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Uthman Ibn Affan

Uthman ibn Affan

Uthman ibn Affan (
- 574 in Mekka; † 656 in Medina) war nach Abu Bakr und Umar ibn al-Chattab der dritte "rechtgeleitete" Kalif der Sunniten (644-656). Uthman wurde 574 geboren und war ein Neffe Abu Sufiyans, einem Onkel Mohammeds und einer seiner größten Kritiker. Er gehörte der Familie der Umayyaden an und war später ein Schwiegersohn Mohammeds. Nach dem Tod von Umar ibn al-Chattab (634-644) wurde er in Medina von einer kleinen Gruppe auserwählter Männer zum neuen Kalifen gewählt. Seine Regierung wurde von Konflikten mit den mächtigen Provinzstatthaltern geprägt. Die Absetzung der Heerführer als Statthalter und die Einsetzung von Angehörigen seiner eigenen Sippe, der Umayyaden, in den Provinzen, führte bald zu Spannungen. In dieser Zeit stieg sein Cousin Muawiya als Statthalter von Syrien zu einem der bedeutendsten Machtfaktoren im Kalifat auf. Wegen dieser Bevorzugung der eigenen Sippe bildete sich bald eine Opposition gegen Uthman, die ihre Zentren in Ägypten und dem Irak hatte, wo die Verteilung der Steuern zwischen dem Heer und dem Staat umstritten war. Neben der Prophetenwitwe Aischa bestritt auch Ali Ibn Abi Talib die Herrschaft Uthmans, da seine Ansprüche auf das Kalifat, als Schwiegersohn des Propheten Muhammad, bei der Wahl Uthmans erneut übergangen worden waren. Wegen dieser inneren Spannungen flaute der Expansion der Muslime etwas ab, auch wenn Tripolitanien (647), Armenien (652) und der Ostiran unterworfen wurden. Unter Uthman begann auch der Aufbau diplomatischer Beziehungen. So wurde 652, nach erfolglosen Angriffen, die Unabhängigkeit Nubiens anerkannt und Kontakte zum chinesischen Kaiserhof in Chang'an aufgenommen (651). Bedeutung erlangte Uthman aber vor allem dadurch, dass er den Koran in einer standardisierten Version aufzeichnen ließ. Andere Versionen des Koran, das heißt solche in anderen Dialekten des Arabischen, wurden vernichtet. Dadurch machte er sich Feinde vor allem bei denen, die den Koran auswendig konnten (siehe: Hafiz). Die von ihm redigierte Fassung verdrängte in der Folge alle anderen Varianten des Korans, sodass heute nur noch seine Version übrig geblieben ist. Als die Spannungen zwischen der Opposition in den Provinzen und Uthman eskalierten, drangen 500 Ägypter nach Medina vor und töten Uthman am 17. Juni 656. Dieser Mord stellt einen Präzedenzfall in der islamischen Geschichte dar, da die Führungsfrage innerhalb des Kalifats erstmals mit Gewalt gelöst wurde. Nach seinem Tod wurde Ali ibn Abi Talib (Ali) zum Kalifen gewählt (656-661). Diese Wahl wurde aber von dem Umayyaden Muawiya nicht anerkannt. Dies führte letztlich in die Spaltung des Islams in:
- die Sunniten
- die Schia ("Partei Alis")
- die Charidschiten. Siehe auch: Geschichte des Islams -- Kalifat, Islamische Expansion

Literatur


- Ulrich Haarmann: Geschichte der Arabischen Welt. 4. Auflage. C.H. Beck, München 2001, ISBN 3-406-47486-1
- Gernot Rotter: Die Umayyaden und der zweite Bürgerkrieg. Steiner, Wiesbaden 1982, ISBN 3-515-02913-3
- Claude Cahen: Vom Ursprung bis zu den Anfängen des Osmanenreiches. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt 1991 (Fischer Weltgeschichte, Band 14), ISBN 3-596-60014-6 Kategorie:Mann Kategorie:Kalif Kategorie:Geboren 574 Kategorie:Gestorben 656 ja:ウスマーン・イブン=アッファーン ms:Uthman bin Afan

574

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- 13. Juli - Nach dem Tod von Papst Johannes III. kommt es, nicht zuletzt wegen des Vordringens der Langobarden, zu einer fast einjährigen Sedisvakanz (bis Juni 575).
- 7. Dezember - Der byzantinische Kaiser Justin II. erhebt seinen Feldherrn Tiberios zum Mitkaiser.
- Feldzug des neustrischen Königs Chilperich I. gegen seinen Bruder, König Sigibert I. von Austrasien.
- Nach dem Tod des Langobardenkönigs Cleph verzichten die auf Unabhängigkeit bestrebten langobardischen Herzöge bis 584 auf die Wahl eines Königs.
- Jemen löst sich endgültig von der Oberhoheit des äthiopischen Reiches von Aksum.
- um 574 - Verlegung des Bischofssitzes von Augsburg nach Säben bei Klausen durch Bischof Materninus.

Geboren


- Uthman ibn Affan, dritter Kalif der Muslime von 644 bis 656
- Shōtoku Taishi, japanischer Kaisersohn und Kulturheld († 622)

Gestorben


- 13. Juli - Johannes III., Papst seit 561
- 12. November - Aemillianus von Cogolla, spanischer Einsiedler (
- um 474)
- Narses - Oströmischer Feldherr unter Justinian I. (
- um 490)
- Cleph - König der Langobarden ko:574년

656

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- 17. Juni - Ali ibn Abi Talib wird nach der Ermordung von Uthman ibn Affan zum vierten Kalifen der Muslime gewählt. Er wird aber nicht allgemein anerkannt u.a. von Aischa und Muawiya, die ihn des Mordes an seinem Vorgänger bezichtigen.
- 9. Dezember - Kamelschlacht von Basra: Kalif Ali besiegt die Opposition gegen seine Herrschaft im Kampf, ohne sie zerschlagen zu können. In der Folge scharen sich Alis Gegner um Muawiya, dem Statthalter von Syrien.
- Der Hausmeier des fränkischen Reichsteils Austrasien, Grimoald, ein Sohn Pippins des Älteren, nutzt den Tod des austrasischen Königs Sigibert III. zum Staatsstreich: Er erhebt seinen eigenen Sohn als Childebertus adoptivus zu Sigiberts Nachfolger, während er Sigiberts Sohn Dagobert II., der zu diesem Zeitpunkt noch ein Kleinkind ist, nach Irland in ein Kloster bringen lässt. Gegen die Aktion Grimoalds regt sich in Neustrien Widerspruch. Der dortige König Chlodwig II. und sein Hausmeier Ebroin sorgen dafür, dass Grimoals entmachtet wird; er stirbt 656 oder 657 im Kerker. Das austrasische Königtum des Childebertus adoptivus wird aber offenbar nicht angetastet.
- Alchfrith wird Nachfolger von Aethelwald als König von Deira.
- Oswiu von Northumbria annektiert Mercia.

Geboren


-

Gestorben


- 1. Februar - Sigibert III., merowingischer Frankenkönig
- 17. Juni; Kalif Uthman ibn Affan wird von aufständischen Muslimen in Mekka ermordet.
- 656/657 - Grimoald der Ältere, Hausmeier im fränkischen Reichsteil Austrasien (
- um 615) ko:656년

Medina

Hier wird die saudische Stadt abgehandelt; für andere Begriffsbedeutungen siehe Medina (Begriffsklärung).
---- Medina (Begriffsklärung) Medina (von arabisch al-Madīna al-munawwara, die erleuchtete Stadt المدينة المنورة; ursprünglicher Name Yathrib, dann Madīnat an-Nabī = Stadt des Propheten) ist eine Stadt mit 918.889 Einwohnern (2004) im westlichen Saudi-Arabien. Nach Mekka ist Medina die zweitwichtigste heilige Stadt des Islam. Ebenso ist „Madīna“ das allgemeine arabische Wort für Stadt. Heutzutage wird der Begriff auch als besondere Bezeichnung für die Altstadt nordafrikanischer Städte verwendet (z.B. die "Medina von Marrakesch").

Geschichte

Nach der Hidschra, dem Auszug aus Mekka im Jahre 622, wurde Medina der Sitz von Mohammeds anwachsender Bewegung. Seine damalige Moschee und sein Wohnhaus stellen heute einen Teil der "Moschee des Gesandten" dar. 622 wurde Mohammed von Abgesandten der Aus und Chasradsch nach Yathrib (früherer Name Medinas) eingeladen, um als eine Art Gouverneur zu wirken. Medina war damals eine geteilte Stadt: Unterschiedliche Clans und Religionen lagen in Zank und Streit. Mohammed bewirkte eine Einigung in der Stadt. Alle Beteiligten stimmten einem Pakt zu, der von Mohammed und von seinen Schülern aufgestellt wurde. Er lud die gesamte Stadt ein, der neuen Religion, dem Islam, zu folgen, jedoch konnte er die meisten Juden nicht überzeugen. Unter den arabischen Neumuslimen opponierten die nur scheinbar konvertierten "Heuchler" und Ibn Ubayy und paktierten mit den Juden Medinas. Diese wurden daraufhin entweder vertrieben oder wie die Banu Quraiza ausgerottet. Nach Änderung der Qibla von Jerusalem gen Mekka hielt eine kleine Gruppe konvertierter Juden an der ursprünglichen Qibla fest. Sie wurde die Sekte der Qibla al-Qudsiyya genannt. Während der zehn Jahre nach der Hidschra bildete Medina das Zentrum des islamischen Lebens, bis Mohammed Mekka eroberte. Noch als die islamische Führung dort etablierte wurde, blieb Medina für einige Jahre die wichtigste Stadt des Islam und de facto die Hauptstadt des Kalifats. Unter den ersten vier Kalifen, den Rechtgeleiteten Kalifen, erweiterte sich das islamische Reich schnell und umfasste bald Jerusalem, Ktesiphon und Damaskus. Nach dem Tod von Ali ibn Abi Talib verlegte der erste Umayyaden-Kalif Mu'awiya die Hauptstadt nach Damaskus. Medina hat heute noch große religiöse Bedeutung als zweitwichtigster islamischer Wallfahrtsort. 1924 wurde Medina, das Jahrhunderte nominell zum osmanischen Reich gehörte, von Ibn Saud erobert, dessen Reich später zu Saudi Arabien wurde. kategorie:islam ja:マディーナ ms:Madinah al-Munawwarah

