu Kampfhandlungen zwischen dem gerade erst siegreichen Sparta und dem Perserreich. Es gelang Sparta nicht, die Perser entscheidend zu schlagen. Die immer noch starke Stellung des Perserreiches – trotz eines Thronkampfes zwischen Artaxerxes II. und seinem Bruder Kyros (siehe dazu auch Xenophons berühmte Anabasis) – kam dadurch zum Ausdruck, dass es als Garantiemacht für den so genannten Königsfrieden (auch Frieden des Antalkidas genannt) im Jahre 387/86 v. Chr. auftrat. Darin erreichte der persische Großkönig Artaxerxes II. die Abtretung Kleinasiens, Zyperns und von Klazomenai. Persien profitierte letztendlich am meisten vom Peloponnesischen Krieg, der das Machtgleichgewicht in Griechenland selbst zerstört hatte, wo es nun zu Kämpfen um die Hegemonie zwischen Athen, Sparta und Theben kam.

Innere Verhältnisse im Achämenidenreich

Theben Dass Persien während der Perserkriege nicht mit aller Macht gegen die Griechen vorging, lag auch darin begründet, dass es im Inneren des Reiches stets zu Unruhen kam (Thronkämpfe, Aufstände der besiegten Völker, vor allem in Ägypten, dazu Aufstände einzelner Satrapen), zumal nicht wenige Großkönige eher unfähig waren. Außerdem musste das Perserreich bis hin in die Zeit der Sassaniden sich der Bedrohung der Steppenvölker an der Nordostgrenze erwehren. Dennoch verfügte das Perserreich der Achämendien über eine gewaltige Finanzkraft, was besonders im Peloponnesischen Krieg deutlich wurde, als persische Subsidien den Krieg zu Gunsten Spartas entschieden. Die Beziehungen zwischen dem Perserreich und den Griechen waren jedoch nicht nur kriegerischer Natur. Vielmehr kam es auch zu einem vielschichtigen kulturellen Austausch. Griechische Söldner waren neben der Leibwache der einzig brauchbare Teil des riesigen, aber relativ wirkungslosen persischen Heeres, das im 4. Jahrhundert v.Chr. an Schlagkraft verlor. Griechische Gelehrte wirkten in Persien. Der persische Einfluss auf die griechische Kultur war geringer, aber dennoch vorhanden (zum Beispiel die Vorstellung eines göttlichen Dualismus), wie doch überhaupt die Griechen durchaus empfänglich für Impulse aus dem Orient waren (Einfluss auf die griechische Literatur seit Homer). Im religiösen Bereich sind viele Fragen offen: Unter den Achämeniden wurde die von Zarathustra gestiftete Religion (siehe Zarathustrismus) jedenfalls nicht zur Staatsreligion erhoben. Vielmehr ist unklar, in welcher Weise die altpersischen Weisen in dieser Zeit verehrt wurden (vgl. dazu auch M. Boyce: Achaemenid Religion, in: Encyclopaedia Iranica 1 (1985), 426-29). Der König der Könige wurde auch keineswegs als Gottkönig verehrt, stand aber dennoch in einem besonderen Verhältnis zu Auramazda (Gottesgnadentum) und war den einfachen Untertanen völlig entrückt. Dies erklärt auch teilweise, warum die Proskynese von den Griechen in diesem Zusammenhang als Zeichen eines orientalischen Despotimus gedeutet wurde, welcher den griechischen Freiheitsidealen konträr gegenüber stand. Der Großkönig stellte seinen Reichtum offen zur Schau (siehe den prächtigen Palast von Persepolis) und regierte mit Hilfe einer straff organisierten Bürokratie (Dienstadel, siehe auch Chiliarch), über eine weitere Abstufung unterhalb der Satrapien ist nichts bekannt. Das Aramäische diente als lingua franca, daneben wurde Altpersisch und Altbabylonisch als Amtssprache benutzt. In religiöser Hinsicht waren die Achämeniden tolerant, was auch ein Mittel war, die Macht in den eroberten Gebieten zu sichern.

Alexander der Große und das Ende der Achämenidenreiches

Artaxerxes III. war der letzte bedeutende Großkönig der Achämeniden. Ihm gelang die Unterwerfung des abtrünnigen Ägyptens, welches sich Jahrzehnte zuvor vom Reich gelöst hatte, doch brach nach seinem Tod 336 v. Chr. der Untergang über das archämenidische Persien herein. Der Makedonenkönig und geniale Feldherr Alexander der Große eroberte (angeblich als Rachefeldzug für die Zerstörung Griechenlands während der Perserkriege, in Wirklichkeit ging es um machtpolitische Interessen) ab 334 v. Chr. das persische Großreich. Dieses war mitnichten ein Koloss auf tönernen Füßen, sondern stellte noch immer ein intaktes Reich dar, Alexanders Feldherrentalent gab jedoch den Ausschlag für die schnelle Eroberung. Alexander der Große Der letzte Achämenide, Dareios III., wurde mehrmals geschlagen und schließlich auf der Flucht von einem seiner Untergebenen umgebracht (330 v. Chr.). Die Idee der Weltmacht lebte jedoch weiter, erst bei Alexander, dann bei seinen Nachfolgern in Persien, den Seleukiden.

