:: wikimiki.org ::
| Tripolitanien |
TripolitanienTripolitanien (griechisch Tripolis, "Dreistadt"; arabisch Tarabulus) war eine antike Landschaft im heutigen Libyen. Namengebend waren die drei phönizischen Kolonien Oea (später Tripolis), Sabratha und Leptis Magna.
Tripolitanien liegt im Nordwesten von Libyen und erstreckt sich etwa 800 km entlang der Mittelmeerküste. Im Westen grenzt Tripolitanien an Tunesien, im Süden an Fessan, im Osten an die Cyrenaika und im Norden an das Mittelmeer. Die Landschaft gliedert sich in eine Küstenebene und das Bergland des Dschabal Nafusa. Das Bergland erstreckt sich hinter der Küstenebene über 300 km bis in die Gegend von Leptis Magna. Durch das Abregnen der Wolken in den Höhen des Berglandes (bis 968 m) ist in den Küstenebenen Landwirtschaft ohne aufwendige Bewässerungsanlagen möglich.
Wichtige Wirtschaftszweige sind neben der Landwirtschaft die Erdölindustrie, Gerbereien und Seifenfabriken.
Bevölkerung
Die Bevölkerung Tripolitaniens besteht hauptsächlich aus Arabern und arabisierten Berbern. Hauptsprache ist das Arabische, daneben sind Berbersprachen in Gebrauch.
Geschichte
Ursprünglich wurde Tripolitanien von libyschen Berberstämmen bewohnt. Herodot überliefert im 6. Jahrhundert v. Chr. die Stämme der Maker, Gindaner und Lotophagen. Im 7. Jahrhundert v. Chr. gründeten die Phönizier die Kolonien Oea, Leptis Magna und Sabratha, die aber bald unter die Kontrolle von Karthago gerieten. Nach dessen Niederlage im 2. Punischen Krieg (218-201 v.Chr.) kam das Land 161 v. Chr. unter die Herrschaft Numidiens.
Unter römischer Herrschaft (seit 46 v. Chr.) erlebten die Städte durch die blühende Landwirtschaft und den Transsaharahandel einen großen wirtschaftlichen Aufschwung. Hinzu kam, dass die Städte von der Kaiserdynastie der Severer am Anfang des 3. Jahrhunderts stark ausgebaut wurden. Mit dem Niedergang des römischen Reichs und der Eroberung durch die Vandalen begann der wirtschaftliche Verfall, als alle Befestigungen zerstört werden mussten und die Städte nun den Angriffen der Kamelnomaden schutzlos ausgeliefert waren. Zwar kam Tripolitanien 535 unter byzantinische Herrschaft, doch wurde das Land schon 647 von den Muslimen erobert.
Die muslimischen Araber erhoben Oea zum neuen Zentrum des Landes, das darauf hin den Namen der Landschaft, Tripolis annahm. Auch wenn die Küstenstädte von den Muslimen schnell unterworfen werden konnten, dauerte der Widerstand der Berber im Dschabal Nafusa auch unter dem Banner des Islam weiter an, als die Stämme sich unter Abu l-Chattab al-Maafiri den charidschitischen Ibaditen anschlossen. Tripolitanien war Teil von Ifriqiya und wurde nach dem Niedergang des Abbasidenkalifats von den Aghlabiden (800-909), Fatimiden (909-972), Ziriden (972-1027) und Hafsiden (1229-1510) beherrscht.
Nachdem Spanien 1510 Tripolis besetzt hatte, konnten die Christen von den Korsaren unter Dragut Pascha erst 1551 mit osmanischer Unterstützung vertrieben werden. Bis zur italienischen Eroberung unterstand das Land der osmanischen Oberhoheit, auch wenn die Dynastie der Qaramanli (1711-1835) weitgehenden Unabhängigkeit erringen konnte. Nach der Eroberung Libyens durch Italien und der Unterdrückung des Widerstands der Stämme wurden in Tripolitanien tausende italienische Kolonisten angesiedelt. Allerdings erlangt Tripolitanien mit der Cyrenaika und Fessan nach dem 2. Weltkrieg schon 1951 die Unabhängigkeit. 1963 wurde Tripolitanien als Großprovinz aufgelöst, um die Macht der libyschen Zentralregierung unter König Idris I. zu stärken.
siehe auch: Liste der osmanischen Beys von Tripolitanien
Kategorie:Geographie (Libyen)
Kategorie:Geschichte (Afrika)
Kategorie:Historische Landschaft
Kategorie:Maghreb
Griechische Sprache
Griechisch (griechisch ελληνικά) ist eine indogermanische Sprache, die einen eigenen Zweig dieser Sprachfamilie darstellt. Eine nähere Verwandtschaft scheint nur zur antiken makedonischen Sprache bestanden zu haben. Griechisch wird von ca. 16 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen, von denen ca. 10,5 Millionen in Griechenland leben, wo es Amtssprache ist. Die anderen Muttersprachler sind auf 35 andere Staaten verteilt. Auf Zypern ist Griechisch ebenfalls Amtssprache, offiziell neben dem Türkischen. Außerdem ist in einigen südalbanischen und süditalienischen Gemeinden, in denen Angehörige der griechischen Minderheit leben, das Griechische als lokale Amts- und Schulsprache zugelassen.
Siehe: Griko in Italien
Eine Vielzahl von altgriechischen Wörtern werden darüber hinaus auch in diversen Fachsprachen verwendet und haben Eingang in viele moderne Sprachen gefunden.
Die Sprachcodes nach ISO 639 für Neugriechisch (ab 1453) sind el
bzw. ell oder gre und für Altgriechisch (bis
1453) grc.
Geschichte
1453
Die ältesten schriftlichen Zeugnisse der Sprache sind in Linearschrift B geschrieben. Sie begegnen ab dem 14. Jahrhundert v. Chr. - also in mykenischer Zeit - als sehr kurze Texte auf Transportamphoren, wo sie den Inhalt bezeichnen. Längere Texte auf zahlreichen Tontäfelchen, ebenfalls rein praktischer Natur, wurden in den Archiven einiger mykenischer Paläste gefunden. Sie stammen aus dem Beginn des 12. Jahrhundert v. Chr.. Nach Zerstörung der meisten bisher bekannten mykenischen Paläste im 12. Jh. ging die Linearschrift B und damit die Schriftlichkeit der ägäischen Welt nach herrschender Meinung verloren. Zumindest gibt es bisher keine Schriftfunde aus der Zeit der dunklen Jahrhunderte. Gegen Ende der dunklen Jahrhunderte, vermutlich um 800 v.Chr., übernehmen die Griechen das phönizische Schriftsystem, das sie im Grunde auch heute noch benutzen. Eines der bekanntesten frühen Beispiele der neuen alphabetischen Schrift zeigt der sog. Nestor-Becher. In klassischer Zeit ist eine Vielzahl von Dialekten feststellbar, zu den wichtigsten zählen das (noch heute in den Schulen als Altgriechisch gelehrte) Attische, das Ionische, das Dorisch-Nordwestgriechische, das Aeolische und das Arkadisch-Kyprische. Die am Anfang der schriftlichen Überlieferung stehenden homerischen Epen, die Ilias und die Odyssee, sind zum Beispiel in einer künstlerischen Sprachform verfasst, die Worte aus verschiedenen Dialekten benutzte, oft nach den Anforderungen des Metrums, im ganzen jedoch Ionisch mit äolischer Prägung ist.
Die politische, wirtschaftliche und kulturelle Vormachtstellung Athens im 5. Jahrhundert v. Chr. machte den dort gesprochenen attischen Dialekt zur Grundlage einer überregionalen Gemeinsprache (Koiné, griechisch κοινή, die Gemeinsame oder Allgemeine), die durch die Eroberungen Alexanders des Großen im 4. Jahrhundert v. Chr. zur Weltsprache und lingua franca aufstieg. Auch im Römischen Reich blieb Griechisch neben Latein Amtssprache, dies auch aufgrund der kulturellen Abhängigkeit der Römer von den Griechen. In der Osthälfte des Reiches war Griechisch bereits seit dem Hellenismus die dominierende Sprache. Der Einfluss fremder Sprachen und der fortbestehenden Dialekte führte immer wieder, insbesondere im 2. Jahrhundert, zu Bemühungen um eine Reinigung der griechischen Sprache unter Rückgriff auf das klassische Attisch. Eine solche bereinigte Form des Altgriechischen wurde nach der Teilung des Römischen Reiches (395) zur Amts- und Literatursprache des oströmischen Reiches, das nach der Abschaffung der lateinischen Amtssprache um 630 endgültig vom römischen zum byzantinischen Reich wurde. Spätestens zu diesem Zeitpunkt versiegt die Produktion literarischer Werke auf Altgriechisch; die Sprache des byzantinischen Reiches weist da schon deutliche Unterschiede in Grammatik und Aussprache auf. Nach der arabischen Eroberung Syriens und Ägyptens blieb Griechisch dort zunächst noch für einige Jahrzehnte Amtssprache, bevor es diese Funktion ab etwa 700 an das Arabische verliert.
Während der Besetzung Griechenlands durch das osmanische Reich war der Unterricht in griechischer Sprache offiziell verboten. Jedoch lebte sie im Alltag der Griechen (und vielfach von Priestern heimlich gelehrt) fort, veränderte sich aber aufgrund geringer Schriftkenntnis und mangelnder Gelehrsamkeit relativ stark. Nach der modernen Staatsgründung wurde die so genannte Katharévousa (griechisch καθαρεύουσα, Reinsprache; die Grundlagen wurden von Korais geschaffen) offizielle Unterrichts- und Amtssprache, eine „künstlich“ geschaffene Standardsprache, die den Wortschatz der am klassischen Attisch orientierten Koiné abermals künstlich konservierte, jedoch innerhalb weitgehend neugriechisch geprägter Aussprache- und Grammatikstrukturen. Erst 1976 wurde die Volkssprache (Dimotikí, griechisch δημοτική) endgültig zur Sprache der staatlichen Verwaltung und der Wissenschaft; allerdings sind viele Katharévousa-Worte im Laufe der Zeit wieder in die Dimotikí zurück übernommen worden.
Im Verlauf der Jahrtausende hat sich die griechische Sprache vielfach in der Aussprache geändert, die Orthographie blieb jedoch dank vielerlei Bemühungen um eine Reinhaltung der Sprache weitgehend konstant. Die in hellenistischer Zeit in die griechische Schriftsprache eingeführten Akzente und Symbole für Hauchlaute wurden noch bis vor kurzem verwendet. Durch Erlass Nr. 297 des griechischen Präsidenten vom 29. April 1982 wurden der Akzent Gravis, der Akzent Zirkumflex sowie die Hauchzeichen Spiritus asper und Spiritus lenis abgeschafft. Es gibt seitdem in der griechischen Schriftsprache nur noch den Akzent Akut, der die betonte Silbe anzeigt.
Die griechische Sprache und Schrift hatte auf die Entwicklung Europas immensen Einfluss: Sowohl das lateinische als auch das kyrillische Alphabet wurde auf der Basis des griechischen Alphabets entwickelt. Die Rückbesinnung auf das im Westen fast vergessene Griechisch, ausgelöst unter anderem durch die Flucht vieler Byzantiner in den Westen nach dem Fall Konstantinopels 1453, war eine der Hauptquellen der Renaissance und des Humanismus (siehe hierzu auch: Philhellenismus).
Noch heute werden wissenschaftliche Fachbegriffe gerne unter Rückgriff auf griechische (und lateinische) Wörter geprägt.