Umar ibn al-Chattab

Umar ibn al-Chattab bzw. Omar ibn al-Khattab (
- 592; † 3. November 644) war der zweite "rechtgeleitete" Kalif der Sunniten (634-644). Umar wurde 592 in Mekka geboren. Am Anfang war er ein erbitterter Feind der Muslime und Muhammads. Jedoch wurde er später von seiner Schwester zum Islam bekehrt und schloss sich von nun an dem Propheten Muhammad an. Nach dem Tod von Abu Bakr (634) und seiner Ernennung zum Kalifen stieg das Kalifat in wenigen Jahren zur Großmacht im Nahen Osten auf. So wurden Palästina (634) und Ägypten (639-642) unter Amr ibn al-As, Syrien unter al-Walid und der Irak unter al-Waqqas (636) erobert. 636 gelangen den Muslimen am Yarmuk in Syrien und bei Qadisiyya im Irak entscheidende Siege über die Byzantiner bzw. Perser. Um 640 wurde mit Istachr die Residenz der Sassaniden von den Muslimen erobert und zerstört. Mit dem Sieg über die Perser bei Nehawend in Medien (642) brach das Reich der Sassaniden im Iran endgültig zusammen. Byzanz konnte sich aber nach dem Verlust von Syrien und Ägypten in Anatolien gegen die weiteren Angriffe der Muslime behaupten. Diese gewaltigen Eroberungen, die oft durch den Abschluss von Verträgen mit der unterworfenen Bevölkerung erleichtert wurden, machten bald Regelungen über die Organisation und Verwaltung des Reiches notwendig. Auf der Tagung von al-Gabiya legte Umar deshalb mit den Heerführern die Organisation des Reiches und die Verteilung der Kriegsbeute fest. Ebenfalls wurde der Beginn der islamischen Zeitrechnung auf die Hedschra (622) gelegt. Nach den vielen Überlieferungen über Umar ist das Bild eines sehr gerechten Kalifen entstanden. Er soll sich immer wieder für das Recht der schwächeren Bürgern gesetzt und Gleichheit der Bürgern gefordert haben. Im Gedächtnis der Muslime gibt es zahlreiche Geschichten über die Gerechtigkeit Umar's. So hat er beispielsweise von seinen Herrführern verlangt, dass sie mit und wie die Soldaten sitzten sollen und sich nicht auf weichen Kissen lehnen. Als er einmal kurz nach dem Sterben eines Freundes in desen Haus war, hat er von den andern anwesenden verlangt, dass sie die Kerzen auslöschen, weil diese nun Besitz der kleinen Kindern des verstorbenen sind und nicht verschwendet werden sollen. Oft berichteten Gesandte der Könige überrascht, dass Umar trotz der gewaltigen Ausbreitung des Reiches in einem bescheidenen Haus wohnt. Umar wurde 644 von einem persischen Sklaven in Medina ermordet. Zum neuen Kalifen wurde Uthman ibn Affan gewählt. Wie sein Vorgänger Abu Bakr, wird auch Omar von den Schiiten nicht als Kalif anerkannt. Die offene Feindschaft zwischen Umar und Muhammads Tochter Fatima (schiitischen Überlieferungen zufolge wurde die schwangere Fatima von Umar ermordet) war der Anfang der Aufspaltung des Islam in die zwei Hauptkonfessionen: Schiiten und Sunniten. Siehe auch: Geschichte des Islams, Islamische Expansion, Kalifat, Geschichte Persiens

Literatur


- Ulrich Haarmann: Geschichte der Arabischen Welt. 4. Auflage. C.H. Beck, München 2001, ISBN 3-406-47486-1
- Claude Cahen, Jean Bollack (Hrsg.): Vom Ursprung bis zu den Anfängen des Osmanenreiches. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt 1991 (Fischer Weltgeschichte, Band 14), ISBN 3-596-60014-6 al-Chattab, Umar ibn al-Chattab, Umar ibn al-Chattab, Umar ibn al-Chattab, Umar ibn ja:ウマル・イブン=ハッターブ ms:Saidina Umar Al-Khatab th:อุมัร

Sunniten

Die Sunniten sind Anhänger der zahlenmäßig größten Glaubensrichtung im Islam. Sunniten stellen in allen islamischen Ländern die Mehrheit der Muslime, außer im Iran, im Irak, in Bahrain, in Aserbaidschan, im Jemen, im Oman und im Libanon. Sie lassen sich wiederum nach den sunnitischen Rechtsschulen (Madhhab) in Hanafiten, Malikiten, Hanbaliten und Schafiiten einteilen. Die Unterschiede zur zweitgrößten Glaubensrichtung, deren Anhänger als Schiiten bezeichnet werden, liegen in der Überzeugung, auf welche Grundlage sich die Herrschaft des obersten Führers (Kalif bei den Sunniten, Imam bei den Schiiten) gründet. Für die Sunniten ist der Kalif ein Führer, der von seinen Anhängern aufgrund seiner weltlichen, administrativen Fähigkeiten gewählt wird. Für die Schiiten kann der Imam hingegen nur ein rechtmäßiger Nachfolger Mohammeds sein, der von Gott auserwählt ist. Während der Kalif also nur ein weltlicher Verteidiger der Religionsgemeinschaft ist, stellt der Imam im Glauben der Schiiten ein unfehlbares und vollkommenes geistliches und mit diviner Macht ausgestattetes Oberhaupt dar. Die besonders im Irak schwelenden Feindseligkeiten zwischen Sunniten und Schitten beruhen auf den Schwierigkeiten, die diese unterschiedlichen Auffassungen für die Machtansprüche der jeweiligen Führer bedeuten.

Sunnitische Staaten


- Umayyaden
  - Kalifat der Umaijaden (661-759)
  - Emirat von Córdoba (756-?)
  - Kalifat von Córdoba (929-1031)
- Abbasiden
  - Kalifat der Abbasiden (750-1258)
  - Kalifat der Abbasiden in Kairo (1361-1517)

Siehe auch


- Sunna
- Schiiten
- Charidschiten Kategorie:Islam ja:スンナ派 ms:Sunah Waljamaah

644

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- Uthman ibn Affan, ein Schwiegersohn Mohammeds wird, nach der Ermordung seines Vorgängers Umar ibn al-Chattab, in Medina zum dritten Kalifen der Muslime gewählt (siehe auch Kalifat)
- Oswine wird König von Deira.

Geboren


- Yazid I., zweiter Kalif der Umayyaden († 683)

Gestorben


- 10. Oktober - Paulinus von York, erster Bischof von York
- 3. November - Kalif Umar ibn al-Chattab (
- 592), durch einen persischen Sklaven ermordet ko:644년

656

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- 17. Juni - Ali ibn Abi Talib wird nach der Ermordung von Uthman ibn Affan zum vierten Kalifen der Muslime gewählt. Er wird aber nicht allgemein anerkannt u.a. von Aischa und Muawiya, die ihn des Mordes an seinem Vorgänger bezichtigen.
- 9. Dezember - Kamelschlacht von Basra: Kalif Ali besiegt die Opposition gegen seine Herrschaft im Kampf, ohne sie zerschlagen zu können. In der Folge scharen sich Alis Gegner um Muawiya, dem Statthalter von Syrien.
- Der Hausmeier des fränkischen Reichsteils Austrasien, Grimoald, ein Sohn Pippins des Älteren, nutzt den Tod des austrasischen Königs Sigibert III. zum Staatsstreich: Er erhebt seinen eigenen Sohn als Childebertus adoptivus zu Sigiberts Nachfolger, während er Sigiberts Sohn Dagobert II., der zu diesem Zeitpunkt noch ein Kleinkind ist, nach Irland in ein Kloster bringen lässt. Gegen die Aktion Grimoalds regt sich in Neustrien Widerspruch. Der dortige König Chlodwig II. und sein Hausmeier Ebroin sorgen dafür, dass Grimoals entmachtet wird; er stirbt 656 oder 657 im Kerker. Das austrasische Königtum des Childebertus adoptivus wird aber offenbar nicht angetastet.
- Alchfrith wird Nachfolger von Aethelwald als König von Deira.
- Oswiu von Northumbria annektiert Mercia.

Geboren


-

Gestorben


- 1. Februar - Sigibert III., merowingischer Frankenkönig
- 17. Juni; Kalif Uthman ibn Affan wird von aufständischen Muslimen in Mekka ermordet.
- 656/657 - Grimoald der Ältere, Hausmeier im fränkischen Reichsteil Austrasien (
- um 615) ko:656년

574

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- 13. Juli - Nach dem Tod von Papst Johannes III. kommt es, nicht zuletzt wegen des Vordringens der Langobarden, zu einer fast einjährigen Sedisvakanz (bis Juni 575).
- 7. Dezember - Der byzantinische Kaiser Justin II. erhebt seinen Feldherrn Tiberios zum Mitkaiser.
- Feldzug des neustrischen Königs Chilperich I. gegen seinen Bruder, König Sigibert I. von Austrasien.
- Nach dem Tod des Langobardenkönigs Cleph verzichten die auf Unabhängigkeit bestrebten langobardischen Herzöge bis 584 auf die Wahl eines Königs.
- Jemen löst sich endgültig von der Oberhoheit des äthiopischen Reiches von Aksum.
- um 574 - Verlegung des Bischofssitzes von Augsburg nach Säben bei Klausen durch Bischof Materninus.

Geboren


- Uthman ibn Affan, dritter Kalif der Muslime von 644 bis 656
- Shōtoku Taishi, japanischer Kaisersohn und Kulturheld († 622)

Gestorben


- 13. Juli - Johannes III., Papst seit 561
- 12. November - Aemillianus von Cogolla, spanischer Einsiedler (
- um 474)
- Narses - Oströmischer Feldherr unter Justinian I. (
- um 490)
- Cleph - König der Langobarden ko:574년

Mohammed

Mohammed, (, mit vollem Namen Muhammad ibn Abd Allah ibn Abd al-Muttalib ibn Haschim ibn Abd Manaf al-Qurayschi) geb. gegen 571 in Mekka, gest. 632 in Medina ist der Stifter der islamischen Religion und wird von den Muslimen als das Siegel der Propheten angesehen. Muslime setzen und sprechen hinter den Namen Mohammeds die Eulogie «Gott segne ihn und schenke ihm Heil!» (siehe Islamische Eulogien).

Leben

Es gibt so gut wie keine unabhängigen zeitgenössischen Quellen zu Mohammeds Leben und Wirken; auch der Koran wurde erst etwas zwanzig Jahre nach seinem Tod schriftlich fixiert. Aus Sicht eines Historikers ist also zu bedenken, dass fast alles, was über das Leben des Propheten berichtet wird, aus parteiischen Quellen stammt, die ihn entweder als Verkünder einer göttlichen Wahrheit preisen oder als "Verführer" ablehnen. Die folgende Darstellung folgt im wesentlichen der islamischen Tradition.

Kindheit

Mohammed wurde in der arabischen Stadt Mekka als verarmtes Familienmitglied der Haschemiten aus dem bedeutenden vorherrschenden Stamm der Quraisch (Quraysh) im so genannten Jahr des Elefanten nach dem Tod seines Vaters Abdullah geboren. Viele Muslime feiern Mohammeds Geburtstag - nach dem islamischen Mondkalender - am 12. Rabi' al-Awwal. In westlichen Quellen findet man häufig das Datum 20. April 571. Tatsache bleibt jedoch, daß die genauen Geburts- und Todesdaten unbekannt sind. Im Alter von sechs Jahren verlor er seine Mutter Amina und wurde dann von seiner Pflegemutter (Halima) betreut, bis diese ebenfalls starb. Anschließend lebte er bei seinem Großvater Abd al-Muttalib. Nach dem Tod seines Großvaters kam Mohammed unter den Schutz seines Onkels Abu Talib (jüngerer Bruder seines Vaters) und seiner Cousins (u. a. Ali bin Abu Talib --> später Kalif). In jungen Jahren arbeitete er als Schafhirte, später nahm er angeblich an zwei Reisen der Handelskarawanen in den Norden (Syrien) teil. Die ersten Kontakte zu anderen - monotheistischen - Religionsgemeinschaften, Juden und Christen, fanden wohl schon in diesem Zeitraum, vor seiner Berufung zum Propheten, statt. Einer Legende zufolge, die später in der islamischen Prophetenbiographie überliefert wurde, soll er auf einer Handelsreise in den Norden dem Mönch Bahira begegnet sein, der in einer Traumvision Mohammed mit einem Heiligenschein gesehen haben will. Eine andere Variante dieser Legende besagt, daß ein Mönch das Siegel des Prophetentums zwischen Mohammeds Schultern gesehen habe, als sich dieser auf einer Handlungsreise in Syrien befand. Die Berichte über seine Handelsreisen dienen wahrscheinlich als „Rahmengeschichten“ für diese Voraussagen über seine spätere Prophetie.