Zeit der Seleukiden (305–125 v. Chr.)

Hauptartikel: Seleukiden Nach dem Tod Alexanders kam es zu den so genannten Diadochenkriegen. In diesen setzte sich im Osten ein Weggefährte Alexanders, Seleukos I. durch. Der Iran war während des Hellenismus jedoch nur teilweise und unvollständig unter der Kontrolle der Seleukiden. Dies war zum einen der Größe des Raumes, andererseits der geringen Anzahl von Griechen bzw. Makedonen geschuldet, die diese Region kontrollieren mussten. Die ersten Seleukiden bevorzugten zwar Makedonen und Griechen, versuchten aber, einen modus vivendi mit den Einheimischen zu schaffen. Diese Ausgleichspolitik war zu Anfang durchaus erfolgreich. Die ersten Zerfallserscheinungen traten mit dem Abfall Baktriens (ca. 256 oder 240 v. Chr.) auf. So beschränkten die Seleukiden ihre Herrschaft auf den westlichen Teil Irans sowie auf Mesopotamien, Syrien und Kleinasien. Im Osten traten in dieses Machtvakuum die Parther, die um 240 v. Chr. den Nordosten des Irans in Besitz nahmen. Antiochos III. versuchte noch durch seine berühmte Anabasis (dt.: „Hinaufmarsch“; gemeint ist ein Feldzug in die Oberen Satrapien, der von etwa 212 bis 205 v. Chr. dauerte), diese Regionen wieder unter die Oberhoheit der Zentralregierung zu zwingen, musste sich jedoch letztendlich mit einer formalen Oberherrschaft zufrieden geben. In den nächsten Jahrzehnten verloren die Seleukiden, bedingt durch interne Auflösungserscheinungen ihres Staates und stärkeres Engagement im Westen gegen das Römische Reich, fast sämtliche östlichen Territorien. Schließlich ging auch Mesopotamien verloren, womit die Seleukiden auf ihre westlichen Randbesitzungen beschränkt wurden.

Die Arsakiden (ca. 240 v. Chr.–224 n. Chr.)

Hauptartikel: Parther Die (nicht-persischen, aber iranischen) Partherherrscher der Arsakiden eroberten während des langsamen Zerfallsprozesses des Seleukidenreiches nach und nach eine Region, die ungefähr deckungsgleich mit dem modernen Irak und Iran ist. Unter Mithridates I. (171–139/38 v. Chr.) besetzten sie 141 v. Chr. Mesopotamien, wobei sie die Seleukiden auf den äußersten Westen ihres ehemaligen Riesenreiches beschränkten, und das gräko-baktrische Reich. Auch wenn das Partherreich weiterhin Angriffen der zentralasiatischen Steppenvölker ausgesetzt war (siehe unter anderem Kuschan) und im Westen Rom aktiv wurde, konnten die Parther sich behaupten. Vor allem mit Rom brachen die Kämpfe seit den 50er Jahren des 1. Jahrhunderts vor Christus nicht mehr ab. Armenien war und blieb ein Streitpunkt und unter Pompeius wurden die Römer nach Errichtung der Provinz Syria 64/63 v. Chr. zu direkten Nachbarn der Parther. Diese Kämpfe verliefen sehr wechselhaft. So siegten etwa die Parther in der Schlacht bei Carrhae im Jahre 53 v.Chr. über ein römisches Heer (die erbeuteten Feldzeichen wurden 20 v.Chr. von König Phraates IV. dem ersten römischen Kaiser Augustus zurückgegeben). Doch auch wenn es den Römern mehrmals gelang, in das Reich einzudringen (so wurde die de facto Hauptstadt Seleukeia/Ktesiphon wiederholt belagert bzw. erobert), so konnten sie diesen Raum nie dauerhaft in Besitz nehmen, ihre Invasionen blieben eine Episode. Selbst die Eroberungen Trajans (ab 114 hatten römische Truppen nach und nach weite Teile des westlichen Partherreiches im Zweistromland unter Kontrolle gebracht und auch Ktesiphon erobert), die Hadrian wieder aufgeben musste, oder die insgesamt erfolgreichen Kämpfe des römischen Kaisers Marc Aurel. Vor allem das parthische Heerm das hauptsächlich aus berittenen Bogenschützen bestand, bewährte sich in den Auseinandersetzungen gegen Rom. Im Inneren waren die Parther der griechischen Kultur gegenüber sehr aufgeschlossen und scheinen generell relativ tolerant gewesen zu sein - wenn auch freilich in Grenzen. Zahlreiche Elemente hellenistischer Herrschaft bestimmten das Leben am parthischen Hof, auch wenn der iranische Einfluss nach der Zeitenwende wieder zunahm. Der Adel hatte gegenüber dem König relativ große Freiheiten; so bemerkte Plinius, seiner Meinung nach sei das Partherreich eine Gruppe von Königreichen. Tatsächlich gab es Unterkönige, doch gefährdeten diese zunächst nicht den Gesamtbestand des Staates, der insgesamt sehr locker aufgebaut war, wenngleich die inneren Kämpfe im 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. zweifellos die Macht des Königtums weiter schwächten; diese Schwäche hatte Trajans schnelle Eroberung wohl auch erst ermöglicht. Das Ende für die Arsakiden kam dennoch aus dem Inneren des Reiches: Der letzte Arsakide, Artabanos IV. (nach anderer Zählung Artabanos V.), wurde vom Unterkönig der Persis, Ardaschir I., im Jahr 224 n. Chr. in der Schlacht von Hurmuzgan getötet. Bald darauf brach die Arsakidenherrschaft zusammen und eine neue Dynastie übernahm die Führung des Reiches: die Sassaniden, die das Reich erneuerten und zu einem tödlicheren Gegner Roms wurden, als es die Parther je waren.