Das Neue Testament wurde ursprünglich in hellenistischem Griechisch geschrieben und das erste Mal von Erasmus von Rotterdam gedruckt.
Grammatik
Altgriechisch
Die ersten Grammatiken des Abendlandes wurden zu hellenistischer Zeit in der philologischen Schule von Alexandria abgefasst. Aristarch von Samotrake schrieb eine tékhne grammatiké des Griechischen. Die vermutlich erste autonome grammatische Schrift ist die tékhne grammatiké des Dionysios Thrax (2. Jh. v.Ch.), welche die Phonologie und Morphologie einschließlich der Wortarten umfasst. Die Syntax ist Gegenstand eines sehr systematischen Werks des zweiten bedeutenden griechischen Grammatikers, des Apollonios Dyskolos (2. Jh. n.Ch.). Angeblich im Jahre 169/8 "importierten" die Römer die griechische Grammatik und adaptierten sie.
Die Grammatik des Altgriechischen ist auf den ersten Blick recht ähnlich zum Lateinischen, was Partizipialkonstruktionen und sonstige grammatische Phänomene (AcI etc.) anbelangt, so dass Lateinkenntnisse beim Erlernen des Altgriechischen sehr hilfreich sind – und umgekehrt. Gutes Verständnis der deutschen Grammatik hilft allerdings auch; in vielen Fällen ist das Altgriechische dem Deutschen strukturell ähnlicher als dem Lateinischen, beispielsweise sind die bestimmten Artikel im Griechischen vorhanden, während sie im Lateinischen fehlen. Es gibt auch Fälle, in denen die Ähnlichkeit mit dem Lateinischen eher oberflächlicher Art ist und mehr Verwirrung stiftet als hilft – beispielsweise werden die Zeitformen der Verben im Griechischen oft anders verwendet als im Lateinischen.
Im Westen und auch in diesem Artikel werden gewöhnlich lateinische Begriffe (wie Substantiv, Dativ, Aktiv, Person … ) zur Bezeichnung von altgriechischen grammatischen und semantischen Kategorien verwendet, die direkte Übersetzungen der griechischen Definitionen darstellen. In Griechenland werden dagegen bis heute die griechischen Originalbegriffe aus der tékhne grammatiké des Dionysios Thrax verwendet.
Nominale Wörter
Hierzu zählen die Wortarten Substantiv, Adjektiv und Pronomen, die alle dekliniert werden. Auch Partizipien, Verbaladjektive und Infinitive werden dekliniert, sie gelten aber als Zwischenformen (sogenannte Nominalformen des Verbs). Hinsichtlich der Deklination ist folgendes zu benennen:
- Singular
- Plural
- Dual (als Schwundform)
- (allgemeine) Regeln:
- Maskulinum: bei Bezeichnungen für männliche Wesen, Winde, Flüsse und Monate
- Femininum: bei Bezeichnungen für weibliche Wesen, Länder, Inseln und Städte
- Neutrum: dient unter anderem zur Verkleinerung oder Verächtlichmachung von Wörtern männlichen und weiblichen Geschlechts.
- Für den sonstigen Gebrauch lassen sich keine eindeutigen Regeln aufstellen.
- Besonderheit des Neutrums: Bei Neutrum-Subjekten steht das Verb, auch wenn das Subjekt im Plural steht, in der 3. Person Singular. Diese Besonderheit besteht deswegen, weil das Griechische im Fall des Neutrums einen echten Plural nicht gebildet hat. Der Plural des Neutrums ist eigentlich ein aus dem Indogermanischen ererbter "kollektiver Singular", d.h. ein Sammelbegriff, der formal ein Singular ist, von der Funktion her aber einem Plural entspricht (wie im Deutschen: der Busch, das Gebüsch). Ferner haben im Neutrum – wie in allen indogermanischen Sprachen – Akkusativ und Nominativ identische Formen. Im Griechischen tritt noch die Form des Vokativs den beiden anderen Kasus als identisch hinzu.
Kasussystem
Von den acht Kasus des Indogermanischen haben sich im Griechischen fünf erhalten: Nominativ, Akkusativ, Genitiv, Dativ und Vokativ. Die Funktionen der nicht erhaltenen Kasus des Indogermanischen haben sich im Griechischen auf den Dativ und den Genitiv verteilt. Die Aufteilung ähnelt der der deutschen Sprache.
Grundfunktionen der Kasus:
- Akkusativ
- echter Akkusativ (direktes Objekt)
- adverbial: Lativ (Richtung, Ausdehnung, Dauer)
- Genitiv
- echter Genitiv (Bereich)
- Separativ (Herkunft)
- Dativ
- echter Dativ (indirektes Objekt)
- Soziativ (Gemeinschaft)
- Instrumental (Mittel)
- Lokativ (Ort, Zeit)
Verben
Tempussystem
Es gibt im Altgriechischen vier Tempusstämme: Präsensstamm, Aoriststamm, Perfektstamm, Futurstamm; wovon die ersten drei ein System bilden. Das Altgriechische besitzt aber kein ausgebildetes Tempussystem. Die Tempusstämme drücken Aspekte aus; – die subjektive Betrachtungsweise, das heißt die Art, wie der Sprechende den Verbalinhalt auffasst. Deswegen ist der Begriff Tempusstamm genaugenommen nicht richtig; besser zu sagen wäre Aspektstamm.
Der Aspekt des Präsensstamms ist durativ (linear, iterativ oder konativ). Das bedeutet, es wird mit diesem Aspekt der Verlauf oder das Andauern einer Handlung ausgedrückt.
Beispiele:
- νοσειν = (krank sein = ) krank darniederliegen
- (απο)θνησκειν = sterben ( = im Sterben liegen)
Der Aspekt des Aoriststamms ist punktuell. Das bedeutet, es wird der bloße Vollzug einer Handlung vermeldet. (Die Bezeichnung punktuell wird benutzt, um den Gegensatz zum linearen Präsensstamm auszudrücken. Der Aoriststamm ist die Normalform und benennt eine Handlung oder ein Ereignis, ohne ausdrücken zu wollen, ob diese Handlung in Wirklichkeit punktuell oder linear war/ist.) Bei diesem Aspekt wird in der Sprachpraxis gern ein bestimmter Punkt des Verbalbegriffs ins Auge gefasst, nämlich der Abschluss (effektiv) oder der Beginn (ingressiv) einer Handlung.
Beispiele:
- ingressiv: νοσησαι = krank werden oder erkranken
- effektiv: (απο)θανειν = sterben (als Moment des Dahinscheidens)
Der Aspekt des Perfektstamms ist resultativ. Das bedeutet, es wird mit diesem Aspekt ein (erreichter) Zustand oder einfach ohne jede nähere Bestimmung die Qualität einer Sache ausgedrückt.
Beispiele:
- τεθνηκεναι (τεθναναι) = (gestorben und nun) tot sein
- πεποιθεναι = vertrauen
Mit der Handhabung dieser drei Aspekte stellt der Griechischsprechende aber die zeitlichen Bezüge her, die von den Aspekten selbst nicht ausgedrückt werden. Die Aspekte gelten nun generell, während es eine direkt zeitliche Bedeutung nur im Indikativ gibt (bis auf das Futur. siehe unten).
Die Vergangenheit wird mit Hilfe der Nebentempora, die nur im Indikativ auftauchen, gebildet. Das sind im Präsensstamm das Imperfekt, im Perfektstamm das Plusquamperfekt und im Aoriststamm der Aorist. (Der Aoriststamm ist der älteste Tempusstamm und hat ein Haupttempus im Indikativ nie ausgebildet.)
Der vierte Tempusstamm des Altgriechischen, der Futurstamm, ist eine jüngere Entwicklung und hat in der Tat in allen Modi zeitliche Bedeutung.
Übersicht über die Tempusformen im Indikativ:
Modussystem
Es gibt im Altgriechischen vier Modi: Indikativ, Optativ, Konjunktiv, Imperativ. Die Funktionen, die diese Formen syntaktisch erfüllen, sind sehr vielfältig. Hier kann nur eine grundsätzliche Bestimmung ihrer Bedeutung vorgenommen werden.
Der Modus bringt die geistige Einstellung des Sprechenden gegenüber dem Verbalinhalt zu Ausdruck.
Mit dem Indikativ drückt der Sprecher aus, dass ihm ein Vorgang oder Zustand als wirklich (real) erscheint.
In den anderen Modi drückt der Sprecher aus, dass ihm der Vorgang oder Zustand nur als vorgestellt gilt.
Der Imperativ drückt einen Befehl aus.
Der Konjunktiv drückt einen Willen (Voluntativ) oder eine Erwartung (Prospektiv) aus. (Er hat also leicht futurische Bedeutung, was umgekehrt für das Futur in Bezug auf den Konjunktiv auch gilt).
Der Optativ drückt einen Wunsch (Kupitiv) oder eine Möglichkeit (Potentialis) aus.
Genera Verbi (eigentlich und für das Griechische besser: Diathese)
Von den drei Genera Verbi sind zwei (Aktiv und Medium) aus dem Indogermanischen geerbt. Das Passiv ist eine jüngere Entwicklung.
Das Aktiv drückt einfach eine Tätigkeit aus.
Das Medium drückt aus, dass das Subjekt an der Handlung beteiligt ist, oder an ihr interessiert ist, dass also eine nähere Beziehung zwischen Subjekt und Handlung besteht (transitives Medium). Ferner kann es ausdrücken, dass das Subjekt von seiner eigenen Handlung betroffen ist (intransitives Medium). Der Begriff Medium soll in etwa ausdrücken, dass diese Form zwischen Aktiv und Passiv stehe. Das ist jedoch weder sprachgeschichtlich, noch morphologisch richtig. Das Passiv ist im Griechischen der Grenzfall des Mediums, denn:
Das Passiv drückt die Wirkung einer Handlung auf das Subjekt aus, die nicht von ihm ausgeht. Insofern die Handlung nur noch auf das Subjekt wirkt, ohne von ihm auszugehen, bildet es den Grenzfall des Mediums. (Außerhalb des Futur- und Aoriststamms hat das Passiv keine eigenständige Form. Formal übernimmt dort das Medium neben der eigenen Funktion auch die des Passivs, was nur aus dem syntaktischen Zusammenhang, oder bei genauer Kenntnis der Beschaffenheit des entsprechenden Verbums zu unterscheiden ist.)
Beispiele:
Aktiv: er löst (etwas)
transitives Medium: er löst (etwas) für sich
intransitives Medium: er löst sich, er lässt sich lösen
Passiv: er wird gelöst (von jdm.)
- Singular
- Plural
- Dual (als Schwundform)
Erste Person (ich / wir), zweite Person (du / ihr), dritte Person (er, sie, es, Substantiv im Singular / sie, Substantiv im Plural).
Die Personalpronomen des Nominativ werden wie in vielen anderen indogermanischen Sprachen meist ausgelassen, wenn sie nicht besonders betont werden sollen. Es muss also nicht zwangsläufig ein das Subjekt ausdrücklich nennendes Bezugswort (Pronomen oder Substantiv) beim Verb stehen – die Endung reicht aus, um die Person und damit das Subjekt zu identifizieren.