Mannesalter

Gegen 595 bot ihm seine damalige Arbeitgeberin, die 15 Jahre ältere zweifache Kaufmannswitwe Chadidscha bint Chuwailid (555(?)-619) aus dem angesehenen quraischitischen Geschlecht 'Abd al-'Uzza, die Heirat an. Mit ihrer Hilfe erlangte Mohammed seine finanzielle Unabhängigkeit und soziale Sicherheit, eine Wende in seinem Leben, die in der Sure 93 ihre Spuren hinterließ. Sie war die erste Person, die an Mohammeds Botschaft geglaubt hat; die islamische Geschichtsschreibung betrachtet sie daher als die erste Muslimin in Mekka. Aus ihrer Ehe mit Mohammed ging u.a. seine Tochter Fatima hervor, die als einziges seiner Kinder selbst Nachkommen hatte. Von ihr stammen alle Nachfahren Mohammeds ab. In der Beschreibung der ersten Offenbarungen durch die islamischen Biographen, wie Ibn Ishaq, werden Chadidscha, ferner Ali ibn Abi Talib und Abu Bakr als die ersten Anhänger Mohammeds genannt.

Die mekkanische Periode der Prophetie

Die wichtigsten Quellen über Mohammeds Prophetie sind, neben dem Koran als historische Quelle, die zunächst mündlich dann - gegen Ende des ersten islamischen Jahrhunderts - schriftlich überlieferte Prophetenbiographie, die dann auch in der annalistischen Weltgeschichte (z.B. von at-Tabari) verarbeitet wurde, die alte Poesie und schließlich die Traditionsliteratur (Hadith), in der neben einem gewissen authentischen Kern auch die Vorstellungen der Folgegenerationen über Mohammeds Gestalt zum Ausdruck kommen. Gegen 610 soll ihm der Erzengel Gabriel (arabisch Dschibril) erschienen sein, der ihm befahl: „Trag vor im Namen deines Herrn, der erschaffen hat, den Menschen aus einem Embryo (Blutklumpen) erschaffen hat! Trag vor...!“ (Anfang der Sure 96). In der Biographie heißt dann dazu, Mohammed habe erwidert: „Ich kann nicht vortragen/rezitieren“. Diese und andere Koranverse in den Suren 93 und 74 stellen die Anfänge der Offenbarungen und somit den Anfang von Mohammeds Prophetie dar. Mohammed wird um jene Zeit zwischen 35-40 Jahre alt gewesen sein; dafür spricht ein Koranvers, in dem er mit den Polytheisten polemisierend sagt: :::„Wenn Gott gewollt hätte, hätte ich ihn (d.h. den Koran) euch nicht vorgetragen und er hätte euch nicht davon Kenntnis gegeben. Ich habe doch ein Leben lang ('umr) unter euch verweilt, noch ehe er (d.h. der Koran) da war" (Sure 10, Vers 16). Unter dem hier verwendeten Begriff umr versteht man eine Zeitspanne von 35-40 Jahren. Man geht daher meist davon aus, dass Mohammed um 610 mit seiner Tätigkeit als Prophet begann. Die ältesten Berichte über die mekkanische Periode der Prophetie, die einen authentischen, historischen Kern haben, die Überlieferungen von al-Zuhrî (gest.742) und von 'Urwa ibn al-Zubair (gest. gegen 712), informieren uns über die Anfänge des Islams in Mekka: die ersten Anhänger waren junge Menschen (ahdâth ar-ridschâl) und sozial schwache (du'afâ' an-nâs). Selbst Mohammed kam aus einem vearmten Zweig der Banu Haschim, eine Tatsache, die auch im Koran ihre Bestätigung findet, wo man die mekkanische Opposition wie folgt sprechen läßt: ::: "Und sie (die mekkanische Opposition) sagten: warum ist dieser Koran nicht auf einen mächtigen Mann von den beiden Städten (d.i. Mekka und Ta'if) herabgesandt worden? Verteilen etwa sie die Barmherzigkeit deines Herrn...? (Sure 43, Vers 31-32). Anfangs, bis etwa 614, haben die einflußreichen Vertreter der Quraisch keine Einwände gegen Mohammeds Lehren gehabt, die er sowohl öffentlich als auch insgeheim (sirran) verbreitete. Erst als er den Götzenkult und den Polytheismus der Vorfahren angriff, bildete sich eine starke Opposition gegen Mohammed und seine Anhänger. Dies äußerte sich in einer Reihe von gewalttätigen Übergriffen auf Neukonvertierte, wie auch die Person Muhammads selbst. Im späteren Verlauf der Ereignisse versuchten die Mekkaner den Muslimen durch einen Handelsboykott die Existenzgrundlage zu entziehen. Somit waren die öffentlichen Auftritte Mohammeds in Mekka beendet: er erhielt - nach den arabischen Stammesgesetzen - im Haus des Arqam ibn Abi 'l-Arqam in Mekka Schutz (um 614) und befahl einem Teil seiner Anhänger, nach Abessinien, damals Handelsplatz der Mekkaner, auszuwandern (um 615). Die Historiographie klassifiziert die ersten Muslime der mekkanischen Periode nach diesen Ereignissen: Muslime, die sich vor Mohammeds Einzug in das Haus von Arqam bekehrten, Muslime, die während Mohammeds Aufenthalt in jenem Haus den Islam annahmen und die "Auswanderer" nach Abessinien. Die Zeit zwischen 616-622 in Mekka ist historisch nur in ihren Konturen rekonstruierbar, denn die überwiegend widersprüchlichen Berichte der ältesten Historiographen nur teilweise mit der angenommenen Chronologie der mekkanischen Offenbarungen in der Koranexegese (tafsir) in Einklang zu bringen sind.Der Inhalt der mekkanischen Suren läßt darauf schließen, daß Mohammed sich zunächst als "Warner" (nadhir - arab. نذير ) seines Volkes verstand, vieles am religiösen status quo in Mekka duldete und einfache, für alle nachvollziehbare religiöse Pflichten einzuführen versuchte: ::: "Mir wird nur eingegeben, daß ich (nur) ein deutlicher Warner sei" (Sure 38, Vers 70). ::: "Selig sind die Gläubigen, die in ihrem Gebet demütig sind, dem Gerede kein Gehör schenken, die Almosensteuer entrichten und sich des Geschlechtsverkehrs enthalten, außer gegenüber ihren Gattinen..." (Sure 23, Vers 1-6). Sein offenes Auftreten gegen den Götzenkult in Mekka trotz Anerkennung des höchsten Heiligtums auf der Arabischen Halbinsel - al-Ka'aba - , seine gescheiterte Annäherung an die Bewohner der Stadt Ta'if, die Unterdrückung seiner Anhänger in Mekka, nicht zuletzt aber der Tod seines Beschützers Abu Talib und seiner Frau Chadidscha (gegen 619) waren die Gründe für die Aufnahme von Kontakten mit den Bewohnern von Yathrib als Vorbereitungsphase der Hidschra. Einflußreiche Bürger von Yathrib, das später al-Madina (eig. madinat al-nabiy = die Stadt des Propheten)heißen sollte, haben Mohammed und seinen Anhängern nach den damals geltenden Stammesgesetzen Schutz und Sicherheit in Yathrib zugesagt und zwischen 621-622 vertraglich festgelegt. Schon in der Retrospektive wird die Auswanderung nach Yathrib in einigen medinensischen Koranversen geschildert: ::: "Wenn ihr ihm (dem Propheten) keinen Beistand leistet, Gott hat ihm schon (früher) Beistand geleistet, als die Ungläubigen ihn zu zweit (aus Mekka) vertrieben, als die beiden in der Höhle waren und als er (der Prophet)zu seinem Gefährten sagte: 'sei nicht traurig, denn Gott ist mit uns' " (Sure 9, Vers 40). Dies ist eine klare Anspielung auf die Hidschra Mohammeds mit seinem Gefährten Abu Bakr; Einzelheiten darüber liefert später die Prophetenbiographie. Mohammeds Botschaft in Mekka scheiterte nicht nur an der Übermacht der Polytheisten sondern auch am Verlust einer ausbaufähigen sozialen Basis in einflußreichen Kreisen der Stadt. Seine Ankunft in Quba', in der Nähe von Medina, wird - rückwirkend - auf den 12 Rabi' I. des ersten muslimischen Mondjahres, auf den 24. September 622 datiert. Die Eingebungen, die Mohammed wahrnahm, waren oft mit körperlichen Beschwerden verbunden. Frösteln und Schaudern sind überliefert. Daher ließ er sich gewöhnlich einen Schleier oder einen Mantel reichen (Koran, Suren 73f). Die Menschen hörten ihn - so in einigen Berichten der Prophetenbiographie und der Hadith -Literatur - dann stöhnen, röcheln aber auch schreien. Danach war er schweißgebadet und litt an Kopfschmerzen. Manchmal sah er auch Engel in Menschengestalt. Die Umsetzung des Gehörten in logische Sätze kostete ihm dann viel Mühe. Der Koran empfiehlt darum dem Propheten, nicht ungeduldig zu werden und „nicht die Zunge zu rühren, um die Artikulation zu beschleunigen“ (Koran, Sure 75,16). Denn er hatte Angst davor - wie darüber die Hadith-Literatur mehrfach berichtet, den Anfang der Offenbarung zu vergessen, bevor diese zu Ende ging.