Die Sassaniden (224–651)

Hauptartikel: Sassanidenreich

Das Wiedererstarken Persiens unter den Sassaniden

Die Sassaniden (richtiger Sasaniden) eroberten innerhalb weniger Jahre den parthischen Raum und drangen zum Teil auch noch weiter vor. Unter ihrer Herrschaft wurde das griechische Element stark zurückgedrängt (eine Tendenz, die bereits unter den Parthern nach der Zeitenwende eingesetzt hatte), und die traditionellen iranischen Werte wurden betont. Die neue Dynastie suchte nach religiöser Legitimation: Der Zoroastrismus wurde so einflussreich wie nie zuvor, auch wenn nicht von einer Staatsreligion im eigentlichen Sinne gesprochen werden kann, denn bis zuletzt wurden in der Regel auch andere Kulte erlaubt. Besonders der wiederholt formulierte Anspruch der sassanidischen Großkönige, König von Iran und Nicht-Iran zu sein, bekräftigte die ehrgeizigen Pläne. Die Sassaniden sahen sich in der Nachfolge der Achämeniden (von denen sie allerdings fast nichts mehr gewußt haben dürften) und knüpften an deren expansiven Politik an: Ziel war es vielleicht, die Grenzen des alten Perserreiches wieder herzustellen – wahrscheinlich ging es faktisch aber nur um die Vertreibung der Römer aus Armenien und Mesopotamien. Bereits unter Schapur I. brachte man den Römern einige empfindliche Niederlagen bei. Schapur I.

Das römisch-persische Verhältnis – zwischen Konfrontation und Koexistenz

Der Konflikt zwischen diesen beiden antiken Supermächten verschärfte sich zunächst zunehmend, es kam jedoch mit der Zeit auch zu einer bemerkenswerten Wandlung: Die Römer akzeptierten die Sassaniden als gleichberechtigt. Für sie waren diese Perser keine Barbaren mehr wie die Germanen, sondern eine zivilisierte, fast gleichstarke, fast ebenbürtige Macht. So waren die Parther nie von den Römern angesehen worden. Auch die Sassaniden sahen die Römer in einem ähnlichen Licht, was die Anreden in überlieferten Briefen deutlich macht (Bruder-Anrede etc.). Bis zum 6. Jahrhundert hatte sich ein ausgefeiltes diplomatisches Protokoll entwickelt, das bei oströmisch-persischen Kontakten zu beachten war. So wurde es üblich, Thronwechsel im eigenen Reich dem anderen offiziell mitzuteilen. Dennoch brachen im 4. Jahrhundert die Kampfhandlungen nicht ab. Der bedeutende Großkönig Schapur II. führte einen längeren Krieg gegen die Römer, wofür uns ein detaillierter Bericht des Historikers Ammianus Marcellinus vorliegt. Als der römische Kaiser Julian Apostata 363 auf einem Feldzug gegen die Perser fiel, zwang Schapur II. dessen Nachfolger Jovian zu einem für die Römer ungünstigen Frieden: Die mesopotamischen Gebiete um Nisibis, die die Römer 298 erobert hatten, fielen wieder an die Perser. Im Inneren leitete Schapur II. auch eine länger andauernde, politisch motivierte Christenverfolgung ein. Wahrscheinlich 387 (das Datum ist in der Forschung allerdings umstritten) schlossen Schapur III. und der römische Kaiser Theodosius I. einen Vertrag: Der alte Zankapfel Armenien wurde geteilt, die Sassaniden erhielten vier Fünftel des Landes. Ab diesem Zeitpunkt wurden die Kämpfe seltener: Abgesehen von zwei kurzen Kriegen unter Theodosius II. herrschte von 387 bis 502 Frieden zwischen den beiden Großmächten. Die Römer waren mit der Völkerwanderung beschäftigt, die Sassaniden kämpften an der Nordostgrenze gegen die Hephthaliten, einem Volk hunnischer Abstammung. König Peroz I. (465–484) war ihnen nicht gewachsen und erlitt mehrere Niederlagen; die letzte überlebte er nicht.