Neugriechisch (Dimotiki)
Die neugriechische Sprache hat einen Großteil der altgriechischen Grammatik vereinfacht, ist aber immer noch eine stark flektierende Sprache. Sie ist eine der wenigen indogermanischen Sprachen, die eine synthetische (also nicht mit Hilfsverben konstruierte) Diathese behalten hat. Der Dativ ist bis auf wenige Formen wie εν τάξει (en táxei //) ("in Ordnung") verloren gegangen und wird meist durch die Konstruktion eis (eigentl. in... hinein) + Akkusativ ersetzt. Andere wichtige Änderungen der Grammatik sind der Verlust des Optativs (wird durch den Konjunktiv ersetzt), des Infinitivs (wird durch Nebensätze ersetzt "Ich will kaufen" -> "Ich will, dass ich kaufe") und des Duals (wird durch den Plural ersetzt), die Verkleinerung der Anzahl von Deklinationen und der verschiedenen Formen in jeder Deklinaton, der neue Modalpartikel θα (aus θέλω να ("ich will, dass...") > θε' να > θα) für das Futur und Konditional, die Einführung von Hilfsverben, die Reduzierung der Partizipien auf zwei, ein aktives und ein passives, die Erweiterung des Futurs auf die Aspektunterscheidung zwischen Präsens/Imperfekt und Aorist, der Verlust der dritten Person Imperativ, außer in Archaismen wie ζήτω! ('Lang lebe!'); neue Pronomen für die 2. Person Plural, da die alten wegen der Lautveränderung akustisch nicht mehr von denen der 1. Person Plural zu unterscheiden waren; und der Vereinfachung des Systems der Präfixe, wie bei der Augmentation und Reduplikation.
Das Phonemsystem der neugriechischen Sprache:
Vokale
geschlossen
halbgeschlossen
offen
Alle Vokale werden kurz ausgesprochen.
laut IPA
Konsonanten
p t k
b d g
v δ z γ
f θ s χ
m n
l
r
Siehe auch
- Griechisches Alphabet
- Liste griechischer Präfixe
- Liste griechischer Suffixe
- griechische Präpositionen
- Liste griechischer Magischer Quadrate
- Namenforschung
- Griechische Zahlen
- griechische Zahlwörter
- Griechische Phrasen und Redewendungen
Literatur
- Geschichte:
- Francisco R. Adrados: Geschichte der griechischen Sprache von den Anfängen bis heute. Tübingen/Basel 2002
- Hans Eideneier: Von Rhapsodie zu Rap. Aspekte der griechischen Sprachgeschichte von Homer bis heute. Tübingen 1999
- etymologische Wörterbücher (altgriechisch):
- Pierre Chantraine: Dictionnaire étymologique de la langue grecque : histoire des mots. 4 Bände. Paris 1968-80 (Neuauflage 1999)
- Hjalmar Frisk: Griechisches etymologisches Wörterbuch. 3 Bände. Heidelberg 1973
- Alois Vanicek: Griechisch-lateinisches etymologisches Wörterbuch. Leipzig 1877 (Nachdruck 1972)
- Wörterbücher (altgriechisch):
- Wilhelm Gemoll: Griechisch–Deutsches Schul- und Handwörterbuch bei Oldenburg Schulbuchverlag. ISBN 3-486-13401-9
- Wilhelm Pape: Handwörterbuch der griechischen Sprache in 4 Bänden. Braunschweig 1842 ff. (3. Aufl. 1880; Nachdruck 1954)
- Grammatiken (altgriechisch):
- Eduard Bornemann (u. Mitw. v. Ernst Risch): Griechische Grammatik. Frankfurt a.M. 1978
- Adolf Kaegi: Kurzgefasste griechische Schulgrammatik. Berlin 1884 (seither ständig nachgedruckt), ISBN 3-615-70100-3
- Historische Grammatik:
- Helmut Rix: Historische Grammatik des Griechischen. Laut- und Formlehre. Darmstadt 1992
Weblinks
- [http://www.geocities.com/kurogr/ Wörterbuch Mykenisches Griechisch - klassisches Altgriechisch - Englisch (PDF)]
- [http://www.fh-augsburg.de/~harsch/graeca/Auctores/g_alpha.html griechische Texte in der Bibliotheca Augustana]
- [http://info.uibk.ac.at/c/c6/c604/pdf/Hajnal/Griech.Dial.pdf Die Vorgeschichte der griechischen Dialekte] - Ein Aufsatz über Entstehen und Geschichte der altgriechischen Dialekte.
- [http://kypros.org/LearnGreek/ Online-Kurs vom zypriotischen Rundfunk CyBC, 105 Lektionen à 30 Min., engl., Real Audio]
- [http://www.kreienbuehl.ch/lat/ Latein und Altgriechisch Site]
- [http://www.chairete.de/ Materialen zum Altgriechischen, Autoren]
- [http://www.altesprachen.de/heureka/heureka.htm Altesprachen.de]
- [http://www.geocities.com/Athens/Agora/6594/inhalt.html Altgriechisch] (Ziemlich umfangreicher Einstiegskurs)
- [http://www.combib.de/infoseiten/griechisch/griechisch.html Aussprachehilfe zum neutestamentlichen Griechisch] (Deutsche Schulaussprache, nicht Originalaussprache!)
- [http://www.gottwein.de/grueb/gr000.htm Altgriechischer Online-Sprachkurs]
- [http://www.gottwein.de/ Navicula Bacchi] (exzellente Seite rund um die Klassische Philologie mit sehr vielen Unterrichtsmaterialien)
- [http://www.archiv-vegelahn.de/nachschlagwerke_griechisch.html Bibliographie - Griechisch]
-
Kategorie:Indogermanisch
Kategorie:Einzelsprache
als:Griechische Sprache
ja:ギリシア語
ko:그리스어
ms:Bahasa Greek
simple:Greek language
th:ภาษากรีก
Arabische Sprache
Die arabische Sprache (auf Arabisch: اللغة العربية)
gehört zum südlichen Zweig der semitischen Sprachen und damit zur afro-asiatischen Sprachfamilie. Der Language Code ist ar bzw. ara (nach ISO 639).
Allgemeines
Die einzelnen arabischen Dialekte in den verschiedenen Ländern unterscheiden sich teilweise sehr stark voneinander und sind, wenn sie weit auseinander liegen (z. B. Marokko - Irak), auf basilektaler Ebene oft gegenseitig nicht oder nur schwer verständlich, in etwa vergleichbar mit den verschiedenen deutschen Mundarten.
Algerische Filme, die natürlich im dortigen Dialekt gedreht worden sind, werden zum Teil hocharabisch untertitelt, wenn sie in den Golfstaaten ausgestrahlt werden.
Die arabische Sprache in einem erweiterten Sinne umfasst eine Vielzahl von verschiedenen Sprachformen, die in den letzten anderthalb Jahrtausenden gesprochen wurden und werden.
Was all diese Sprachformen zu einer Sprache zusammenbindet, ist vor allem der Islam und speziell der Koran. Das Beispiel des Maltesischen zeigt sehr deutlich die große Rolle des Islam, was die Einheit des Arabischen angeht. Das Maltesische ist eine den maghrebinischen Dialekten der arabischen Sprache nah verwandte Sprache, die aber weitestgehend zu einer modernen, eigenständigen Standardsprache ausgebaut worden ist.
Aus dem Alt-Arabischen, das dem klassischen Hocharabisch sehr nahe stand, hat sich eine Vielzahl von Dialekten entwickelt, die neuarabischen Dialekte; für alle Sprecher dieser Sprache außer dem Maltesischen ist das unverändert geschriebene Hocharabisch weiterhin Schriftsprache und Dachsprache.
Ob Hocharabisch als moderne Standardsprache zu betrachten ist, ist umstritten (siehe auch Halsbandsittich in vielen Sprachen). Die panarabischen Satellitensender könnten es dazu werden lassen. Es fehlt oft noch an einem einheitlichen Wortschatz für viele Dinge der modernen Welt, sowie am Fachwortschatz für viele Bereiche der modernen Wissenschaften. Darüber hinaus ist Hocharabisch innerhalb der einzelnen arabischen Ländern relativ selten ein Mittel zur mündlichen Kommunikation.
Das Arabische im Semitischen
Das klassische Hocharabisch unterscheidet sich nicht wesentlich von der alt-arabischen Sprache. Versucht man durch Vergleich aller semitischen Sprachen die Wurzel eines Wortes zu ermitteln, findet man oft, dass sie genau der klassisch-arabischen Form gleicht. Dadurch kommt dem klassischen Hocharabisch eine zentrale Stellung innerhalb der semitischen Sprachen zu.
Lange betrachteten viele Semitisten das klassische Arabisch als die ursprünglichste semitische Sprache überhaupt. Erst langsam stellt sich durch den Vergleich mit anderen afro-asiatischen Sprachen heraus, dass vieles doch nicht so ursprünglich ist, wie man dachte. Klassisches Hocharabisch stellt wohl eine neuere Schicht semitischer Sprachen dar, die viele Möglichkeiten, die in der Grammatik der semitischen Sprachen angelegt sind, konsequent ausgebaut hat. Es hat einen sehr reichen semitischen Wortschatz bewahrt und sogar noch weiter ausgebaut. Die heutigen Dialekte haben viele Veränderungen durchgemacht, wie sie andere semitische Sprachen schon sehr viel früher (2000-3000 Jahre) durchgemacht haben. So fällt beispielsweise auf, dass Alt-Hebräisch und moderne arabische Dialekte, was Lautgestalt und Grammatik angeht, viele Gemeinsamkeiten aufweisen. Es gibt Spekulationen, dass die Aufgabe der nomadischen Lebensweise und die Überlagerung anderer Sprachen immer wieder ähnliche sprachliche Entwicklungen hervorgerufen haben.
Verbreitung
Varianten des Arabischen werden von ca. 200 bis 300 Millionen Menschen gesprochen. Es ist (nicht immer alleinige) Amtssprache in folgenden Ländern: Ägypten, Algerien, Bahrain, Dschibuti, Eritrea, Irak, Israel, Jemen, Jordanien, Komoren, Katar, Kuwait, Libanon, Libyen, Marokko, Mauretanien, Oman, Palästinensische Autonomiegebiete, Saudi-Arabien, Somalia, Sudan, Syrien, Tschad, Tunesien, Vereinigte Arabische Emirate. Darüberhinaus ist es eine der sechs offiziellen Sprachen der Vereinten Nationen.
In aller neuester Zeit gewinnt das gesprochene Hocharabische wieder an Raum, Schrittmacher ist dabei u.a. der Fernsehsender Aljazeera in Katar. Dort gibt es sehr lebendige Diskussionen von Sprechern aus allen Ecken der Arabischen Welt, die sich bemühen eine dem Hocharabischen nahe kommende Sprache zu gebrauchen.
Durch die dominierende ägyptische Film- und Fernsehproduktion (u.a. bedingt durch die Bevölkerungszahl) gilt der gesprochene Kairoer Dialekt des Arabischen in der arabischen Welt als allgemein verständlich, sozusagen "gemeinsprachlich". Gewöhnliche Filme auf hocharabisch zu drehen ist nicht üblich, da diese Sprache eher ernsten Themen wie den Fernseh- und Rundfunknachrichten, religiösen Sendungen und Gottesdiensten vorbehalten ist.
Geschichte
Schon in vorislamischer Zeit existierte auf der arabischen Halbinsel eine reichhaltige Dichtersprache, die nur mündlich weitergegeben wurde. Auf dieser Dichtersprache fußt zum Teil das Arabische des Korans, das aber wohl schon modernere Züge aufwies, wie man am Konsonantentext sehen kann. Wohl erst nachträglich hat man durch Zusatzzeichen das Koran-Arabisch für neue nicht arabische Muslime einfacher gemacht. In frühislamischer Zeit wurden viele Gedichte dieser Sprache schriftlich festgehalten. Bis heute ist das Memorieren (Auswendiglernen) von Texten ein wichtiger Bestandteil der islamischen Kultur. So gibt es bis heute viele sehr geachtete Menschen, die den gesamten Koran auswendig vortragen können (Hafiz oder Hafidh).