Die medinensische Periode der Prophetie

Yathrib, nach dem arabischen Sprachgebrauch nunmehr al-Madina, hatte zum Zeitpunkt der Hidschra andere Gesellschaftsstrukturen als Mekka. Die Bevölkerung setzte sich aus rivalisierenden Stämmen und Unterstämmen der Aus und Khazradsch zusammen. Ebenso gab es mehrere jüdischen Sippen, unter ihnen waren die Banu n-Nadir, Qurayza und Qaynuqa' die einflußreichsten. Ferner hatte die Stadt auch Bewohner, die schon vor der Hidschra Muslime geworden waren. Die medinensischen Anhänger nannte man die "Helfer" / "Unterstützer" (al-Ansar). Hinzu kamen die mekkanischen Anhänger Mohammeds, die "Auswanderer" (Muhadschirun). Weitere jüdische Siedlungen gab es nördlich von Medina bei Khaibar. Schon aus eigenem Interesse war es Mohammeds Aufgabe, alle Stämme und Unterstämme der Aus und Khazradsch, ferner die Juden und die Auswanderer aus Mekka in einer einzigen Gemeinschaft (Umma) zusammenfassen. Hierfür diente der sog. "Vertrag von Medina", der im Wortlaut in der Prophetenbiographie des Ibn Ishaq erhalten ist und dessen Authentizität von der Islamwissenschaft - trotz Datierungsproblemen - nicht angezweifelt wird. Nicht nur allen namentlich angeführten Vertretern von Islam und Judentum stehen die gleichen Rechte und Pflichten zu, sondern auch die Religionen werden anerkannt; die Juden bilden eine Umma mit den Gläubigen (d.h. den Muslimen): „Die Juden haben ihre Religion (din) und die Muslime ihre Religion“. Die Ansar und Muhadschirun genießen untereinander Gleichstellung. Mohammed definiert in diesem Vertrag auch seine Position deutlich: er ist „der Gesandte Gottes“ und „der Prophet“, nennt sich aber auch mit seinem Namen einfach „Mohammed“, der bei Streitigkeiten zu Rat gezogen wird. Hier zeichnen sich die theokratischen Züge der medinensischen Umma ab. Die erwähnten Stämme und Sippen gewähren untereinander Schutz; die Täler um Yathrib sind für alle Vertragspartner heiliges Gebiet. Ausdrücklich ausgeschlossen sind aus dem Vertrag die Polytheisten (al-muschrikun). Eine konsequente Abgrenzung von den „Schriftbesitzern“ (ahl al-kitâb) ist ursprünglich nicht die Absicht Mohammeds gewesen; denn die im oben erwähnten „Vertrag von Medina“ artikulierte Anerkennung der Religion des
Anderen begegnet uns schon in der in Mekka offenbarten Sure 109 ("Die Ungläubigen): :::Ihr Ungläubigen! Ich verehre nicht, was ihr verehrt (....) ihr habt eure Religion, und ich die meine". Historisch betrachtet waren die Adressaten in jener Zeit der Prophetie die Polytheisten von Mekka, die Götzendiener, gegen die Mohammed schon in Mekka ins Feld zog. In Medina änderte sich die Situation - zunächst - schlagartig. Mohammed war bestrebt, einiges aus dem Ritual der Juden zu sanktionieren genauso, wie er es verstanden hat, vorislamische Riten in die Wallfahrtszeremonien zu integrieren; in Sure 2,Vers 158 heißt es: :::as-Safa und al-Marwa gehören zu den Kultsymbolen Gottes...es ist für ihn (den Pilger) keine Sünde, bei ihnen den Umgang zu machen" . An dieser Stelle tut sich die Koranexegese (tafsir) etwas schwer, denn an den genannten Orten standen in der vorislamischen Zeit zwei Götzen: Isaf und Na'ila, um die man den Umgang (tawaf) zu machen pflegte. In Medina kam das Fasten am 'Aschurafest der Juden, nach dem islamischen Kalender am 10. Muharram, hinzu; an diesem Tag fastete man, nach dem jüdischen Brauch, von Sonnenuntergang bis zum nächsten Sonnenuntergang und nicht, wie im Ramadan, nur den Tag über. Ob die Verlegung der Gebetsrichtung (qibla) nach Jerusalem auf jüdisches Vorbild zurückgeht, ist indes fraglich, denn auch die Christen der Ostkirche beteten in diese Richtung.

Militärische Aktivitäten (ghazawât) Mohammeds und seiner Anhänger

Die Verbreitung der neuen Religion wurde entscheidend durch die Schwäche der beiden spätantiken Großmächte Ostrom und Persien begünstigt, die in den Jahrhunderten zuvor die Araber politisch und militärisch kontrolliert hatten, nun aber durch jahrzehntelange Kriege gegeneinander abgelenkt und angreifbar waren und die Ereignisse in Arabien erst bemerkten, als es für sie bereits zu spät war. Die historischen Ereignisse, die politischen Aktivitäten der zunächst kleinen medinensischen Gemeinschaft der Muslime, finden im Koran meist in Form von Anspielungen ihre Bestätigung. Es sind dies die Feldzüge des Propheten gegen die Mekkaner, wie die Schlacht bei Badr im Jahre 624; dazu heißt es inhaltsreich im Koran, Sure 3,123: :::
Gott hat euch doch in Badr zu Sieg verholfen, während ihr ein bescheidener, unscheinbarer Haufe waret... Über die gegen die Mekkaner verlorene Schlacht bei Uhud im Jahre 625 sind lange moralisch belehrende Verse offenbart worden; in Sure 3, 172 heißt es u.a.: :::Denen, die, nachdem sie die Schlappe erlitten hatten, auf Gott und den Gesandten hörten, steht – soweit sie rechtschaffen und gottesfürchtig waren – gewaltiger Lohn (im Jenseits) zu... Die Expedition in den Norden nach Tabuk bis an Südgrenze des byzantinischen Reiches, die unentschieden endete, hat in den oft zitierten Versen der Sure 9 (al-tauba) als Kriegserklärung an die nichtmuslimische Außenwelt ihren Niederschlag gefunden: ::: Kämpft gegen diejenigen, die nicht an Gott und den jüngsten Tag glauben und nicht verbieten, was Gott und sein Gesandter verboten haben, und nicht der wahren Religion angehören – von denen, die die Schrift erhalten haben – kämpft gegen sie bis sie kleinlaut aus der Hand Tribut entrichten!(Sure 9, 29 mit anschließender Polemik gegen die Juden und Christen). Im Jahre 6 nach der Auswanderung nach Medina kam es zu den ersten Kontakten Mohammeds mit Vertretern der Quraisch aus Mekka; im März 628 trat der Prophet mit seinen Anhängern die Reise nach Mekka an, um dort die kleine Pilgerfahrt ('umra) zu vollziehen, woran ihn aber die Mekkaner zu hindern wußten und einen bedeutsamen Vertrag mit ihm in der Nähe der Grenzen des heiligen Bezirkes von Mekka, bei al-Hudaibiya, aushandelten. Der Vertrag enthielt fünf wesentliche Punkte: a) Waffenstillstand für zehn, nach anderen Berichten für zwei, Jahre; b) Sicherheit für die Muslime, die in der Zukunft die Pilgerfahrt vollziehen wollen oder sich auf den Handelswegen in den Süden befinden; c) Sicherheitsgarantie Mohammeds für die Quraisch auf ihren Handelswegen in den Norden; d) Auslieferung derjenigen Muslime an die Mekkaner, die ohne Erlaubnis ihrer Schutzpatrone nach Medina fliehen sollten; e) Verzicht auf die kleine Pilgerfahrt im Jahr des Vertragsabschlusses, mit Garantie der Pilgerfahrt im darauf folgenden Jahr. Durch diesen Vertrag haben die Quraisch von Mekka Mohammed als vollwertigen Verhandlungspartner, allerdings nicht als Propheten anerkannt. Die überlieferte Urkunde trägt den Namen Muhammed b. 'Abdallah und enthält keine islamischen Formeln. Allerdings sorgte die Bereitschaft Mohammeds, alle muslimischen Flüchtlinge nach Medina an die Mekkaner auszuliefern, für Unruhen. Der Rückzug Mohammeds und sein Verzicht, die 'Umra zu vollziehen, war ein weiterer Grund für Unzufriedenheit in den Reihen seiner Anhänger. Die gesamte Sure 48 behandelt diese historischen Ereignisse; hier spricht die Offenbarung von einem klaren Sieg (fath) der Muslime, der nicht nur als Mohammeds diplomatischer Erfolg bei al-Hudaibiya verstanden wird, sondern auch auf die darauf folgende Eroberung der Oase von Khaibar, der Vertreibung der jüdischen Banu al-Nadir (Mai-Juni 628) und der Verteilung der Beute unter den seit al-Hudaibiya unzufriedenen Muslimen Bezug nimmt. Am Ende dieser Sure wird Mohammeds Position klarer als je zuvor formuliert: ::: Mohammed ist der Gesandte Gottes. Und diejenigen, die mit ihm sind, sind den Ungläubigen gegenüber heftig, unter sich aber mitfühlend... (Sure 48,Vers 29). Die Grundlagen für die Eroberung Mekkas zwei Jahre später sind bereits bei al-Hudaibiya gelegt worden. Den wohlhabenden Juden von Khaibar und ihren arabischen Verbündeten hat Mohammed zwar erlaubt, die von den Muslimen in Besitz genommene Oase weiterhin zu kultivieren, jedoch ist ihnen auferlegt worden, die Hälfte der Ernte den rund 1.600 Muslimen, die an der Expedition beteilgt waren, abzugeben. Mohammeds Anteil war 1/5 der Gesamtbeute. Da die von Mohammed vorgeschriebenen Auflagen, die der politischen und wirtschaftlichen Entmachtung der jüdischen Gruppen in und um Khaibar gleichkam, nicht erfüllt worden sind, kam es zu ihrer endgültigen Vertreibung aus der Region. Die Vertreibung aller Juden aus dem Hidschas (Higaz) war dann eine der zentralen Aufgaben des zweiten Kalifen Umar. Umar 632 starb Mohammed in den Armen seiner Lieblingsfrau Aischa zu Medina und wurde dort auch begraben; seine Grabstätte ist bis heute erhalten. In den 23 bis 24 Jahren seiner Herrschaft vereinigte er den Großteil der arabischen Halbinsel, welche bis dahin in viele verschiedene räuberische Stämme gespalten und zerstritten war. Die Eroberungskriege der Muslime im Namen Allahs und Mohammeds gingen auch nach dem Tod ihres prophetischen Heerführers unvermindert weiter: Ihre Reiterkrieger überrannten 635 Syrien, 636 wurden die Perser in den Schlachten von Kadesia und Nehawend geschlagen, 638 war Palästina (Schlacht am Jarmuk) in ihren Händen und 642 Ägypten.