Die Mazdakitenbewegung und die Zeit Chosraus I. Anuschirvan – der Höhepunkt der sassanidischen Geschichte

Im Inneren kam es ebenfalls zu schwerwiegenden Auseinandersetzungen. Der mächtige Adel versuchte seine Rechte offenbar auf Kosten des Königs auszubauen, doch trat ihm König Kavadh I. entschlossen entgegen. Dabei förderte er wohl die Mazdakiten, eine sozial-revolutionäre Bewegung der unteren Schichten. Diese erwiesen sich jedoch als ein nicht minder großes Problem. Erst der bedeutende Großkönig Chosrau I., der große Gegenspieler des oströmischen Kaisers Justinian I., zerschlug die Bewegung und begrenzte die Macht des Adels. Unter Chosrau I. (genannt Anuschirvan, „mit der unsterblichen Seele“), dem weitreichende Reformen nachgesagt werden, erreichte das Sassanidenreich seinen Höhepunkt. Es konnte sich gegenüber dem Oströmischen Reich in einem mit Unterbrechungen geführten längerem Krieg behaupten (wobei es Chosrau zu Gute kam, dass Byzanz durch die Restaurationspolitik Justinians im Westen gebunden war), die Grenze gegenüber den Steppenvölkern sichern (das Hephthaliten wurde mit Hilfe der Türken um 560 zerschlagen), und auch kulturell war dies die bedeutendste Phase des sassanidischen Persien – in mancherlei Hinsicht des alten Persiens überhaupt. 560

Letzter Höhepunkt und Niedergang – von Chosrau II. bis zur islamischen Expansion

Doch konnten seine Nachfolger diesen Zustand nicht erhalten. Sein Enkel Chosrau II. wurde vertrieben und 591 mit oströmischer Unterstützung wieder eingesetzt. Er dankte es den Römern schlecht. Nach dem Tod des Kaisers Maurikios, der bei inneren Unruhen ermordet wurde, schwang sich Chosrau II. zu dessen Rächer auf und überzog das oströmische Reich mit Krieg. Bis 619 waren Syrien und Ägypten gefallen, und die Sassaniden begannen damit, die eroberten Gebiete administrativ in das Reich einzugliedern. Das alte Achämenidenreich schien wieder auferstanden zu sein. Chosraus christliche Ehefrau Schirin († 628) begünstigte die Christen und erhielt nach der Eroberung Jerusalems die Kreuzreliquie. Sie vermochte jedoch nicht, ihren Sohn Merdanschah als Nachfolger durchzusetzen. In Nizamis Epos Chosrau und Schirin leben beide weiter. Gegen Ende der Regierungszeit Chosraus erreichte Kaiser Herakleios das Unglaubliche: er führte, trotz der gespannten Lage, einen erfolgreichen Feldzug gegen die Sassaniden, die in der Schlacht bei Ninive im Dezember 627 geschlagen wurden. Chosrau II., der auf die Nachricht von der Niederlage mit Flucht und Panik reagiert hatte, wurde Anfang 628 abgesetzt und bald darauf getötet, während Ostrom die verlorenen Gebiete zurückerhielt (629). Doch war das Sassanidenreich von den langen Kriegen und dem anschließenden langen Bürgerkrieg mit ständig wechselnden Herrschern (und zuletzt auch Herrscherinnen) bald völlig ausgeblutet. Erst Yazdegerd III. saß wieder fest auf dem Thron, doch hatte er keine Gelegenheit mehr, das Reich wieder zu festigen. Die Araber hatten in ihrem religiösen Eroberungskrieg leichtes Spiel gegen die beiden geschwächten Großmächte der Spätantike (siehe dazu Islamische Expansion). Sie eroberten in kurzer Zeit nicht nur die römischen Ostprovinzen, sondern nach der persischen Niederlage in der Schlacht von Kadesia 636 im heutigen Südirak auch Mesopotamien. 642 vernichteten sie das letzte sassanidische Heer bei Nehawend. Der letzte Großkönig Yazdegerd III. wurde 651 bei Merw im Nordosten des Iran getötet. Versuche seines Sohnes Peroz, mit chinesischer Hilfe den Thron zurückzuerobern, hatten keinen Erfolg. Das letzte altorientalische Reich war damit untergegangen – und mit ihm endete ein bedeutender Abschnitt der antiken Geschichte, auch wenn gerade die sassanidischen Traditionen teilweise Pate standen für das spätere Kalifat in Bagdad.