Das klassische Hocharabisch ist insbesondere die Sprache des Korans, das sich aus dem Zentrum der arabischen Halbinsel, dem Hedschas, im Zuge der islamischen Eroberungen über den ganzen Vorderen Orient verbreitete.
Der Kalif Abd al-Malik erhob in den 90er Jahren des 7. Jahrhunderts diese Form des Arabisch zur offiziellen Verwaltungssprache des islamischen Reiches.
Im Laufe der Jahrhunderte änderte sich die Sprache dann immer mehr, was jedoch zum Teil an der Schrift nicht zu erkennen ist, da die kurzen Vokale außer im Koran nicht geschrieben wurden und man sich bemühte die alten Regeln bei der Schreibung beizubehalten.
Das klassische Hocharabisch wird als Muttersprache heute von niemandem mehr gesprochen. Es wird allerdings auch heute noch, nur im Wortschatz verändert, als geschriebene Hochsprache benutzt, in der fast alle Bücher und Zeitungen erscheinen (außer in Tunesien, Marokko und in etwas geringerem Maße in Algerien, wo sich das Arabische diese Rolle mit dem Französischen teilen muss). Im wissenschaftlich-technischen Bereich wird in den anderen arabischen Ländern aus Mangel an einem spezifischen Fachwortschatz oft Englisch gebraucht.
Bei offiziellen Anlässen wird diese normalerweise nur geschriebene Sprache auch mündlich gebraucht, ebenso teilweise in Fernsehen und Rundfunk. Diese Sprache wird oft auch als modernes Hocharabisch bezeichnet. Es unterscheidet sich vom klassischen Hocharabischen vor allem im Wortschatz und je nach Bildungsgrad des Sprechers teilweise auch in Grammatik und oft in der Aussprache.
Siehe auch: Geschichte der arabischen Literatur
Phonologie
Das Hocharabische Lautsystem ist wenig ausgeglichen. Es gibt nur drei mit den Lippen gebildete Laute (M م, B ب, F ف), P und das deutsche W fehlen. Der Laut و, den man mit W in der Umschrift wiedergibt, ist ein Halbvokal, der einem englischen W [] entspricht.
Dagegen gibt es sehr viele an den Zähnen gebildete Laute: L ل, N ن, D د, T ت, stimmloses und stimmhaftes (wie im Englischen ausgesprochene) "TH" (TH ث, DH ذ), stimmloses und stimmhaftes S (س und ز) und SCH ش. Hinzu kommen die dem Arabischen eigenen emphatischen Laute, d. h. stimmhaftes und stimmloses S (ص und ظ) sowie T ط und D ض, die "dumpf" ausgesprochen werden. Neben dem Zungen-R ر gibt es ein streng davon unterschiedenes Zäpfchen-R غ, normalerweise GH umschrieben.
An Gaumenlauten gibt es DSCH ج, K ك, CH خ und den Halbvokal J ي, das G fehlt. Des Weiteren gibt es ein tief in der Kehle gesprochenes K, das mit Q ق umschreiben wird, sowie das mit dem Kehlkopf ausgesprochene Hamza und einen stimmhaften Kehlkopf-Presslaut ع, den man "Ain" nennt, den es aber nur in sehr wenigen anderen Sprachen gibt, sowie eine stimmlose Entsprechung ح, die wie unser H auch mit H umschrieben wird. Unser H ه gibt es auch noch. Die Konsonanten werden sehr genau ausgesprochen, beeinflussen aber stark die Vokale, die deshalb in vielen Varianten vorkommen, obwohl es eigentlich nur A, I, U sowohl lang als auch kurz gibt. Insgesamt entsteht so der kehlige, raue Lauteindruck des Arabischen.
Die Dialekte haben dieses Ungleichgewicht zum Teil ausgeglichen: in vielen Dialekten gibt es ein G, TH und DH fehlen meist, deutsche W und P gibt es oft in Fremdwörtern. Meist gibt es auch langes E und O.
Schrift
Hauptartikel: Arabische Schrift
Geschrieben wird das Arabische von rechts nach links mit dem arabischen Alphabet, das nur Konsonanten und Langvokale kennt. Es gibt allerdings als Lern- und Lesehilfe ein nachträglich hinzugefügtes System mit Kennzeichen (اشكال) für die Kurzvokale A, I und U, und das in der klassischen Grammatik wichtige End-N, Konsonantenverdopplungen und Konsonanten ohne nachfolgenden Vokal. Der Koran wird immer mit allen Zusatzzeichen geschrieben und gedruckt. Grundsätzlich wäre das vokalisierte und mit Zusatzzeichen versehene Schriftarabisch gleichzeitig eine präzise Lautschrift, diese wird jedoch fast nur für den Koran genutzt. Bei allen anderen Texten muss man die kurzen Vokale selbst finden, was nur möglich ist, wenn man die Grundvokale jedes Wortes auswendig kennt und die grammatische Struktur vollständig analysieren kann, so dass man die richtigen Endungen einfügen kann. Aus diesem Grunde ist das Auswendiglernen langer Texte und die ständige Kontrolle eines anwesenden Lehrers fast unumgänglich, da so gut wie niemand im Alltag Hocharabisch spricht und man es auch nicht, den Koran ausgenommen, durch Lesen selbständig lernen kann.
Die arabische Schrift ist eine Kurrentschrift, die sich im Laufe der Geschichte verschliffen hat. Als immer mehr Buchstaben in der Gestalt zusammenfielen, entwickelte man ein System, diese durch Punkte über und unter den alten Konsonanten zu unterscheiden. Da die Buchstaben in einem Wort verbunden werden, gibt es bis zu vier verschieden Formen eines Buchstabens: allein stehend, nach rechts verbunden, nach links verbunden und beidseitig verbunden. Ohne die Punkte fallen beispielsweise in der beidseitig verbundenen Form die Buchstaben N, T, TH, B, Y und P zusammen. Die Punkte für das P übernahm man aus dem Persischen, um Fremdwörter, die ein P enthalten, wiederzugeben. In einer früheren Form der arabischen Schrift, dem Kufi (كوفى), in der es noch keine Punkte gab, wurden viele Texte fast nicht mehr lesbar, da wie gesagt nur die Konsonanten geschrieben wurden und einige davon auch nicht mehr zu unterscheiden waren. Die neuentwickelte Schrift mit den Punkten nennt man Nas-ch (نسخ).
Aussprache
In vielen islamischen Ländern gibt es Bestrebungen, sich bei der Aussprache der modernen Hochsprache einem Standard zu nähern, der dem nahe kommen soll, was als Aussprachestandard für das klassische Hocharabisch gilt. Grundlage dabei ist meistens der Aussprachestandard der Rezitation (ar. tilāwa تلاوة) des Korans, der weitgehend kodifiziert ist und in modernen Korandrucken auch durch Diakritika wiedergegeben wird. Diese Ausspracheform genießt ein hohes Prestige, wird allerdings in der Regel nur im religiösen Kontext verwendet.
Die frühere Aussprache des Hocharabischen ist nicht mit Sicherheit in allen Einzelheiten bekannt. Ein typischer Fall, wo bis heute keine völlige Klarheit über die Aussprachenormen des klassischen Hocharabisch besteht, ist die so genannte Nunation, also die Frage, ob die Kasusendungen bei den meisten unbestimmten Nomina auf n auslauten oder nicht (kitābun vs. kitāb). Für beide Varianten lassen sich Argumente finden, und da in alten Handschriften das Vokalzeichen der Endung nicht geschrieben wurde, kann man nicht mit Bestimmtheit sagen, wie diese Formen ausgesprochen wurden.
Grammatik
Das Arabische kennt indeterminierte (unbestimmte) und determinierte (bestimmte) Nomina. Determiniert wird ein Nomen durch den vorangestellten Artikel al, der nach Zahl und Fall unveränderlich ist, der aber sein A verliert, wenn er auf einen anderen Vokal folgt, und sein L an nachfolgende Substantive, die mit Sonnenbuchstaben beginnen, assimiliert.
Durch ein nachfolgendes Wort im Genitiv (s.a. Status constructus) oder durch ein direkt an das Wort angeschlossenes Personalsuffix wird ein Wort ebenfalls determiniert. Eigennamen sind von Haus aus determiniert und tragen keinen Artikel, ausgenommen die meisten Ländernamen.
Indeterminierte und determinierte Nomina unterscheiden sich zusätzlich durch unterschiedliche Endungen. Attribute werden dem zugehörigen Nomen nachgestellt.
Im Arabischen gibt es zwei Geschlechter, männlich und weiblich, die meisten weiblichen Wörter enden auf ah, das bei angehängten Endungen zu at wird. Weibliche Personen (Mutter, Schwester etc.) Eigennamen von Ländern und Städten, und die Namen doppelt vorhandener Körperteile (Fuß, Hand) sind auch ohne weibliche Endung weiblich. Daneben kennt das Arabische noch ein Kollektivum.
Es gibt drei Numeri: Einzahl, Zweizahl (Dual) und Mehrzahl, und drei Fälle: Nominativ, Genitiv und Akkusativ, die fast ausschließlich durch kurze Vokal-Endungen bezeichnet werden. Diptoten sind Eigennamen oder indefinierte Substantive, welche anstatt der üblichen drei Deklinationsendungen nur deren zwei aufweisen, d.h. zwischen Genitiv und Akkusativ nicht formal unterscheiden.
Die wirkliche Komplexität der arabischen Sprache liegt in der Vielfalt ihrer Verbformen und daraus abgeleiteten Verbalsubstantive, Adjektive, Adverbien und Partizipien. Jedes arabische Verb verfügt über zwei Grundformen im Perfekt und Imperfekt, Beispiel: kataba - yaktubu: "er schrieb - er schreibt". Dazu kommt als dritte wichtige Form das Verbalsubstantiv ("das Schreiben"). Da sich die meisten Verbformen schematisch ableiten lassen, sind sie viel leichter zu erlernen, als ein Arabisch-Schüler vermuten mag. Zwar gibt es nur zwei Hauptzeiten, wobei das Perfekt eine vollendete, das Imperfekt eine unvollendete Handlung ausdrückt. Trotzdem hat das Arabische eine Vielzahl von Zeitstufen ausgebildet. Viele Verben existieren in zahlreichen, durch Umbildung der Wurzel abgeleiteten Stämmen, die jeweils bestimmte Bedeutungsaspekte haben, wie zum Beispiel Intensivierung oder reflexive Bedeutung. Jeder Stamm besitzt bestimmte Eigenschaften, z.B. ein Präfix, Verlängerung, Änderung oder Wegfall eines Vokals oder auch Verdopplung des mittleren Radikals (d.h. Wurzelkonsonanten). Die Art und Reihenfolge dieser Konsonanten ändern sich hingegen innerhalb einer Wortfamilie nie.
Eine Eigenheit der arabischen Grammatik erleichtert die mündliche Wiedergabe des Hocharabischen sehr: Am Ende eines Satzes fällt im Hocharabischen die Vokalendung meist weg. Man nennt diese Form traditionell "Pausalform". Nun werden aber die drei Fälle und auch zum Teil die Modi gerade durch diese Endungen ausgedrückt, die bei einer Sprechpause wegfallen. Deshalb benützen viele Sprecher, wenn sie modernes Hocharabisch sprechen, sehr häufig diese "Pausalform" und ersparen sich so einen Teil der manchmal komplizierten Grammatik. Da aber auch gerade diese Vokalendungen in allen Dialekten wegfallen, erleichtert dies das moderne Hocharabisch sehr. Das komplizierte System der Verbformen ist in vielen Dialekten noch weitestgehend erhalten, so dass die Dialektsprecher damit weniger Schwierigkeiten haben. Obwohl wie unten beschrieben die Bedeutung eines Wortes meist an den Konsonanten hängt, sind es gerade die kurzen Vokale, die einen großen Teil der komplizierten Grammatik ausmachen.