Die Nachfolge Mohammeds

Nach seinem Tod wurde Abu Bakr als erster Kalif von den Muslimen gewählt, deren Reich durch militärische Eroberungen zu diesem Zeitpunkt große Teile der arabischen Halbinsel umfasst.
Siehe auch: Geschichte des Islam

Mohammeds Familie

Nach dem Koran wurde es Mohammed ausdrücklich erlaubt, mehr als die sonst im Islam maximal gestatteten vier Ehen einzugehen. In Sure 33,50 steht: „Prophet! Wir haben dir zur Ehe erlaubt all deine Gattinnen, denen du ihre Morgengabe gegeben hast; was du (Anm.: an Sklavinnen) besitzt, (ein Besitz, der) dir von Gott zugewiesen worden ist; die Töchter deines Onkels und deiner Tanten väterlicherseits und deines Onkels und deiner Tanten mütterlicherseits, die mit dir ausgewandert sind; (weiter) eine gläubige Frau, wenn sie sich dem Propheten schenkt und er sie heiraten will. Das gilt in Sonderheit für dich im Gegensatz zu den (anderen) Gläubigen. Wir wissen wohl, was wir ihnen hinsichtlich ihrer Gattinnen und ihres Besitzes (an Sklavinnen) zur Pflicht gemacht haben." Einige Frauen heiratete Mohammed als Witwen, um deren Versorgung sicherzustellen; andere Heiraten dienten der Festigung politischer Bindungen und der Verbreitung des Islams. Er hatte zwölf Frauen. Den Überlieferungen nach, waren Aischa und an zweiter Stelle Zainab seine Lieblingsfrauen. Aischa war sieben Jahre alt, als sie mit Mohammed verlobt, und neun Jahre alt, als sie mit ihm verheiratet wurde. Die Heirat mit Aischa und mit der bereits verheirateten Zainab fallen aus dem Rahmen der üblichen Ehen Mohammeds. Die Frauen Mohammeds werden von Muslimen - mit Ausnahme der christlichen Sklavin Maria Mariam - die „Mütter der Gläubigen“ genannt.
Siehe auch: Familie Mohammeds

Mohammed und die Schriftbesitzer

Anfangs stand Mohammed sowohl den Juden als auch den Christen wohlwollend gegenüber und erwartete, dass sie sich ihm anschließen würden. Viele Koranverse bestätigen dagegen, dass die "Schriftbesitzer" (ahl al-kitâb) die Botschaft des arabischen Propheten ablehnten. Diese Koranverse, die man "Provokationsverse ("âyât at-tahaddî") nennt, enthalten sowohl die Einwände der Gegner als auch Mohammeds Antworten. Der entscheidende Vorwurf des Propheten war, Juden und Christen haben ihre Schriften verfälscht,ihre Inhalte abgeändert; somit ist er, Mohammed,der Verkünder der einzig wahren monotheistischen Religion Abrahams. Nach seinem Selbstverstädnis war Mohammed somit nicht nur der Prophet einer
neuen Religion, sondern der Reformator des abrahamschen Monotheismus: :Und sie (d.h. die Schriftbesitzer) sagen: 'Ihr müsst Juden oder Christen sein, dann seid ihr rechtgeleitet' . Sag: Nein!(es gibt nur) die Religion Abrahams, eines Hanifen - er war kein Heide. (Sure 2, Vers 135). :Abraham war weder Jude noch Christ. Er war ein Gott ergebener Hanif, und kein Heide. (Sure 3,Vers 67). In der Moderne gibt díe arabische Ausdrucksweise "musliman hanifan" (arab.مسلما حنيفا ) des letztgenannten Verses Anlaß zu kontroverser Auslegung, und man übersetzt die Stelle mit "Er war Muslim und Hanif" (d.h.ein Gott suchender Mensch). Dies impliziert dann aber auch, so die Schlußfolgerung, Abraham sei der erste Muslim gewesen, eine Interpretation, die die klassische Koranexegese (Tafsir) allerdings nicht bestätigt. (Selbst die Ka'ba im Zentrum des mekkanischen Heiligtums geht nach Mohammeds Lehre auf Ibrahim / Abraham und dessen Sohn Isma'il zurück, nur sei sie durch die Polytheisten und Götzendienern schon früh - in einer historisch nicht belegbaren Epoche - entweiht worden.) Mohammed sah seine Aufgabe gerade darin, den alten, ursprünglichen und reinen Zustand des Monotheismus nach Abraham wieder herzustellen. Die Ausgrenzung der anderen Religionsgemeinschaften, Christen und Juden, war somit vorprogrammiert: :Ihr Gläubigen! Nehmt euch nicht die Juden und Christen zu Freunden! Sie sind untereinander Freunde. Wenn einer von euch sich ihnen anschließt, gehört er zu ihnen (Sure, 5,Vers 51). :Ihr Gläubigen! Nehmt euch nicht diejenigen, die mit eurer Religion ihren Spott und ihr Spiel treiben, aus dem Kreis derer, die vor euch die Schrift erhalten haben und (auch nicht) die Ungläubigen zu Freunden! (Sure 5, Vers 57). Die konsequente Beseitigung der jüdischen Siedlungen in und um Medina war politisch- religiöses Programm: die Banu -n-Nadir sind vertrieben und ihre Palmenbestände vernichtet, die Männer der Banu Quraiza sind hingerichtet, ihre Frauen, Kinder und ihr Besitz unter den Muslimen aufgeteilt worden; Mohammed selbst bekam aus der Beute eine Frau namens Rayhana, die er als Konkubine heiratete. Die Banu Qainuqa' verließen Medina und wanderten nach Syrien aus.Diese historischen Ereignisse führten dann zu der heute noch gültigen, in einem Spruch des Propheten begründeten Rechtsnorm im Islam: es gibt keine Koexistenz zweier Religionen auf der Arabischen Halbinsel (arab.لا يجتمع دينان في جزيرة العرب ). Die letzten Worte Mohammeds vor seinem Tod verzeichnet die Hadithliteratur - u.a. al-Bukhari und Malik ibn Anas - wie folgt: "Möge Gott die Juden und Christen bekämpfen! Sie haben die Gräber ihrer Propheten in Moscheen umgewandelt.Zwei Religionen werden im Land der Araber wahrlich keine Bleibe finden" . Somit war das Schicksal der Anhänger der Buchreligionen besiegelt.

Mohammeds Darstellung in christlichen Chroniken der Frühzeit

Die wohl älteste Quelle, in der Muhammed genannt wird, geht auf die syrische Chronik von Thomas dem Presbyter, der gegen 640 geschrieben hat, zurück: :::
am 4. Februar 634 am frühen Morgen fand ein Kampf zwischen den Byzantinern und den Arabern Mohammeds statt. Diese Stelle, wie auch andere, wird in der Forschung dahingehend interpretiert, daß Mohammed bereits kurz nach seinem Tode, aber wohl auch schon zu seinen Lebzeiten, als militärischer Führer dargestellt wurde. In der Geschichte von Armenien eines Anonymus, die man allgemein einem Bischof von Sebeos zuschreibt, wird die Lehre Mohammeds im Zusammenhang mit dem Sieg des Umayyaden-Kalifen Mu'awiya im ersten Bürgerkrieg (656-661) wie folgt beschrieben: ::: Ihr seid die Söhne Abrahams und Gott will durch euch sein Versprechen, das er Abraham und seiner Nachwelt gegeben hatte, verwirklichen. Liebe den Gott Abrahams, gehe hinaus und nimm das Land in Besitz, das Gott deinem Vater Abraham gegeben hatte, denn niemand wird imstande sein, dir im Kampf zu widerstehen, denn Gott ist mit dir. In der Chronica minora III., im Corpus Scriptorum Christianorum Orientalium, wird der arabische Prophet ebenfalls als militärischer Führer verstanden: ::: im Jahre 940 des Alexander (d.i.628-629) betraten Heraclius und die Byzantiner Konstantinopel. Muhammed und die Araber brachen vom Süden auf und betraten das Land und unterwarfen es. Auch hier kommt es klar zum Ausdruck, daß Mohammed diese Eroberungszüge veranlaßt und zum Teil selbst geführt hatte. Daß Mohammed sich als Erneuerer des abrahamschen Monotheismus verstand, bestätigen auch die frühesten christlichen Chroniken aus der Mitte des 7. Jahrhunderts. Sie führen im einzelnen auch aus, daß es Mohammed war, der die Araber vom Götzenkult zum Monotheismus führte und den Arabern neue Gesetze gab. Johannes bar Penkaye, ein Mönch in Nordmesopotamien, der nach eigener Auskunft im 67. Jahr der Herrschaft der Araber (d.i.686-687)schrieb, berichtet: ::: Sie (die Araber) halten an der Tradition Mohammeds so stark fest, daß sie jeden, der seine (Mohammeds)Gesetze mißachtet, mit dem Tode bestrafen. In der Chronik von Zuqnin, im Corpus Scriptorum Christianorum Orientalium, heißt es zu Beginn der Darstellung des Islam: ::: Da er (Mohammed) ihnen (den Arabern) den einzigen Gott beschrieb und sie (die Araber) unter seiner Führung die Byzantiner besiegten und da er ihnen Gesetze gemäß ihren Wünschen gab, nennen sie ihn "Prophet" (nbîyâ) und "Gesandter" (rasùlâ) Gottes.

Literatur


- Hartmut Bobzin:
Mohammed. 2. Auflage. Beck, München 2002, ISBN 3-406-44744-9
- Michael A. Cook:
Muhammad. Neuauflage. Oxford University Press, Oxford 1996, ISBN 0-192-87605-8 (auf Englisch)
- Ali Dashti:
23 Jahre. Die Karriere des Propheten Mohammed. 2.Auflage. Alibri, Aschaffenburg 2003, ISBN 3-932710-80-0
- Muhammad Ibn Ishaq:
Das Leben des Propheten - As-Sira An-Nabawiya. Spohr, Kandern im Schwarzwald 1999, ISBN 3-927606-22-7
- A. Guillaume (Übers.):
The Life of Muhammad. A translation of Ibn Ishaq's Sirat Rasul Allah. Oxford University Press.1955.
- Günter Kettermann:
Atlas zur Geschichte des Islam. Primus-Verlag, Darmstadt 2001, ISBN 3-89678-194-4
- Martin Lings:
Muhammad. Sein Leben nach den frühesten Quellen. Spohr, Kandern im Schwarzwald 2000, ISBN 3-927606-24-3
- Harald Motzki (Hrsg.):
The Biographiy of th Muhammad. The issue of the Sources.. Brill. Leiden 2000. ISBN 90-04-11513-7
- Uri Rubin (ed.):
The Life of Muhammad. The Formation of the Classical Islamic World. Volume 4. Ashgate Variorum. ISBN 0-86078-703-6
- Uri Rubin:
The Life of Muhammad and the Qur'ân: The case of Muhammad's Hijra. In: Jerusalem Studies in Arabic and Islam. Bd. 28 (2003). S.40-64.
- Miklos Muranyi:
Die Auslieferungsklausel des Vertrages von al-Hudaibiya und ihre Folgen. In: Arabica 23 (1976), 275-295.
- Arent Jan Wensinck:Muhammad and the Jews of Medina. Berlin 1982. ISBN: 3-9800467-4-5
-
Corpus Scriptorum Christianorum Orientalium. Paris 1903-
- Hazrat M. B. Ahmad:
Das Leben des Heiligen Propheten Mohammad. Verlag der Islam, 1994, ISBN 3-921458-92-7 (eine Biographie Mohammeds aus der Sicht der Ahmadiya-Sekte).