Literatur

Es sei besonders auch auf die Literatur verwiesen, die in den jeweiligen Querverweisen aufgeführt ist.
- Pierre Briant: Histoire de l'empire perse. De Cyrus à Alexandre. Fayard, Paris 1996, ISBN 2-213-59667-0. Auch in englischer Übersetzung vefügbar: From Cyrus to Alexander. A history of the Persian Empire, Eisenbrauns, Winona Lake 2002, ISBN 1-575-06031-0.
Hervorragende Darstellung der Achämenidenzeit.
- Richard Nelson Frye: The history of Ancient Iran, C. H. Beck, München 1984 (Handbuch der Altertumswissenschaft, 3. Abt., T. 7), ISBN 3-406-09397-3.
Gute Gesamtdarstellung, verfasst von einem echten Kenner des antiken Persiens.
- The Cambridge History of Iran, diverse Hrsg., Cambridge Univ. Press, Cambridge 1968 ff.
Ausgezeichnete Gesamtdarstellung der Geschichte, aber auch der Kultur und der Gesellschaft. Für den genannten Zeitraum sind vor allem die Bände 1–4 relevant.
- Josef Wiesehöfer: Das frühe Persien. Geschichte eines antiken Weltreichs, 2. Auflage, C. H. Beck, München 2002 (C.H.Beck Wissen), ISBN 3-406-43307-3.
Hervorragender, sehr knapper und gut verständlicher Überblick. Dort auch kurze Angaben zur wichtigsten Literatur.
- Josef Wiesehöfer: Das antike Persien. Von 550 v. Chr. bis 650 n. Chr., 3. Auflage, Albatros, Düsseldorf 2005, ISBN 3-491-96151-3.
Das deutschsprachige Standardwerk zum vorislamischen Persien. Mit einem nützlichen bibliographischen Essay.
- Ehsan Yarshater (Hrsg.): Encyclopædia Iranica, Routledge & Paul, London 1985 ff. (Bände 1-13).

Weblinks


- [http://www.iranica.com/ Encyclopædia Iranica - mit zahlreichen Artikeln zum antiken Iran (englisch)]
- [http://www.iranchamber.com/index.php Iran Chamber - Gutes Portal, von Fachwissenschaftlern geführt (englisch)]
- [http://www.achemenet.com/choix.htm Achemenet - Fachwissenschaftliche Seite über das achämenidischen Persien, u.a. von Pierre Briant; französisch und teils englisch, außerdem einige PDF Dokumente auch in deutscher Sprache]
- [http://www.livius.org/persia.html Persien bei Livius.org (englisch)]
- [http://www.alexanderthegreat.de/Persd.html Persische Geschichte (Achämeniden); nicht fachwissenschaftlich]

Siehe auch


- Spätantike
- Byzantinisches Reich Kategorie:Staat (historisch) ! ja:ペルシア ko:페르시아 제국


Iran

Der Iran (Persien, persisch: ایران //) ist ein Staat im westlichen Asien.

Landesname

Seit frühester Zeit wurde das Land von seiner Bevölkerung als Iran bezeichnet. Die altiranische Form dieses Namens, Aryanam, bedeutet Land der Arier. Die im Abendland bis ins 20. Jahrhundert gebräuchliche Bezeichnung Persien geht auf die Zeit der Achämeniden zurück, die im 6. Jahrhundert v. Chr. ein erstes persisches Großreich schufen. Dessen Kerngebiet war die von den Griechen so genannte Landschaft Persis, die heutige Provinz Fars um Schiraz. Von ihr leitet sich auch der Name Farsi für die persische Sprache ab. Der geographische Begriff Iran bezieht sich auf das gesamte iranische Hochland, über den Staat Iran hinaus also auch auf Regionen von Nachbarländern.

Geografie

Der Iran grenzt an den Irak (Grenzlinie 1.458 km), die Türkei und Aserbaidschan (je ca. 500 km), Armenien (35 km), das Kaspische Meer (500 km), Turkmenistan (ca. 1.000 km), Afghanistan (936 km) und Pakistan (Provinz Belutschistan, 909 km). Der höchste Berg des Irans ist der 5.610 m hohe, erloschene Vulkan Damavand (Demawend) im Elbursgebirge, nördlich der Hauptstadt Teheran. Im Süden und Südwesten hat das Land eine 2.000 km lange Küste zum Golf von Oman bzw. Persischen Golf, die beiden Meere sind durch die Straße von Hormuz (Vereinigte Arabische Emirate, Oman) getrennt. Aufgrund der geophysischen Gegebenheiten treten im Iran verhältnismäßig häufig Erdbeben auf. (Die Situation ist vergleichbar mit der Erdbebenhäufigkeit in der Türkei und an der Westküste der USA.)

Klima

Erdbeben Das Klima des Irans ist, bedingt durch seine geografische Ausdehnung, sehr unterschiedlich. Viele verschiedene Jahreszeiten herrschen gleichzeitig, weshalb es möglich ist, im Iran alle Gemüse- und Früchtearten anzubauen, abgesehen von Kakao. Es überwiegen aride Klimaverhältnisse, regional liegen die Niederschläge aber bei 2.000 mm im Jahr.

Vegetation

53 % des Irans sind Wüstengebiet (Kavir im Norden, Lut im Süden, siehe Wüsten Afghanistans und Irans), 27 % Weideland, 9 % Ackerland (gut 1/3 bewässert), 11 % Wald. Die Wälder sind zumeist übernutzt, zwischen Elburs-Gebirge und Kaspischem Meer finden sich aber großflächige Urwälder der Buche, die sich in dieser Ausdehnung nur im äußersten Osten des Buchenareals erhalten haben.