Arabische Wörterbücher sind häufig so angelegt, dass die einzelnen Wörter nach ihren Wurzeln, also quasi ihren "Wortfamilien", geordnet sind. Daher ist es beim Erlernen des Arabischen wichtig, die Wurzelkonsonaten eines Wortes identifizieren zu können. Der überwiegende Teil der Wörter hat drei Wurzelkonsonanten, einige auch vier. Durch das Abtrennen bestimmter Vor-, Zwischen- und Endsilben erhält man die Wurzel eines Wortes. Gerade Anfänger sollten solche nach Wurzeln geordnete Wörterbücher benutzen, da der Gebrauch "mechanisch-alphabetisch" geordneter Lexika bei geringen Grammatikkenntnissen oft dazu führt, dass eine Form nicht erkannt und falsch übersetzt wird.
Wortschatz
Die meisten arabischen Wörter bestehen aus drei Wurzelkonsonanten (Radikalen). Daraus werden dann verschiedene Wörter gebildet, beispielsweise kann man unter anderem aus den drei Radikalen K-T-B folgende Wörter und Formen bilden:
- KaTaBa : er schrieb
- yaKTuBu : er schreibt
- KiTaaB : Buch
- KuTuB : Bücher
- KaaTiB : Schreiber (Einzahl)
- KuTTaaB : Schreiber (Mehrzahl)
- KaTaBah : Schreiber (alternative Mehrzahlform)
- maKTaB : "Ort des Schreibens", d.h. Büro
- maKTaBah : Bibliothek, Buchhandlung
Die hier angegebenen Formen sind Pausalformen. Im klassischen Hocharabisch treten noch die meist nicht geschriebene Endungen -a, -i, -u, -an, -in, -un, -ta, -ti, -tu, -tan, -tin, -tun oder auch keine Endung auf. Das T in den Endungen kommt so zustande, dass man das heute stumme End-H zum T uminterpretiert, indem man ihm die Punkte von T beigibt. Das N in diesen Endungen wird auch nicht durch den Konsonanten-Buchstaben N gekennzeichnet, sondern durch die wenig gebräuchlichen Zusatzzeichen.
Der Wortschatz ist zwar extrem reich, aber oft nicht klar normiert und mit Bedeutungen aus der Vergangenheit überfrachtet. So gibt es zum Beispiel kein Wort, das dem europäischen Wort "Nation" relativ genau entspricht. Das dafür gebrauchte Wort (أمة, Umma) bedeutete ursprünglich und im religiösen Kontext bis heute "Gemeinschaft der Gläubigen (Muslime); oder z.B. "Nationalität" (جنسية, dschinsiyya) eigentlich "Geschlechtszugehörigkeit" im Sinne von "Sippenzugehörigkeit", "Geschlechtsleben" z.B. heißt (حياة الجنسية, Hayāt al-dschinsiyya) wobei Hayāt "Leben" heißt. Das Wort für "Nationalismus" (قومية, Qaumiyya) bezieht sich ursprünglich auf die Rivalität vom (Nomaden)-"Stämmen" und kommt von Qaum ursprünglich und bis heute oft noch "Stamm" im Sinne von "Nomandenstamm". So überlagern sich oft in einem Wort sehr alte und sehr moderne Konzepte, ohne dass das eine über das andere obsiegen würde. "Umma" z.B. gewinnt wieder mehr seine alte religiöse Bedeutung zurück. Es gibt zahlreiche alte Lehnwörter aus dem Aramäischen und Griechischen und viele neuere aus dem Englischen und Französischen, die aber oft wie Fremdkörper im Arabischen wirken. Andererseits hat jede Sprache eine Anzahl von Lehnwörtern aus anderen Sprachen. So sind ca. 10% der spanischen Wörter arabischen Ursprungs. Vgl.:Arabischer Einfluss in der spanischen Sprache
Die zehn häufigsten Wörter des Arabischen
Die drei häufigsten Wörter des Arabischen werden im arabischen mit dem nächsten Wort verbunden geschrieben (in der Umschrift mit Bindestrich abgetrennt); es sind "al" der/die/das, "wa" und sowie "bi" in/mittels ال و ب
# في fi (in)
# من min (von, aus)
# على ala (auf, über, an, bei)
# أن anna (dass)
# إن inna (gewiss, wahrlich auch Verstärkungspartikel)
# إلى ila (zu, nach, bis, bis zu)
# كان kana (sein [Verb])
# هذا، هذه hadha, hadhihi (das, diese[r, s])
# أن an (dass)
# الذي der (Relativpronomen)
Sprachprobe
Die erste Zeile zeigt die Originalschreibweise, die zweite ist eine buchstabengetreue Umschrift, die dritte Zeile gibt die Lautgestalt im modernen Hocharabischen an, wobei die eingeklammerten Kurzvokale wegfallen, weil man oft Pausalformen gebraucht, die letzte Zeile ist eine recht wörtliche Übersetzung. Das End-N in ahlan und sahlan ist eine erstarrte klassische Endung, bei der das N nie geschrieben wird. Siehe auch: Salam, Traditionelle afrikanische Begrüßungsformen
Erster Sprecher:
!صباح الخير
S-B-alif-H alif-L-CH-Y-R!
sabaah(u) l-chair(i)!
Morgen der Güte!
Guten Morgen!
Zweiter Sprecher:
?صباح النور, يا أخي! كيف حالك
S-B-alif-H alif-L-N-W-R, Y-alif alif-CH-Y! K-Y-F H-alif-L-K
sabaah(u) n-nuur(i), ya achi! kaif(a) haaluk(a)?
Morgen des Lichts, o mein Bruder! Wie ist dein Zustand?
Guten Morgen, mein Freund, wie geht es dir?
Erster Sprecher:
!بخير, الحمد لله
B-CH-Y-R alif-L-H-M-D L-L-H
bi-chair(in), al-hamdu lillah(i)!
Mit Güte, Lob sei Gott!
Gut, Gott sei Dank!
Zweiter Sprecher:
?الحمد لله! وأنت, كيف حالك
alif-L-H-M-D L-L-H! W-alif-N-T, K-Y-F H-alif-L-K?
al-hamdu lillah(i)! wa anta, kaif(a) haaluk(a)?
Lob sei Gott! Und du, wie ist dein Zustand?
Gott sei's gedankt! Und wie geht's dir?
Erster Sprecher:
!الحمد لله جيد
alif-L-H-M-D L-L-H, DSCH-Y-D!
al-hamdu lillah(i), dschayyid(un)!
Lob sei Gott, gut!
Gott sei Dank, gut!
Zweiter Sprecher:
!أهلا وسهلا بك
alif-H-L-alif W-S-H-L-alif B-K!
ahlan wa-sahlan bik(a)!
etwa: Sei willkommen!
Erster Sprecher:
.أهلا بكم
alif-H-L-alif B-K-M.
ahlan bikum.
etwa: Ich fühle mich (bei dir) willkommen.
Dieses Beispiel zeigt eine typische Begrüßung auf Hocharabisch, wie sie zwischen etwa gleichaltrigen jüngeren, nicht zu sehr vertrauten Männern stattfinden würde.
Der eine grüßt den anderen, dieser grüßt zurück, woraufhin der erste den anderen einlädt, einzutreten und der andere sich dafür bedankt.
Dieses Beispiel müsste jeweils mehr oder minder von der Lautgestalt her in den Dialekt übertragen werden. Was Grammatik und Wortschatz angeht, ist der Unterschied zu den Dialekten hier eher gering, da es sich in diesem Beispiel fast nur um alte feststehende Redewendungen handelt.
Verwandte Artikel
- Arabische Dialekte
- Arabische Schrift
- Arabisches Alphabet
- Arabische Literatur
- Arabischer Name
- Liste deutscher Wörter aus dem Arabischen
Literatur
- Borg, Tawfik: Modernes Hocharabisch. Konversationskurs. 5. Auflage. Hamburg 2004. ISBN 3921598230 - Konversationsbezogenes Lehrwerk, das z. T. jedoch ägyptisches statt hocharabischen Vokabulars verwendet.
- Harder, Ernst; Schimmel, Annemarie: Arabische Sprachlehre. Heidelberg 1997 ISBN 3872760017 - Knappe Einführung in die arabische Sprache und Grammatik.
- Krahl, Günther; Reuschel, Wolfgang; Schulz, Eckehard: Lehrbuch des modernen Arabisch. 5. Auflage. Berlin, München 2002. ISBN 3324006139 - Ein umfangreiches und akademisch geprägtes Standardwerk, Lehrbuch an vielen deutschsprachigen Universitäten.
- Mace, John: Arabic Grammar. A Revision Guide. Edinburgh 1998. ISBN 0748610790 - Übersichtliche, auf das Arabisch der Gegenwart bezogene Grammatik.
- Schregle, Götz: Deutsch-Arabisches Wörterbuch. Wiesbaden 1977. ISBN 344701623X - Gilt als das Standardwörterbuch Deutsch - Arabisch.
- Wehr, Hans: Arabisches Wörterbuch für die Schriftsprache der Gegenwart. Arabisch-Deutsch. 5. Auflage. Wiesbaden 1985. ISBN 3447019980 - Das Standardwörterbuch der arabischen Gegenwartssprache, nach Wurzeln geordnet.
Weblinks
- [http://www.lessan.org/ Deutsch-Arabisches Online-Wörterbuch]
- [http://www.nicoweb.com/sirpus/ Arabische Schrift und Spache auf MP3]. Arabische Schrift und Spache auf MP3. Neu.
- [http://www.arabmed.de/deutsch/magazin/022002/S50-51.pdf So viel Arabisch steckt im Deutsch]
- [http://www.nicole.ksc.ch/kurs/ksc_abschlussarbeit/arabisch_dt.shtml Arabisch in der deutschen Sprache]
- [http://www.ex-oriente-lux.de/arabischeserbe2.htm Deutsche Wörter arabischen Ursprungs]
- [http://www.uni-erfurt.de/sprachwissenschaft/personal/lehmann/CL_Lehr/Spr_Welt/SW_Arab.html Informative Seite über Arabisch der Universität Erfurt]
- [http://www.arabia-institut.de/download/ Nützliche PDF-Dokumente zum Arabischlernen]
- [http://www.schriften-lernen.de/Schrift/Arab/Arab1.htm Einführung in die arabische Schrift]
- [http://lexicons.ajeeb.com/ Arabische Standard-Wörterbücher المعاجم العربية online auf einer Seite]
- [http://www.chj.de/ Arabische Schrift und Sprache]
- [http://www.muftah-alhuruf.com Muftah-Alhuruf.com]: Schreibt und schickt arabische E-Mails ohne eine arabische Tastatur oder Betriebssystem zu haben.
Kategorie:Einzelsprache
Kategorie:arabische Sprache
Kategorie:Orientalistik
Kategorie:Afrikanische Sprache
ja:アラビア語
ko:아랍어
ms:Bahasa Arab
simple:Arabic language
th:ภาษาอาหรับ
Libyen---Sidenote START---
Die Sozialistische Libysch-Arabische Volks-Dschamahirija (Dschamahirija, deutsch Republik), in der amtlichen Kurzform Libysch-Arabische Dschamahirija oder ugs. kurz Libyen [], ist ein Staat im Norden Afrikas. Libyen liegt am Mittelmeer, und grenzt im Westen an die Maghreb-Staaten Tunesien und Algerien, im Osten an Ägypten und den Sudan und im Süden an Niger und den Tschad.