Weblinks

Kategorie:Mann Kategorie:Islam ! Kategorie:Religionsstifter Kategorie:Gestorben 632 Kategorie:Prophet Kategorie:Geschichte des Islam ja:ムハンマド・イブン=アブドゥッラーフ ko:무함마드 ms:Nabi Muhammad s.a.w. simple:Muhammad th:มุฮัมมัด


Umar ibn al-Chattab

Umar ibn al-Chattab bzw. Omar ibn al-Khattab (
- 592; † 3. November 644) war der zweite "rechtgeleitete" Kalif der Sunniten (634-644). Umar wurde 592 in Mekka geboren. Am Anfang war er ein erbitterter Feind der Muslime und Muhammads. Jedoch wurde er später von seiner Schwester zum Islam bekehrt und schloss sich von nun an dem Propheten Muhammad an. Nach dem Tod von Abu Bakr (634) und seiner Ernennung zum Kalifen stieg das Kalifat in wenigen Jahren zur Großmacht im Nahen Osten auf. So wurden Palästina (634) und Ägypten (639-642) unter Amr ibn al-As, Syrien unter al-Walid und der Irak unter al-Waqqas (636) erobert. 636 gelangen den Muslimen am Yarmuk in Syrien und bei Qadisiyya im Irak entscheidende Siege über die Byzantiner bzw. Perser. Um 640 wurde mit Istachr die Residenz der Sassaniden von den Muslimen erobert und zerstört. Mit dem Sieg über die Perser bei Nehawend in Medien (642) brach das Reich der Sassaniden im Iran endgültig zusammen. Byzanz konnte sich aber nach dem Verlust von Syrien und Ägypten in Anatolien gegen die weiteren Angriffe der Muslime behaupten. Diese gewaltigen Eroberungen, die oft durch den Abschluss von Verträgen mit der unterworfenen Bevölkerung erleichtert wurden, machten bald Regelungen über die Organisation und Verwaltung des Reiches notwendig. Auf der Tagung von al-Gabiya legte Umar deshalb mit den Heerführern die Organisation des Reiches und die Verteilung der Kriegsbeute fest. Ebenfalls wurde der Beginn der islamischen Zeitrechnung auf die Hedschra (622) gelegt. Nach den vielen Überlieferungen über Umar ist das Bild eines sehr gerechten Kalifen entstanden. Er soll sich immer wieder für das Recht der schwächeren Bürgern gesetzt und Gleichheit der Bürgern gefordert haben. Im Gedächtnis der Muslime gibt es zahlreiche Geschichten über die Gerechtigkeit Umar's. So hat er beispielsweise von seinen Herrführern verlangt, dass sie mit und wie die Soldaten sitzten sollen und sich nicht auf weichen Kissen lehnen. Als er einmal kurz nach dem Sterben eines Freundes in desen Haus war, hat er von den andern anwesenden verlangt, dass sie die Kerzen auslöschen, weil diese nun Besitz der kleinen Kindern des verstorbenen sind und nicht verschwendet werden sollen. Oft berichteten Gesandte der Könige überrascht, dass Umar trotz der gewaltigen Ausbreitung des Reiches in einem bescheidenen Haus wohnt. Umar wurde 644 von einem persischen Sklaven in Medina ermordet. Zum neuen Kalifen wurde Uthman ibn Affan gewählt. Wie sein Vorgänger Abu Bakr, wird auch Omar von den Schiiten nicht als Kalif anerkannt. Die offene Feindschaft zwischen Umar und Muhammads Tochter Fatima (schiitischen Überlieferungen zufolge wurde die schwangere Fatima von Umar ermordet) war der Anfang der Aufspaltung des Islam in die zwei Hauptkonfessionen: Schiiten und Sunniten. Siehe auch: Geschichte des Islams, Islamische Expansion, Kalifat, Geschichte Persiens

Literatur


- Ulrich Haarmann: Geschichte der Arabischen Welt. 4. Auflage. C.H. Beck, München 2001, ISBN 3-406-47486-1
- Claude Cahen, Jean Bollack (Hrsg.): Vom Ursprung bis zu den Anfängen des Osmanenreiches. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt 1991 (Fischer Weltgeschichte, Band 14), ISBN 3-596-60014-6 al-Chattab, Umar ibn al-Chattab, Umar ibn al-Chattab, Umar ibn al-Chattab, Umar ibn ja:ウマル・イブン=ハッターブ ms:Saidina Umar Al-Khatab th:อุมัร

634

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- Umar ibn al-Chattab wird zum zweiten Kalifen der Muslime gewählt. Im Sommer gelingt ihm bei Adschnadain, südwestlich von Jerusalem, der erste größere Sieg über die byzantinischen Truppen. Das Gebiet der Ghassaniden und Palmyra fallen in arabische Hände. Im September steht Feldherr Al-Walid vor Damaskus.
- Der "Diwan", die Stammrolle der muslimisch-arabischen Armee, wird in Medina verfasst. Er regelt die Verteilung der Kriegsbeute aus dem byzantinischen Reich. Später wird er zum Inbegriff des gesamten arabischen Finanzwesens.
- Oswald von Northumbria, der im schottischen Exil gelebt hatte, gelingt in der Schlacht von Heavenfield der Sieg über Cadwallon ap Cadfan von Gwynedd. Daraufin kann Oswald das geteilte Northumbria unter seiner, nun wieder christlichen, Herrschaft wieder vereinigen.
- Beginn mehrjähriger Kriege zwischen Tibet und dem chinesischen Kaiserreich.
- Sophronios wird Patriarch von Jerusalem. Er ist vehementer Gegner der von Kaiser Herakleios vertetenen monotheletischen Lehre.

Geboren


- Chlodwig II., merowingischer Frankenkönig († 657)
- um 634 Wilfrid - Erzbischof von York

Gestorben


- 23. August - Abdallah Abu Bakr, islamischer Kalif (
- 573)
- Cadwallon ap Cadfan, König von Gwynedd (
- um 591)
- Xieli Khagan, Herrscher der östlichen Göktürken, stirbt in chinesischer Gefangenschaft ko:634년

Medina

Hier wird die saudische Stadt abgehandelt; für andere Begriffsbedeutungen siehe Medina (Begriffsklärung).
---- Medina (Begriffsklärung) Medina (von arabisch al-Madīna al-munawwara, die erleuchtete Stadt المدينة المنورة; ursprünglicher Name Yathrib, dann Madīnat an-Nabī = Stadt des Propheten) ist eine Stadt mit 918.889 Einwohnern (2004) im westlichen Saudi-Arabien. Nach Mekka ist Medina die zweitwichtigste heilige Stadt des Islam. Ebenso ist „Madīna“ das allgemeine arabische Wort für Stadt. Heutzutage wird der Begriff auch als besondere Bezeichnung für die Altstadt nordafrikanischer Städte verwendet (z.B. die "Medina von Marrakesch").

Geschichte

Nach der Hidschra, dem Auszug aus Mekka im Jahre 622, wurde Medina der Sitz von Mohammeds anwachsender Bewegung. Seine damalige Moschee und sein Wohnhaus stellen heute einen Teil der "Moschee des Gesandten" dar. 622 wurde Mohammed von Abgesandten der Aus und Chasradsch nach Yathrib (früherer Name Medinas) eingeladen, um als eine Art Gouverneur zu wirken. Medina war damals eine geteilte Stadt: Unterschiedliche Clans und Religionen lagen in Zank und Streit. Mohammed bewirkte eine Einigung in der Stadt. Alle Beteiligten stimmten einem Pakt zu, der von Mohammed und von seinen Schülern aufgestellt wurde. Er lud die gesamte Stadt ein, der neuen Religion, dem Islam, zu folgen, jedoch konnte er die meisten Juden nicht überzeugen. Unter den arabischen Neumuslimen opponierten die nur scheinbar konvertierten "Heuchler" und Ibn Ubayy und paktierten mit den Juden Medinas. Diese wurden daraufhin entweder vertrieben oder wie die Banu Quraiza ausgerottet. Nach Änderung der Qibla von Jerusalem gen Mekka hielt eine kleine Gruppe konvertierter Juden an der ursprünglichen Qibla fest. Sie wurde die Sekte der Qibla al-Qudsiyya genannt. Während der zehn Jahre nach der Hidschra bildete Medina das Zentrum des islamischen Lebens, bis Mohammed Mekka eroberte. Noch als die islamische Führung dort etablierte wurde, blieb Medina für einige Jahre die wichtigste Stadt des Islam und de facto die Hauptstadt des Kalifats. Unter den ersten vier Kalifen, den Rechtgeleiteten Kalifen, erweiterte sich das islamische Reich schnell und umfasste bald Jerusalem, Ktesiphon und Damaskus. Nach dem Tod von Ali ibn Abi Talib verlegte der erste Umayyaden-Kalif Mu'awiya die Hauptstadt nach Damaskus. Medina hat heute noch große religiöse Bedeutung als zweitwichtigster islamischer Wallfahrtsort. 1924 wurde Medina, das Jahrhunderte nominell zum osmanischen Reich gehörte, von Ibn Saud erobert, dessen Reich später zu Saudi Arabien wurde. kategorie:islam ja:マディーナ ms:Madinah al-Munawwarah

Umayyaden

Die Umayyaden (arabisch: لأمويون / بنو أمية)- auch Omaijaden, Omajjaden, Omajaden – sind eine Dynastie von Kalifen, die von 660 bis 750 Oberhäupter des sunnitischen Islam waren (siehe auch: Liste der Kalifen). Nach ihrer Vertreibung aus dem Orient gründeten sie 756 das Emirat von Córdoba. Sie waren die erste Dynastie von Kalifen, die nicht eng mit Mohammed verwandt waren. Wie dieser stammten sie jedoch vom selben Stamm, den Quraisch aus Mekka. Mekka]]

Gründung der Dynastie durch Muawiya

Die Wahl Ali ibn Abi Talibs zum Kalifen wurde von den Muslimen nicht allgemein anerkannt. Als Anhänger des ermordeten Uthman ibn Affan ließ sich Muawiya, der Statthalter von Syrien im Jahr 660 in Damaskus zum Kalifen ausrufen. Damit war die moslemische Gemeinschaft (Umma) erstmalig gespalten. Zwar konnte Muawiya I. nach der Ermordung von Ali durch die Charidschiten (661) seine Herrschaft unter den Muslimen durchsetzen und die Dynastie der Umayyaden begründen, doch wurde er von den Anhängern Alis weiterhin nicht als rechtmäßiger Herrscher anerkannt. Es kam somit zum Schisma zwischen Sunniten und Schiiten, den Anhängern Ali ibn Abi Talibs. Letztere hatten ihren Schwerpunkt zunächst im Süden des heutigen Irak. Zunächst verlegte Muawiya die Hauptstadt von Medina nach Damaskus, womit Arabien politisch schnell an Bedeutung verlor. Die Bedeutung für den Islam konnte es nur noch durch die Heiligen Stätten Mekka und Medina behaupten. Muawiya schaffte auch die Wahl des Kalifen ab und ersetzte sie durch die Erbfolge, nachdem er seinen Sohn Yazid I. öffentlich zum Nachfolger erklärt hatte. Der Ältestenrat musste nur noch formal dem neuen Kalifen seine Zustimmung erteilen. Unter den Umayyaden begann sich eine arabische Aristokratie herauszubilden. Das kulturelle Zentrum des Kalifats befand sich aber nicht in Syrien, sondern im Irak. Durch das Zusammenleben von Beduinen und Persern in den irakischen Städten, besonders den Neugründungen Basra und Kufa, entwickelte sich eine rege geistige Auseinandersetzung mit den jeweiligen kulturellen Traditionen. So entwickelten sich im Irak und nicht in Syrien maßgebliche muslimische Rechtstraditionen. Außerdem war das Land zwischen Euphrat und Tigris Zentrum mehrerer muslimische Sekten und religiöser Bewegungen (u.a. Charidschiten).