Bevölkerung

Die Bevölkerung Irans (69 Millionen - Stand Juli 2004) setzt sich zusammen aus ca. 51 % Persern, ca. 24 % Aserbaidschanern, ca. 7 % Kurden, 8 % Gilaki und Mazandarani, ca. 3 % Araber, 2 % Turkomanen, 2 % Luren und 2 % Belutschen und einigen kleineren Minderheiten, wie christliche Armenier, Assyrer und Georgier. Insgesamt bekennen sich 98 % der Bevölkerung zum Islam; 90 % davon sind Schiiten und 8 % Sunniten. Daneben leben im Iran zahlreiche Flüchtlinge: 2 Millionen aus Afghanistan und 203.000 aus dem Irak. 20.000 Iraner befinden sich als Flüchtlinge im benachbarten Irak. Zu den größten Städten (über 700.000 Einwohner) zählen Teheran (7,1 Mio.), Mashhad (2,3 Mio.), Isfahan (1,5 Mio.), Karaj (1,4 Mio.), Täbris (1,4 Mio.), Schiraz (1,2 Mio.), Qom (1,0 Mio.), Ahwas (850.000) und Kermānschāh (770.000). Siehe auch: Liste der Städte im Iran

Sprachen

Amtssprache des Irans ist Neupersisch, lokal auch Farsi genannt. Sie ist eine indogermanische Sprache und zugleich die Wichtigste unter allen iranischen Sprachen, die gemeinsam mit den Indischen Sprachen den Ostindogermanischen Sprachast bilden. Persisch ist in der Entwicklung ihrer Grammatik, sprich in der Vereinfachung, sogar noch weiter vorangeschritten als das Englische. Persisch ist zwar die einzige Amtssprache des Irans, die etwa von 58 % der iranischen Bevölkerung gesprochen wird, sie ist jedoch nicht die alleinige Landessprache. Der Anteil der Aserbaidschanisch-, und Turkmenisch-Sprecher wird mit 26 % beziffert; Kurdisch mit 9 %; Lurisch mit 2 %; und andere, darunter Arabischsprecher, mit 1 %.
- Iranische Sprachen: Persisch (Dari), Lorī, Kurdisch, Belutschi, Tajik
- Turksprachen: Aserbaidschanisch, Turkmenisch.
- Armenisch

Religion

Der schiitisch/safawidische Islam ist Staatsreligion. Knapp 95 % der Bevölkerung sind Muslime (89 % Shiiten, 5 % Sunniten und 1 % andere muslimische Gruppen, vorwiegend Kharidschiten und Sufis). Daneben gibt es orientalische Christen (1.500.000), Anhänger der armenisch-apostolischen Kirche (500.000), assyrische Christen (500.000), syrische Christen (300.000), Kopten (100.000), andere Christen (100.000), Juden (150.000), Parsen (480.000), Mandäer (218.000), Jesiden (55.000), Sikhs (20.000), Drusen (82.000) und ca. 300.000 der im Iran als ketzerisch bezeichneten Baha'i, deren nach dem Islam entstandene Buchreligion im Iran nicht als solche anerkannt wird, was teils blutige Pogrome und Hinrichtungen zur Folge hat.