Libyen gliedert sich in die traditionellen Landschaften Tripolitanien im Westen, Fessan im Süden, die Cyrenaika (Kyrene) im Osten und die Libysche Wüste auf. Nur 2,5 % der Fläche sind landwirtschaftlich nutzbar. Es gibt aber bedeutende Erdgas- und Erdölvorkommen.
Libyen ist das einzige Land der Welt, in dem es keinen einzigen ständigen Fluss gibt: es verfügt lediglich über sogenannte Wadis, die aber nur nach starken Regenfällen vorübergehend Wasser führen.
Der Staat teilt sich in 25 Provinzen.
Wadis
Bevölkerung
Die Bevölkerung besteht mehrheitlich aus arabischsprachigen Berbern. Seit 1975 stieg die Bevölkerung von 2,5 Millionen auf sechs Millionen Menschen. Aufgrund der hohen Geburtenrate von 3,6 % sind heute 50 % der Bevölkerung unter 16 Jahre alt. Die Zentren der Besiedlung befinden sich in den Küstengegenden von Tripolitanien und der Kyrenaika. Allein in Tripolis, Banghazi und Misratah sowie den dazugehörigen Vororten leben 80 % der libyschen Bevölkerung.
Hauptsprache ist Arabisch. Daneben werden einige Berbersprachen gesprochen:
- Nafusi (141.000 Sprecher)
- Tamascheq (Tuareg; 17.000)
- Ghadames (2.000)
Siehe auch: Liste der Städte in Libyen
Religion
Etwa 97% ber Bevölkerung sind sunnitische Muslime, vorwiegend malikitischer Richtung. Es gibt wenige Katholiken und einige Ibaditen. Die meisten christlichen Kirchen wurden nach der Revolution von 1969 geschlossen. Das Abfallen vom Islam wird mit dem sofortigen Verlust der Staatsbürgerschaft geahndet. Die Sanussiya-Bruderschaft stellte bis zur Revolution von 1969 den König. In den letzten Jahren ist eine verstärkte Hinwendung zum orthodoxen Islam zu verzeichnen, die Verschleierung der Frau nimmt zu.
Geschichte
Hauptartikel: Geschichte Libyens
Libyen wurde seit Beginn der historischen Überlieferung von Berberstämmen bewohnt. Im 7. Jahrhundert v. Chr. wurde die Küste der Cyrenaika von Griechen und die Küste Tripolitaniens von Phöniziern besiedelt. Im ersten Jahrhundert v. Chr. kamen die Küsten Libyens unter die römische Herrschaft. Nach dem Untergang des Römischen Reiches wurde Libyen schon 647 von den Muslimen erobert. In der Folgezeit gehörte Tripolitanien zu Ifriqiya und wurde von den Aghlabiden, Fatimiden, Ziriden und Hafsiden beherrscht, während die Cyrenaika eher von Ägypten aus kontrolliert wurde.
Im 16. Jahrhundert versuchte Spanien die Küstenstädte Libyens zu erobern, konnte sich aber nicht gegen die mit den Osmanen verbündeten Korsaren behaupten. In der Folgezeit unterstand das Land der osmanischen Oberhoheit, die aber von den Qaramanli im 18. Jahrhundert zeitweise abgeschüttelt werden konnte. Nachdem die Osmanen 1835 das Land wieder unterworfen hatten, wurden sie 1911 von Italien vertrieben, das aber den Widerstand der Sanussiya-Bruderschaft erst 1935 brechen konnte. Nach der Befreiung durch britische Truppen im 2. Weltkrieg, erlangte Libyen unter König Idris 1951 die Unabhängigkeit. Dieser wurde 1969 durch Oberst Muammar al-Ghaddafi gestürzt.
Politik
Am 10. März 2004 hat Libyen in Wien das so genannte Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet. Damit gestattet die Regierung in Tripolis der Internationalen Atomenergie-Organisation umfassende Kontrollmöglichkeiten der nuklearen Anlagen des Landes. In Libyen existiert die Wehrpflicht, da Frauen und Männer zwischen 18 und 35 Jahren eingezogen werden können.
Wirtschaft
Libyen ist seit 1962 Mitglied der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC).
Wegen seiner politischen Sicherheit im Gegensatz zu den Staaten im Nahen Osten ist Libyen in letzter Zeit ein attraktiver Geschäftspartner für westliche Ölkonzerne geworden.
Libyen verfügt über Häfen in Tobruk (Naturhafen), Tripolis, Benghazi, Misurata, Mersa Brega sowie mehrere Erdölverschiffungshäfen.
Weblinks
- http://www.medusatours.de - Studien- und Gruppenreisen
- http://www.libya-travel.info Libyen Reiseinformationen
- http://www.Libyen-News.de - Libyen-News.de - Aktuelle Nachrichten und umfangreiche Chronik
- http://www.landscaper.de/Landerauswahl/Libyen/Fotos-Libyen/fotos_libyen.html - Fotos aus Libyen
- [http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html?land_id=96 Länder- und Reiseinformationen] des Auswärtigen Amtes
- http://libyen-news.blogspot.com Nachrichten
- [http://www.zeit.de/2005/45/Libyen_Head?page=all Die Zeit: "Muammar al-Gadhafi lässt wenden"]
Kategorie:Staat
Kategorie:Libyen
Kategorie:Mittelmeer
ja:リビア
ko:리비아
ms:Libya
th:ประเทศลิเบีย
zh-min-nan:Libya
PhönizierDie Phönizier waren ein semitisches Volk der Antike und lebten hauptsächlich im Bereich des jetzigen Libanon und Syrien an der Mittelmeerküste. Das Reich bestand aus Stadtstaaten, welche politische Selbständigkeit hatten. Die wichtigsten Städte waren: Arados, Byblos, Berytos, Sidon und Tyros, welches in der Zeit zwischen 1000 bis ca. 774 v. Chr. die führende Macht unter den Städten war.
Geschichte
Der Name "Phönizier" ist von der griechischen Bezeichnung "Phoinikes" abgeleitet. Sie selbst haben sich nie "Phönizier" oder ähnlich genannt, sondern nach den Städten, aus denen sie kamen, z.B. Sidonier = Leute aus Sidon. Die Phönizier zählen zu den ersten, bekannten Seefahrern. Phönikische Gewebe, insbesondere Purpurstoffe, waren in Griechenland sehr geschätzt.
Nach Herodot stammten die Phönizier von den Kanaanitern ab und hatten ihren Ursprung im Gebiet des persischen Golfs. Ihre Sprache war nordwestsemitisch. Eine phönizische Kolonie war Karthago (im heutigen Tunesien). Die Karthager wurden von den Römern Poeni (Punier) genannt.
Die Phönizier waren ausgezeichnete Seefahrer. Sie kolonisierten den Mittelmeerraum von Zypern über Sizilien bis Spanien, bereisten Gadir, Cerne und unter Hanno dem Seefahrer durchfuhren sie (von Karthago aus) Gibraltar und reisten bis zum Golf von Guinea. Sie handelten mit Britannien und kauften Zinn von den Gruben der Halbinsel Cornwall.
Es gibt popularwissenschaftliche Theorien, nach denen die phönizischen Seefahrer bereits ca. zwei Jahrtausende vor Christoph Kolumbus den Weg über den Atlantik bis nach Amerika fanden - und regelmässig befuhren.
Im 8. Jahrhundert v. Chr. verloren die Phönizier ihre Unabhängigkeit und standen unter dem Einfluss der Assyrer. Im Jahr 701 v. Chr. eroberte das Neuassyrische Reich unter Sanherib Phönikien (außer Tyros).
Ab dem Jahr 586 v. Chr. Zugehörigkeit zum Neubabylonischen Reich, außer Tyros, welches einer 13jährigen Belagerung (von 585 bis 573 v. Chr.) standhalten konnte.
Um 520 v. Chr. wiederum kam das Land schließlich unter persische Herrschaft, wobei die phönizischen
Städte als persische Vasallenkönigtümer eingegliedert wurden. Unter persischer Herrschaft stellten sie mit ihren Schiffen einen großen Teil der persischen Kriegsflotte.
Im Auftrag des Pharaos Necho II. sollen sie, um 600 v. Chr. eine große Expedition unternommen haben, von der Sinaihalbinsel ausgehend, mit Schiffen von ca. 40 m Länge, ausgestattet mit 40 Riemen (Ruderern) und einem Segel, über Somalia, den Äquator nach Südafrika, und dann entlang der Westküste Afrikas zurück ins Mittelmeer, so dass sie binnen 3 Jahren ganz Afrika umrundeten – eine Strecke von 30.000 km in unbekannten Gewässern. Die Fahrt wurde durch längere Landaufenthalte zum Säen und Ernten von Getreide unterbrochen. Diese Reise wurde von Herodot beschrieben, ist aber sonst nicht verifiziert. Für ihre Plausibilität spricht jedoch, dass nach seinem Bericht die Seefahrer verwundert waren, dass sie, westwärts fahrend, die Mittagssonne auf der rechten Seite (also im Norden) zu sehen bekamen - was Herodot selbst nicht glauben wollte.
Die Zerstörung von Tyros durch Alexander den Großen 332 v. Chr. und Karthagos durch die Römer 146 v. Chr. bedeutete das Ende der Phönizier.
Die heutigen Bewohner des Libanons sind zum großen Teil phönizischer Abstammung mit syro-mesopotamischer Mischung, die sich durch die syrische Christianisierung des Libanons bemerkbar macht.
Die maronitische Kirche (zur der die meisten Christen im Libanon gehören) festigte die Verbindung des syrischen Ost-Christentums mit den historischen phönizischen Ursprüngen des Landes.
Wirtschaft (Holz)
Die Phönizier waren kulturbildend. Sie schufen die Urform des europäischen Alphabets und waren die ersten bekannten Benutzer der Farbe Purpur (ein Farbton zwischen Rot und Violett). Quelle dieser königlichen Farbe war die Purpurschnecke (Murex trunculus). Purpur und die hervorragend für den Schiffbau geeignete Libanonzeder waren als natürliche Ressourcen maßgeblich am Aufstieg des Reiches beteiligt. Nach Vernichtung der Zedernbestände ging das ehemals mächtige Reich unter - ein eindrucksvolles Beispiel für die Folgen nicht nachhaltiger Nutzung. Das ursprünglich im Libanon mit 500.000 Hektar anzusetzende natürliche Areal ist heute auf 2.000 Hektar zusammengeschrumpft, davon gerade 342 Hektar Reinbestände, davon 85 Hektar nahe Tanourinne und Hadem und jeweils 40 Hektar bei Ain Zahalsa und Jebel Baroun. Es gibt nur noch einen einzigen Altbestand von 16 Hektar bei Besharri.