Weitere Geschichte

Nach dem Tod Muawiyas brachen unter seinem Nachfolger Yazid I. (680-683) mehrere Aufstände gegen die Umayyaden aus. Husain, der zweite Sohn Alis und Enkel Mohammeds, nutzte die Situation und zog gegen Yazid I. zu Felde. Er wurde jedoch in der Schlacht von Kerbela (680) getötet. Dieser Akt besiegelte die endgültige Trennung zwischen Sunniten und Schiiten und wurde Anlass für das schiitische Trauerfest Aschura. Trotz dieses umayyadischen Sieges konnte sich die Opposition vor allem im Hedschas um Mekka weiter behaupten. Nach dem Tod von Yazid I. und seines Sohnes Muawiya II. war die Thronfolge unter den Umayyaden 684 völlig ungeklärt. Dies nutzte die Opposition und rief Abdallah ibn az-Zubair in Mekka zum Kalifen aus. Zeitweise wurde dieser sogar von der Mehrheit der Muslime anerkannt. Den nun folgenden Bürgerkrieg konnten die Umayyaden erst 692 unter Abd al-Malik (685-705) für sich entscheiden. 705 (Moschee) in Córdoba]] Nach der Beendigung des Bürgerkriegs begann erneut eine Zeit großer Eroberungen. So wurden im Osten das Indusgebiet (711) und Transoxanien (712) besetzt. Im Westen wurde bis 709 der Widerstand der Berber gebrochen und der Maghreb unterworfen. Schon 711 wurde das Westgotenreich in Spanien erobert und erfolgten Raubzüge in das Frankenreich bis an die Loire und nach Burgund. Die Vorstöße ins Frankenreich wurden aber 732 von Karl Martell, dem karolingischen Herrscher aufgehalten. In den nächsten Jahrzehnten wurden die Muslime über die Pyrenäen nach Süden abgedrängt. Auch Byzanz konnte trotz mehrerer Feldzüge und den Belagerungen von Konstantinopel (668 - 669, 674 - 678, 717 - 718) nicht entscheidend geschlagen werden. Ebenso blieben mehrere Feldzüge gegen die Chasaren nördlich des Kaukasus weitgehend erfolglos.

Ende der Dynastie

Seit 718 hatten sich unterdessen schiitische, persische und andere muslimische Gruppen um die Abbasiden geschart, den Nachfahren von Muhammads Onkel Abbas. Diese vertraten die These, dass nur Nachkommen des Propheten Muhammad das Amt des Kalifen ausüben konnten. Da die Umayyaden diese verwandtschaftliche Legitimation nicht besaßen, versuchten sie die abbasidische Propaganda zu unterbinden. Dennoch gelang in den vierziger Jahren des 8. Jahrhunderts die Unterwanderung des Kalifats durch die Anhänger der Abbasiden als unter den Umayyaden heftige Machtkämpfe ausbrachen. Außerdem wurde die herrschende Dynastie zunehmend durch heftige Rivalitäten zwischen den arabischen Stammesfraktionen geschwächt. Der 747 im Ostiran ausbrechenden Aufstand des Abu Muslim konnte von den Umayyaden deshalb nicht mehr erfolgreich bekämpft werden. 750 wurden diese unter Marwan II. von den Abbasiden im Nordirak am Großen Zab vernichtend geschlagen. In der Folgzeit wurde die Sippe der Umayyaden von den Abbasiden ausgerottet.

Emirat und Kalifat von Córdoba

Einem Umayyadenprinzen gelang aber die Flucht in den Maghreb und nach Andalusien wo er 756 als Abd ar-Rahman I. das Emirat von Córdoba errichtet. 929 erhob sich Abd ar-Rahman III. zum Kalifen. Das Kalifat von Córdoba hatte bis zum Jahr 1031 Bestand. Mit dessen Ende erlosch die Dynastie der Umayyaden endgültig.

Herrscher der Umayyaden

Literatur


- Ulrich, Haarmann; Geschichte der Arabischen Welt, C.H. Beck München, 2001
- Gernot Rotter; Die Umayyaden und der zweite Bürgerkrieg, Wiesbaden 1982
- Stephan und Nandy Ronart; Lexikon der Arabischen Welt, Artemis Verlag, 1972
- Der Islam I., Fischer Weltgeschichte Band 14, Fischer Verlag, 1968
- Saunders, John Joseph; A history of Medieval Islam (engl. Ausgabe),ISBN 0-415-05914-3, Barnes & Noble London, 1965, 1990
- Wellhausen Julius; Das Arabische Reich und sein Sturz, Berlin, 1960 ---- kategorie:Islam kategorie:Dynastie kategorie:arabische Geschichte ja:ウマイヤ朝

Muawiya I.

Muˁāwiya I. (‎) (
- 603 in Mekka; † 18. April 680 in Damaskus) war der erste Kalif der Umayyaden (661-680) und Begründer dieser Dynastie. Er gilt als einer der bedeutendsten Herrscher der arabischen Geschichte.

Muawiya als Statthalter von Syrien (639-661)

Muawiya ibn Abi Sufyan wurde 603 als Mitglied der einflussreichen Sippe der Umayyaden in Mekka geboren. Sein Vater Abu Sufyan war der Führer der Quraisch gegen den Propheten Mohammed. Muawiya diente nach seinem Übertritt zum Islam (630) Mohammed als Sekretär. Später nahm er an der Eroberung von Syrien teil und wurde 639 vom Kalif Umar ibn al-Chattab zum Statthalter dieser Provinz ernannt. Als solcher organisierte er den Aufbau einer muslimischen Flotte im Mittelmeer, mit der die byzantinische Flotte 645 erstmals vor Lykien besiegt werden konnte. 652 konnte er auch durch Anatolien bis zum Bosporus vorstoßen. Nach der Ermordung von Kalif Uthman ibn Affan (656) schlossen sich dessen Anhänger teilweise Muawiya an. Dieser erkannte den neu gewählten Kalifen Ali ibn Abi Talib (656-661) nicht an, dem er vorwarf an der Ermordung seines Vorgängers mitverantwortlich zu sein. Die Auseinandersetzungen gipfelten in der Schlacht von Siffin, die aber zu keiner Entscheidung führte, als sich Ali auf Verhandlungen einließ. Die darauf folgende Spaltung der Partei Alis (Schia) stärkte die Position Muawiyas, so dass er nach der Ermordung Alis (661) von allen Muslimen als Kalif anerkannt wurde.

Muawiya als Kalif (661-680)

Muawiya begann mit der Sicherung der Herrschaft der Umayyaden. So wurde Hassan ibn Ali, der älteste Sohn von Ali durch Pensionen zum Verzicht auf seine Herrschaftsansprüche bewegt. Auch wurde das Reich mit Hilfe von Amr ibn al-As in Ägypten und Ziyad ibn Ali im Irak reorganisiert. Dabei wurde in den verschiedenen Reichsteilen auf die noch vorhanden byzantinischen und persischen Verwaltungsstrukturen zurückgegriffen. Neue Hauptstadt des Kalifats wurde Damaskus, womit Medina endgültig seine politische Bedeutung verlor. Muawiya propagierte die Erblichkeit des Kalifenamts. So designierte er schon 669 seinen Sohn Yazid zum Thronfolger. Allerdings gelang es den Umayyaden bis zu ihrem Untergang nicht, ihrer Herrschaft eine religiöse Legitimation zu verleihen. Unter der Herrschaft Muawiyas wurde die Expansion durch die Muslime wieder aufgenommen. So begann unter Uqba ibn Nafi die Unterwerfung des Maghreb. Auch die Eroberung des Ostiran wurde weitergeführt. Der Gouverneur von Zypern schloß einen Vertrag mit dem Kalifen, der ihm gegen regelmäßige Tributzahlungen den Frieden sicherte. Allerdings scheiterte mit den erfolglosen Belagerungen von Konstantinopel (668-669 und 674-678) die Eroberung von Byzanz, auch wenn dieses in der Folgezeit den Muslimen Tribute entrichtete. Muawiya I. starb am 18. April 680 in Damaskus, wo er auch bestattet wurde. Er gilt als einer der bedeutendsten Herrscher der arabischen Geschichte.

Literatur


- Ulrich Haarmann: Geschichte der Arabischen Welt. 4. Auflage. C.H. Beck, München 2001, ISBN 3-406-47486-1
- Gernot Rotter: Die Umayyaden und der zweite Bürgerkrieg. Steiner, Wiesbaden 1982, ISBN 3-515-02913-3 Kategorie:Mann Kategorie:Person des Islam Kategorie:Geboren 603 Kategorie:Gestorben 680 ja:ムアーウィヤ ms:Muawiyah bin Abu Sufyan

Syrien

Die Arabische Republik Syrien ( al-Dschumhūriyya al-ʿarabiyya as-sūriyya) ist ein autoritär geführter Staat in Vorderasien. Sie grenzt an Israel, den Libanon, die Türkei, den Irak, Jordanien und das Mittelmeer. Syrien kommt von "sūrī" und heißt übersetzt etwa "Land der Rosen". Nach der syrischen Hauptstadt Damaskus ist auch die in der Parfümherstellung verwendete Damaszenerrose benannt. Eine andere Meinung zu der Namensableitung ist die nach dem alten Reich Assyrien, dessen Kern aber in Mesopotamien lag.

Geografie

Landschaft und Wüsten

Syrien erreicht auf etwa 150 Kilometer die Ostküste des Mittelmeeres, direkt nördlich des kleinen Staates Libanon. Entlang dieser Küste erstreckt sich eine schmale Ebene. Parallel zu ihr verläuft - in etwa 20 km Abstand zur Küste - das Alawiten-Gebirge, dessen Ostabhang steil zur fruchtbaren Orontes-Ebene abfällt. Eine von Norden nach Süden verlaufende Gebirgskette trennt das Orontes-Tal von der syrischen Hochebene. Diese wird weiter südlich vom Antilibanon-Gebirge mit dem 2.814 Meter hohen, mit Schnee bedeckten Gipfel des Hermon (arab.: , Dschabal asch-Schaich) gegen Westen abgeschirmt. Hier entspringen kleinere Flüsse, die das ganze Jahr über Wasser führen und Oasenbildung ermöglichen; darunter der Barada, der die Damaskus umgebende Oase Ghuta bewässert. Auf der Hochebene im Osten und Südosten Syriens dehnt sich die Syrische Wüste, die in ihrem Zentrum von kleineren Hügelketten unterbrochen wird und allmählich gegen die Euphratsenke abfällt. Im Nordosten Syriens durchschneidet der Euphrat die Nordausläufer der Wüste Shamiyah; an sie schließt sich eine fruchtbare Ebene, die Dschezire, an. Im Südosten erhebt sich das vulkanische Massiv des Hauran mit dem Dschabal ad-Druz (Jabal ad Duruz, 1.735 Meter) als Mittelpunkt und der westlich gelegenen Hauran-Ebene. Die bedeutendsten Flüsse Syriens sind der Euphrat (676 Kilometer) und der Orontes (325 Kilometer).

Klima

Das Klima ist subtropisch, trocken und warm. Im Osten herrscht heißes, trockenes kontinentales Steppen- und Wüstenklima mit einem durchschnittlichen Jahresniederschlag unter 150 Millimeter. Im Westen an der Küste ist Mittelmeerklima mit einem durchschnittlichen Jahresniederschlag von 600 bis 800 Millimeter.