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte des Iran Der heutige Staat Iran (Iran bedeutet in den westiranischen Dialekten soviel wie Land der Arier; das ostiranische Äquivalent dazu ist Aryana) befindet sich auf dem Gebiet, das man im deutschen Sprachgebrauch lange als Persien bezeichnet hat. Die geografische Lage zwischen dem Kaukasus im Norden, der Arabischen Halbinsel im Süden, Indien und China im Osten und Mesopotamien und Syrien im Westen ließen das Land zum Schauplatz einer wechselvollen Geschichte werden. Im persischen Großraum führt die Geschichte vom Reich der Meder zum Perserreich der Achämeniden (Kyros II. der Große bis Dareios III.) über Alexander den Großen zu den Parthern und Sassaniden. Seit dem Mittelalter folgten auf das islamische Kalifat, welches das Sassanidenreich zertrümmerte (siehe Islamische Expansion), verschiedene einheimisch-persische, mongolische und türkische Dynastien bis zu den Safawiden, Kadscharen und dem heutigen Staat Iran. Der Iran trat als Monarchie mit einem Schah als Oberhaupt und bald auch mit einer eigenen, freien Regierung in die Neuzeit ein. Mit Reza Schah Pahlavi (Reza Chan) begann 1921 unter dem Einfluss von Großbritannien eine politische Neuorientierung Persiens in Richtung Westen. Dabei nahm der Kontakt zwischen Herrscher und Volk immer mehr ab. Die Unzufriedenheit im Land stieg. Die Wut konzentrierte sich zunächst auf Großbritannien. Ein Zweckbündnis mit Deutschland und das erstarkte Selbstverständnis des neugeordneten Staates veranlassten den Schah, die internationale Staatengemeinschaft aufzufordern, den seitens der Briten hartnäckig als "Persia" bezeichneten Iran als IRAN zu bezeichnen; dem Landesnamen, unter welchem es den Persern seit Jahrhunderten ein Begriff war. Durch den mit dem Öl verknüpften Reichtum entwickelte sich Iran zur Regionalmacht. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es 1951, unter der Regierung Mohammed Mossadeghs, zu einer Verstaatlichung der Ölindustrie. Auslöser war die britische BP, die das Ölgeschäft im Iran beherrschte und die sich in Verhandlungen strikt weigerte, ihre Gewinne aus dem Ölgeschäft hälftig mit dem iranischen Staat zu teilen. In der Folge kam es zum internationalen Boykott des iranischen Öls, allen voran durch die USA und Großbritannien, was im weiteren Verlauf zu einer Wirtschaftskrise und zum Staatsdefizit führte. Trotz dieser Ergebnisse wählte das Parlament später in demokratischer Wahl Mossadegh zum Präsidenten des Landes. Der 1941, ursprünglich gegen den Willen der USA, als Nachfolger seines Vaters ins Amt gekommene Schah, Mohammad Reza Pahlavi, der Sohn Reza Schahs, stellte sich mit Unterstützung der USA gegen Mossadegh und sprach sich für ein Handelsabkommen mit den USA aus. In diesem sollten Ölförderrechte an US-amerikanische Unternehmen übertragen und dem Iran 50 % des Gewinns aus dem Ölgeschäft zugesprochen werden (mit der britischen BP waren es ca. 5 %). Mossadegh weigerte sich, da er den mit dem Öl verbundenen Reichtum des Iran im Lande behalten wollte. Es kam zu Unruhen und Spannungen zwischen Shah und Mossadegh. Letzterer hatte jedoch großen Rückhalt im Volk, was den Schah veranlasste, auf dem Höhepunkt der Krise im August 1953 das Land zu verlassen. Dennoch organisierten monarchistische Kräfte unter Führung des Generals (i. R.) Fazlollah Zahedi einen Staatsstreich (militärisch unterstützt von den USA) und holten den Schah wieder zurück an die Macht. Die damalige Regierung, mit Zahedi als Ministerpräsident, schloss neue Verträge mit den USA ab. Diese hielten bis zur ersten Ölkrise, hervorgerufen durch deutliche Preiserhöhungen des Irans, an. Schah Mohammad Reza Pahlavi (1941-1979) leitete zwar die "weiße Revolution" ein, verlor aber in der Folgezeit seiner Herrschaft zunehmend den Kontakt zum Volk. Anfang 1979 musste er infolge einer islamischen Revolution endgültig den Iran verlassen. Der Schiitenführer Ruhollah Chomeini kehrte aus dem französischen Exil zurück, etablierte sich als oberste Autorität des Staates und transformierte das Kaiserreich Iran bzw. Persien (offizielle Bezeichnungen des Landes bis 1979) in eine Islamische Republik. Seine Politik war geprägt durch eine fundamentalistische, stark antiwestliche Linie. Von 1980 bis 1988 befand sich das Land in einem Krieg (erster Golfkrieg), nachdem der Irak das Land angegriffen hatte. Die anhaltende internationale Isolation des Irans lockerte sich erst Ende der 1990er. Seit 2005 ist der Iran zusammen mit Indien, Pakistan und der Mongolei Beobachter bei der Shanghai Cooperation Organization (SCO).