Die Zedern lieferten große dicke Stämme von sehr schönem, dauerhaftem und leicht zu bearbeitendem Holz. Dieses verwindet sich beim Trocknen nicht. Nicht nur der Holzhunger der Flotten von 2.700 vor Christus bis in das erste Jahrtausend nach Christus verschlang Hektar um Hektar. Begehrt war das Zedernholz auch für Paläste und Tempel im weiten Umfeld. Der erste Bericht stammt aus der Zeit des Pharao Senefru um 2750 vor Christus und erwähnt dessen Belieferung mit Zedernholz aus Byblos. Aber auch nach Mesepotamien wurde das Zedernholz geliefert, z.B. um 2.400 v. Chr. Lieferung für den Fürst Gudea in Lagasch viele 20-30 Meter lange Stämme. Als Phönizien zum Ägyptischen Reich gehörte, führten Zwangsarbeiter große Kahlschläge für die riesigen Tempelanlagen von Theben, Karnak und Memphis durch. Aber auch Gebrauchsgüter wie die Särge (auch die der Pharaonen) wurden aus dem aromatischen Holz hergestellt, das sogar als Räucherwerk verbrannt wurde. Auch Griechenland importierte z.B. für den Tempel der Diana in Ephesos Zedernholz aus Phönizien ebenso wie die Könige Israels, David und Salomon für den Tempelbau und ihre Palastbauten. Allein in der Bibel findet die Libanonzeder in 40 Kapiteln in 18 Büchern über hundertmal Erwähnung. Sie galt im Altertum als schönster Baum der Erde. Im salomonischen Tempel waren Säulen, Wände, Chor, Dachkonstruktion, das Allerheiligste und die Täfelung der Altäre aus Zedernholz. Zedernholzschindeln wurden als Dachabdeckung verwendet. Kein Wunder dass 333. v.Chr. Alexander der Große im Südlibanon bereits kein Zedernholz mehr für seinen Bedarf für Schiffbau fand und diesen nur noch in entlegenen Gebieten des Anti-Libanon decken konnte. In Phönizien diente das Holz auch zur Herstellung hochwertiger Möbel und für Gebrauchsgegenstände. Auch das Harz wurde geschätzt und vielfach bis zum Einbalsamieren der ägyptischen Mumien verwendet.
Reich wurden die Phönizier aber letztlich durch ihren Handel basierend auf ihren Kolonien und Stützpunkten und ihrer mächtigen Handelsflotte aus Libanonzedern andererseits.
Phönizische Religion
In der griechischen Mythologie gilt der Phönix als Stammvater der Phönizier und ist Vater von Kadmos und Europa. Die Phönizier hatten einen höchsten Gott El sowie mehrere Stadtgötter, als bevorzugte weibliche Gottheit Astarte, und den Vegetationsgott Adonis.
Literatur
- Sommer, Michael: Die Phönizier - Handelsherren zwischen Orient und Okzident, Kröner: Stuttgart, 2005, ISBN 3520454017
- Markoe, Glenn E.: Die Phönizier, Theis: Darmstadt, 2003, ISBN 3806218161
- Sudhoff, Heinke: Sorry Kolumbus - Seefahrer der Antike entdecken Amerika, Gustav Lübbe Verlag: Bergisch Gladbach, ISBN 3404641167
- Herm, Gerhard: Die Phönizier - Das Purpurreich der Antike, Econ: Düsseldorf, 1980, ISBN 3-430-14452-3
- Müller, H.-P.: Religionen am Rande der griechisch-römischen Welt: Phönizier und Punier, in: H.-P. Müller - F. Siegert: Antike Randgesellschaften und Randgruppen im östlichen Mittelmeerraum (Münsteraner Judaistische Studien 5), Münster, 2000, S. 9-28
- Moscati, Sabatino: Die Phöniker. Von 1200 v.Chr. bis zum Untergang Karthagos, Zürich, 1966
Siehe auch
- Phönizisches Alphabet
Weblinks
- http://phoenicia.org - Exzellente umfangreiche Site in englischer Sprache
- [http://www.br-online.de/wissen-bildung/collegeradio/medien/geschichte/alphabet/ Bei den Erfindern des Alphabets: Alltag im alten Phönizien] (Materialien des CollegeRadio)
Kategorie:Phönizier
Kategorie:Ethnie
Kategorie:Karthago
ja:フェニキア
Kolonie
Die Kolonie ist ein auswärtiges abhängiges Gebiet eines Staates ohne eigene politische und wirtschaftliche Macht. Die Bildung von Kolonien ist ein wesentliches Instrument der Machtausdehnung imperialistischer Staaten.
Kolonien im ursprünglichen Sinn gab es schon in der Antike. So wurden besonders von den Griechen etliche Kolonien im Mittelmeerraum und im Gebiet des Schwarzen Meeres gegründet, die über Handelsbeziehungen eng mit den Mutterstädten in Griechenland verbunden blieben. Auch die Römer kannten dieses Prinzip - bei ihnen waren es die aus dem Militärdienst ausgeschiedenen Soldaten, die in den eroberten Gebieten Land zur Bewirtschaftung erhielten und Kolonien gründeten. So leitet sich etwa der Name der Stadt Köln direkt vom lateinischen colonia ab.
Kolonien wurden und werden traditionell wegen ihres natürlichen Reichtums an Bodenschätzen, fruchtbarem Boden (Ackerbau) und Menschen (Sklaverei) oder ihrer geostrategisch günstigen Lage (Gibraltar) etabliert.
Der Reichtum und die Position von Kolonien soll vor allem den Bewohnern oder der Elite des Mutterlandes nutzen, daher haben die Bewohner von Kolonien oft gar keine oder nur verminderte Bürgerrechte. Die Kolonie wird administrativ von einer dünnen Elite aus Bewohnern der Kolonialmacht beherrscht; oft ist statt der einheimischen Sprache eine Kolonialsprache Amtssprache. Die Kolonialmächte setzten so genannte Kolonialregierungen ein, die mit der Verwaltung einer Kolonie bedacht wurden.
Diese systematische Unterdrückung einheimischer Völker und die Ausbeutung natürlicher Reichtümer hat vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg wachsende Unzufriedenheit geschürt und schließlich zur Unabhängigkeit der meisten Kolonien auf der Welt geführt.
Kolonien heißen heute nicht mehr Kolonien
Ob ein Gebiet eine Kolonie oder nur eine „beliebige“ Provinz des Mutterlandes ist, hängt stark vom Standpunkt ab. Tendenziell werden abhängige Gebiete demokratischer Staaten nicht so deutlich als Kolonien wahrgenommen wie abhängige Gebiete nicht-westlicher Staaten.
Da der Begriff Kolonie eine negative Konnotation bekam, haben vor allem seit den 1970er Jahren praktisch alle noch bestehenden Kolonialmächte ihren Kolonien andere Namen gegeben, z. B. die DOMs und TOMs von Frankreich, die „inkorporierten Territorien“ der USA oder die Sonderverwaltungszonen und Autonomen Gebiete Chinas. Auch bekamen die Einheimischen in der Regel heute die vollen Bürgerrechte des Mutterlandes.
Die Umbenennung einer Kolonie und das Verleihen von Bürgerrechten macht aber aus ihr noch keinen Teil des Mutterlandes. Inhaltlich bleiben die meisten Kolonien weiterhin Kolonien: Der natürliche Reichtum wird abgeschöpft, so dass das Durchschnittseinkommen in den Kolonien viel geringer als im Mutterland ist, die Elite vor Ort sind oft direkt aus dem Mutterland versetzte Bürokraten und Amtssprache ist die Kolonialsprache.
Andererseits geht es vielen heutigen Kolonien wirtschaftlich oft viel besser als Nachbargebieten, die schon lange unabhängige Staaten sind, so Französisch-Guayana in Südamerika oder Puerto Rico (USA) in der Karibik.
In der radikalsten Sichtweise sind alle Gebiete Kolonien, deren Bewohner sich aufgrund oft kultureller Unterschiede vom Mutterland lösen wollen. So ist Schottland für nationalistische Schotten eine englische Kolonie genauso wie nationalistische Bretonen die Loslösung der Bretagne von der Kolonialmacht Frankreich fordern.
Siehe auch
- Kolonialismus – Das Herrschaftsprinzip
- Kolonisation – Gründung und Entwicklung von Kolonien.
- Kolonialzeit – Die Blütezeit, von der Entdeckung Amerikas bis zum Ende des 2. Weltkriegs
- Amerikanischer Unabhängigkeitskrieg – Krieg der amerikanischen Kolonien gegen die Kolonialmacht England
- Dekolonisation – Auflösung der Kolonien, vorwiegend nach dem 2. Weltkrieg
- Entwicklungspolitik – Umgang mit Entwicklungsländern, häufig früheren Kolonien
- Neokolonialismus – Abwertende Bezeichnung für den heutigen Umgang mancher Industrieländer mit Entwicklungsländern
Kategorie:Abhängiges Gebiet
ja:植民地
zh-min-nan:Si̍t-bîn-tē
Tripolis (Libyen)
Tripolis (arab. طرابلس Tarābulus oder طرابلس الغربية Tarābulus al-gharbiyya, früher Oea) ist die Hauptstadt Libyens und hat 1.150.990 Einwohner (Stand 1. Januar 2005). Sie ist der politische, wirtschaftliche und kulturelle Mittelpunkt sowie Verkehrsknotenpunkt des Landes.
Geografie
Libyen
Geografische Lage
Die Stadt liegt im Nordwesten des Landes am Mittelmeer, durchschnittlich 84 Meter über dem Meeresspiegel.
Klima
Tripolis befindet sich in der subtropischen Klimazone. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 20,2 Grad Celsius, die jährliche Niederschlagsmenge 301 Millimeter im Mittel.
Der wärmste Monat ist der August mit durchschnittlich 28,1 Grad Celsius, der kälteste der Januar mit 12,1 Grad Celsius.
Der meiste Niederschlag fällt im Monat Januar mit 60 Millimeter im Mittel. Zwischen Juni und August fällt kein Niederschlag.
Geschichte
Die Stadt wurde im 7. Jahrhundert v. Chr. von den Phöniziern unter dem Namen Oea gegründet. Unter den sizilischen Griechen wurde sie gemeinsam mit den benachbarten Städten Sabratha und Leptis Magna unter dem Namen Tripolis zusammengefasst. Tripolis bildete im Altertum ein mittelbares Gebiet Karthagos, die so genannte Regio Syrtica.
Nach dem zweiten Punischen Krieg wurde es von den Römern Numidien überlassen, nach deren Unterwerfung zu der römischen Provinz Africa geschlagen. Unter Septimius Severus wurde im 3. Jahrhundert n. Chr. die Provincia Tripolitana gebildet mit Oea als Hauptstadt, auf welche sodann der Name Tripolis überging. Die wirtschaftliche Blütezeit endete mit dem Niedergang des Römischen Reichs.
Durch die Einfälle der Nomaden und der Vandalen sank die Bevölkerung von 30.000 auf 7.000 Menschen. Nach der Invasion der Araber im 7. Jahrhundert teilte Tripolis die Geschicke der Berberei. Nachdem es längere Zeit zu Tunis gehört hatte, erlangte es zu Ende des 15. Jahrhundert seine Unabhängigkeit. 1509 wurde die Stadt Tripolis von den Spaniern unter Graf Pietro von Navarra erobert und ein spanischer Statthalter eingesetzt. Kaiser Karl V. überließ sie 1530 den Johannitern als Lehen, aber schon 1551 wurde sie von den Türken unter Dragut Pascha wiedererobert.
1711 machte sich der türkische Pascha Ahmad Qaramanli (der Große) fast unabhängig von der Pforte, indem er nur noch Tribut zahlte, und begründete die Dynastie der Qaramanli (1711-1835). Der 1728 unternommene Kriegszug der Franzosen gegen Tripolis endigte mit der fast gänzlichen Zerstörung der Stadt. Dessen ungeachtet machte erst die französische Eroberung Algiers (1830) der Seeräuberei auch in Tripolis ein Ende.