Städte

Die größten Städte sind (Stand 1. Januar 2005): Aleppo 2.139.714 Einwohner, Damaskus 1.576.797 Einwohner, Homs 735.871 Einwohner, Latakia 431.606 Einwohner und Hama 348.862 Einwohner.
- Siehe auch: Liste der Städte in Syrien

Tier- und Pflanzenwelt

Die Tier- und Pflanzenwelt Syriens ist durch die jahrtausendelange Besiedelung des Landes stark verarmt. Außer Nutztieren gibt es keine größeren Säugetiere mehr. Selbst Dromedare findet man heute kaum noch. Lediglich die Vogelwelt ist noch vielfältig. 354 Vogelarten wurden in Syrien dokumentiert. Syrien ist ein wichtiges Durchzugsland für Zugvögel. Bemerkenswert sind erst im Jahre 2002 in Syrien wiederentdeckte Waldrappen, die zu den gefährdetsten Vogelarten überhaupt zählen. Die natürliche Pflanzenwelt ist durch Abholzung und Überweidung schon seit dem Altertum stark degradiert. Wald findet man kaum noch im Lande. Die Aleppokiefer und die Libanonzeder kommen noch in Restbeständen vor. Dagegen sind Öl- und Feigenbäume häufig angepflanzt zu finden.

Bevölkerung

Feigenbäume Die mehrheitsbevölkerung in syrien bilden araber , zweitgrößte volksgruppe bilden die kurden , laut angeblich syrischen geheimdokumenten , sollen bei der letzen volkszählung 1999 2,8 millioen in syrien gelebt haben , daneben leben noch armenier und assyrer im land Etwa 89 % der Bevölkerung sind sunnitische Muslime; rund 3 % sind Alawiten, 2 % sind Drusen und gut 1 % sind schiitische Ismaeliten oder seltener Imamiten; etwa 6 % sind Christen verschiedener Konfessionen. Die meisten sind syrisch-orthodox, die Maroniten etwas über 2 %, nämlich rund 424.000.
- [http://www.catholic-hierarchy.org/country/scsy1.html] Andere bekennen sich zur Armenische Apostolischen Kirche und der mit Rom unierten Syrisch-Katholische und Griechisch-Katholoischen Kirchen. Gläubige der alten apostolischen Kirche des Ostens und der Assyrischen Kirche des Ostens zählen um die 30.000 und leben Hauptsächlich um den Fluss Khabur im mesopotamischen Teil Syriens. Die wenigen Hundert noch in Syrien verbliebenen Juden leben überwiegend in den Städten, erwähnenswert ist auch die 12.000 starke yezidische gemeinde. Daneben gibt es zahlreiche arabisch-sprachige Flüchtlinge: 482.000; davon 476.000 Palästinenser und 170.000 Binnenflüchtlinge (Ende 2002) sowie ca. 40.000 chaldo-asssyrische Flüchtlinge aus dem Irak. Die Bevölkerung Syriens ist im Laufe des 20. Jahrhunderts sehr stark gewachsen. Nach dem 1. Weltkrieg betrug die Bevölkerung wohl nicht viel mehr als 1.500.000 Menschen. Um 1970 war sie dann auch auf rund 6.000.000, etwa das vierfache, angewachsen. Heute ist sie mit 18.000.000 etwa zwölf mal so groß wie nach dem 1. Weltkrieg. Auffällig ist auch, dass es mehr als 15 Millionen Syrer außerhalb Syriens gibt. Dies ist zum Vergleich zu der Einwohnerzahl eine enorm hohe Zahl.

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Syriens

Von den Anfängen bis zur Unabhängigkeit 1946

Syrien wurde nacheinander von den Kanaanäern, Hurritern, Phöniziern, Hebräern, Aramäern, Assyrern, Babyloniern, Persern, Griechen und Nabatäern beherrscht, ehe es 64 v. Chr. römische Provinz wurde. 395 fiel es ans Byzantinische Reich. Im 7. Jahrhundert wurde das Gebiet von den Arabern erobert (Eroberung Damaskus' im Jahre 635). Unter den Umayyaden war Damaskus von 661 bis 750 Sitz des Kalifen. Nach der Eroberung durch die Mamluken 1260 und den Kreuzzügen wurde es schließlich 1517 Teil des Osmanischen Reichs. 1920 errichtete König Faisal, der dritte Sohn des Scherifen von Mekka ein unabhängiges arabisches Königreich Syrien, dessen Grenzen größtenteils auf das Sykes-Picot-Abkommen von 1916 zurückgingen. Bereits wenige Monate später wurde er von Frankreich gestürzt. Französische Truppen besetzten das Land, und der Völkerbund stellte Syrien und den Libanon gemäß der Konferenz von San Remo unter französisches Mandat. Ursprünglich wollte Frankreich keinen geeinten syrischen Staat, sondern beabsichtigte eine Aufteilung in vier Staaten mit eigener Regierung, wobei religiöse und konfessionelle Gesichtspunkte eine Rolle spielen sollten. Diese Absichten lösten Mitte 1925 einen Aufstand der Drusen aus, worauf Frankreich mit Bombardierungen reagierte. Der wachsende innere und auch äußere Druck (seitens Großbritanniens) führten schließlich dazu, dass zunächst die Gebiete um Damaskus und Aleppo zum Staat Syrien zusammengeschlossen wurden. Neben der Zulassung von politischen Parteien wurde auch eine Verfassung ausgearbeitet. 1937 kamen die Gebiete um Latakia und der Drusenstaat zum Staatsgebiet hinzu. In Anlehnung an das Abkommen zwischen dem Irak und Großbritannien von 1922 wurde 1936 ein Vertrag mit Frankreich geschlossen, in dem die Unabhängigkeit Syriens in Aussicht gestellt wurde. Dieser Vertrag wurde von Frankreich allerdings nicht ratifiziert. 1939 trat Frankreich das Gebiet um Alexandrette an die Türkei ab - offenbar, um die Türkei als Verbündeten im Zweiten Weltkrieg zu gewinnen. Nachdem Paris von deutschen Truppen besetzt worden war und die französische Verwaltung sich auf die Seite des Vichy-Regimes unter Marschall Pétain geschlagen hatte, marschierten "freifranzösische" Truppen in Syrien ein. Im Auftrag Charles de Gaulles wurde das Mandat für beendet und Syrien 1944 für unabhängig erklärt. Es folgte später die Anerkennung durch die Sowjetunion, die Vereinigten Staaten und Großbritannien. 1945 wurde Syrien Gründungsmitglied der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga. Frankreich war jedoch immer noch militärisch präsent, was zu antifranzösischen Demonstrationen führte und in der französischen Bombardierung von Damaskus gipfelte. Nachdem der britische Premierminister Winston Churchill mit der Entsendung von Truppen gedroht und die Vereinten Nationen Frankreich zum Rückzug aufgefordert hatten, lenkte Frankreich ein: bis zum 17. April 1946 hatten die letzten französischen Truppen das Land verlassen.

Die Syrische Arabische Republik

Am 17. April 1946 wird die Syrische Arabische Republik ( al-dschumhūriyya al-ʿarabiyya as-sūriyya) ausgerufen. Seither ist der 17. April syrischer Nationalfeiertag. Die ersten Jahre der jungen Republik sind durch politische Instabilität und Regierungskrisen gekennzeichnet. Dazu trägt auch die Niederlage im ersten Palästinakrieg 1948 bei. Der Aufstieg des Panarabisten Gamal Abdel Nassers in Ägypten nährt auch in Syrien Hoffnungen auf die Schaffung eines gemeinsamen arabischen Staats. Im Vorfeld des Sueskriegs bilden beide Länder ein gemeinsames Oberkommando; nach schweren Spannungen zwischen der Ba'ath-Partei und der Kommunistischen Partei wird aus Furcht einer kommunistischen Machtübernahme eine Delegation nach Ägypten entsendet, wo die Vereinigung der beiden Staaten beschlossen wird. Am 1. Februar 1958 wird der Zusammenschluss Ägyptens und Syriens zur Vereinigten Arabischen Republik (VAR) bekanntgegeben. Da von Anfang an die ägyptische Seite dominiert und die wichtigsten Politikbereiche bestimmt, wächst die Unzufriedenheit in Syrien. Hinzu treten wirtschaftliche Probleme. Ein Putsch syrischer Offiziere im September 1961 bedeutet schließlich das Ende der Vereinigten Arabischen Republik. Nach einem weiteren Putsch im Mai 1963 erlangt die Ba'ath-Partei zum ersten Mal die Macht in Syrien, die jedoch weiterhin zerstritten ist. Nach dem verlorenen Sechs-Tage-Krieg gegen Israel im Juni 1967 und dem Verlust des Golans folgt eine Phase, die von allgemeiner Niedergeschlagenheit gekennzeichnet ist.

Hafiz al-Assad

Aus den jahrelangen Machtkämpfen innerhalb der Ba'ath-Partei tritt am 16. November 1970 schließlich Hafiz al-Assad als Sieger hervor. Assad, unter Salah Dschadid noch Verteidigungsminister, lässt den Altpräsidenten und einige seiner Anhänger verhaften, nachdem er selbst einst aus politischen Gründen einige Zeit im Gefängnis verbringen musste. 1971 lässt er sich mit 99,2 Prozent der Stimmen (ohne Gegenkandidaten) zum Staatspräsidenten wählen; im selben Jahr wird er Generalsekretär der Ba'ath-Partei. 1973 wird eine neue Verfassung verabschiedet, in der die Position des Staatspräsidenten weiter aufgewertet wird. Des weiteren soll die Schari'a fortan eine der Hauptgrundlagen der Gesetzgebung sein. Außerdem wird festgelegt, dass der Staatspräsident Muslim sein muss, um die Sunniten zu beruhigen, denen die Alawiten, zu denen auch al-Assad gehört, zu mächtig geworden waren. Im Oktoberkrieg von 1973 gelingt es der syrischen Armee, einen kleinen Teil der von Israel besetzten Golanhöhen zurückzuerobern. Ein Kennzeichen von Assads Politik ist die Unterdrückung der islamistischen Opposition. Es kommt unter anderem zu Terroranschlägen, die auf das Konto der Muslimbrüder gehen. Nach einem weiteren Anschlag in der Militärakademie 1979, dem 50 alawitische Kadetten zum Opfer fallen, geht die Regierung verschärft gegen die Muslimbrüder vor. Zu einem folgenschweren Aufstand, wiederum von Muslimbrüdern initiiert, kommt es im Februar 1982 in der mittelsyrischen Stadt Hama. Die Armee greift mit Panzern und Luftwaffe ein, es kommt zu heftigen Kämpfen, in deren Verlauf große Teile der Altstadt zerstört werden. Etwa 1.000 Soldaten und zwischen 10.000 und 30.000 Zivilisten verlieren ihr Leben (Siehe Demozid). Der Niederschlagung des Aufstands folgt eine umfangreiche Verhaftungswelle, die der fundamentalistischen Opposition das Rückgrat bricht. In der Folge ist al-Asads Machtposition sehr stark und kaum gefährdet. 1994 kommt Assads ältester Sohn Basil, der sein Nachfolger werden sollte, bei einem Autounfall in der Nähe des Flughafens von Damaskus ums Leben.

Baschschār al-Assad

Nach dem Tod des syrischen Präsidenten Hafiz al-Assad am 10. Juni 2000 wird am 10. Juli 2000 sein zweitjüngster Sohn Baschschār al-Assad mit einer Mehrheit von 97,29 % (offizielles W