Politik

Seit der Revolution von 1979 ist der Oberste Rechtsgelehrte ("Revolutionsführer") entweder der Rahbar (i. e. Führer) oder in seiner Abwesenheit ein Rat religiöser Amtsträger. Der Revolutionsführer, seit 1989 Seyyed Alī Chāmene'ī, hat die uneingeschränkte Macht und ernennt die obersten Richter (alle Prediger) und ist auch Oberkommandierender der Streitkräfte. Er wird vom Expertenrat auf Lebenszeit gewählt. Dieser wird wiederum alle acht Jahre vom Volk gewählt, wobei der Wächterrat die Kandidaten genehmigen muss. Das Staatsoberhaupt und Regierungschef des Irans ist der Präsident (seit 2005 Mahmud Ahmadinedschad). Er wird in allgemeinen Wahlen für eine 4-jährige Amtszeit bestimmt und ist gleichzeitig Regierungschef. Der Präsident ernennt die Mitglieder des Kabinetts und steht diesem auch vor. Er koordiniert die Regierungsarbeit und legt dem Parlament die Regierungsvorlagen vor. Die Macht von Präsident, Regierung und Parlament ist jedoch stark beschränkt, denn alle zu wählenden Kandidaten und alle Gesetze müssen vom Wächterrat bestätigt werden. Zudem hat in allen Fragen das letzte Wort der Revolutionsführer. Der Wächterrat besteht aus 6 religiösen Geistlichen und 6 weltlichen Rechtswissenschaftlern. Die Geistlichen werden vom Revolutionsführer ernannt. Ihre Aufgabe ist es, jedes Gesetz auf seine Konformität mit den islamischen Prinzipien hin zu überprüfen. Die Juristen werden vom Obersten Richter, dem Chef der Judikative ernannt. Ihre Aufgabe ist es, die Verfassungskonformität legislativer Akte zu überprüfen. Der Oberste Richter seinerseits wird vom Revolutionsführer ernannt. Der Wächterrat ist befugt, jedes Gesetz abzulehnen oder im Nachhinein für ungültig zu erklären, und Kandidaten die Teilnahme an der Wahl für das Parlament und das Präsidentenamt zu verweigern. Der Wächterrat entscheidet per einfacher Mehrheit. Bei gleichen Stimmanteilen hat der Revolutionsführer das letzte Wort. In der iranischen Verfassung Artikel § 57 wird die staatliche Gewalt, Legislative, Exekutive und Judikative, der religiösen Führung (welayat-e faghi) unterstellt. Alle drei Gewalten sind somit nicht autonom in ihren Entscheidungen, sondern abhängig vom geistlichen Führer "Rahbar". Das iranische Einkammer-Parlament (Islamischer Konsultativrat; persisch Majles e-Shura ye-Eslami) besteht aus 290 Abgeordneten, die in allgemeinen, direkten und geheimen Wahlen für eine 4-jährige Amtszeit gewählt werden. Wegen der Auswahl des Wächterrates wird das Parlament (außer von 2000-2003) von den islamisch-konservativen Kräften dominiert. Mit dem überraschenden Wahlsieg Mohammad Chātemīs 1997 etablierte sich die politische Bewegung der Reformer im iranischen Parlament. Sie stehen dem religiösen Machtmonopol kritisch gegenüber und versuchen, die republikanischen Elemente des Staates zu stärken. So gelang es Chatemi zu Beginn seiner Amtszeit, eine Liberalisierung der nationalen Presse durchzusetzen. Die systemkritischen Stimmen bekamen dadurch ein öffentliches Organ, um ihrem Reformwillen Nachdruck zu verleihen. Das Aufleben der Pressefreiheit dauerte allerdings nicht sehr lange an. Der Wächterrat macht die Gesetze mit Verweis auf Unverträglichkeit mit dem Islam rückgängig und blockierte fortan nahezu alle Reformversuche des Parlaments. Seitdem sehen sich die Reformer mit großen Vertrauensverlusten in den reformwilligen Bevölkerungsgruppen konfrontiert. Die Enttäuschung über die Ohnmacht des Parlaments führte bei den letzten Kommunalwahlen (2003) zu sehr geringer Wahlbeteiligung (Landesschnitt 36 %, in Teheran 25 %) und zu einem klaren Sieg der konservativen Kräfte. Bei den Parlamentswahlen am 17. Juni 2005 trat vorerst das parlamentarische Ende der Reformer ein, zumal Chātemī nach zwei Amtszeiten nicht erneut kandidieren durfte. Der Wahlkampf wurde im Fernsehen, im Radio, auf Plakaten und auf Redeveranstaltungen geführt. Dominant was das Bild eines Mannes: Alī Akbar Hāschemī Rafsandschānī. Der ehemalige Präsident Irans (1989-1997) kandidierte erneut für den Posten des Regierungschefs. Aus westlicher Sicht war er der sichere Wahlsieger, da er als starker Mann der Tat, als Pragmatiker galt und für wirtschaftlichen Aufschwung stand, dessen strahlende, ungezwungen westlich orientierte Auftritte allenfalls Korruptions- und Kungelleivorwürfe schmählerten. Aber die Wahlen gewann völlig überraschend (für westliche Beobachter) Mahmud Ahmadinedschad in der ersten Stichwahl der iranschen Geschichte. Ahmadinedschad gilt als sogenannter Hardliner. In westlichen Zeitungen wurde er unter anderem als "religiöser Faschist" bezeichnet. Auf seiner politischen Agenda stehen viele Punkte, die an Ruhollah Mousavi Chomeini erinnern: Islamisierung der Gesellschaft, Kleiderordnungspflicht für Frauen, erhebliche Einschnitte der Presse- und Meinungsfreiheit, eine Abwendung von diplomatischen Eingeständnissen in internationalen Verhandlungen (Atomstreit), etc. Doch wegen dieser Politik ist er nicht hauptsächlich gewählt worden. Er steht auch für eine realistische Lösung der Probleme, welche die einfachen Iraner täglich haben. Hohe Arbeitslosigkeit, Armut, Hunger, Perspektivlosigkeit. Die Lösung dieser Probleme, oder zumindest deren Abschwächung, hat sich Ahmadinedschad ebenfalls zur Aufgabe gemacht. Die Arbeitslosen, die Armen, die vielen Menschen ohne Zukunft in einem Land mit außergewöhnlich vielen jungen Einwohnern, die einfachen Leute haben ihn gewählt - weil sie ihn als einen von ihnen ansehen. Ob Mahmud Ahmadinedschad die Hoffnungen, die in ihn projiziert werden, wird einhalten können, bleibt abzuwarten. Sicher ist, dass Iran einen schweren Rückschlag in Sachen Demokratisierung und Liberalisierung der Gesellschaft und des Staatsystems erfahren hat. In einer Rede vom 26. Oktober 2005 hat der Präsident die Vernichtung Israels gefordert, ein in der