1835 fand sich die Pforte durch die in Tripolis herrschende innere Zerrüttung zum Einschreiten veranlasst und machte der Herrschaft der Familie Karamanli ein Ende, worauf Tripolis als Vilayet dem türkischen Reich einverleibt würde. Nach der Unabhängigkeit Libyens (1951) unter König Idris I. und der Bildung eines Einheitsstaates wurde Tripolis 1963 Hauptstadt des Landes.
Bevölkerungsentwicklung
Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Museen
Zu den zahlreichen Museen der Stadt gehören das Naturhistorische Museum, das Archäologische Museum, das Ethnographische Museum, das Epigraphische Museum mit seinen Schriften aus der phönizischen, römischen und byzantinischen Periode und das Islamische Museum.
Bauwerke
Die wichtigsten Bauwerke in Tripolis sind ein römischer Triumphbogen, der zu Ehren des Kaisers Mark Aurel im 2. Jahrhundert errichtet wurde, die Moscheen Karamanli und Gurgi sowie eine spanische Festung aus dem 16. Jahrhundert.
Wirtschaft und Infrastruktur
Die größte Stadt in Libyen verfügt gleichzeitig über dessen wichtigsten Hafen und ist Zentrum des Handels und der Produktion des Landes. Baumaterial, Nahrungsmittel, Textilien, Kleidung und Tabakprodukte werden in der Stadt hergestellt. Der internationale Flughafen liegt in der Nähe.
Bildung
In Tripolis befinden sich die Alfatah-Universität, Hochschulen für Kunst und Kunsthandwerk, Elektronik, Technologie und Telekommunikation.
In der Stadt sind auch die Nationalarchive mit einer großen Sammlung von Dokumenten zur Geschichte von Tripolitanien und die Regierungsbibliothek untergebracht.
Weblinks
- http://www.libyen-news.de/tripolis.htm
Kategorie:Hauptstadt in Afrika
Kategorie:Ort in Libyen
Kategorie:Ort mit Seehafen
ja:トリポリ (リビア)
Leptis Magna]
Leptis Magna (in Inschriften auch Lepcis Magna) - heute: Lebda - war eine antike Stadt in Libyen, eine der drei Städte der Landschaft Tripolitanien in der Provinz Africa.
Allgemeines
Leptis Magna befindet sich etwa 100 km östlich von Tripolis. Innerhalb der großen Ruinenstätte sind der Severische Triumphbogen, die Thermen, das Forum und das Theater aus römischer Zeit sehenswert. Es handelt sich um die größte erhaltene antike Stadt der Welt. 1982 wurde Leptis Magna von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt.
Geschichte
Die Stadt war die erste Handelskolonie der Phönizier in Tripolitanien (8. Jahrhundert v. Chr.). Sie geriet unter die Oberhoheit Karthagos und nach der Eroberung durch Numidien unter die römische Herrschaft (46 v. Chr.). Im Römischen Reich gewann Leptis Magna große Bedeutung und Wohlstand als Handelszentrum für exotische Tiere aus Afrika. Vor allem Löwen und Elefanten wurden für die Zirkusspiele im ganzen Reich benötigt. In Leptis Magna sollen in dieser Zeit bis 100.000 Menschen gelebt haben. Nachdem die Stadt schon unter Trajan zur Kolonie erklärt wurde, verlieh Kaiser Septimius Severus, der aus Leptis Magna stammte, das ius italicum, welches eine weitgehende Befreiung von Abgaben bedeutete.
Im 3. Jahrhundert begann durch zunehmende Nomadeneinfälle der Niedergang der Stadt. Zwar wurde sie unter Diokletian erneut zur Provinzhauptstadt ernannt, doch verlor die Stadt nach der Eroberung durch die Vandalen (455) und durch die Muslime (647) an Bedeutung. Nachdem unter letzteren Oea/ Tripolis neues Zentrum von Tripolitanien wurde, wurde die Stadt von der Bevölkerung aufgegeben.
Titularbistum
Leptis Magna (lat. Leptimagnensis) ist ein Titularbistum der römisch-katholischen Kirche.
Liste der Titularbischöfe
- Ludovico Antomelli O.F.M. 23.02.1913 - 10.03.1919 (Ernennung zum Bischof von Bagnoregio)
- Monalduzio Leopardi (26.05.1922 - 20.12.1926 (Ernennung zum Bischof von Osimo e Cingoli)
- Jean Delay (10.08.1928 - 14.08.1937 (Ernennung zum Bischof von Marseille)
- Alfonso Ferrandina (13.04.1938 - †1952, Weihbischof von Neapel)
- Hermann Josef Schäufele (11.04.1955 - 14.06.1958 Ernennung zum Erzbischof von Freiburg im Breisgau)
- Wilhelm Pluta (04.07.1958 - 28.06.1972 (Ernennung zum Bischof von Gorzów)
- John Buckley (16.03.1984 - 19.12.1997 (Ernennung zum Bischof von Cork and Ross)
- Thomas Yeh Sheng-nan (10.11.1998 - ), pro hac vice Titular-Erzbischof von Leptis Magna, Apostolischer Nuntius in Tunesien.
Siehe auch: Liste der katholischen Bistümer, Liste der Titularbistümer
Literatur
- J. Willeitner: Libyen, Dumont Kunst Reiseführer, 2001
Weblinks
Kategorie:Geschichte Libyens
Kategorie:Phönizier
Kategorie:Antike Stadt
Kategorie:Römische Stadt
Kategorie:Weltkulturerbe (Afrika)
Leptis Magna
Libyen---Sidenote START---
Die Sozialistische Libysch-Arabische Volks-Dschamahirija (Dschamahirija, deutsch Republik), in der amtlichen Kurzform Libysch-Arabische Dschamahirija oder ugs. kurz Libyen [], ist ein Staat im Norden Afrikas. Libyen liegt am Mittelmeer, und grenzt im Westen an die Maghreb-Staaten Tunesien und Algerien, im Osten an Ägypten und den Sudan und im Süden an Niger und den Tschad.
Libyen gliedert sich in die traditionellen Landschaften Tripolitanien im Westen, Fessan im Süden, die Cyrenaika (Kyrene) im Osten und die Libysche Wüste auf. Nur 2,5 % der Fläche sind landwirtschaftlich nutzbar. Es gibt aber bedeutende Erdgas- und Erdölvorkommen.
Libyen ist das einzige Land der Welt, in dem es keinen einzigen ständigen Fluss gibt: es verfügt lediglich über sogenannte Wadis, die aber nur nach starken Regenfällen vorübergehend Wasser führen.
Der Staat teilt sich in 25 Provinzen.
Wadis
Bevölkerung
Die Bevölkerung besteht mehrheitlich aus arabischsprachigen Berbern. Seit 1975 stieg die Bevölkerung von 2,5 Millionen auf sechs Millionen Menschen. Aufgrund der hohen Geburtenrate von 3,6 % sind heute 50 % der Bevölkerung unter 16 Jahre alt. Die Zentren der Besiedlung befinden sich in den Küstengegenden von Tripolitanien und der Kyrenaika. Allein in Tripolis, Banghazi und Misratah sowie den dazugehörigen Vororten leben 80 % der libyschen Bevölkerung.
Hauptsprache ist Arabisch. Daneben werden einige Berbersprachen gesprochen:
- Nafusi (141.000 Sprecher)
- Tamascheq (Tuareg; 17.000)
- Ghadames (2.000)
Siehe auch: Liste der Städte in Libyen
Religion
Etwa 97% ber Bevölkerung sind sunnitische Muslime, vorwiegend malikitischer Richtung. Es gibt wenige Katholiken und einige Ibaditen. Die meisten christlichen Kirchen wurden nach der Revolution von 1969 geschlossen. Das Abfallen vom Islam wird mit dem sofortigen Verlust der Staatsbürgerschaft geahndet. Die Sanussiya-Bruderschaft stellte bis zur Revolution von 1969 den König. In den letzten Jahren ist eine verstärkte Hinwendung zum orthodoxen Islam zu verzeichnen, die Verschleierung der Frau nimmt zu.
Geschichte
Hauptartikel: Geschichte Libyens
Libyen wurde seit Beginn der historischen Überlieferung von Berberstämmen bewohnt. Im 7. Jahrhundert v. Chr. wurde die Küste der Cyrenaika von Griechen und die Küste Tripolitaniens von Phöniziern besiedelt. Im ersten Jahrhundert v. Chr. kamen die Küsten Libyens unter die römische Herrschaft. Nach dem Untergang des Römischen Reiches wurde Libyen schon 647 von den Muslimen erobert. In der Folgezeit gehörte Tripolitanien zu Ifriqiya und wurde von den Aghlabiden, Fatimiden, Ziriden und Hafsiden beherrscht, während die Cyrenaika eher von Ägypten aus kontrolliert wurde.
Im 16. Jahrhundert versuchte Spanien die Küstenstädte Libyens zu erobern, konnte sich aber nicht gegen die mit den Osmanen verbündeten Korsaren behaupten. In der Folgezeit unterstand das Land der osmanischen Oberhoheit, die aber von den Qaramanli im 18. Jahrhundert zeitweise abgeschüttelt werden konnte. Nachdem die Osmanen 1835 das Land wieder unterworfen hatten, wurden sie 1911 von Italien vertrieben, das aber den Widerstand der Sanussiya-Bruderschaft erst 1935 brechen konnte. Nach der Befreiung durch britische Truppen im 2. Weltkrieg, erlangte Libyen unter König Idris 1951 die Unabhängigkeit. Dieser wurde 1969 durch Oberst Muammar al-Ghaddafi gestürzt.
Politik
Am 10. März 2004 hat Libyen in Wien das so genannte Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet. Damit gestattet die Regierung in Tripolis der Internationalen Atomenergie-Organisation umfassende Kontrollmöglichkeiten der nuklearen Anlagen des Landes. In Libyen existiert die Wehrpflicht, da Frauen und Männer zwischen 18 und 35 Jahren eingezogen werden können.
Wirtschaft
Libyen ist seit 1962 Mitglied der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC).
Wegen seiner politischen Sicherheit im Gegensatz zu den Staaten im Nahen Osten ist Libyen in letzter Zeit ein attraktiver Geschäftspartner für westliche Ölkonzerne geworden.
Libyen verfügt über Häfen in Tobruk (Naturhafen), Tripolis, Benghazi, Misurata, Mersa Brega sowie mehrere Erdölverschiffungshäfen.
Weblinks
- http://www.medusatours.de - Studien- und Gruppenreisen
- http://www.libya-travel.info Libyen Reiseinformationen
- http://www.Libyen-News.de - Libyen-News.de - Aktuelle Nachrichten und umfangreiche Chronik
- http://www.landscaper.de/Landerauswahl/Libyen/Fotos-Libyen/fotos_libyen.html - Fotos aus Libyen
- [http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html?land_id=96 Länder- und Reiseinformationen] des Auswärtigen Amtes
- http://libyen-news.blogspot.com Nachrichten
- [http://www.zeit.de/2005/45/Libyen_Head?page=all Die Zeit: "Muammar al-Gadhafi lässt wenden"]
Kategorie:Staat
Kategorie:Libyen
Kategorie:Mittelmeer
ja:リビア
ko:리비아
ms:Libya
th:ประเทศลิเบีย
zh-min-nan:Libya
Tunesien
Tunesien ist ein Staat in Nordafrika, der an das Mittelmeer, Algerien und Libyen grenzt.
Geographie
Libyen
Hauptartikel: Geographie Tunesiens
Tunesien ist das nördlichste Land | | |